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Veröffentlicht am 28.05.2025

Ich bin zwiegespalten ...

Bad Blood
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Die ehrgeizige 35 Jahre junge Staatsanwältin Justine hat alles: Erfolg im Beruf, einen tollen Ehemann und ein schönes Leben in London. Doch als ein Geist aus ihrer Jugend auftaucht riskiert sie alles, ...

Die ehrgeizige 35 Jahre junge Staatsanwältin Justine hat alles: Erfolg im Beruf, einen tollen Ehemann und ein schönes Leben in London. Doch als ein Geist aus ihrer Jugend auftaucht riskiert sie alles, um einer “Obsession” nachzugehen.

Als Justine ihren ersten Mordfall zugewiesen bekommt, verändert sich innerhalb von Sekunden alles für sie, denn der Angeklagte ist ihre Jugendliebe Jake, der vor 18 Jahren plötzlich aus ihrem Leben verschwand. Obwohl es ihre Aufgabe ist, die forensischen Beweise zu nutzen, um ihn als Mörder darzustellen, sucht sie ergebnisoffen nach der Wahrheit - nach Wahrheiten, denn sie will endlich wissen, weshalb Jake ihre Beziehung damals so abrupt beendete. Doch Während ihrer Nachforschungen, die sie in die Kleinstadt führen, in der sie und Jake aufgewachsen sind, muss sie feststellen, dass nicht nur Jake, sondern auch ihr ihre Familie dunkle Geheimnisse hat - mindestens so dunkel wie das, das sie hütet. Dann wird die Leiche einer vermissten Person gefunden, sodass Justine ihre Ermittlungen ausdehnen muss ...

Justine ist interessant, man merkt sehr schnell, dass unter der adretten Oberfläche etwas Finsteres lauert. Sie ist sehr kritisch, aber immerhin auch selbstkritisch: sie trägt viele Schuldgefühle mit sich herum, sie weiß, dass viele Fehler machte und macht ...

Ich muss zugeben, ab einem gewissen Punkt nervte sie mich, weil ihre Gefühle, ihre Gedanken und ihr Handeln für mich oft keinen Sinn ergaben. Sie ist voller Widersprüche, was ja an sich immer interessant ist, in ihrem Fall fand ich allerdings vieles wenig plausibel.

Der locker leichte, lebendige sowie eindrückliche Schreibstil ließ mich nur so durch die Seiten fliegen und die vielen geheimnisvollen Andeutungen, die sich stückchenweise in Erkenntnisse verwandeln, sorgen für anhaltende Spannung. Die Handlung wird auf zwei Zeitebenen erzählt (vor 18 Jahren & jetzt/vor kurzem), hauptsächlich aus Justines Sicht, aber ihr Bruder, ihre Mutter und Jake kommen auch sporadisch zu Wort.

“Bad Blood” ist herrlich rätselhaft, komplex sowie spannend, die überraschenden, raffinierten Auflösungen empfand ich jedoch teilweise als wenig überzeugend gestaltet. Mein “Hauptproblem” war wohl die Protagonistin, sie wurde mir immer unsympathischer, denn obwohl ich moralisch graue Figuren sehr mag, konnte ich ihre Taten kaum nachvollziehen. Es geht auch nicht wirklich, wie der Klappentext mMn suggeriert, um Jakes Schuld oder Unschuld, sondern um Justine und ihre Familie.

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Zwei Parteien, vier Gegner!?

Devil's Kitchen
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Die Feuerwehrleute von Engine 99 sind engagiert, mutig und erfolgreich, doch sie sind keine Helden, sondern rachsüchtige, sadistische Verbrecher, die auch vor Mord nicht zurückschrecken! Sie inszenieren ...

Die Feuerwehrleute von Engine 99 sind engagiert, mutig und erfolgreich, doch sie sind keine Helden, sondern rachsüchtige, sadistische Verbrecher, die auch vor Mord nicht zurückschrecken! Sie inszenieren Feuernotfälle, um abzukassieren: sie nutzen den Ausnahmezustand, das Chaos, um unbehelligt Raubüberfälle zu begehen.

Die freischaffende, unorthodoxe Undercover-Ermittlerin Andy wird vom FBI auf diese Eliteeinheit der New Yorker Feuerwehr angesetzt: ihr Einstieg ist Ben, ein Feuerwehrmann, dem sie aus gutem Grund vertrauen kann, oder? Sie wird, als einzige Frau, Teil von Engine 99 und die chauvinistischen Männer machen es ihr natürlich nicht leicht. Zum Glück ist Andy gerissen, sodass sie sich in dieser eingeschworenen Männerwelt behaupten kann.

Innerhalb der Mannschaft herrscht generell ein sehr rauer Ton, die Männer sind nicht “nur” frauenfeindlich, sie gehen auch einander mit derb abfälligen Kommentaren an – so gesehen herrscht dann doch “Gleichberechtigung”.

Matt, der Chef der Crew ist der Schlimmste: er liebt es seine Macht auszuspielen, zu schikanieren, einzuschüchtern, Lektion zu erteilen ...

Dann ist da noch der Chef von Andy, ein egozentrischer emotionaler Mann, der höchst unprofessionell unterwegs ist ...

Ich fand Andy faszinierend verstörend: sie cool & tough, unerschrocken & knallhart, schonungslos & direkt, professionell & unprofessionell, clever & dumm, ihre Tricks sind oft beeindruckend und sie kann überraschend diplomatisch sein!

Ben war für mich bis zum Schluss undurchsichtig, da er meiner Ansicht nach einige extreme Widersprüche vereint, die es mir schwer machen ihn einzuschätzen.

Andy und Ben arbeiten heimlich zusammen, sie haben einen Deal aushandelt, der ein persönliches Interesse von Ben berücksichtig - im Eifer des Gefechts, angesichts der Gefahren und weil viel auf dem Spiel steht, schweben beide ständig zwischen Vertrauen & Verrat, persönlichen Interessen & professionellen Interessen sowie Gefahren ...

Einblicke in die Vergangenheit liefern nach und nach wertvolle Erkenntnisse, man erfährt auch Interessantes über die Arbeit von Feuerwehrleuten!

Die atemberaubende, fesselnde, actionreiche, robust humorige Handlung ist mMn weitaus facettenreicher bzw. vielschichtiger als der Klappentext vermuten lässt. Es geht um Traumata, Obsessionen, Verzweiflung, Hoffnung, Einsamkeit, Erotik, Gewalt und natürlich skrupellose Gier.

Während des letzten Drittels spitzt sich die Lage für alle zu, sodass die Spannung fast unerträglich wird

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Veröffentlicht am 26.05.2025

Witzig, bewegend, spannend!

Very Bad Widows
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Als die Ü60-Freundinnen Pam, Nancy und Shalisa erleben, wie sehr eine weitere Freundin nach dem Tod ihres Ehemannes aufblüht, kommen sie ins Grübeln: ihre Männer haben die Ersparnisse verzockt, einer ist ...

Als die Ü60-Freundinnen Pam, Nancy und Shalisa erleben, wie sehr eine weitere Freundin nach dem Tod ihres Ehemannes aufblüht, kommen sie ins Grübeln: ihre Männer haben die Ersparnisse verzockt, einer ist homophob gegen den eigenen Sohn und sie sind auch sonst eher unangenehme Zeitgenossen geworden. Kein Wunder also, dass die Frauen, als sie von den hohen Lebensversicherungen erfahren, die ihre Männer heimlich abgeschlossen haben, mörderische Pläne schmieden, um ebenfalls glückliche Witwen zu werden.

Die Lage ist allerdings kompliziert, denn ihre Männer sind in etwas verwickelt, dass den Frauen in die Queere kommt, und ein entscheidender Mann steht zwischen den Fronten: dumme Zufälle, Missverständnisse sowie Fehleinschätzungen nehmen ihren Lauf ...

Dann ist da noch die ambitionierte junge Padma aus Mumbai, die Chefin von Pams Mann, die sich und ihrer einflussreichen Mob-Mutter beweisen will, dass sie eine toughe Geschäftsfrau sein kann. Doch das erweist sich als nahezu unmöglich: ihre dominante Mutter macht sie ständig runter, drängt auf eine arrangierte Ehe und schickt ihr sogar “Babysitter” ...

Jetzt ist das Chaos perfekt, denn die entgegengesetzten Interessen der Möchte-Gern-Witwen, verzweifelten Ehemänner, eines eigentümlichen Auftragskillers und Padmas prallen aufeinander, was wirklich urkomisch ist, aber auch gefährlich ...

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven: aus Pams, der ihres Ehemannes, der des Auftragskillers und Padmas, was interessante Einblicke liefert sowie für Abwechslung sorgt.

Pam hat mir besonders gut gefallen, denn ihre coole “Komm mir nicht blöd”- Art ist beeindruckend!

“Very Bad Widows” ist eine großartige Krimi-Komödie: Der witzig spritzige, geistreiche Schreibstil, die kauzigen Charaktere, die sich toll weiterentwickeln, und die turbulente Handlung, voller Irrungen und Wirrungen, machen dieses Buch unwiderstehlich!

Ich habe nonstop mitgefiebert, denn die ereignisreiche, facettenreiche Handlung ist absolut packend sowie voller Wahnsinns-Wendungen!

Das Buch ist nicht “nur” spannend und herrlich schwarzhumorig, es wirft auch scharfsinnige, kluge, herzerwärmende Blicke auf Ehe, Freundschaft, Familie, Emanzipation sowie den Herbst des Lebens.

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Veröffentlicht am 23.05.2025

Nervenaufreibend spannend und ergreifend!

Eine von uns
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Das Haus der Ehefrau und Mutter Ginas wird bei einem Feuer zerstört, doch glücklicherweise bietet ihre langjährige Freundin Annie, die auf Reisen ist, an, eine Weile in ihrem Haus an der Südküste Englands ...

Das Haus der Ehefrau und Mutter Ginas wird bei einem Feuer zerstört, doch glücklicherweise bietet ihre langjährige Freundin Annie, die auf Reisen ist, an, eine Weile in ihrem Haus an der Südküste Englands zu wohnen. Dann taucht Mary auf, die Haushälterin, die Annie in den höchsten Tönen lobt, und diese macht sich schnell unentbehrlich - ist das nicht ein bisschen zu schön, um echt zu sein? Während Gina darüber nachdenkt, zweifelt sowie immer unsicherer wird, wird sie zudem langsam aber sich von einem verheerenden Ereignis aus ihrer Vergangenheit eingeholt, denn: Annies Haus steht in ihrer gemeinsamen Heimatstadt, aus der Gina vor über 20 Jahren regelrecht geflohen ist ...

Der Prolog schildert etwas Entsetzliches und macht neugierig, da viele Fragen aufgeworfen werden!

Die Haushälterin Mary wirkt von Anfang an subtil aufdringlich und ich fand es faszinierend verstörend, wie raffiniert dreist sie sich bei Gina einnistet: sie nutzt ihre Schwächen - Höflichkeit und Bequemlichkeit! Denn: obwohl Gina ein vage ungutes Gefühl hat, nimmt sie Marys Hilfe nach kurzem Zögern an, vertraut ihr schließlich sogar ihre Kinder an.

Aus Mary Perspektive erfährt man sehr schnell, dass sie nicht ist, wie sie vorgibt zu sein: ihr wahres Gesicht (ihre kalte, berechnende Art) ist ein drastischer Gegensatz zu der Fassade, die sie Gina zeigt.

Aus Ginas Perspektive gibt es Andeutungen über Schuldgefühle bezüglich einer Nacht vor vielen Jahren.

Einblicke in die Vergangenheit liefern allmählich Antworten, parallel zur fortschreitenden Handlung in der Gegenwart.

“Eine von uns” ist von Anfang an rätselhaft sowie packend! Der flüssige Schreibstil und die ereignis- plus temporeiche Handlung sind mitreißend und die Charaktere sind interessant. Ich finde allerdings, dass einige Elemente ein bisschen oberflächlich bzw. eher wenig plausibel sind. Das letzte Drittel ist jedoch so nervenaufreibend spannend, voller verblüffender Überraschungen sowie absolut erschütternd, dass mich das kaum störte.

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Veröffentlicht am 21.05.2025

WOW!

Mittsommer
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Francesca stammt aus einer reichen Familie und sie hat ein Anwesen an der südenglischen Küste geerbt. Sie verwandelt es in ein Luxus-Retreat und veranstaltet, obwohl noch nicht alles fertig ist, eine Wochenend-Eröffnungs-Feier ...

Francesca stammt aus einer reichen Familie und sie hat ein Anwesen an der südenglischen Küste geerbt. Sie verwandelt es in ein Luxus-Retreat und veranstaltet, obwohl noch nicht alles fertig ist, eine Wochenend-Eröffnungs-Feier rund um Mittsommer.

Der Dorfgemeinschaft gefällt das gar nicht, denn nun darf man den angrenzenden Wald und Stand nicht mehr betreten. Einige Jugendliche mit der Einstellung “Eat the Rich” sorgen während des Eröffnungswochenendes mehrmals für Ärger, dann sind da noch gruselige Gerüchte über einen heidnischen Geheimbund, deren Mitglieder sich für Gerechtigkeit außerhalb des Rechtssystems einsetzen, und der “Aberglaube” der Einheimischen ist weitreichend.

Das Einweihungswochenende verläuft alles andere als reibungslos und die Stimmung wird zunehmend chaotischer, feindseliger, finsterer. Wahre Identitäten werden aufgedeckt, unheimliche Vorfälle häufen sich, dunkle Geheimnisse werden enthüllt, lange gehegter Groll bricht sich Bahn und während des Mittsommer-Festgelages überschlagen sich die Ereignisse schließlich: nicht alle überleben die kürzeste Nacht des Jahres.

“Mittsommer” ist eine unwiderstehliche Mischung aus düsteren Legenden, verheerenden Begegnungen und verhängnisvollen Sommernächten.

Der atmosphärische, eindrückliche Schreibstil ist mitreißend, genau wie die Handlung, die von Anfang an unheilvoll, mysteriös sowie wirklich packend ist. Und der berühmte britische Humor, der extremen Situationen einen tragisch komischen Touch verleiht, ist wirkungsvoll und wohldosiert platziert!

Erzählt wird auf mehreren Zeitebenen (vor 15 Jahren, während der Eröffnungsfeierlichkeiten, kurz danach) und aus verschiedenen Perspektiven: aus Francescas (die Retreat-Besitzerin), aus Owens (ihrem Ehemann), aus Bellas (eine Gästin), aus Eddies (ein 19-jähriger Angestellter) und aus DI Walkers (der Detective, der auf dem Anwesen ermittelt).

Francesca ist das Klischee einer furchtbaren reichen Person: selbstherrlich, oberflächlich, rücksichtslos, manipulativ sowie pseudo spirituell bzw. möchte-gern naturverbunden. Ihre Art Lügen schönzureden und Grausamkeiten zu rechtfertigen hat etwas Psychotisches, doch ihr Mann ist so sehr mit seinen heiklen Geheimnissen beschäftigt, dass er ihr wahres Gesicht hinter der “Zen-Fassade” lange nicht sieht. Bella, Eddie, DI Walker und einige Einheimische sind interessant: manche bleiben hinter ihren eigenen Erwartungen zurück, andere wachsen über sich hinaus und einige sind nicht wer sie zu sein scheinen ...

“Mittsommernacht” ist ein mitreißender, raffinierter Thriller mit faszinierend verstörenden Figurendynamiken: mysteriös, vielschichtig sowie absolut fesselnd! Die Erkenntnisse, die sich Stück für Stück ergeben, sind bewegend, die entsetzlichen Zusammenhänge sind überraschend und die verblüffenden Wendungen scheinen kein Ende zu nehmen!

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