Cover-Bild Kleine Schwächen
(2)
  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
24,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Kjona Verlag
  • Themenbereich: Belletristik - Belletristik: zeitgenössisch
  • Genre: Romane & Erzählungen / Sonstige Romane & Erzählungen
  • Seitenzahl: 256
  • Ersterscheinung: 17.02.2026
  • ISBN: 9783910372634
Megan Nolan

Kleine Schwächen

Roman. »Ein literarisches Ausnahmetalent.« Karl Ove Knausgård
Stefanie Ochel (Übersetzer)

Ein zweifelhafter Hinweis genügt und schon wird die zehnjährige Lucy des Mordes an einer jüngeren Spielgefährtin verdächtigt. Der Fall spaltet die Gesellschaft. Denn während das Opfer aus gutem Hause kam, lebt Lucy Anfang der 1990er-Jahre mit ihrer jungen irischen Mutter Carmel in einer Südlondoner Sozialsiedlung. Lucy ist schon häufiger auffällig geworden, und Carmel ist vor allem Männern ein Dorn im Auge. Sie ist schön, aber abweisend, gebrochen und unerreichbar. Als ein Journalist versucht, Carmels Vertrauen zu gewinnen, bahnt sich eine mediale Hetzjagd an, angefeuert von Fremdenhass und Misogynie. Und Carmel und Lucy blicken erneut in die Abgründe, die sie aus Irland hierhergeführt haben.

»Adolescence« hat uns wachgerüttelt, was männliche Täterschaft angeht. Aber was, wenn die Täterin ein Mädchen ist?

Eine packende, psychologisch scharfsinnige Geschichte über Klasse und Trauma, Scham und Gewalt

Weitere Formate

Dieses Produkt bei deinem lokalen Buchhändler bestellen

Lesejury-Facts

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2026

Zu Unrecht verurteilt oder ist doch etwas dran, an der grausamen Geschichte?

0

Wie ein zehnjähriges Mädchen aufgrund ihrer Herkunft zum Monster benannt wird. Fesselt mich und regt an, die Wahrheit herauszufinden.


Die zehnjährige Lucy wird des Mordes an einem dreijährigen Mädchen ...

Wie ein zehnjähriges Mädchen aufgrund ihrer Herkunft zum Monster benannt wird. Fesselt mich und regt an, die Wahrheit herauszufinden.


Die zehnjährige Lucy wird des Mordes an einem dreijährigen Mädchen aus der Nachbarschaft verdächtigt. Beim gemeinsamen Spielen draußen war Lucy die Letzte, die mit dem ermordeten Kleinkind gesehen wurde. Lucy stammt aus einer sozial schwachen Familie, die vor Jahren aus Irland hergezogen ist und in London eine neue Heimat suchte. Leider scheinen sie bis heute nicht richtig angekommen zu sein, denn die Nachbarn haben, noch während der Suche nach dem kleinen Mädchen, kein gutes Wort für Lucy und ihre Mutter über. Der Journalist Tom Hargeaves wittert genau darin seine Chance für eine gute Story und schleust sich in die Familie ein. Nach und nach werden die Familienmitglieder unter die Lupe genommen und ein Geheimnis nach dem anderen wird aufgedeckt.

Als ich das Buch entdeckt habe, war ich sofort gefangen von dieser Geschichte. Hier wird auf Kosten der sozial schwachen Familie von Lucy Profit gemacht. Die Familie hatte nie eine Chance richtig Fuß zu fassen und nun wird sie, durch den Verdacht am Mord, noch tiefer in den Abgrund gezogen. Ich war mir von Anfang an nicht sicher, was ich von diesem Verdacht halten sollte. Da Lucy schon im Vorfeld Auffälligkeiten zeigte und auch der Rest der Familie in ihrem Umfeld nicht gerade den besten Eindruck hinterlassen hat, sind sie gleich die ersten Verdächtigen einer solch monströsen Tat. Ist wirklich etwas dran an diesem Verdacht, oder sind sie nur die erst Besten, die dafür in Frage kommen? Wenn man dann etwas weiter in die Familiengeschichte von Lucy, ihrer Mutter, dessen Bruder und den Großeltern eintaucht, wird schnell klar, dass Lucy niemals ein Wunschkind war und dementsprechend auch nicht genug Liebe abbekommen hat. Macht sie das gleich zu einer Mörderin? Steckt etwas Böses in ihr, weil sie besonders von ihrer Mutter, als Fehler des Lebens angesehen wird? Während ich die Menschen in Lucys Familie im Verlauf der Geschichte immer besser kennenlernte, erkannte ich auch, wie sich alles zusammensetzte. Warum der Bruder von Lucys Mutter zum Alkoholiker wurde, warum der Großvater in seiner eigenen Welt lebte und kaum etwas vom Familienleben mitbekam, warum Lucys Mutter ihr Kind nicht akzeptieren konnte und warum alles nach dem Tod der Großmutter immer weiter den Bach herunterlief. Die dramatischen Geheimnisse der Familienmitglieder haben mich sehr gefesselt und ich war gespannt auf den Ausgang der Geschichte, der mir überraschenderweise ausgesprochen gut gefallen hat. Mehr dazu möchte ich aber nicht verraten. Es lohnt sich, es selbst zu lesen.
Ich durfte hier eine interessante und spannende Familientragödie erleben, die ich gern weiterempfehle. Zudem möchte ich die hochwertige, umweltbewusste Aufmachung des Buches noch einmal erwähnen. Ich liebe es, ein Buch vom Kjona Verlag in den Händen zu halten. Die Seiten sind ausgesprochen glatt und weich, die Gestaltung ist besonders, die Qualität hochwertig und der Inhalt tief mitreißend und gesellschaftskritisch.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2026

Wozu Nichtgesehenwerden führen kann: Starker Debütroman über Gewalt und Klasse 4,5 ⭐️

0

„Kleine Schwächen“ von Megan Nolan spielt Anfang der 90er Jahre. Die 10jährige Lucy lebt mit ihrer Mutter Carmel, ihrem Onkel und Großvater in einer Sozialsiedlung in Südlondon, seit die Familie aus Irland ...

„Kleine Schwächen“ von Megan Nolan spielt Anfang der 90er Jahre. Die 10jährige Lucy lebt mit ihrer Mutter Carmel, ihrem Onkel und Großvater in einer Sozialsiedlung in Südlondon, seit die Familie aus Irland hierhergezogen war. Als in der Nachbarschaft ein 3jähriges Mädchen tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht schnell auf Lucy, die schon früher durch ihr Verhalten auffiel. Und auch die schöne, aber unnahbare Carmel hat den Stempel als Rabenmutter weg – wohl nicht ganz grundlos, immerhin kümmerte sich hauptsächlich ihre Mutter Rose um die Enkelin. Seit Roses Tod ging es mit der Familie weiter bergab.
Nach dem Tod der kleinen Mia bahnt sich eine mediale Hetzjagd an. Der Journalist Tom wittert seine Chance auf eine große Story.

„Er ging zu Edward ins Büro und schilderte ihm die Situation. Erstens: Was als brauchbares, aber letztlich unbedeutendes Rührstück begonnen hatte – niedliches Kind vermisst –, schien sich gerade zu einer Mordsache zu entwickeln. Zweitens bestand offenbar begründeter Verdacht gegen ein anderes Kind – ein Mädchen auch noch! Drittens stammte dieses Mädchen anscheinend aus einer skrupellosen Sippe irischer Sozialschmarotzer, die der großen britischen Nation auf der Tasche lagen und sich mit abscheulichen Verbrechen revanchierten.“

Tom versucht, das Vertrauen von Carmel und ihrer Familie zu gewinnen. Währenddessen muss Carmel sich ungewollt mit ihren Gefühlen für Lucy auseinandersetzen; der Tochter, die sie gar nicht wollte.

„Carmel witterte unter den Beamten einen aggressiven Eifer, sie schienen sich ihrer Sache allzu sicher, hungrig nach einer schnellen Auflösung. Oder sie waren nicht so überzeugt, aber standen unter Druck, möglichst rasch Anklage zu erheben. Ihre Gedanken zersplitterten. Einerseits wollte sie dringend zurück ins Hotel, um zu verhindern, dass ihr Bruder oder Vater eine Dummheit begingen, andererseits musste sie ihre Tochter sehen. Wieder einmal flößte diese Aussicht ihr Angst ein. Die Angst hatte wenig mit der Polizei oder der Situation zu tun. Nicht einmal mit der Sorge, Lucy könnte wirklich getan haben, was man ihr vorwarf, denn noch glaubte sie nicht daran.
In Wahrheit war es die gleiche Angst, die sie schon immer hatte, die sie seit Lucys Geburt verspürte, wann immer sie sich ihrer Tochter mit voller Aufmerksamkeit widmen sollte: Lucy als Person, als echter Mensch, anstatt als logistisches Problem oder abstraktes Konzept.“

„Der Anblick von Lucy auf der Polizeiwache, gelassen und eigenständig und im Zentrum des Interesses so vieler Fremder, hatte etwas in ihr freigesetzt. Was man Lucy vorwarf, war grausam und ungeheuer. Wenn es stimmte, hatte Lucy vielen Menschen Leid zugefügt. Carmel war längst nicht überzeugt, dass es stimmte – doch schon der Verdacht, schon die entfernte Möglichkeit, hatte ihr zwangsweise vor Augen geführt, dass Lucy eine reale, eigene, von ihr abgekoppelte Person war.
Sie selbst hatte immer fest an diese Abkoppelung geglaubt, hatte darauf gesetzt, dass dieser Fremdling kein Teil von ihr, sie nicht an ihn gebunden war, aber das ging nur so lange gut, wie sie Lucy nicht als real existierende Person betrachtete. In ihrem Kopf war Lucy immer noch wie schon als Fötus eine organisch lebendige, aber sinnleere Präsenz gewesen. Und sie ahnte, wenn auch verschwommen, dass Lucys Unwirklichkeit vielleicht nur die Spitze des Eisbergs war, dass darunter ein ganzes Universum an Menschen und Dingen lauerte, die sie verleugnet, als unwirklich abgetan hatte, und denen sie sich früher oder später würde stellen müssen. Dieser Gedanke war so unerträglich, dass sie sich erlaubte, ihn zu verdrängen, um sich ganz der aktuellen Katastrophe zu widmen.“

Mir hat der Schreibstil der Autorin sehr gut gefallen; atmosphärisch dicht und packend geschrieben.
Die Charaktere sind allesamt authentisch dargestellt.
Interessant fand ich auch, dass der Roman den Fokus nicht auf das Opfer und dessen Familie sondern auf die Täterin und deren Familie richtet. Wobei diese junge Täterin selbst auch in gewisse Weise ein Opfer ist: Ein Opfer fehlender Liebe, fehlender Beachtung. Das Buch zeigt auf sehr eindrückliche Weise, wie sich Nichtgesehenwerden auf ein Kind auswirken kann.

Insgesamt ein psychologisch interessanter Debütroman über Herkunft und Klasse, Gewalt und Trauma. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung mit 4,5⭐️ und die Hoffnung, von Megan Nolan bald noch mehr lesen zu können.

Vielen Dank an den Kjona Verlag und Netgalley für dieses Rezensionsexemplar!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere