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Veröffentlicht am 24.04.2026

Wer sieht mich?

Mit anderen Augen
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Wer sieht mich?

Was, wenn plötzlich Teile von dir verschwinden? Du unsichtbar wirst?

So ergeht es Tilda. Erst wird der kleine Finger unsichtbar, dann die Nase… Und dann? Was, wenn alles weg ist? Ohne ...

Wer sieht mich?

Was, wenn plötzlich Teile von dir verschwinden? Du unsichtbar wirst?

So ergeht es Tilda. Erst wird der kleine Finger unsichtbar, dann die Nase… Und dann? Was, wenn alles weg ist? Ohne große Umwege, ohne eine lange Vorgeschichte erleben wir, wie es beginnt. Absurd und doch fühlt es sich gleichzeitig erschreckend nachvollziehbar an.

Was zunächst wie ein seltsamer medizinischer Fall wirkt, hier "Morbus Invisibilis" genannt, entwickelt sich für mich schnell zu etwas ganz anderem. Ein Spiegel für unsere Gesellschaft. Etwas, das viele Frauen erleben, dieses langsame Gefühl, übersehen zu werden. Im Alltag, im Job, in Beziehungen. In einer Gesellschaft, die sich oft an die Jugend und Schönheit wendet.

Wir begleiten Tilda dabei, wie sie erst wundert und nicht einordnen kann, dann versteht und schließlich anfängt, dagegen anzukämpfen. Es geht jedoch nicht um große Wendungen, sondern um innere Prozesse. Das Hinterfragen eigener Muster. Das hat für mich stellenweise etwas Inspirierendes, ist mir manchmal aber doch auch etwas zu belehrend.

Einerseits finde ich viele Gedanken absolut stimmig und wichtig. Andererseits wirkt manches auf mich etwas zu glatt, fast ein wenig zu plakativ. Vieles war ein bisschen vorhersehbar.

Doch auch wenn das Thema schwer ist, verliert die Geschichte ihren Humor nicht. Das lockert vieles auf. Trotzdem hat mich das Buch nicht komplett gepackt. Es liest sich flüssig und ist durchaus unterhaltsam, aber der Funke ist bei mir nicht ganz übergesprungen. Vielleicht, weil mir an manchen Stellen die Tiefe fehlt.

Dennoch bleibt es für mich eine spannende Idee. Die Unsichtbarkeit als Metapher für gesellschaftliche Strukturen und Selbstwahrnehmung.

ISBN: 978-3257073836
Autorin: Jane Tara
Verlag: Diogenes
ET: 22.04.26
Umfang: 496 Seiten

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Entscheidungen

Grüne Welle
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Entscheidungen

Was, wenn ich einfach etwas anderes mache? Wenn ich nicht nach rechts fahre, sondern nah links abbiege? Wenn ich mich in eine andere Linie des Busses setze und schaue, wohin er mich bringt?

So ...

Entscheidungen

Was, wenn ich einfach etwas anderes mache? Wenn ich nicht nach rechts fahre, sondern nah links abbiege? Wenn ich mich in eine andere Linie des Busses setze und schaue, wohin er mich bringt?

So ähnlich geht es unserer Protagonistin. Denn nach einem Kinobesuch verfährt sich eine Frau wegen einer Umleitung und fährt immer weiter von ihrem Zuhause weg. Während sie die Nacht und den folgenden Tag unterwegs ist, wird ihr klar, dass die Rückkehr zu ihrem Mann vielleicht gefährlicher ist als die unheimliche Reise selbst.

Es ist kein klassischer Roadtrip, sondern vielmehr ein leises “von den Problemen weg fahren” Weniger von äußeren Ereignissen als von Gedanken, Erinnerungen und Zweifeln angetrieben.
Die namenlose Protagonistin bleibt uns als Leser dabei jedoch recht distanziert. Ich konnte nicht alle Entscheidungen nachvollziehen und habe dann überlegt, was ich wohl machen würde.

Sprachlich konnte mich der Roman durch seinen ruhigen, teilweise fast kühlen Stil überzeugen. Auch wenn ich etwas gebraucht habe, um reinzukommen. Lange Gedankengänge und wenig äußere Handlung fordern Geduld. Es hat jedoch eine ganz eigene, besondere Atmosphäre. Dunkle Straßen und leere Rastplätze.

Der Roman wirkt als würde man nur einen kleinen Blick in das Leben der Protagonistin erhalten. Eine Geschichte zum Weiterdenken und überlegen, wie man selbst handeln würde. Kein Buch für jede Zeit im Leben, aber manchmal braucht es eben genauso ein Buch. Und auch kein Buch zum schnellen Durchlesen, sondern eines, das nachhallt. Gerade weil es viele Fragen offenlässt.

ISBN: 978-3257073812
Autorin: Esther Schüttpelz
Verlag: Diogenes
ET: 25.02.26
Umfang: 208 Seiten

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Wenn Bilder sprechen könnten

Zwei in einem Bild
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Wenn Bilder sprechen könnten

Haben wir uns das nicht alle schon mal gefragt? Zum einen ist es spannend zu wissen, was sie so alles sehen und hören, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Auf der anderen Seite, ...

Wenn Bilder sprechen könnten

Haben wir uns das nicht alle schon mal gefragt? Zum einen ist es spannend zu wissen, was sie so alles sehen und hören, wenn man sich unbeobachtet fühlt. Auf der anderen Seite, was können sie uns über sich selbst erzählen?

Jean jedenfalls ist als Figur in einem Gemälde seines Vaters, Henri Matisse, gefangen. Als Museumsmitarbeiterin Claire entdeckt, wie sie in das Bild gelangen kann, erleben sie gemeinsam eine faszinierende Welt innerhalb der Kunstwerke. Doch ihr scheinbar grenzenloses Abenteuer wird plötzlich bedroht.

Die Idee selbst mag nicht neu sein, aber ich fand sie ganz toll umgesetzt. Ich habe mich ganz auf das Buch eingelassen und es als gegeben hingenommen, dass Figuren aus Bilder sprechen können. Was zunächst wie ein verwirrendes Spiel mit Realität und Fantasie wirkt, entfaltet sich beim Lesen erstaunlich selbstverständlich und mit einer schönen Leichtigkeit. Es fühlt sich fast natürlich an, dass Grenzen verschwimmen und ich mich irgendwo zwischen Museum, Kunstwerk und einer ganz eigenen Realität bewege.

Jean konnte ich dabei schnell in mein Herz schließen. In seiner stillen, fast zerbrechlichen Art passt er perfekt in die Welt, aus der er stammt. Gerade diese leise, zurückgenommene Erzählweise hat mich überrascht. Das Bild, in dem er selbst ist, ist “Die Musikstunde” von Matisse.

“Visuell stellt "Die Musikstunde" eine ruhige und intime Szene dar, in der der Künstler den Innenraum und die Beziehungen zwischen den Figuren sorgfältig komponiert. Im Zentrum spielt ein Kind Geige unter der Anleitung eines Erwachsenen, vermutlich eines Elternteils oder Lehrers.” Beim Lesen hatte ich tatsächlich ein etwas anderes Bild im Kopf. Aber genau das macht es am Ende ja noch spannender.

Claire bringt eine ganz andere Energie hinein. Ihre Begegnungen haben etwas Zartes, fast Unwirkliches. Es geht um zwei Menschen, die eigentlich nicht zueinander gehören können und sich trotzdem finden.

Sprachlich hat mich das Buch besonders abgeholt. Die Sprache ist ruhig, teilweise poetisch, ohne kitschig zu werden. Viele Szenen wirken nach. Eben so, als würde man selbst die Bilder im Museum ansehen.

Man sollte dieses Buch nicht zu sehr zerdenken. Es lebt davon, dass man sich darauf einlässt und diese kleinen Fantasien zulässt.

ISBN: 978-3455021189
Autor: Morgan Pager
Verlag: Hoffmann
ET: 04.03.26
Umfang: 352 Seiten

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Ein Blick hinter die Ermittlungen

Cold Cases
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Ein Blick hinter die Ermittlungen

Cold Cases haben ihren eigenen Tiefgang, da es hier um Menschen geht, denen bisher keine Gerechtigkeit zugekommen ist. Weil es nicht genug Beweise gibt oder auch weil ...

Ein Blick hinter die Ermittlungen

Cold Cases haben ihren eigenen Tiefgang, da es hier um Menschen geht, denen bisher keine Gerechtigkeit zugekommen ist. Weil es nicht genug Beweise gibt oder auch weil es zu einer Zeit passiert ist, in der noch keine Recherchemöglichkeiten wie jetzt zur Verfügung standen.

Hier begleiten wir den erfahrenen Ermittler und Autor Helmut Eigner. Er berichtet in diesem Buch von seinen spannendsten ungelösten Fällen aus 30 Jahren Arbeit. Dabei gibt er Einblicke in die Entwicklung von Gesellschaft und Kriminaltechnik. Er schildert die Herausforderungen seiner Ermittlungen und betont, wie wichtig es ist, die Opfer nicht zu vergessen.

Wir lesen 11 Fälle. Alle sind unterschiedlich in ihrer Tat und dem Vorgehen, doch was sie gemeinsam haben - es wurde kein Täter gefunden. Rund 20 bis 30 Seiten werden für jeden Fall eingenommen. Es wird die Tat selbst beschrieben, warum es damals nicht funktioniert hat und wie heute bzw. zu der ermittelnden Zeit doch noch Spuren gefunden wurden. Nicht immer kann man einen Fall komplett abschließen, aber man kommt einer Aufklärung näher.

Ich fand die Fälle gut beschrieben und auch für einen Laien verständlich. Der Autor ist ihnen mit Respekt begegnet und hat hier nichts ausgeschlachtet. Ja, er hat ein Buch veröffentlicht und wird dafür bezahlt. Dennoch finde ich es wichtig, dass man darüber aufgeklärt wird. Wie kann es dazu kommen und wie kann man mit heutigen Mitteln doch noch etwas erreichen? Zumindest, wenn nicht auch der mutmaßliche Täter schon verstorben ist.

Wer sich also für Cold Cases interessiert, findet hier ein gutes und respektvoll geschriebenes Buch dazu.

ISBN: 978-3455021240
Autor: Helmut Eigner
Verlag: Hoffmann
ET: 04.03.26
Umfang: 272 Seiten

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Wie beschreibt man unsere Gesellschaft?

Kleine Schwächen
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Wie beschreibt man unsere Gesellschaft?

Ein Buch so intensiv, dass man eine Zeit benötigt, um es zu verarbeiten.

Es geht um Lucy. Die Zehnjährige gerät unter Mordverdacht, nachdem eine jüngere Freundin ...

Wie beschreibt man unsere Gesellschaft?

Ein Buch so intensiv, dass man eine Zeit benötigt, um es zu verarbeiten.

Es geht um Lucy. Die Zehnjährige gerät unter Mordverdacht, nachdem eine jüngere Freundin stirbt. Der Fall sorgt für große gesellschaftliche Spannungen, verstärkt durch Klassenunterschiede und Vorurteile gegenüber Lucy und ihrer Mutter Carmel. Während Medien und Öffentlichkeit eine Hetzjagd starten, werden Themen wie Fremdenhass, Misogynie und die belastete Vergangenheit der beiden sichtbar.

Mit einem Kind in einem ähnlichen Alter musste ich des Öfteren Pausen einlegen und habe daher etwas länger für das Buch gebraucht. Aber es ist dennoch ein wichtiges Buch. Denn das Buch beschreibt nicht nur Klassenunterschiede, sondern schafft es, sie richtig spürbar zu machen. Es regt zum Nachdenken darüber an, wie selbstverständlich unsere Privilegien oft wahrgenommen werden und wie schwer es ist, ihnen zu entkommen.

Der Schreibstil ist intensiv, schonungslos und schönt absolut nichts. Aber das ist hier bei dieser Geschichte wichtig, um nicht wieder etwas zu romantisieren, bei dem es nichts zu romantisieren gibt. Es muss vor Augen geführt werden, wie Menschen mit Menschen umgehen. Vor allem wenn sie “anders” sind als man selbst. Die Geschichte beleuchtet eindringlich Schuld, Trauma und die Frage nach Täterschaft bei einem Kind.

Ein Buch, auf das man sich einlassen muss und sicher nicht für jede Situation geeignet ist, aber dennoch sollte es gelesen werden.

ISBN: 978-3910372634
Autorin: Megan Nolan
Verlag: Kjona
ET: 17.02.26
Umfang: 256 Seiten

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