Wer sieht mich?
Mit anderen AugenWer sieht mich?
Was, wenn plötzlich Teile von dir verschwinden? Du unsichtbar wirst?
So ergeht es Tilda. Erst wird der kleine Finger unsichtbar, dann die Nase… Und dann? Was, wenn alles weg ist? Ohne ...
Wer sieht mich?
Was, wenn plötzlich Teile von dir verschwinden? Du unsichtbar wirst?
So ergeht es Tilda. Erst wird der kleine Finger unsichtbar, dann die Nase… Und dann? Was, wenn alles weg ist? Ohne große Umwege, ohne eine lange Vorgeschichte erleben wir, wie es beginnt. Absurd und doch fühlt es sich gleichzeitig erschreckend nachvollziehbar an.
Was zunächst wie ein seltsamer medizinischer Fall wirkt, hier "Morbus Invisibilis" genannt, entwickelt sich für mich schnell zu etwas ganz anderem. Ein Spiegel für unsere Gesellschaft. Etwas, das viele Frauen erleben, dieses langsame Gefühl, übersehen zu werden. Im Alltag, im Job, in Beziehungen. In einer Gesellschaft, die sich oft an die Jugend und Schönheit wendet.
Wir begleiten Tilda dabei, wie sie erst wundert und nicht einordnen kann, dann versteht und schließlich anfängt, dagegen anzukämpfen. Es geht jedoch nicht um große Wendungen, sondern um innere Prozesse. Das Hinterfragen eigener Muster. Das hat für mich stellenweise etwas Inspirierendes, ist mir manchmal aber doch auch etwas zu belehrend.
Einerseits finde ich viele Gedanken absolut stimmig und wichtig. Andererseits wirkt manches auf mich etwas zu glatt, fast ein wenig zu plakativ. Vieles war ein bisschen vorhersehbar.
Doch auch wenn das Thema schwer ist, verliert die Geschichte ihren Humor nicht. Das lockert vieles auf. Trotzdem hat mich das Buch nicht komplett gepackt. Es liest sich flüssig und ist durchaus unterhaltsam, aber der Funke ist bei mir nicht ganz übergesprungen. Vielleicht, weil mir an manchen Stellen die Tiefe fehlt.
Dennoch bleibt es für mich eine spannende Idee. Die Unsichtbarkeit als Metapher für gesellschaftliche Strukturen und Selbstwahrnehmung.
ISBN: 978-3257073836
Autorin: Jane Tara
Verlag: Diogenes
ET: 22.04.26
Umfang: 496 Seiten