Sehr feinfühlig erzählt
Alle Farben von LichtRio verlor vor einem Jahr seine Zwillingsschwester und mit ihr den Boden unter den Füßen. Präsent ist sie jedoch noch immer; genauso wie die schweren Depressionen, die Rio seither plagen. Als er jedoch ...
Rio verlor vor einem Jahr seine Zwillingsschwester und mit ihr den Boden unter den Füßen. Präsent ist sie jedoch noch immer; genauso wie die schweren Depressionen, die Rio seither plagen. Als er jedoch auf Mavis‘ Kamera Fotos von Menschen und Orten entdeckt, die er nicht kennt, beginnt er zu recherchieren, sucht mit Hilfe des Nachbarjungen Franz diese auf und beginnt dadurch sich selbst langsam zu öffnen und wieder etwas Licht wahrzunehmen.
Annika Scheffel hat mit ‚alle Farben von Licht‘ mich zutiefst berührt. Sie erzählt ungeheuer emphatisch und schafft es dabei sehr authentisch Emotionen, Situationen und Seelenzustände zu beschreiben, Charaktere zum Leben zu erwecken und den Leser damit zu fesseln. Dabei nutzt sie einen recht jugendlichen Schreibstil, welcher das Alter der Protagonisten sehr gut widerspiegelt. Auch erfährt der Leser erst nach und nach von Hintergründen und Geheimnissen. Trotz eines sich langsam entwickelnde Handlungsverlaufs bleibt die Spannung dadurch sehr gut erhalten und zieht sich durchs gesamte Buch.
Für mich persönlich entpuppte sich dieses Buch rasch als Highlight. Die Intensität der hier abgebildeten und während des Lesens selbst empfundenen Emotionen berührten mich tief und beeindruckten mich auch mit ihrer Authentizität ungemein. Ich erlebte und litt mit den Figuren im Buch ungeheuer mit und hatte ein Gefühl von Vertrautheit, wie ich es nur selten beim Lesen verspürte. Besonders Rio und Franz wuchsen mir dadurch wirklich sehr rasch ans Herz. Obwohl ich Bücher oft nur einmal lese, ist dies eines, was mich noch länger begleiten wird. Eines, was mich nachhaltig geprägt hat und eines was wieder gelesen gehört. Und darauf freue ich mich schon jetzt.
P.S. Bitte vor der Lektüre unbedingt die Triggerhinweise des Buches beachten!