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Veröffentlicht am 28.04.2026

Tolle Idee, eher schwache Umsetzung - über den Gedanken, die Vergangenheit ändern zu können

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Adam und Jules sind seit über 35 Jahren zusammen, haben zwei erwachsene Kinder und leben mehr nebeneinander her als gemeinsam. Als Adam eine Kiste mit alten Mixtapes findet, die er und Jules sich regelmäßig ...

Adam und Jules sind seit über 35 Jahren zusammen, haben zwei erwachsene Kinder und leben mehr nebeneinander her als gemeinsam. Als Adam eine Kiste mit alten Mixtapes findet, die er und Jules sich regelmäßig gegenseitig erstellt haben, seit sie sich kennen, folgt er einem Impuls und spielt eine in seinem alten Kassettenrekorder ab. Sein Wunsch, nochmal in die Vergangenheit zu reisen, wird wahr und er erlebt für einige Stunden nochmal die Zeit rund um die Übergabe des Mixtapes. Auch Jules probiert es und die beiden wollen immer wieder zurückreisen zu all den besonderen Momenten ihrer Beziehung. Aber die Zeitreisen bergen auch Risiken und schon bald geraten sie in Versuchung, die Vergangenheit zu verändern.

Mich hat das Buch zweigespalten zurück gelassen. Ich fand die Idee und die Grundidee sehr gut, mit der Umsetzung bin ich nicht ganz so zufrieden wie erhofft.
Adam und Jules sind ein Paar, wie es sie millionenfach gibt: lange zusammen, erwachsene Kinder, festgefahren im Alltag. Ich selbst bin erst Anfang dreißig, aber ich kann mir die Situation in Langzeitbeziehungen gut vorstellen und fand es, nach meinem Empfinden, gut dargestellt. Die beiden als Protagonisten allerdings waren mir eher unsympathisch. Der jeweils andere ist schuld an der Misere, sowohl in der Beziehung als auch bei einem selbst. Zusammen sprechen scheint nicht mehr zu funktionieren. Auch die beiden Kinder waren mir nicht wirklich sympathisch und wirkten etwas dazu konstruiert.
Zunächst ist der Handlungsstrang der Zeitreisen noch spannend, weil alles neu ist und Jules Adam erstmal für verrückt erklärt. Die Situationen in der Vergangenheit, in der die beiden reisen, werden toll beschrieben und das Gefühl von "zu Gast sein" in seinem eigenen Körper kommt beim Lesen gut rüber. Die Zeitreisen werden aber immer inflationärer genutzt und hinter dem Rücken des anderen auch dazu verwendet, die Vergangenheit und damit die Gegenwart zu verändern. Das Buch zog sich vor allem in der Mitte in die Länge und das hin und her von Jules und Adam hat mich irgendwann genervt.
Es werden wichtige Themen eingebunden wie Langzeitbeziehungen, Selbstfindung und im Moment zu leben, aber die Handlung verliert sich für mich in ihrer verworrenen Umsetzung. Der Erzählstil ist gut zu lesen, auch wenn ich die Gedanken von Adam und Jules nicht immer nachvollziehen konnte. Die Kapitel sind recht lang und abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden erzählt.

Für mich konnte das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen. Die Umsetzung war mir zu holprig und irgendwann in sich zu verworren auch wenn die Idee und die Frage "Was wäre, wenn ich nochmal in die Vergangenheit könnte?" wirklich toll sind.

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Veröffentlicht am 27.04.2026

Schräg, intensiv und anders - toller Coming-of-Age-Roman

Nachrichten aus dem Inneren der Katze
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Die 17-jährige Sylvie wohnt im Kaff Grellrode. Sie möchte so schnell es geht weg von dort, am liebsten noch vor dem Abitur. Neben der Schule jobbt sie im Kunstmuseum. Als bei ihrem Rundgang eines morgens ...

Die 17-jährige Sylvie wohnt im Kaff Grellrode. Sie möchte so schnell es geht weg von dort, am liebsten noch vor dem Abitur. Neben der Schule jobbt sie im Kunstmuseum. Als bei ihrem Rundgang eines morgens das wunderschöne Bild "Nachrichten aus dem Inneren der Katze" verschwunden ist, begibt sie sich auf eigene Faust auf die Suche nach dem Bild. Denn der Museumsdirektor macht keine Anstalten nach dem Bild zu suchen und auch Sylvies Tante Käthe verhält sich merkwürdig. Als dann noch der geheimnisvolle Paul auftaucht, ist Sylvies Ehrgeiz noch mehr geweckt, nicht nur das Geheimnis um den Kunstdiebstahl aufzudecken.

Der Titel hat mich sofort angesprochen und auch der Klappentext verspricht eine spannende Handlung. Was als Kunstkrimi beginnt, entwickelt sich mehr und mehr zu einer spannenden Geschichte mit vielen Geheimnissen, die bewegt und intensiv erzählt wird.
Sylvie als Ich-Erzählerin lässt den Leser an ihren Gedanken teil haben und erzählt herrlich ehrlich und authentisch - typisch und passend für eine 17-jährige. Der lebendige Erzählstil lässt einen durch die Seiten fliegen und Sylvie ist mir direkt sympathisch gewesen. Auch die Nebenfiguren sind toll gezeichnet und man kann sich beim Lesen vorstellen, wie sie agieren und auftreten, weil Sylvie den Beschreibungen stets noch eine ironische Note gibt. Die Handlung ist ungewöhnlich und skurril, aber zu jeder Zeit schön zu lesen.

Das Buch ist ein toller Coming-of-Age-Roman, der humorvoll, skurril, bewegend und anders daher kommt und sowohl mit dem Erzählstil als auch der Handlung punkten kann. Große Leseempfehlung von mir auch für Erwachsene für diesen etwas anderen Roman!

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Veröffentlicht am 24.04.2026

Was, wenn Liebe nicht ausreicht? Ehrliche und authentische Geschichte einer jungen Frau Mitte 20

Homesick
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Worum es geht
Mara ist Mitte zwanzig, lebt in London in einer WG mit einem Freund aus Kindheitstagen und arbeitet in einer Bibliothek. Ihr Partner Tom lebt zwar auch in London und ist Referendar, aber ...

Worum es geht
Mara ist Mitte zwanzig, lebt in London in einer WG mit einem Freund aus Kindheitstagen und arbeitet in einer Bibliothek. Ihr Partner Tom lebt zwar auch in London und ist Referendar, aber die beiden sehen sich nicht jeden Tag. Als Mara von ihrem verstorbenen Vater eine große Geldsumme erbt, kauft sie eine Wohnung nicht weit von ihrem Arbeitsplatz entfernt. Tom zieht bewusst nicht mit ein, denn eigentlich fühlt er sich in seiner Heimatstadt Birmingham wohler. Die beiden wollen an ihrer Beziehung festhalten und probieren eine Fernbeziehung aus. Aber kann das mit allen Problemen und Hürden gelingen?

Meine Meinung
Vom pola Verlag lese ich immer gerne etwas und auch das Cover ist schon gut gewählt mit der passenden Schrift. Auch der Titel passt perfekt zur Atmosphäre der Geschichte.
Die Kapitel sind sehr kurz gehalten, von ein bis zwei Sätzen bis zu mehreren Seiten, was einen nur so durch die Seiten fliegen lässt. Von den mehr als 500 Seiten sollte man sich nicht abschrecken lassen, der Handlung lässt sich stets gut folgen, denn Mara beschreibt aus der Ich-Perspektive ihre Gedanken. Oft sarkastisch und ironisch, aber an vielen Stellen auch sehr gefühlvoll und ehrlich, ist der Erzählstil locker und leicht zu lesen und authentisch. Mara ist dabei so herrlich "sie selbst", dass ich oft das Gefühl hatte, mich in ihr wieder finden zu können. Auch die Nebenfiguren sind toll gezeichnet: Maras Mutter begegnet ihr stets auf Augenhöhe, ihr Vorgesetzter ist ein unangenehmer Typ und ihre beste Freundin ist etwas zu direkt und gönnt ihr nicht immer den Erfolg. Tom konnte ich lange Zeit nicht greifen, aber auch er macht eine Entwicklung durch, genau wie Mara. Sie lernt, sich immer mehr zu behaupten und herauszufinden, was sie möchte. Gleichzeitig wird die Handlung oft in Situationen beschrieben, denn die Geschichte gliedert sich in mehrere Teile und Jahreszeiten über einen längeren Zeitraum. Mara als Ich-Erzählerin hat ein gutes Gespür für ihre Umwelt und Umgebung, oft bekommt man als Leser aber nur Einblicke in ihr Leben und ihre Gefühlswelt. So kann man sich in die Beziehung mit Tom sehr gut hinein versetzen, oft konnte ich jedoch die Beweggründe und Entscheidungen nicht ganz nachvollziehen.
Ein Kritikpunkt ist für mich der Klappentext, der für mich nicht die eigentliche Handlung widerspiegelt, denn die eigentliche Fernbeziehung folgt erst sehr viel später im Buch. Auch den Gewinn des "Comedy Women in Print Award", den die Autorin mit ihrem Buch bekommen hat, kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn die Geschichte ist für mich nicht komisch oder comedyhaft, vielmehr behandelt die Autorin auch schwere und wichtige Themen.

Es geht um mehr als das "Homesick-Gefühls": wichtige Themen wie Depressionen bei Männern, Alleinsein, Beziehungsprobleme und eine unbestimmte Sehnsucht, was man mit seinem Leben mit Mitte 20 noch erreichen will, werden gut eingebunden.

Mein Fazit
"Homesick" aus dem pola Verlag kann kann überzeugen, denn es ist authentisch und ehrlich geschrieben und beschreibt die Zeit in den Zwanzigern und eine Beziehung, an der man festhalten möchte, sehr gut.

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Veröffentlicht am 20.04.2026

Fünf Fremde in einem abgeschotteten Hotel der Gelüste - spannend, interessant und voller Plottwists

Guilty Pleasure
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Ein luxuriöses und abgeschottetes Hotel auf einer einsamen, tropischen Insel - hier werden die geheimsten Wünsche der wohlhabendsten Kunden erfüllt, ohne Tabus und mit höchster Diskretion. Fünf Fremde ...

Ein luxuriöses und abgeschottetes Hotel auf einer einsamen, tropischen Insel - hier werden die geheimsten Wünsche der wohlhabendsten Kunden erfüllt, ohne Tabus und mit höchster Diskretion. Fünf Fremde treffen hier aufeinander, jede und jeder davon hat sein eigenes Geheimnis. Was keiner ahnt: sie werden beobachtet. Ein Kamerasystem filmt jede Bewegung im Hotel und streamt sie live weltweit als brutale Reality-Show. Die fünf Fremden sind im Begriff, entsetzliche Verbrechen zu begehen, denn sie befinden sich ja in einem abgeschotteten Hotel - nichtsahnend, dass die ganze Welt dabei zusieht...

Erstmal möchte ich ein großes Lob für die wunderschöne Gestaltung des Covers und Farbschnitts aussprechen. Das Buch zieht alle Blicke auf sich und ist ein echtes Schmuckstück.
Bereits der Klappentext verspricht eine spannende Handlung mit einem interessanten Setting. Die Handlung wird aus den verschiedenen Perspektiven der fünf Menschen erzählt, um die es geht und ist so stets abwechslungsreich und voller Dynamik. Direkt ist man in der Geschichte drin, der Erzählstil ist angenehm und modern und fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, sodass man immer weiter lesen möchte (oder muss, weil das Buch schnell eine Sogwirkung entfaltet). Wichtige Themen wie häusliche Gewalt und die nie endende Sensationsgier von uns Menschen werden hier perfekt eingebunden. Dem Leser wird vor Augen geführt, was passieren könnte, wenn wir nicht aufhören, in Reality-TV-Formaten immer extremere und krassere Dinge zu verlangen. Eine auf die Spitze getriebene Gesellschaftskritik, die perfekt funktioniert. Die Geschichte ist oft verstörend und bizarr, mitunter auch schwer auszuhalten, aber sie hält dem Leser auch den Spiegel vor, was man in diesen TV-Formaten fast schon gewohnt ist zu sehen. Oft konnte ich mich beim Lesen gar nicht recht festlegen, wie ich das Buch eigentlich finde. Es hat eine Sogwirkung, fast wie bei Reality-TV-Shows, sodass man immer weiter lesen möchte und stets versucht, den oder die Schuldigen zu finden. Auch die permanente Überwachung wie bei der Show "Big Brother", die von den Teilnehmern unwissentlich geschieht, wird hier thematisiert.

Die Charaktere gefallen mir alle gut und sind toll gezeichnet. Oft naiv und gutgläubig, aber auch berechnend und manipulativ bilden sie ein spannendes Fundament dieser speziellen Handlung. Die Spannung ist von der ersten Seite an kaum auszuhalten und wird konstant hoch gehalten. Eine dichte Atmosphäre, die einerseits verstört, andererseits auch kaum auszuhalten ist und einen zum Weiterlesen zwingt. Immer wenn ich dachte, jetzt habe ich die Handlung durchblickt, kam ein neuer Plottwist um die Ecke und bis zum Schluss spielt die Autorin mit den Lesern und hüllt die Auflösung im Dunkeln.

"Guilty Pleasure" ist kein typischer Thriller. Modern und mit aktuellen Themen, die perfekt eingebunden werden, ist er speziell und verstörend, aber hochspannend. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Eindrücklich, intensiv und ehrlich - wenn alles aus der Bahn geworfen wird

Alle glücklich
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Familie Holtstein hat nach außen ein gutes und zufriedenes Leben. Mutter Nina arbeitet halbtags in einer Arztpraxis, Vater Alexander ist Oberarzt mit Leib und Seele im Krankenhaus. Tochter Emilia geht ...

Familie Holtstein hat nach außen ein gutes und zufriedenes Leben. Mutter Nina arbeitet halbtags in einer Arztpraxis, Vater Alexander ist Oberarzt mit Leib und Seele im Krankenhaus. Tochter Emilia geht aufs Gymnasium und ist gerade das erste Mal verliebt, Sohn Ben studiert und wohnt noch zu Hause. Doch jedes Familienmitglied hat sein eigenes Geheimnis, das es zu hüten gilt. Langsam bahnen sich Risse an, die immer größer werden und die bald nicht mehr jedes Familienmitglied für sich allein kitten kann.

Ich habe bereits "Die Nacht der Bärin" der Autorin gelesen und war restlos begeistert. Auch das neue Buch der Autorin lohnt sich wieder einmal zu lesen.
Die Geschichte der Familie wird aus den vier verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder beschrieben, womit man immer mittendrin im Geschehen ist und die Gedanken und Gefühle perfekt zum Ausdruck kommen. Die kapitelweise abwechselnden Sichtweisen bringen eine sehr gute Dynamik in das Geschehen, die Figuren sind authentisch und realistisch dargestellt. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich mit fast jeder Figur irgendwie mitfühlen kann, man fühlt das Unausgesprochene auf jeder Seite und wie jede Figur ihre eigenen Sorgen zu lösen versucht. Dabei verlieren sich die vier immer mehr als Familie aus den Augen und driften weiter auseinander. Die Risse innerhalb der Familie kommen schleichend, wir als Leser sehen sofort, was im Argen liegt, aber nach außen sind sie bis zuletzt die Vorzeigefamilie.
Ab und zu gab es ein paar Längen im Buch, die aber gut zur Geschichte passen, einzig das Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen, hier hätte ich mir eine bessere Einbindung in die vorige Geschichte gewünscht, da es für mich sehr abrupt kam.

"Alle glücklich" ist ein intensives, leises Buch, das von seinen authentischen Charakteren lebt und nah an der Realität von vielen Menschen spielt. Es zeigt, wie schnell das Leben aus den Fugen geraten kann. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!

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