Tolle Idee, eher schwache Umsetzung - über den Gedanken, die Vergangenheit ändern zu können
You and Me - Die zweite erste LiebeAdam und Jules sind seit über 35 Jahren zusammen, haben zwei erwachsene Kinder und leben mehr nebeneinander her als gemeinsam. Als Adam eine Kiste mit alten Mixtapes findet, die er und Jules sich regelmäßig ...
Adam und Jules sind seit über 35 Jahren zusammen, haben zwei erwachsene Kinder und leben mehr nebeneinander her als gemeinsam. Als Adam eine Kiste mit alten Mixtapes findet, die er und Jules sich regelmäßig gegenseitig erstellt haben, seit sie sich kennen, folgt er einem Impuls und spielt eine in seinem alten Kassettenrekorder ab. Sein Wunsch, nochmal in die Vergangenheit zu reisen, wird wahr und er erlebt für einige Stunden nochmal die Zeit rund um die Übergabe des Mixtapes. Auch Jules probiert es und die beiden wollen immer wieder zurückreisen zu all den besonderen Momenten ihrer Beziehung. Aber die Zeitreisen bergen auch Risiken und schon bald geraten sie in Versuchung, die Vergangenheit zu verändern.
Mich hat das Buch zweigespalten zurück gelassen. Ich fand die Idee und die Grundidee sehr gut, mit der Umsetzung bin ich nicht ganz so zufrieden wie erhofft.
Adam und Jules sind ein Paar, wie es sie millionenfach gibt: lange zusammen, erwachsene Kinder, festgefahren im Alltag. Ich selbst bin erst Anfang dreißig, aber ich kann mir die Situation in Langzeitbeziehungen gut vorstellen und fand es, nach meinem Empfinden, gut dargestellt. Die beiden als Protagonisten allerdings waren mir eher unsympathisch. Der jeweils andere ist schuld an der Misere, sowohl in der Beziehung als auch bei einem selbst. Zusammen sprechen scheint nicht mehr zu funktionieren. Auch die beiden Kinder waren mir nicht wirklich sympathisch und wirkten etwas dazu konstruiert.
Zunächst ist der Handlungsstrang der Zeitreisen noch spannend, weil alles neu ist und Jules Adam erstmal für verrückt erklärt. Die Situationen in der Vergangenheit, in der die beiden reisen, werden toll beschrieben und das Gefühl von "zu Gast sein" in seinem eigenen Körper kommt beim Lesen gut rüber. Die Zeitreisen werden aber immer inflationärer genutzt und hinter dem Rücken des anderen auch dazu verwendet, die Vergangenheit und damit die Gegenwart zu verändern. Das Buch zog sich vor allem in der Mitte in die Länge und das hin und her von Jules und Adam hat mich irgendwann genervt.
Es werden wichtige Themen eingebunden wie Langzeitbeziehungen, Selbstfindung und im Moment zu leben, aber die Handlung verliert sich für mich in ihrer verworrenen Umsetzung. Der Erzählstil ist gut zu lesen, auch wenn ich die Gedanken von Adam und Jules nicht immer nachvollziehen konnte. Die Kapitel sind recht lang und abwechselnd aus der Ich-Perspektive der beiden erzählt.
Für mich konnte das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen. Die Umsetzung war mir zu holprig und irgendwann in sich zu verworren auch wenn die Idee und die Frage "Was wäre, wenn ich nochmal in die Vergangenheit könnte?" wirklich toll sind.