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Veröffentlicht am 03.09.2025

Crazy American Story

Wedding People (deutsche Ausgabe)
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Zum Schreibstil:
Ich musste mich hier echt erst ein wenig einlesen. Und das lag nicht nur daran, dass im Präsens geschrieben wurde, sondern vor allem auch daran, dass ich mich mit Phoebe erst anfreunden ...

Zum Schreibstil:
Ich musste mich hier echt erst ein wenig einlesen. Und das lag nicht nur daran, dass im Präsens geschrieben wurde, sondern vor allem auch daran, dass ich mich mit Phoebe erst anfreunden musste und (und das gehört für mich auch immer zum Schreibstil) die sehr vergangenheitslastige Erzählweise hat mich unheimlich darin gebremst, mich einzufühlen. Dazu kamen auch im späteren Erzählverlauf immer wieder längere Erzählpassagen, die nicht so richtig vorankamen.
Ansonsten ist der Schreibstil eher humoristisch, aber auch trocken und oft dramatisch, ohne dies auf einem Grundlevel zu halten. Ich war deshalb oft einfach irritiert und konnte nicht so richtig mit dem Flow gehen. Der Humor konnte dafür aber gut die eher depressive Anfangsstimmung von Phoebe ausgleichen.

Zur Geschichte allgemein:
Phoebe war für mich echt kein leichter Charakter. Einfach, weil ich mich so komplett gar nicht mit ihr identifizieren konnte. Sie lässt sich komplett hängen, macht alles von anderen abhängig von zeigt anfangs das Gegenteil von Optimismus. Man erfährt außerdem erst etwas später, weshalb sie so drauf ist, was natürlich erstmal viel Unverständnis erzeugt. Aufklärung gibt es über die Rückblicke, die aber gerade anfangs sehr große Teile der Geschichte einnehmen und den Eindruck bestätigen, dass Phoebe eher in der Vergangenheit lebt als in der Gegenwart.

Erst nach circa 100 Seiten nimmt das Buch so richtig Fahrt auf. Es wird wild und crazy. Denn auf der Hochzeit läuft plötzlich alles gar nicht mehr so wie geplant und Phoebe ist mittendrin. Schön war, wie Lila und Phoebe sich ergänzen. Wie sie voneinander lernen und beide nach und nach in ihrem Charakter reifen. Umso enttäuschender war es dann, als Phoebe doch wieder Rückschritte macht. Man weiß während der ganzen Handlung also praktisch nie, woran man ist. Selbst das Hochzeitspaar wird in Frage gestellt. Erzähltheoretisch war das super. Es passierten immer wieder unerwartete Dinge, alle müssen sich fragen, was sie wirklich wollen und die Charaktere der Figuren kamen immer mehr zum Vorschein. Was dabei aber vergessen wird, ist, dass Phoebe sich anfangs suizidieren will und es danach wenig bis gar nicht mehr thematisiert wird. Das finde ich schon eher problematisch, da es statistisch gesehen doch sehr unwahrscheinlich ist, dass ein Mensch das so ohne weiteres, nur durch eine wilde Hochzeit, vergisst bzw. überwinden kann.

Auch, wenn das Thema und auch Phoebes Depressionen eher schwach thematisiert wurden, haben die Figuren dennoch bewiesen, dass sie auch tiefgründigere Gespräche führen konnten. Durch die durchwachsene Hochzeitsgesellschaft kamen immer wieder ganz unterschiedliche Leute dazu, miteinander zu reden und bringen immer mehr Facetten in Phoebes wie auch Lilas Perspektive. Das mochte ich ganz gerne und hat einen guten Ausgleich zu den eher lustigen Handlungselementen geschaffen. Es passierte aber auch nicht selten, dass die Dialoge ins schräge umschwenkten und es auf einmal komisch wurde, zu lesen oder auch einfach lang. Einiges hätte man an solchen Stellen definitiv noch kürzen können, während Phoebes Ausarbeitung noch ein paar Seiten mehr gebraucht hätte.

Ganz allgemein kann man dann vielleicht noch sagen, dass dies definitiv eine sehr konstruierte Geschichte ist. Ein Aufeinandertreffen von Figuren, die normalerweise eher nicht miteinander reden würden, Situationen, die wohl eher nicht gehäuft auftreten und eine Hochzeit, die vlt. im realen Leben schon längst abgesagt worden wäre. Damit muss man umgehen können:)

Fazit:
Das Buch konnte mich leider nicht wirklich überzeugen. Der Schreibstil wirkte auf mich oft sperrig, da die stark vergangenheitsorientierten Passagen den Lesefluss bremsten und der humoristisch-trockene Tonfall nicht immer stimmig wirkte. Auch Phoebe als Hauptfigur blieb mir lange fremd und schwer zugänglich, was das Einfühlen deutlich erschwerte. Zwar nahm die Handlung ab einem gewissen Punkt Fahrt auf und bot einige überraschende Wendungen sowie spannende Charakterentwicklungen, doch die schwache und stellenweise problematische Thematisierung von Phoebes Depressionen hinterließ einen faden Beigeschmack. Insgesamt wirkte die Geschichte zu konstruiert und unausgewogen, sodass die positiven Momente leider nicht genug Gewicht hatten.

2 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Bookish Setting

Beneath Broken Skies
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Auf den ersten Blick ist Beneath Broken Skies eine Office-Romance mit einem Hauch Enemies-to-Lovers – auf den zweiten Blick eine leise, melancholische Geschichte über Vergangenheit, Verlust und die Frage, ...

Auf den ersten Blick ist Beneath Broken Skies eine Office-Romance mit einem Hauch Enemies-to-Lovers – auf den zweiten Blick eine leise, melancholische Geschichte über Vergangenheit, Verlust und die Frage, wie viel Nähe man zulassen kann, wenn man gelernt hat, sich zu schützen.

Madelyn, genannt Maddie, war für mich eine sehr nachvollziehbare Protagonistin. Sie ist ruhig, kontrolliert, professionell – aber unter dieser Fassade brodelt viel. Ihre Geschichte ist geprägt von Verlust, Zurückweisung und der ständigen Angst, (wieder) verletzt zu werden. Nur ihr Großvater scheint ein wirklicher Anker in ihrem Leben zu sein. Der Rest? Mauer hoch, Blick geradeaus. Bis Wes wieder auftaucht – ihr Jugendschwarm, ihre alte Wunde.

Wesley Knight wirkt auf den ersten Blick wie der typische Bookboyfriend-Material-Chef – aber seine Geschichte bringt Brüche und Widersprüche mit sich. Er wollte nie in die Fußstapfen seiner Familie treten, doch nachdem sein Bruder Adam plötzlich verschwunden ist, bleibt ihm nichts anderes übrig. Sein Verhalten gegenüber Maddie ist ambivalent: mal charmant, mal verschlossen – was nachvollziehbar ist, aber oft auch frustrierend. Gerade weil zwischen den beiden eine gemeinsame Vergangenheit steht, die ständig angedeutet, aber nie ganz aufgelöst wird. Mich hat es ehrlich gesagt ziemlich schnell genervt, wie die beiden umeinander herumtanzen, ohne wirkliche Gründe für diese Zurückhaltung zu haben.

Was mich wirklich begeistert hat, war dagegen das Setting. Ein Roman, der in der Welt eines Buchverlags spielt? Yes, please! Die Einblicke in die Herstellung, die Leidenschaft für Bücher, Cover, Papier, Veredelung – das war ein absolutes Highlight und ein echtes Fest für Booknerds.

Was mich dagegen nicht ganz überzeugt hat, war die Liebesgeschichte. Zwischen Maddie und Wes hat mir oft der Funke gefehlt. Vieles blieb unausgesprochen, Konflikte wurden eher umkreist als gelöst, und die Entwicklung ihrer Beziehung fühlte sich manchmal mehr wie eine Notwendigkeit als wie eine natürliche Dynamik an. Die Chemie war da, aber nicht spürbar genug für mich.

Der Stil von Anna Savas ist wie gewohnt flüssig, emotional und angenehm zu lesen – besonders in den introspektiven Momenten der Figuren. Dennoch hatte das Buch für mich einige Längen. Gerade im Mittelteil fehlte mir die Handlung, und ich hatte das Gefühl, die Story tritt auf der Stelle. Auch das große Geheimnis rund um Adam wurde immer wieder angedeutet, aber nie wirklich aufgelöst – was eher frustrierte, als Spannung zu erzeugen. Vor allem, weil es bereits im Prolog angesprochen wurde und so wirklich früh Teil meiner Überlegungen war.

Und ja, dann kam dieser Cliffhanger. Ich will nicht spoilern – aber sagen wir so: Er kam überraschend und hat mich emotional ein bisschen kalt erwischt, weil mir dafür die Tiefe der Beziehung vorher gefehlt hat. Trotzdem: Ich muss wissen, wie es weitergeht. Band 2 wird also definitiv gelesen.

Fazit:
Beneath Broken Skies ist ein leises, atmosphärisches Buch mit großem Booklover-Herz, aber auch mit Schwächen in der Plotentwicklung und Figurenzeichnung. Die Liebesgeschichte konnte mich emotional nicht ganz abholen, das Setting jedoch umso mehr. Wer sich für Bücher über Bücher begeistert und eine ruhige Romance mit viel Tiefe mag, der könnte es aber sehr mögen.

3 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Einfach & unterhaltsam

The Half King
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Ich wusste erstmal so gar nicht, was ich von dem Buch erwarten konnte und habe dann erstmal Cerise kennengelernt, die auf den ersten Blick recht schüchtern und unscheinbar wirkte. Erst war ich mir sogar ...

Ich wusste erstmal so gar nicht, was ich von dem Buch erwarten konnte und habe dann erstmal Cerise kennengelernt, die auf den ersten Blick recht schüchtern und unscheinbar wirkte. Erst war ich mir sogar gar nicht sicher, ob sie nicht noch ein Kind ist. Dann aber nimmt die Geschichte durch einen Ortswechsel schnell Fahrt auf und Cerise zeigt, wie intelligent und auch selbstanpackend sie ist. Denn sie gibt sich nicht damit zufrieden, dass der Hof quasi eingeschlafen zu sein scheint, sondern sucht sich ihre Aufgaben. Entdeckt Geheimnisse und versucht, diese zu lösen. Dadurch wurde die Story schnell wesentlich komplexer und hat mich immer tiefer reingezogen, sodass ich ins Miträtseln geriet.

Ganz spannend war für mich die Magie bzw. die Flüche hinter dieser Welt. Ganz allgemein der Aufbau ebenso. Dass es vier Blutlinien gibt, die je einen Fluch abbekommen haben, der viel Leid über die Völker bringt und dass es dann noch die Priester gibt, die Magie ausüben können. Hatte ich so jetzt noch nicht gelesen und fand ich ganz interessant, weil selten alle in einem Boot sitzen, was die Auflösung eines Geheimnisses angeht. Allerdings ist das vielleicht auch nicht ganz richtig… und vielleicht gibt es da auch noch etwas mehr, was im Hintergrund passiert. Und genau das, macht die Geschichte dann besonders gut! Es war unheimlich spannend zu lesen, wie nach und nach Dinge aufgedeckt wurden, von denen man gar nichts ahnte, während die Handlung trotzdem ihren Verlauf so nahm, wie man es irgendwie erwartete, weshalb man in seinen Vermutungen bestätigt wurde. Ein Erfolg beim Miträtseln:) Einfach eine gelungene Mischung.

Hauptaspekt des Buches ist, wie bei Fantasyromanen oft üblich, eine Reise, bei der mehrere verschiedene Personen zusammenarbeiten müssen, um etwas aufzuklären. Das war total spannend gestaltet, weil Cerise auf dieser Reise eine große Entwicklung durchmacht. Sie lernt sich und ihre Kräfte besser kennen und macht nebenbei noch Entdeckungen, die ganz anders spannend sind. Ich mochte es wirklich sehr, wie sie einerseits ihren Glauben gelernt hat jederzeit zu erhalten, gleichzeitig aber darüber hinaus denkt und Fragen stellt. Sie ist nicht naiv, sondern neugierig und mutig und das machte es für mich sehr angenehm, von ihr als Hauptprotagonistin zu lesen.

Und dann gibt es da noch den Halbkönig, der sich schnell zum Love Interest entwickelt. Was mich hier etwas überrascht hat: die beiden sind schnell auf einem intimen Level, auf dem sie ihre Geheimnisse und Bedenken miteinander teilen. Für einige vielleicht zu schnell, für mich passte es, weil die Aussicht darauf, dass man vielleicht bald sterben könnte, einige Lovestories ja doch etwas vorantreibt:) Jedenfalls war es sehr angenehm, dass sie sich nichts vorspielen, sondern eine eher erwachsene Beziehung zueinander eingehen, der auf das übliche Drama verzichtet. So passte die Lovestory für mich sehr gut zur sonstigen Story, weil sie den Handlungsverlauf ergänzt, aber nicht gebremst hat und der Fokus immer noch auf dem großen Ganzen lag. Ich mochte sie aber sehr gerne zusammen:)

Ein bisschen blass blieben dafür für mich einige zwischenmenschliche Beziehungen zwischen Cerise und den Nebenprotagonist:innen. Zum Beispiel die zu ihrer Schwester oder auch zu ihren Eltern. Ebenso war der Schreibstil manchmal etwas zu steif und hat dadurch ein paar Emotionen liegen lassen. Aber das hat meinem persönlichen Lesevergnügen zum Glück keinen Abbruch getan:)

Fazit:
Ich mochte „The Half King“ total gerne und habe es regelrecht durchgesuchtet. Für mich war es eine erfrischende Mischung aus spannender, flott vorangehender Story, ein bisschen Liebe und vielen Geheimnissen. Ein paar Abzüge kann man beim Schreibstil machen, aber ich war so gebannt von der Geschichte, dass ich dafür keinen Stern abziehen möchte. Bin gespannt, ob und wann es einen Band 2 geben wird!

5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 26.07.2025

Liebte jede Zeile

Boys of Tommen 5: Taming 7
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Wieso diese Bücher so viele Seiten haben (wobei hier sind es nur 480)? Weil die Autorin unheimlich feinfühlig schreibt und die Figuren sehr sehr authentisch rüberbringt. Es braucht zwar ein paar Worte ...

Wieso diese Bücher so viele Seiten haben (wobei hier sind es nur 480)? Weil die Autorin unheimlich feinfühlig schreibt und die Figuren sehr sehr authentisch rüberbringt. Es braucht zwar ein paar Worte mehr, aber dafür bekommen wir Leser:innen einen genauen Einblick in die Köpfe der beiden Protagonist:innen. Auch ihre Gefühle werden für uns spürbar in jedem Detail. Noch dazu gibt die Autorin ihren Nebenprotagonisten viel Raum und lässt die Freundesgruppe zu einer festen Instanz werden, die zusammen wächst und Probleme überwindet. Ein tolles Gemeinschaftsgefühl entsteht, in das sich auch Claire und Gerard integrieren und von dessen damit einhergehenden Sicherheitsnetz sie die ganze Zeit umgeben sind. Dieses Buch zu lesen, fühlt sich dadurch einfach unheimlich gut und wohlbehütet und warm an, ganz ohne cozy Kleinstadt-Setting oder Cupcakes oder was auch immer. Und noch dazu sind Claire und Gerard total lustig zusammen. Der Humor, so kindisch und primitiv er auch sein mag, lockerte die Story für mich so oft passend auf, ich konnte gar nicht anders, als weiterzulesen.

Zur Geschichte allgemein:
Keine/r der/die die anderen Bücher gelesen hat, wird noch eine Erklärung brauchen, warum die Geschichte von Claire und Gerard unbedingt lesenswert ist. Für alle anderen aber schreibe ich es gerne nochmal aus: Claire und Gerard, von allen Gibsie genannt, sind seit dem Kindergarten beste Freunde. Noch enger befreundet sind sie, seit Gerards Vater und Schwester bei einem Unglück ums Leben gekommen sind. Seitdem schläft er jede Nacht bei Claire. Ihre Familien sind miteinander verbunden. Es gibt kein Klopfen an Haustüren mehr, kein „geh nach Hause“, kein „wir essen jetzt“, stattdessen einen eigenen Stuhl am Familientisch der anderen Familie. Da ist aber noch mehr, das Gerard beschäftigt. Ein dunkles Geheimnis. Natürlich denkt ihr jetzt:) Aber tatsächlich ist Gibsie immer noch Gibsie und lässt sich davon ganz anders beeinflussen, als man meinen würde.

Das Trope hier ist Best-Friends-to-Lovers, wobei die beiden eigentlich nie einen Hehl daraus machen, dass sie sich lieben. Aber vielleicht nicht körperlich? Jetzt, wo alle um sie herum plötzlich Pärchen sind, müssen sich auch Claire und Gerard damit auseinandersetzen, was sie wirklich füreinander sind. Eine Selbstfindungsreise und eine Zusammensindwirreise beginnt, die vornehmlich Claire vorantreibt, die nichts von Gerards Traumata weiß.
Das Ganze wird unheimlich berührend, mit viel Zeit, Detailverliebtheit und Authentizität erzählt. Obwohl alles so klar scheint, ist es eben doch alles nicht so klar, wenn zwei beste Freunde mehr füreinander sein könnten. Es gab Passagen, da habe ich mich gefragt, ob ich genervt bin von dem Hin und Her, dem Hinauszögern und Abwarten. Tatsächlich war das aber nie der Fall, weil man in den Nuancen erkannte, woran es noch hakt und weil sie trotz allem dennoch immer irgendwie Fortschritte machen.

Das Drumherum hat sehr geholfen, die Geschichte stets lebendig zu halten (plus des Humors. Die Sorgerechtsstreits der beiden sind zum Totlachen XD). Während die beiden nämlich eigentlich genug mit sich selbst und einander zu tun haben, gibt es da noch Lizzie, die regelmäßig die Freundestruppe aufmischt, weil sie Gerard hasst. Und Gerard damit immer wieder in einen Strudel zieht, der ihn ausbremst. Und es gibt natürlich die schönen Momente. Gemeinsame Erlebnisse in der Freundesgruppe, das Kind von Aiofe und Joey und ganz typische Teenagerevents wie ein Schulball.

Am meisten imponiert hat mir an der Geschichte glaube ich, dass hier das „Ich liebe dich“ vom Anfang zum Ende hin doch nochmal ein anderes wurde und das wir auf diese Reise mitgenommen wurden. Denn auch, wenn es eigentlich das Gleiche meinte, so hat man dennoch gemerkt, wie die beiden noch enger zusammengerückt sind und einfach noch eine Schippe draufgelegt haben, was es auch brauchte, um den Absprung zum Paar zu schaffen. Das passierte natürlich nicht einfach so, sondern durch harte Arbeit, bei der Gibsie sehr gefordert war. Sein Trauma wurde aufgearbeitet, seine Ängste ausgegraben und sein Herz freigemacht von all der Last, die ihn jahrelang gequält hat. Wieder hat die Autorin bewiesen, wie eine wirklich schlimme Realität trotzdem Teil einer Liebesgeschichte sein kann, die am Ende zu einem authentischen Happy End wurde.

Ob ich jetzt wie bei den anderen Pärchen lieber noch ein zweites Buch hätte haben wollen? Ich glaube, hier hat es einfach genau so, wie es jetzt war, gepasst, weil die beiden dann im Vergleich doch in sehr stabilen Verhältnissen leben. Waren die Geheimnisse erstmal auf dem Tisch und die Liebe definiert, gab es eigentlich nichts mehr, was die beiden aufhielt. Und so passte es perfekt:) Und auch perfekt für Gerard und Claire, denn eigentlich sind die beiden ein kleines Powerpärchen, das gerne Witze macht und so locker leicht sollte auch ihre Liebesgeschichte sein. Nur kam ihnen die Realität dazwischen:)

Fazit:
Was bleibt am Ende von dieser Geschichte? Ganz viel Herz. Und das Gefühl, dass Freundschaft wirklich ein Fundament sein kann – nicht als Übergangslösung, sondern als stabile, gelebte Verbindung, die auch dann noch trägt, wenn es wackelig wird. Claire und Gerard haben gezeigt, dass Liebe nicht immer aus einem plötzlichen Funken entsteht, sondern manchmal einfach schon längst da ist. Tief verwurzelt, gewachsen zwischen Alltagsmomenten, kindischem Humor und dem Teilen von Schmerz. Ich mochte, dass das Buch sich Zeit nimmt, um sichtbar zu machen, was in einem Menschen tief verankert sein kann, ohne deinem liebsten Menschen bewusst zu sein, und eben dieses vernünftig aufzuarbeiten. Kann einfach nichts bemängeln:)

5 von 5 Sterne von mir.

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Veröffentlicht am 18.06.2025

Second Chance on fleek

Lessons in Forgiving
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Hallo ihr Lieben ❤
was ich für mich herausgefunden habe? Vielleicht ist Second-Chance-Romance einfach nicht so meins. Nicht, weil ich nicht an zweite Chancen glaube – im Gegenteil! Aber manchmal ist der ...

Hallo ihr Lieben ❤
was ich für mich herausgefunden habe? Vielleicht ist Second-Chance-Romance einfach nicht so meins. Nicht, weil ich nicht an zweite Chancen glaube – im Gegenteil! Aber manchmal ist der Weg zurück eher ein Trampelpfad voller Stolpersteine und genau das hat Lessons in Forgiving für mich so emotional (und teilweise auch etwas anstrengend) gemacht.

Schreibstil:
Selina Maes Schreibstil ist wieder einmal locker-leicht und gleichzeitig atmosphärisch dicht. Ich bin nur so durch die Seiten geflogen – und das, obwohl es durch die vielen Rückblenden am Anfang etwas gedauert hat, bis ich richtig in der Geschichte angekommen bin. Die emotionalen Momente kamen oft leise, aber intensiv – was mir gefallen hat. Trotzdem hätte ich mir an ein paar Stellen etwas mehr Tiefe gewünscht, gerade was die Vergangenheit der beiden angeht. Warum sie sich getrennt haben, blieb für mich bis zum Ende ein wenig vage.

Zur Geschichte allgemein:
Im Mittelpunkt stehen Paula und Henry – zwei Figuren, die auf ihre ganz eigene Weise faszinieren. Paula mochte ich sofort: ehrgeizig, schlagfertig, aber auch mit sichtbaren Rissen in ihrer Fassade. Ihre innere Zerrissenheit zwischen Karriere und Gefühl war spürbar und hat mich sehr berührt. Bei Henry habe ich etwas länger gebraucht – anfangs wirkte er fast zu glatt, zu selbstsicher. Doch nach und nach kamen die leisen Töne, sein Blick für Details und seine ehrliche Reue. Das hat ihn für mich zum Bookboyfriend-Material gemacht (zumindest für eine Weile).

Was mir besonders gefallen hat, war der Kontrast zwischen dem College-Alltag und den emotionalen Spannungen zwischen den beiden. Die Themen Fußball, Journalismus, familiäre Erwartungen und Leistungsdruck wurden sensibel eingebaut – ohne überladen zu wirken. Gerade Paulas familiärer Background brachte noch mal eine andere Tiefe in die Geschichte.

Die Chemie zwischen Paula und Henry war… nun ja, nicht explosiv – eher ein zartes Knistern, das sich langsam steigert. Manchmal hätte ich mir etwas mehr Spannung gewünscht, vor allem zu Beginn. Aber die leisen Gesten und tiefgründigen Gespräche gegen Ende haben das wieder wettgemacht. Besonders schön fand ich die Szenen, in denen die beiden ganz im Kleinen verbunden waren – ein Blick, ein Lächeln, ein Gespräch, das hängen blieb.

Die Nebencharaktere waren wieder charmant und vertraut. Ein Highlight war definitiv das Wiedersehen mit Dylan und Athalia – sie gaben der Geschichte einen warmen, humorvollen Rahmen, der für Ausgleich sorgte.

Trotz vieler schöner Momente blieb für mich ein leichtes Gefühl der Unvollständigkeit. Ich konnte Henry nie ganz greifen – manchmal war er mir zu fordernd, zu sehr davon überzeugt, dass Paula ihm noch etwas „schulde“. Auch wenn sich das im Laufe der Handlung verändert, hat das am Anfang einen faden Beigeschmack hinterlassen.

Auch wenn der Schreibstil wieder überzeugt hat, kam mir die Handlung teilweise etwas inhaltsarm vor. Rückblenden nahmen viel Raum ein – und obwohl sie wichtig für das Verständnis waren, habe ich manchmal den Faden verloren. Zudem hätte ich mir etwas mehr emotionale Tiefe in den Schlüsselmomenten gewünscht – oder wenigstens einen klareren Bruchpunkt in ihrer Vergangenheit.

Fazit:
Lessons in Forgiving ist eine gefühlvolle College-Romance über zweite Chancen, alte Wunden und die Schwierigkeit, Vergangenheit und Zukunft in Einklang zu bringen. Paula als Figur hat mich absolut überzeugt – Henry… na ja, hat mich zwischendurch auch ordentlich genervt. Die Geschichte lebt von kleinen, ehrlichen Momenten, atmosphärischem Setting und einem starken Schreibstil. Leider blieb mir die große Emotion stellenweise aus – es war schön, aber nicht überwältigend. Wer ruhige Second-Chance-Stories mit einem Hauch College-Feeling und Tiefgang mag, wird hier aber sicher einige herzerwärmende Szenen finden.

Für mich 3 von 5 Sterne.

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