Charakterentwicklung konnte mich nicht ganz überzeugen
Turning Back to You (»Back to You«-Reihe 4)
Siouxvor ein paar Sekunden
Der Schreibstil:
Die Autorin hat es sehr schön geschafft, tiefe Emotionen vor uns auszubreiten und auf die Nuancen der Gefühle ihrer Protagonisten einzugehen. Zudem fand ich, ...
Siouxvor ein paar Sekunden
Der Schreibstil:
Die Autorin hat es sehr schön geschafft, tiefe Emotionen vor uns auszubreiten und auf die Nuancen der Gefühle ihrer Protagonisten einzugehen. Zudem fand ich, dass es schön war, wie sie die Location beschrieb. Man fühlte sich, als sei man direkt dort. Teilweise wurde es mir nur etwas zu ausufernd. Zu viele Worte für etwas, was man eigentlich kürzer ausdrücken könnte. Dadurch bekam das Buch für mich zusätzlich ein paar Längen.
Zur Geschichte allgemein:
Der Einstieg in die Geschichte geschieht sehr sanft, quasi mit einer längeren Einleitung. Wir lernen Mason und Laura kennen, aber auch nur so halb. Denn alles, was sie detaillierter betrifft, wie ihre aktuellen Gefühle oder ihre Vergangenheit, wird nur angedeutet. Das erzeugt im ersten Moment natürlich Spannung, die wir Leser:innen mit dem Weiterlesen befriedigen wollen. Das Trope Sport Romance ist aber sofort merklich spürbar – also Fans, aufgepasst! Mason dagegen konnte ich nicht so richtig als „Rockstar“ bzw. DJ. zu fassen kriegen. Dafür fehlte mir einfach der Vibe. Es kam nicht so richtig durch, was diese Popularität für ihn bedeutet und wie seine Fans ihn sehen. Stattdessen lag der Fokus eher darauf, dass er mal eine Pause nehmen sollte.
Und damit ist man auch schon bei den Grundzügen des Buches. Beide Figuren werden uns am Anfang nur sehr blass präsentiert. Mason ist ein verschlossener Workaholic, der in der Vergangenheit etwas Tragisches erlebt haben muss. Laura ist ein Adrenalinjunkie auf Skiern, ebenfalls sehr verschlossen und hat noch dazu Schmerzen, die sie aber nicht näher erklärt. Auch sie hat in der Vergangenheit etwas erlebt, das sie nicht erzählen will und ziemlich schnell wird klar, dass es da eine Verbindung zwischen den beiden gibt. Und ebenfalls wird klar, dass es beiden nicht ganz so gut geht.
Der folgende Handlungsablauf ist ein Auf und Ab. Teilweise spannend, weil immer mehr der Vergangenheit offen gelegt wird, teilweise aber auch etwas lang, weil sich Wiederholungen einschleichen und die Figuren oft in alte Verhaltensweisen zurückverfallen. So findet lange Zeit keine wirkliche Entwicklung statt. Mason hat mir da im Vergleich noch besser gefallen. Bei ihm sah man das Bemühen und das Einsehen und er war bereit, an sich zu arbeiten, während man Laura lange Zeit fast gar nicht verstand und sie sich dann eher plötzlich änderte. Das war auf gewisse Art nicht gerade nachvollziehbar und hat mir über Stellen hinweg etwas den Spaß an der Geschichte genommen. Ein Grundproblem dessen ist glaube ich, dass sich beide sehr auf der Vergangenheit ausruhen, von der wir Leser:innen aber die meiste Zeit nichts wissen. Dadurch ist es natürlich schwer nachvollziehbar, warum das so ein großes Ding ist. Lichtblick sind dennoch die anfänglichen Memories, in denen man die Verbindung zwischen Laura und Mason spürt. Aber auch da gilt: Es wird sich drauf ausgeruht. Denn die Gefühle scheinen gesetzt und man bekommt nicht so richtig die Gefühle zu fassen.
Was ich schön fand: In diesem Buch geht es viel um körperliche UND mentale Gesundheit und die Unterschiede dazwischen. Bei beiden Figuren bekommt man das mit und das bringt eine schöne Tiefe und Vielschichtigkeit in die Charaktere. Das habe ich so schön noch nicht so oft gelesen.
Das Tollste für mich an dem Buch waren auf jeden Fall die Freund:innen der beiden. Sie sind super interessant, charakterlich gut voneinander unterscheidbar, haben ihre eigene Geschichte und bekommen viel Platz in dieser Story. Ich habe sie alle lieben gelernt und möchte gerne auch ihre Geschichten lesen. Bezogen auf Mason und Laura würde ich aber sagen, dass sie schon fast zu viel Raum hier einnehmen. Ein wenig mehr Fokus auf die Hauptprotagonisten wäre wahrscheinlich gar nicht schlecht gewesen.
Fazit:
Das Buch hatte definitiv seine Stärken – allen voran der atmosphärische Schreibstil und die tiefgehenden Themen rund um mentale und körperliche Gesundheit. Besonders die Nebencharaktere konnten mich überzeugen, da sie lebendig und vielschichtig dargestellt wurden. Allerdings hatte die Geschichte für mich auch einige Schwächen. Die Hauptfiguren blieben lange blass, ihre Entwicklung war nicht immer nachvollziehbar, und die Handlung zog sich stellenweise durch Wiederholungen in die Länge. Zudem fehlte mir bei Mason der echte Rockstar-Vibe, der ihn als DJ hätte greifbarer machen können. Insgesamt eine solide Geschichte mit berührenden Momenten.
3 von 5 Sterne von mir.