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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.06.2025

Atmosphärisch und düster!

Die Insel - einer kennt die ganze Wahrheit
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Als Isak mit seiner Freundin nach Gotland reist, ist er voller Ängste - wie wird das Wiedersehen mit seinem Vater nach über zehn Jahren der Funkstille verlaufen? Isaks Großvater, bei dem er ab seinem Lebensjahr ...

Als Isak mit seiner Freundin nach Gotland reist, ist er voller Ängste - wie wird das Wiedersehen mit seinem Vater nach über zehn Jahren der Funkstille verlaufen? Isaks Großvater, bei dem er ab seinem Lebensjahr aufgewachsen ist, hat ihn immer vor der Unberechenbarkeit des Vaters gewarnt. Oberflächlich ist zwar alles großartig - es gibt schicke Cocktails, herausragende Mahlzeiten und jeden erdenklichen Komfort – aber Isaks Vater verhält sich seltsam und die Stimmung wir zunehmend angespannter.

“Die Insel” schreitet eine Weile lang still und leise voran, doch die unheilvollen Andeutungen machen neugierig und die subtile Psychospannung sorgt für Gänsehautmomente! Erzählt wird ungemein eindrücklich und feinfühlig aus Isaks Perspektive, auf zwei Zeitebenen. In der Vergangenheit schildert er, warum und wie er bei seinem Großvater aufwuchs, seine Gedanken zu seiner Beziehung sowie die Achterbahn der Gefühle, die durch das Wiedersehen mit seinem Vater in Gang gesetzt wird. In der Gegenwart geht es um seine problematische Lage nach dem Besuch bei seinem Vater ...

Man taucht tief in Isaks Innenleben ein, aufgrund eines Kindheitstraumas ist er eigentümlich, lebt oft in seiner eigenen Welt. Zudem ist er voller widerstreitender Gefühle, weil er meistens versucht es allen recht zu machen und seine eigenen Bedürfnisse zwanghaft unterdrückt. Er hat eine Riesenangst davor, dass sein wahres Ich seinen Großvater und Madde verärgern oder gar vergraulen könnte. Innerlich fühlt er sich schwach, weshalb er nach außen hin cool, tough sowie souverän agiert bzw. es versucht.

Der Besuch auf Gotland wirkt von Anfang an seltsam bis verstörend, doch ab einem gewissen Punkt läuft alles aus dem Ruder. Täuschungen, Lügen und Psychospielchen führen zu tiefgreifender Unsicherheit, quälenden Zweifeln sowie verheerender Verzweiflung – bei fast allen Beteiligten!

“Die Insel” überzeugt mit einer greifbar beklemmenden Atmosphäre, undurchsichtigen Charakteren sowie menschlichen Abgründen. Raffinierte falsche Fährten und entsetzliche Erkenntnisse bringen gelungene Wendungen mit sich, die nervenaufreibend, erschütternd und wirklich überraschend sind! Ich vergebe dennoch “nur” 4 von 5 Sternen, da mir der Erzählstil stellenweise etwas zu ausführlich war und es der Handlung meiner Meinung nach dadurch gelegentlich an Tempo fehlte. Zudem wurde das Potenzial des Settings für meinen Geschmack nicht vollständig ausgeschöpft.

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Veröffentlicht am 25.06.2025

Eine großartige Reihe, die mit jedem Band auf Neue begeistert!

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
1

Nachdem sich der ruppige, regeln-ignorierende BKA-Ermittler Art in Band 1 und 2 mit seiner bzw. der Vergangenheit einer Jugendfreundin auseinandersetzen musste, geht es in Band 3 um die Vergangenheit seiner ...

Nachdem sich der ruppige, regeln-ignorierende BKA-Ermittler Art in Band 1 und 2 mit seiner bzw. der Vergangenheit einer Jugendfreundin auseinandersetzen musste, geht es in Band 3 um die Vergangenheit seiner Nachbarin. Dana wird seit 1,5 Jahren vermisst und Art kümmert sich seither um ihre 8-jährige Tochter Milla, da der Vater abgehauen und die demenzkranke Großmutter überfordert ist. An Millas Schule gibt es einen verdächtigen Vorfall, kurz darauf erhält Art einen anonymen Hinweis bezüglich Danas Verschwinden - dieser führt ihn und seine Kollegin Nele zu einer verlassenen Wohnwagensiedlung, wo sie Entsetzliches entdecken ...

“Die Nacht” ist von der ersten bis zur letzten Seite mysteriös sowie spannend! Und aufgrund des atmosphärischen, ausdrucksstarken, tiefgründigen Erzählstils kommt alles hautnah an!

Art hat immer noch komplizierte Gefühle bezüglich seiner Vergangenheit, die immer wieder nachhallt, er macht sich aber vor allem Sorgen angesichts Millas Lage bzw. der ihrer Mutter. Nele ist in Elternzeit und vermisst ihre Arbeit, weshalb sie mit Art inoffiziell nach Millas Mutter sucht. Nele ist das vernünftige, umgängliche Gegengewicht zu Arts ausgeprägtem Eigensinn, doch sie kann auch anders (hat sie das womöglich von Art gelernt?), wenn man ihre Grenzen überschreitet. Das Zwischenmenschliche ist genauso packend wie die Ermittlungen, die mal aus Arts, mal aus Neles Perspektive geschildert werden.

In Rückblicken erfährt man aus Danas Sicht, was sie als Jugendliche erlebte. In ihrer Familie (Sie, ihr Bruder, ihre Mutter & ihr Stiefvater) herrschte stets eine angespannte Stimmung. Dana wollte das Leben dennoch genießen, mit ihrer Clique Spaß haben, in ihrem Umfeld war allerdings nichts so wie es schien und während einer verheerenden Sommernacht lief alles aus dem Ruder – mit fatalen Folgen!

Es gibt wieder Verbindungen zu hohen Tieren, doch der Bundeskanzler Henrik Westphal und seine Frau Juli spielen dieses Mal nur sehr indirekt eine Rolle.

“Die Nacht” ist ein wahrer Pageturner: rasant, ereignisreich, durchweg fesselnd sowie voller überraschender Wendungen! Marc Raabe hat das Talent absolut authentische Begebenheiten und Charaktere (auch alle Nebenfiguren!) zu erschaffen, ohne dass es je banal wirkt! Die einzelnen Handlungsstränge dieses verästelten Thrillers werden allmählich raffiniert sowie überzeugend zusammengeführt und neue Erkenntnisse, die offene Fragen mit sich bringen, machen Appetit auf den 4. Band!

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Veröffentlicht am 23.06.2025

Realsatire!?

Geht so
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Marisa betrachtet ihre kreative Tätigkeit in einer Madrider Werbeagentur als stumpfsinnig, sie findet fast alles und alle lächerlich: die Meetings, die vermeintlichen Krisen, ihren Chef, ihre Kollegen, ...

Marisa betrachtet ihre kreative Tätigkeit in einer Madrider Werbeagentur als stumpfsinnig, sie findet fast alles und alle lächerlich: die Meetings, die vermeintlichen Krisen, ihren Chef, ihre Kollegen, ihre Kolleginnen etc.

Sie zieht immer eine Show ab: tut so, als würde sie arbeiten, während sie sich in Wirklichkeit ewig lange YouTube Videos reinzieht, überträgt ihre Aufgaben geschickt an andere und gibt nichtssagende zufriedenstellende Antworten, um ihre Ruhe zu haben. Man erfährt aber auch Interessantes sowie Bewegendes über ihr Liebesleben, die Beziehung zu ihren Eltern sowie ihre Freundschaften.

Marisas nimmt ständig Beruhigungstabletten, trinkt viel Wein (zu sündhaft teuren Delikatessen) und ist ständig auf der Suche nach weiteren Ablenkungen, nach Motivation, nach Sinn, nach Gleichgesinnten, nach etwas, das die Leere füllt ...

Als ein Teambuilding-Wochenende ansteht, schlägt ihre “Lebensuntauglichkeit” voll zu: sie besorgt sich Drogen, um diesen skurrilen Horror (alberne Aktivitäten, pseudo inspirierende Vorträge) zu überleben und dann hat sie noch eine ganz dumme Idee - und letztendlich Glück im Unglück oder so ähnlich ...

OMG, was für ein grandioses Buch!!! Die Autorin erkennt all die kleinen wie großen Kuriositäten des Arbeitslebens, der Medienlandschaft sowie vorherrschende gesellschaftliche Gegebenheiten als überkonstruiert, überbewertet und/oder absurd (z. B. frischgebackene Eltern voller Stolz, wichtigtuerische Idioten in Anzügen, die den Ton angeben etc.). Marisas Erfahrungen, Ansichten sowie Erkenntnisse werden messerscharf, geistreich, selbstironisch selbstkritisch, sarkastisch, unterhaltsam und meiner Meinung nach ziemlich zutreffend beschrieben. Ja, manches wirkt evtl. ein bisschen überzogen, das dient jedoch der Verdeutlichung und ist zum Brüllen komisch, manchmal auch tragisch komisch oder gar melancholisch, bis hin zum bittersüßen Ende!

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Unterhaltsam und packend!

People Pleaser
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Die junge, schöne Maggie ist dank der beliebten Dating-Show LoveShack berühmt und reich geworden! Sie und ihr Reality-TV-Ehemann führen ein glamouröses Leben, doch dann wird sie brutal ermordet. Emma ist ...

Die junge, schöne Maggie ist dank der beliebten Dating-Show LoveShack berühmt und reich geworden! Sie und ihr Reality-TV-Ehemann führen ein glamouröses Leben, doch dann wird sie brutal ermordet. Emma ist das absolute Gegenteil ihrer betörenden Schwester und nach Maggies Reality-TV-Erfolg haben sie sich ein bisschen auseinandergelebt. Nichtsdestotrotz hat Maggies Tod sie in eine tiefe Depression gestürzt und als das LAPD den Mord ungelöst zu den Akten legt, will sie den Mörder ihrer Schwester finden.

In “People Pleaser” wird die Welt der Reichen und Schönen, die Oberflächlichkeit zu der Writer, Producer, Reality-TV-Stars sowie Influencer gezwungen werden, kritisch beleuchtet und ein bisschen durch den Kakao gezogen, was herrlich selbstironisch und unterhaltsam ist!

Erzählt wird, lebendig und ausdrucksstark, aus vier Perspektiven: aus Maggies, Emmas, Amandas (eine Drehbuchautorin/Produzentin) sowie Jills (Emmas beste Freundin & die Assistentin von Amanda). Maggies ungeklärter Mord ist zu einem True Crime Spektakel und einer Belastung geworden - ihre Fans fordern Gerechtigkeit, sie ergehen sich in Verschwörungstheorien. Emma ist nur noch ein phlegmatischer, lebensuntauglicher Schatten ihrer selbst. Jill versucht sie unterstützen, ist aber auch ein bisschen genervt von ihrer Rolle als Babysitter. Amanda will helfen den Mord aufklären, weil sie eine sinnvolle Beschäftigung braucht, um nicht wieder den Drogen zu verfallen, und weil sie sich verantwortlich fühlt ...

Von Maggie gibt es Einblicke in die Vergangenheit, man erfährt, warum sich auf eine Dating-Show einließ, wie es ihr dabei erging und weshalb sie schließlich sogar ihren Reality-TV-Traumpartner geheiratet hat. Emma, Jill und Amanda tun sich zusammen, um zu ermitteln, was amüsant, ereignisreich, psychologisch interessant sowie packend gestaltet ist.

Die Amateur-Ermittlerinnen stoßen auf Rätselhaftes, auf Dinge, die keinen Sinn zu ergeben scheinen und es sieht so aus, als hätte Maggie heikle Geheimnisse gehütet - dabei dachte Emma, dass sie und ihre Schwester alles voneinander wissen! Maggie ist jedoch nicht die Einzige, die einiges verheimlicht ...

“People Pleaser” ist eine spritzige “Showbusiness-Satire”, schwarzhumorige Gesellschaftskritik und ein fesselnder, wendungsreicher Thriller - zudem ein großartiges Debüt! Die verschiedenen Perspektiven liefern faszinierend verstörende Einblicke ins Showgeschäft und in das Leben der Charaktere, die allmählich ein erschütterndes Bild ergeben.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Meinen Geschmack traf es nicht

Die feindliche Zeugin
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Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, wird in London wegen Mordes an einem weißen Mann verhaftet. Die Beweislage spricht gegen ihn und die Vorverurteilung in den Medien ist niederschmetternd, doch seine ...

Emmett, ein schwarzer Jugendlicher, wird in London wegen Mordes an einem weißen Mann verhaftet. Die Beweislage spricht gegen ihn und die Vorverurteilung in den Medien ist niederschmetternd, doch seine ambitionierte schwarze Strafverteidigerin Rosa Higgins hat den Verdacht, dass hier etwas faul ist und forscht hartnäckig nach ...

Erzählt wird aus Rosas und Emmetts Sicht. Aus Rosa Perspektive erfährt man viel über die Abläufe eines Strafverfahrens im britischen Rechtssystems und darüber, wie es hinter den Kulissen zugeht. Konservative weiße Männer mit Upperclass-Herkunft geben den Ton an. Ihre Möglichkeiten bzw. Verbindungen bedeuten zudem entscheidende Vorteile - vor, während sowie nach der Ausbildung! Aus Emmets Sicht erfährt man wie er die Untersuchungshaft erlebt und ansatzweise, wieso er sich kaum zum Tathergang äußert.

Rosa ist absolut glaubwürdig, mit echten Fehlern: ihre Alltagsorganisation, ihre Beziehung und ihre Familienangelegenheiten sind chaotisch sowie kompliziert, da sie alles vernachlässigt, was nicht mit der Arbeit zu tun hat. Sie hat es wirklich nicht leicht, als schwarze Frau ohne Oberschicht-Herkunft muss sie gegen Nachteile ankämpfen!

Die Ignoranz, die Vorurteile und die Diskriminierung kommen hautnah an. Man spürt die Ohnmacht bzw. den Frust aufgrund der vielen kleinen wie großen, leichtfertigen gleichzeitig tiefschürfenden Ungerechtigkeiten gegenüber Rosa sowie Emmett.

Ich fand den Schreibstil weder besonders gut noch schlecht, manches war mir zu ausführlich und einige Kapitel bzw. Passagen waren für mich nichtssagend. Die Handlung hätte mMn ein bisschen mehr Tempo vertragen können und die meisten Charaktere waren mir wenig sympathisch und ich empfand viele als klischeehaft gezeichnet. Die Dynamik zwischen ihnen ergab für mich auch kaum Sinn, denn irgendwie sind alle meistens kalt bzw. schroff zueinander, sogar diejenigen, die sich nahestehen und viel bedeuten.

“Die feindliche Zeugin” wurde für mich erst zum Ende hin spannend. Die Geschichte an sich, mit all den wichtigen Themen, und der Auflösung ist toll, doch die Umsetzung traf meinen Geschmack einfach nicht. Die eindringlichen Darstellungen der Ignoranz der Überprivilegierten gegenüber den Interessen der “anderen”, von “Alltagsrassismus” sowie “Alltagsfrauenfeindlichkeit” fand ich wirklich gelungen, genau wie Rosas übermäßiges Engagement – beides ist bewegend und erschreckend gestaltet!

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