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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2025

Liebe, Leid und Leidenschaft

Wie Risse in der Erde
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Beth und Frank leben zufrieden auf ihrer Farm in England. Das Leben könnte schön sein, würden nicht der Tod ihres Sohnes Bobby und Beth' Vergangenheit mit Gabriel ihre Ehe überschatten.

"Wie Risse in ...

Beth und Frank leben zufrieden auf ihrer Farm in England. Das Leben könnte schön sein, würden nicht der Tod ihres Sohnes Bobby und Beth' Vergangenheit mit Gabriel ihre Ehe überschatten.

"Wie Risse in der Erde" ist ein atmosphärisches Beziehungsdrama vor der idyllischen Kulisse eines kleinen, englischen Dorfes. Von Anfang an werden wir mit den Protagonisten vertraut gemacht, es gelingt rasch, sich in das Buch hineinzuversetzen, durch die ausführlichen Schilderungen hat man rasch das Gefühl, nicht nur Beobachter, sondern selbst mitten im Dorfgeschehen zu sein. Freud und Leid liegen nah beisammen und werden so vermittelt, dass man einfach mitfiebern "muss".

Die Geschichte wird in 2 Zeitebenen erzählt, die sich letzten Endes miteinander verbinden. Die kurzen Kapitel und der rasche Wechsel zwischen den Zeiten machen immer wieder neugierig, weiter zu lesen. Clare Leslie Hall gelingt es wunderbar, den Leser zu fesseln und in die Geschichte mitzunehmen. Da die Anzahl der beteiligten Personen jedoch überschaubar ist, stören die Zeitsprünge überhaupt nicht, im Gegenteil, sie machen das Buch sehr spannend und lebendig.

"Wie Risse in der Erde" ist ein komplexes Familiendrama, eine Dreiecksgeschichte mit unerwartetem Ausgang. Es ist ein Buch, das fesselt, das bewegt und dass auch nachdenklich macht. Nachdenklich darüber, wie schnell sich das Leben ändern kann und wie sehr man Alltägliches schätzen sollte. Das Buch lässt Raum für Emotionen, ohne dabei kitschig zu sein, behandelt mit der Dreiecksgeschichte ein nicht alltägliches Thema, und lässt damit verbundene Probleme nicht zu kurz kommen.

Habe ich ursprünglich lediglich eine Beziehungsgeschichte erwartet, so hat mich das Buch wirklich überrascht und viel mehr bewegt, als ich dachte. Es hat mich ob seiner Tiefe tatsächlich gefesselt und ich empfehle es sehr gerne an alle weiter, die gerne Bücher lesen, die über Oberflächliches hinausgehen. Eine große Leseempfehlung, die ich gerne mit 5 Sternen bewerte!

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Veröffentlicht am 22.03.2025

Die dunkle Geschichte Ginsterburgs

Ginsterburg
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Über 10 Jahre begleiten wir in diesem Buch die Bewohner der fiktiven Stadt Ginsterburg - und wir erleben mit ihnen, wie ihre Stadt vom 2. Weltkrieg überrollt wird, wie die Bewohner versuchen, sich selbst ...

Über 10 Jahre begleiten wir in diesem Buch die Bewohner der fiktiven Stadt Ginsterburg - und wir erleben mit ihnen, wie ihre Stadt vom 2. Weltkrieg überrollt wird, wie die Bewohner versuchen, sich selbst zu retten und wie dennoch irgendwann jede Hoffnung verloren geht.

Arno Franks "Ginsterburg" ist ein sehr bewegender Roman, der die Gräuel des 2. Weltkriegs anhand der kleinen Stadt Ginsterburg schildert. Ginsterburg gibt es nicht wirklich und dennoch steht es sinnbildlich für so viele Städte, die lange versucht haben, dem Krieg zu trotzen, sich irgendwann jedoch auch ihrem Schicksal fügen mussten.
"Ginsterburg" stellt nicht die historischen Fakten in den Vordergrund, sondern die Bewohner der Stadt mit ihren ganz persönlichen Schicksalen, mit ihren kleinen und großen Sorgen, aber auch mit den Freuden, die sie trotz der schweren Zeit erlebt haben. In 3 große Abschnitte gegliedert führt uns das Buch durch die grausame Zeit von 1935 - 1945 und verdeutlicht, was der Krieg mit Menschen macht und wie sie sich verändern. Irgendwann weiß man nicht mehr, wer auf welcher Seite steht und wem man trauen kann. Irgendwann wird gekämpft und gestorben, vertrieben und doch gerettet - es ist eine sehr bewegte Zeit, die hier eingefangen wird.

Die Sprache des Buches ist anspruchsvoll und insgesamt ist der Roman nichts für Zwischendurch, er erfordert Konzentration. Viele Handlungsstränge ziehen sich durch das Buch, für meinen Geschmack ein bisschen zu viele, und nach einer Lesepause hatte ich oft Mühe, wieder anknüpfen zu können. Die Protagonisten begleiten den Leser durch viele Jahre und nicht immer ist man mit ihrer Entwicklung einverstanden. Ich fühlte mich während des Lesens als Beobachter, so wirklich ist es mir nicht gelungen, in das Buch hineinzuversetzen. Die Personen erschienen mir teilweise etwas zu kühl und oberflächlich beschrieben.

Ich bin froh, "Ginsterburg" gelesen zu haben. Es hat meinen Horizont erweitert, es hat mir bewusst gemacht, dass es auch während des Krieges neben all den Gräueln so etwas wie "Normalität" und Alltag in dieser fürchterlichen Zeit gegeben hat. Und auch wenn mir manchmal ein bisschen der Zugang gefehlt hat, wenn manches etwas verwirrend war, so hatte ich doch eine informative Zeit während des Lesens.

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Veröffentlicht am 15.03.2025

Grenzerfahrung

9 Grad
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9 Grad kaltes Wasser - was macht es mit uns, wenn wir darin baden? Kann der Mensch das überhaupt unbeschadet überstehen? Rena ist schwer krank. Um sich neu zu spüren und die Grenzen ihres Körpers zu erfahren, ...

9 Grad kaltes Wasser - was macht es mit uns, wenn wir darin baden? Kann der Mensch das überhaupt unbeschadet überstehen? Rena ist schwer krank. Um sich neu zu spüren und die Grenzen ihres Körpers zu erfahren, badet sie in kaltem Wasser und animiert ihre Freundin Josie, es ihr gleich zu tun. Josie, die schon lange mit sich selbst nicht im Reinen ist erfährt durch das Eisbaden, wozu ihr Körper in der Lage ist und findet dadurch wieder mehr zu sich selbst. Und sie ist bereit, sich auf Lee einzulassen, ihre Tinder-Bekanntschaft, die ebenfalls mit sich selbst zu kämpfen hat.

"9 Grad" ist ein Roman über Freundschaft, über Unsicherheit und über Selbstfindung. Es ist ein Roman, der sehr deutlich zeigt, womit Jugendliche heute zu kämpfen haben und wie schwer es für sie ist, zu sich selbst zu finden. Es ist ein Roman über die Kraft der Freundschaft, über Krankheiten und Ängste, aber auch über ganz viel Egoismus. Elli Kolb hat einen Jugendroman geschaffen, der versucht, mit den unterschiedlichen Anforderungen des Lebens klar zu kommen und auch wenn das Thema "Freundschaft" groß geschrieben und ersehnt wird, so sind sich die Protagonisten doch selbst am Nächsten.

Elli Kolb schneidet in ihrem Buch viele Themen an, mit denen junge Menschen zu kämpfen haben und zeigt auch, wie schwer es ist, Hilfe zu finden und anzunehmen. Für viele - wie zB für den depressiven Lee - bleibt daher nur der Rückzug als Bewältigungsstrategie, andere, wie die schwerkranke Rena, verschwinden überhaupt völlig aus dem Leben ihrer Liebsten. Ich habe allerdings etwas Tiefe vermisst, und fand manche oberflächlichen Episoden zu langatmig.

Ich mochte die Sprache des Buches, insgesamt war es mir aber etwas zu "jugendlich" und problemlastig, sodass ich mich nicht ganz damit anfreunden konnte. Für die richtige Zielgruppe ist es aber durchaus empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Eine ganz besondere Familiengeschichte

Was du mir bedeutest
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Die Künstlerin Hanna Stiltje präsentiert ihr neuestes Werk - und verursacht damit Empörung unter Fans und Kritikern. Allzusehr unterscheidet es sich doch von allem, was sie bisher geschaffen hat. Doch ...

Die Künstlerin Hanna Stiltje präsentiert ihr neuestes Werk - und verursacht damit Empörung unter Fans und Kritikern. Allzusehr unterscheidet es sich doch von allem, was sie bisher geschaffen hat. Doch Hanna weiß, es ist ihr letztes Werk und es ist ein Werk, das Hanna und ihre Familie vereint und unzählige Erinnerungen abbildet. Man muss nur etwas genauer hinsehen und sich mit der Vergangenheit auseinandersetzen. Es ist die Geschichte von Kindern, die keiner wollte, die aber dennoch geliebt wurden und zu einer Familie wurden - bis das Schicksal einmal mehr zuschlug und sie wieder auseinander riss.

Sofia Lundberg ist mit "Was du mir bedeutest" ein großartiges Buch gelungen. Ein Buch voller Gefühl, ohne dabei schnulzig zu sein. Ein Buch mit einer zauberhaften Geschichte, die unglaublich berührt. Es ist das Buch von Kindern, die in ihrer Hoffnungslosigkeit Liebe fanden und von einer besonderen Frau, die es für wahr nicht einfach hatte, in der Kunst jedoch die Möglichkeit fand, sich auszudrücken und all das zu verarbeiten, das sie bewegte.

"Was du mir bedeutest" ist die Aufarbeitung einer besonderen Familiengeschichte und gleichzeitig ein Roman, wie er alltäglicher nicht sein könnte. Lundberg erzählt darin von denen, die keiner wollte und denen, die sie doch aus ganzem Herzen liebten. Von denen, die alles für andere geben und von denen, die es dann doch nicht ganz geschafft haben.

Das Lesen des Buches ließ mich tief eintauchen, in eine Gefühlswelt, wie ich sie lange bei der Lektüre eines Buches nicht mehr gespürt habe. All die schlimmen Situationen habe ich mitgelitten, all die Freude geteilt. Und ganz oft auch die ein oder andere Träne vergossen. "Was du mir bedeutest" ist ein wunderbares Buch voller Wärme, die den Schwierigkeiten des Lebens entgegen strahlt. Für mich ist das Buch ein ganz großes Lesehighlight das ich sehr gerne und bestimmt oft weiterempfehlen werde.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Spionagegeschichte mit Orientflair

Emma
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Die Französin Emma mit den "magischen Händen" wird auf Geheiß in den Oman berufen, um dort Masseure mit ihrem besonderen Können weiterzubilden. Was harmlos begann, stellte sich bald als ein Leben unter ...

Die Französin Emma mit den "magischen Händen" wird auf Geheiß in den Oman berufen, um dort Masseure mit ihrem besonderen Können weiterzubilden. Was harmlos begann, stellte sich bald als ein Leben unter Überwachung heraus und Emma kann keinen Schritt tun, ohne dass ihr Auftraggeber über sie Bescheid weiß. Eine verbotene Affäre mit dem Sohn des Premierministers, der mit der Tochter des omanischen Sultans verlobt ist, macht Emma erpressbar und schon bald findet sie sich mitten in einem Spionagefall wieder, in dem sie im Auftrag der französischen Regierung gegen ihren omanischen Liebhaber und weitgestrickte Machenschaften ermitteln soll.

"Emma" ist ein "Thriller", wie uns das Titelblatt verrät. Nun ja, meine Erwartungen waren hoch, sie wurden aber leider nicht erfüllt. Eingangs ist das Buch einfach ein Roman, der uns das Leben Emmas vermittelt und etwas "dahintröpfelt". Dann überschlagen sich die Ereignisse und man steckt übergangslos mitten drin in einer Spionagegeschichte, die aber auch nur wenig ausgereift ist und viel Raum für Spekulationen bietet. Und schließlich endet das Buch und die einst so leidenschaftliche Masseurin Emma macht quasi eine "Umschulung" zur Agentin.

Jean Reno vermag es, mit der Sprache zu spielen. Ist diese eingangs etwas gewöhnungsbedürftig, so hat sie mir im Endeffekt aber gefallen. Ich muss zugeben, den ein oder anderen Ausdruck musste ich nachschlagen, aber so habe ich tatsächlich auch einiges gelernt.

Am Schönsten an dem Buch fand ich den Schauplatz der Geschichte. Von Frankreich ging es nämlich direkt in den Oman, Emma durfte das Land und die Kultur kennenlernen. Diesen Teil fand ich am Gelungensten, was vielleicht daran lag, dass ich gerade selbst im Oman war und viele, der beschriebenen Orte wiedererkannt habe. Da ist so manche Schilderung wirklich gut gelungen und ich konnte das orientalische Flair durchaus nachvollziehen! Ach, wie gerne wäre ich doch mit Emma durch den Soul von Mutrah spaziert!

Insgesamt war ich mit "Emma" leider nicht ganz glücklich. Für den "Feelgood" Roman, als der sich der erste Teil liest, waren in der zweiten Hälfte zu viele Politik und üble Machenschaften involviert. Und für einen Thriller war es mir zu unspektakulär. Ein Buch, das von allem ein bisschen etwas hat, das mich aber trotzdem nicht ganz begeistert hat.

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