Einblicke in die Ermittlungsarbeit mit Cold Cases - spannend, respektvoll und menschlich
Helmut Eigner war über dreißig Jahre lang in der "Cold Case-Abteilung" der Münchener Mordkommission als Leiter und Ermittler tätig. Seine hohe Aufklärungsquote der Cold Cases, die bis in die 1960er-Jahre ...
Helmut Eigner war über dreißig Jahre lang in der "Cold Case-Abteilung" der Münchener Mordkommission als Leiter und Ermittler tätig. Seine hohe Aufklärungsquote der Cold Cases, die bis in die 1960er-Jahre reichen, hat ihm den Beinamen "Mister Cold Case" eingebracht. Nach seiner Pensionierung im Jahr 2025 hat er seine Erfahrungen und einige Fälle in einem Buch festgehalten.
Ich selbst beschäftige mich gerne mit Cold Cases in Podcasts oder im Fernsehen, deshalb war ich sehr gespannt, von dem Thema aus der Sicht eines Ermittlers zu lesen. Und ich wurde nicht enttäuscht, das Buch bietet mehr als nur Einblicke in die Arbeit der Mordkommission.
Grob wechseln sich die Kapitel ab mit einem Cold Case, den der Autor bearbeitet hat und näher beschreibt und einem Aspekt aus der Arbeit mit Cold Cases. Diese Erzählweise bringt eine sehr gute Dynamik in die Geschichte und dem Leser dieses große und abstrakte Thema näher. Generell fällt schon auf den ersten Seiten der unglaublich wertschätzende Erzählstil auf. Der Autor legt Wert darauf, den Blick darauf zu lenken, den oft vergessenen Opfern und Angehörigen eine Stimme zu geben. Denn gerade die weiter zurück liegenden Cold Cases können mit der Technik, die heute zur Verfügung steht, nochmal ganz anders und detaillierter angegangen werden. Auch die Hürden, die dem Autor als Ermittler begegnet sind, werden toll beschrieben, beispielsweise, wenn Spuren nicht ausreichend vorhanden sind oder Zeugen bereits verstorben sind. Auch die oft geringe Zeit, die einem neben der Arbeit an aktuellen Fällen zur Verfügung steht, ist ein Thema, genauso wie die sich immer weiter und besser entwickelten Möglichkeiten der Aufklärung und der Umgang mit Angehörigen, die das Trauma und den Verlust erneut durchleben müssen. Helmut Eigner beschreibt hervorragend und sowohl sachlich als auch menschlich, wie er mit Cold Cases umgeht, die nicht mehr gelöst werden können. Er begegnet jedem Fall, jedem Opfer und jedem Angehörigen mit Respekt und auch wenn er ein Buch über seine Arbeit und Fälle veröffentlicht und damit Geld verdient, merkt man direkt, dass er das Thema sensibel angeht und es nicht ausschlachtet.
Das Buch hat mir nochmal eine andere Seite von Cold Cases gezeigt, die Arbeit und die Menschen dahinter. Sehr spannend zu lesen und nicht nur für Fans von Cold Cases gibt es von mir eine große Leseempfehlung!