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Veröffentlicht am 09.05.2026

Die Anatomie eines Vermisstenfalls

Happiness Falls
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Ich würde diesen Roman über das Verschwinden eines Ehemanns und Vaters von drei Kindern als außergewöhnlich bezeichnen. Für mich fühlte es sich an, als würde ich ein Tagebuch lesen. Erzählt wird aus der ...

Ich würde diesen Roman über das Verschwinden eines Ehemanns und Vaters von drei Kindern als außergewöhnlich bezeichnen. Für mich fühlte es sich an, als würde ich ein Tagebuch lesen. Erzählt wird aus der Sicht der jugendlichen Tochter, die meiner Meinung nach eine bemerkenswerte Erzählerin ist: reif, reflektiert, selbstkritisch, verkopft und gleichzeitig emotional. Ihre Gedanken wirken oft akademisch und philosophisch, ergänzt durch viele gesellschaftskritische Beobachtungen – das fand ich spannend und anregend.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Beklemmend, düster, rätselhaft

Home Before Dark
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Ländliches Island, November 1967: Die 14-jährige Marsibil hat einen geheimen Brieffreund, der sie persönlich kennenlernen will. Sie stimmt zu, wenn auch mit einem unguten Gefühl, denn sie hat sich als ...

Ländliches Island, November 1967: Die 14-jährige Marsibil hat einen geheimen Brieffreund, der sie persönlich kennenlernen will. Sie stimmt zu, wenn auch mit einem unguten Gefühl, denn sie hat sich als ihre ältere Schwester Stina ausgegeben, weil sie gerne wäre wie sie – lebensfroh, beliebt, hübsch. Sie schafft es jedoch nicht zu dem Treffen und Stina, die von einem Filmabend bei ihrer Freundin nicht nach Hause gekommen ist, wird vermisst. Kurz darauf wird ihre blutbefleckte Jacke gefunden – an dem Ort, an dem Marsibil ihren Brieffreund treffen wollte. Aber sie schämt sich zu sehr, um von ihrem Verdacht, dass ihr Brieffreund etwas damit zu haben könnte, zu erzählen, und Stina wird nie gefunden.

Ländliches Island, November 1977: Als Marsibil ihre Eltern zum 10. Jahrestag von Stinas Verschwinden besucht, beschließt sie herauszufinden, was damals geschehen ist, denn es geht wieder los – ihr Brieffreund meldet sich nach zehn Jahren. Seine zuckersüße wie bedrohliche Botschaft verwandelt ihre ungebrochenen Schuldgefühle in Angst. Sie muss herausfinden, von wem diese Briefe stammen, um nicht das nächste Opfer zu werden und, um endlich zu verstehen, was in jener Nacht passiert ist. Die Gewissensbisse, die sie seit Stinas Verschwinden plagen, haben sie in eine Abwärtsspirale geführt, und Antworten zu finden, könnte alles verändern, zum Besseren wenden.

Marsibil ist jedoch labil: Sie neigt zu selbstzerstörerischem Verhalten, sie ist andauernd angespannt, sie leidet unter Schlafstörungen sowie Albträumen – ihre Träume drängen sich in die Realität, dauern nach dem Aufwachen weiter an, sodass sie Mühe hat, ihre Wahrnehmungen richtig einzuordnen. Auf ihre Erinnerungen ist auch kein Verlass – sie weiß nicht was während ihrer Kindheit/Jugend wirklich passiert ist und was sie sich irrtümlicherweise zusammengereimt hat. Ihre verschlossenen, ausweichenden Eltern, seltsame Fotos im Familienalbum sowie verschwundene Unterlagen verstärken ihre Verwirrung, sodass sie sich an Leute wendet, die damals mit Stina befreundet waren.

Die greifbar beklemmende Atmosphäre in Marsibils trostlosem Heimatdorf, ihre passiv aggressiven Eltern, die mysteriösen Briefe, die verstörenden Begebenheiten, die sich seit Marsibils Ankunft in dem kleinen Ort ereignen, und die mit Unsicherheit, Angst sowie Schuldgefühlen verbundenen Nachforschungen haben mich von Anfang an gepackt und immer weiterblättern lassen!

Die wechselnden Perspektiven eröffnen spannende Einblicke in die Jugendaktivitäten sowie das Familienleben der Schwestern. Die Gefühle und Gedanken der beiden kommen hautnah an und ich fand sowohl das Island‑Setting als auch die Zeitreise faszinierend.

“Home Before Dark” ist durchweg spannend gestaltet, mal subtil, mal konkret. Die authentischen, teils undurchsichtigen Figuren, die (auf vielfältige Weise erzeugte) unheilvolle Stimmung und die erschütternden Wendungen haben mich restlos überzeugt!

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Veröffentlicht am 04.05.2026

Gefangen in einem 20 Jahre währenden Albtraum

DARKROOMS
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Die Irin Caitlin lebt inzwischen in England, doch nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie in ihre Heimat zurück. Der Verlust ist aber nicht das Einzige, was sie belastet: In dem kleinen Ort ereignete sich ...

Die Irin Caitlin lebt inzwischen in England, doch nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie in ihre Heimat zurück. Der Verlust ist aber nicht das Einzige, was sie belastet: In dem kleinen Ort ereignete sich vor zwanzig Jahren etwas Entsetzliches, etwas, das im Verschwinden der 9‑jährigen Roisin gipfelte. Das hat alles verändert, nicht nur für Caitlin, die Roisin vermutlich als Letzte gesehen hat, sondern auch für die Polizistin Deedee, die bis heute versucht herauszufinden, was ihrer Schwester Roisin zugestoßen ist. Verschiedene Ereignisse lassen die beiden erkennen, dass die Vergangenheit noch eine Rechnung mit ihnen offen hat. Dass sie sich den vielen schmerzhaften Wahrheiten stellen müssen, wenn sie den Albträumen entkommen wollen, zu denen ihre Leben geworden sind.

Der atmosphärische, tiefschürfende Erzählstil hat mich direkt gepackt! Auf mich wirkten die wiederkehrenden “abstrakten Darstellungen” von Wahrnehmungen und die vagen Andeutungen wie Fragmente eines Albtraums. Mir hat das sehr gut gefallen, ich fand es originell, intensiv und psychologisch düster!

Die Protagonistinnen sind keine Sympathieträgerinnen: Einerseits sind sie passiv, lassen sich treiben, andererseits machen sie oft andere zur Zielscheibe ihres Frusts, manipulieren und stiften Unruhe. Zudem neigen sie zu selbstzerstörerischem Verhalten.

Die Handlung ist vielschichtig: Caitlin und Deedee hatten, aus unterschiedlichen Gründen, eine traumatische Kindheit. Sie hatten bzw. haben eine kompliziere Beziehung zu der einflussreichsten Familie des Ortes. Der Wald, in dem Roisin zuletzt gesehen wurde, soll nun gerodet werden. Dann sind da noch die bösen wie die guten Geister der Vergangenheit …

“Darkrooms” ist ein außergewöhnlicher Thriller, der mich vor allem mit seinem eindringlichen Erzählstil und seinen faszinierend verstörenden Figuren beeindruckt hat. Auch die Handlung fand ich packend: ereignisreich, geprägt von Erkenntnissen, die zunächst mehr Fragen als Antworten mit sich bringen, und damit für anhaltende Spannung sorgen.

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Veröffentlicht am 30.04.2026

Spannung mit Tiefgang

The Sea Sisters
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Das Leben der Engländerin Katie bricht zusammen, als sie erfährt, dass ihre jüngere Schwester Mia auf Bali tot aufgefunden wurde: Laut Zeugenaussagen war es Selbstmord. Doch Katie kann das nicht glauben ...

Das Leben der Engländerin Katie bricht zusammen, als sie erfährt, dass ihre jüngere Schwester Mia auf Bali tot aufgefunden wurde: Laut Zeugenaussagen war es Selbstmord. Doch Katie kann das nicht glauben und als ihr Mias Sachen geschickt werden, trifft sie eine Entscheidung, die alles nachhaltig verändern wird: Sie liest Mias Reisetagebuch, während sie den Spuren ihrer Schwester folgt; Kalifornien, Hawaii, Australien, Bali …

Seite für Seite entdeckt sie, was Mia entdeckte: gut gemeinte Lügen, dunkle Geheimnisse und schuldiges Schweigen um Familie, Freundschaft, romantische Liebe sowie die Schatten der Vergangenheit …

Die Beziehung zwischen den Schwestern war nervenaufreibend: Ihre Verbundenheit stand immer auf Messers Schneide, war immer kurz davor, in Feindseligkeit oder gar Verachtung umzuschlagen. Jede Meinungsverschiedenheit, jede kleine Kränkung wurde zum Sturm im Wasserglas. Die tiefgehenden Verletzungen hingegen waren leise, aber folgenschwer …

Der atmosphärische, eindringliche Erzählstil, die tiefschürfenden Schilderungen befreiender, aufregender sowie niederschmetternder Gefühle und die komplizierten Figurendynamiken sind absolut mitreißend!

Die Schwestern sind großartig gezeichnet! Sie sind grundverschieden: Katie ist vernünftig und verantwortungsbewusst, während Mia wie ein Blatt im Wind treibt, ohne Ziele, ohne Verpflichtungen. Aber sie haben eins gemeinsam; beide haben ihren eigenen Kopf, gehen ihren eigenen Weg, auch wenn es weh tut!

Die Dramaturgie ist brillant: Katies und Mias Erkenntnisse und Erlebnisse verschmelzen miteinander, sodass die unterschiedlichen Perspektiven auf zwei Zeitebenen ihre Beziehung spiegeln – innig, nah und doch voneinander entfernt.

Die emotionale, facettenreiche, ereignisreiche Handlung voller erschütternder Enthüllungen, das melancholische, beklemmende Urlaubsfeeling und das bittersüße Ende machen “The Sea Sisters” zu einem intensiven Leseerlebnis, das lange nachhallt!

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Veröffentlicht am 29.04.2026

Einiges war nicht nach meinem Geschmack

The Box in the Woods. Schau nicht hinein
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“Box in the Woods” knüpft ein kleines bisschen an die Ellingham Academy-Reihe an, man kann das Buch aber sehr gut unabhängig davon lesen.

Stevie, eine bekannte Hobbydetektivin und Schülerin an der Ellingham ...

“Box in the Woods” knüpft ein kleines bisschen an die Ellingham Academy-Reihe an, man kann das Buch aber sehr gut unabhängig davon lesen.

Stevie, eine bekannte Hobbydetektivin und Schülerin an der Ellingham Academy (ein Internat, das Jugendliche mit ambitionierten Zielen auf kreative Art unterstützt) weiß einen kniffligen Mordfall zu schätzen. Jetzt darf sie einen Cold Case untersuchen: In dem Wald nahe des Sommercamps Wonder Falls wurden 1978 vier jugendliche Betreuer:innen brutal ermordet aufgefunden — der Fall ist bis heute ungeklärt. Der neue Campbesitzer Carson lädt Stevie ein, um das makabere Massaker unter die Lupe zu nehmen und einen True-Crime-Podcast aufzunehmen. Doch kaum angekommen, häufen sich bedrohliche Vorfälle, dann wird wieder eine Leiche gefunden …

Stevie macht sich also mit ihrer besten Freundin Janell und ihrem guten Freund Nate auf den Weg zum Sommercamp, wo sie offiziell als Betreuer:innen arbeiten. Der gewiefte Geschäftsmann Carson hat alles vorbereitet: Es gibt eine Präsentation mit Fakten sowie Hintergrundinformationen. Zudem hat er alle, die mit dem Fall in Verbindung stehen, zusammengetrommelt und gibt sich größte Mühe, sich einzuschmeicheln, damit sie sich für den geplanten Podcast interviewen lassen.

Die Handlung entfaltet sich aus verschiedenen Blickwinkeln, auf zwei Zeitebenen: 1978 begleitet man die beiden Paare, die schließlich ermordet wurden, erfährt, was danach geschah sowie kurz davor. In der Gegenwart erzählt Stevie äußerst amüsant von ihren facettenreichen Erfahrungen in dem Sommercamp und der nahe liegenden Kleinstadt.

Der lebendige, unterhaltsame Schreibstil ist einerseits mitreißend, andererseits war mir die Erzählweise manchmal etwas zu ausführlich und zu ausgeschmückt. Die Charaktere sind herrlich eigentümlich und die Dynamik zwischen ihnen ist interessant. Die Handlung ist ungemein atmosphärisch, rätselhaft sowie leicht gruselig, doch entscheidende Elemente werden meiner Meinung nach wiederholt ausgeführt, was Tempo und Spannung für mich ein bisschen ausbremste. Außerdem wirkte einiges nicht besonders plausibel auf mich.

“Box in the Woods” hinterlässt mich zwiegespalten. Sehr gelungen fand ich die greifbare Sommerlagerstimmung, die mysteriösen Morde, die ereignisreiche Handlung, den humorvollen Ton, die Figurendynamik sowie die überraschende Auflösung. Für meinen Geschmack gibt es allerdings ein paar Längen und ein paar Zusammenhänge empfand ich als überkonstruiert.

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