Profilbild von Stillesen

Stillesen

Lesejury Star
offline

Stillesen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Stillesen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.04.2025

Ein starkes Buch!

Wild wuchern
0

Es sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. ...

Es sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. Leise, aber unaufhaltsam.

Marie ist auf der Flucht. Vor was, bleibt lange im Nebel. Sie sucht Zuflucht bei Johanna, ihrer Cousine, die allein in einer Hütte hoch oben in den Tiroler Bergen lebt. Einsamkeit als Lebensform. Rückzug als Widerstand.

Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein: Marie – blond, schön. Johanna – dunkelhaarig, kantig. Doch zwischen ihnen spannt sich eine unsichtbare Linie, gezogen aus Erinnerungen, Erwartungen, Verletzungen. Die Rollen, die man ihnen zugeschrieben hat, waren nie dieselben – und doch tragen beide die Schwere von dem, was man ihnen mitgegeben hat.

Die Sprache in Wild Wuchern ist ein Ereignis für sich. Poetisch, bildreich, durchzogen von österreichischem Dialekt, ohne jemals zu sehr zu wollen. Der Roman kommt ohne Kapitel aus, als würde er sagen: Dies ist ein einziger Strom, ein Atemzug, eine Erinnerung, die sich nicht zerteilen lässt.

Wild Wuchern erzählt von Herkunft, Erwartungen, Zuschreibungen. Und von der leisen Rebellion, die darin liegt, auszubrechen – oder einfach nur auszuhalten. Es stellt keine Fragen in Großbuchstaben, es sucht nicht nach Antworten. Es lässt Raum. Für das, was zwischen den Zeilen wächst.

Ein stilles, starkes Buch. Eins, das bleibt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2025

Ein außergewöhnliches Buch

Die Vegetarierin (Geschenkausgabe)
0

Von dem Buch „Die Vegetarierin“ habe ich mir einen Blick in die südkoreanische Kultur erhofft und ich war sehr neugierig auf die Geschichte von der Literaturnobelpreisträgerin.

Mit nur 174 Seiten erzählt ...

Von dem Buch „Die Vegetarierin“ habe ich mir einen Blick in die südkoreanische Kultur erhofft und ich war sehr neugierig auf die Geschichte von der Literaturnobelpreisträgerin.

Mit nur 174 Seiten erzählt Han Kang eine Geschichte, die sowohl packend als auch verstörend ist und den Leser dazu anregt, über gesellschaftliche Normen nachzudenken. Besonders prägend für das Buch ist die groteske, teilweise abstoßende Darstellung von Ereignissen, die den Leser immer wieder schockieren und gerade das hatte eine gewisse Sogwirkung auf mich.

Im Zentrum steht Kim Yong-Hye, die titelgebende „Vegetarierin“, die sich in einer Gesellschaft, in der das Essen von Fleisch eine Selbstverständlichkeit ist, dazu entscheidet, Vegetarierin zu werden. Diese Entscheidung wird von ihrer Familie und ihrer Umgebung mit Empörung aufgenommen, da sie gegen die tief verwurzelten Traditionen und Normen verstößt. Sie träumt davon eine Pflanze zu sein und das Buch beschreibt ihre Verwandlung.

Die Geschichte wird in drei Teilen erzählt, wobei jeder Abschnitt aus der Perspektive eines anderen Familienmitglieds geschrieben ist. Im ersten Kapitel erfahren wir von Chongs Sicht, dem Ehemann der Vegetarierin. Er schildert, wie er mit der Verwandlung seiner Frau zu kämpfen hat und sich zunehmend abgestoßen von ihr fühlt. Der zweite Teil wird aus der Sicht des Mannes von Kim Yong-Hyes Schwester Kim In-Hye erzählt. Dieser Künstler ist von der Vegetarierin besessen, macht sie zu seinem Kunstobjekt. Im dritten Teil sehen wir die Geschichte aus der Sicht von Kim In-Hye, die zwei Jahre nach der Verwandlung ihrer Schwester die Vegetarierin in der Psychiatrie besucht. Hier wird sie mit der Diagnose ihrer Krankheiten konfrontiert.

Die düstere Atmosphäre, die Han Kang im Buch erschafft, bleibt auch nach dem Lesen noch lange im Kopf. Das Ende bleibt offen und lässt viel Raum für Interpretationen. Für mich ist „Die Vegetarierin“ ein außergewöhnlichen Werk, das noch lange nachhallt und sich von anderen Geschichten abhebt.

Fazit: „Die Vegetarierin“ ist ein verstörendes, aber faszinierendes Buch, das mit einer außergewöhnlichen Erzählweise und eindrucksvollen Charakteren aufwartet. Es regt zum Nachdenken an und bleibt nach dem Lesen noch lange im Gedächtnis. 4/5 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.04.2025

Frauen und Alkohol – Ein wichtiges Buch, das aufklärt und sensibilisiert

Frauen und Alkohol
0

Alkohol ist für viele Frauen ein fester Bestandteil des Alltags – sei es zur Entspannung, zum Feiern oder als Bewältigungsstrategie. Doch wann wird der Konsum problematisch? Und warum trinken Frauen anders ...

Alkohol ist für viele Frauen ein fester Bestandteil des Alltags – sei es zur Entspannung, zum Feiern oder als Bewältigungsstrategie. Doch wann wird der Konsum problematisch? Und warum trinken Frauen anders als Männer? Diesen Fragen geht Nathalie Stübens und Falk Kiefers Buch „Frauen und Alkohol“ mit wissenschaftlicher Expertise, gesellschaftlicher Analyse und persönlichen Einblicken nach.
Besonders eindrücklich sind die fünf fiktiven Frauencharaktere – Helga, Sabine, Carmen, Jamila und Elena – deren Geschichten unterschiedliche Wege in die Abhängigkeit und mögliche Auswege zeigen. Man fühlt mit ihnen, fiebert mit, hofft, dass sie einen Ausweg finden. Die Biografien sind dabei eng mit den gesellschaftlichen Normen ihrer jeweiligen Generation verknüpft. So wird deutlich, wie sehr auch kulturelle Prägungen und gesellschaftliche Erwartungen den Alkoholkonsum beeinflussen.
Was das Buch so wertvoll macht, ist die sachliche, fundierte Sprache, die dennoch empathisch bleibt. Es klärt auf, ohne zu belehren, und regt zum Nachdenken an: Wie viel Alkohol gehört zu meinem Leben? Beeinträchtigt er meine Lebensqualität? Die Menge spielt dabei nicht die größte Rolle – es geht um den Stellenwert, den Alkohol einnimmt.
Besonders spannend ist die kritische Auseinandersetzung mit der Alkohollobby: Hersteller suggerieren, dass Alkohol Genuss, Lebensqualität und Kultur bedeutet. Doch wehe, jemand hat seinen Konsum nicht unter Kontrolle – dann folgen Stigmatisierung und Scham. Dabei ist Alkohol ein Zellgift und verursacht oder fördert mehr als 200 Krankheiten! Dennoch wird er verherrlicht, und viele Menschen betrügen sich selbst, indem sie ihn als harmlos einstufen.
Neben der Analyse der Problematik bietet das Buch auch Lösungsansätze: Wie kann man Alkoholprobleme bei anderen ansprechen? Welche Motivationsphasen durchläuft jemand, der mit dem Trinken aufhören möchte? Und welche Alternativen gibt es? Es wird auch beleuchtet, wie sich die mediale Berichterstattung über Alkohol in den letzten Jahren verändert hat und wie sich die Sober-Bewegung entwickelt.
Fazit: „Frauen und Alkohol“ ist eine wichtige Lektüre für alle, die sich mit dem Thema auseinandersetzen möchten. Mir hat das Buch viele Aha-Momente beschert und komplett abgeholt. Ich fühle mich gestärkt in Zukunft auf Alkohol zu verzichten. Dafür vergebe ich eine klare Leseempfehlung und 5 von 5 Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2025

Die Geschichte von Marcus und Phoebe - einfach magisch!

Time’s Convert - Bis ans Ende der Ewigkeit
0

Mit Time’s Convert kehrt Deborah Harkness in ihre magische Welt zurück und erzählt diesmal die Geschichte von Marcus MacNeil – einem Charakter, der in der All Souls-Trilogie eher am Rande stand. Die Handlung ...

Mit Time’s Convert kehrt Deborah Harkness in ihre magische Welt zurück und erzählt diesmal die Geschichte von Marcus MacNeil – einem Charakter, der in der All Souls-Trilogie eher am Rande stand. Die Handlung bewegt sich geschickt zwischen Vergangenheit und Gegenwart: Während wir Marcus’ bewegte Vergangenheit zur Zeit der Amerikanischen Revolution erleben, durchläuft seine große Liebe Phoebe in der Gegenwart die Verwandlung zur Vampirin.

Harkness bleibt ihrer bewährten Mischung aus Historie, Magie und tiefgehender Charakterzeichnung treu. Besonders gelungen ist die detailreiche Schilderung von Marcus’ Leben im 18. Jahrhundert, das zwischen Krieg, medizinischer Not und persönlichen Traumata schwankt. Auch die Übergangsriten der Vampire – mit all ihren Herausforderungen – werden mitreißend erzählt. Gleichzeitig begleiten wir Diana und Matthew, die als Eltern ihrer magisch begabten Zwillinge mit ganz neuen Herausforderungen konfrontiert sind.

Trotz der gelungenen historischen Passagen verliert sich die Geschichte manchmal in zu ausführlichen Rückblicken und wechselt sprunghaft zwischen den Handlungssträngen. Dies nimmt der Spannung etwas den Wind aus den Segeln. Fans der Trilogie werden dennoch viele vertraute Elemente wiederfinden und die tiefergehende Charakterentwicklung genießen.

Wer allerdings eine Fortsetzung des mitreißenden Flairs von A Discovery of Witches erwartet, könnte enttäuscht sein – insbesondere da Matthew und Diana hier eher eine Nebenrolle spielen.

Insgesamt ist Time’s Convert ein solides Buch für Fans des All Souls-Universums, das mit historischen Details und emotionaler Tiefe punktet, aber gelegentlich an erzählerischer Straffung hätte gewinnen können

Ich habe mich gefreut nochmal in die magische Welt, die Deborah Harkness erschaffen hat, einzutauchen. An die vorherigen Bände konnte die Geschichte leider nicht ganz heranreichen, daher kann ich nur 4/5 Sternen vergeben.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.03.2025

Entspannt gärtnern

Die Slow Gardening-Revolution
0

Dieses Buch ist für mich ein wahrer Schatz an Wissen und Inspiration! Pia, die Autorin, selbst Landwirtin und Gartenbäuerin, zeigt uns, wie wir das Gärtnern ganz entspannt angehen können, indem wir einfach ...

Dieses Buch ist für mich ein wahrer Schatz an Wissen und Inspiration! Pia, die Autorin, selbst Landwirtin und Gartenbäuerin, zeigt uns, wie wir das Gärtnern ganz entspannt angehen können, indem wir einfach der Natur zuhören. Wer braucht schon einen starren Saisonkalender, wenn die Natur uns durch sogenannte Zeigerpflanzen genau anzeigt, wann welche Gartenarbeiten anstehen? Aber auch das Beobachten der Tierwelt kann nützlich zur Bestimmung sein. Dieses Konzept des "Slow Gardening" schenkt nicht nur mehr Ruhe im Gartenalltag, sondern auch ein positives Mindset: Entspannt bleiben und den Garten auch mal genießen!
Schon das Cover lädt mit seiner liebevollen Gestaltung zum Schmökern ein, und auch das Innere des Buches ist ein Genuss fürs Auge: wunderschöne Fotos, liebevolle Illustrationen und kluge Anmerkungen machen es zu einem echten Wohlgefühl-Buch. Doch nicht nur die Optik, auch der Inhalt ist ein echtes Highlight.
Statt sich an den klassischen vier Jahreszeiten zu orientieren, stellt das Buch die zehn phänologischen Jahreszeiten vor: Frühling, Sommer und Herbst werden jeweils in drei Phasen unterteilt, und erst dann kommt der Winter. Dadurch bekommt man ein viel feineres Verständnis für die natürlichen Kreisläufe und kann die Gartenarbeit genau dann erledigen, wenn es auch wirklich sinnvoll ist.
Das Buch bietet geballtes Gartenwissen: Wann sollte man welche Pflanzen und Bäume zurückschneiden? Wie legt man einen guten Kompost an? Welche Stauden und Gemüse passen gut zusammen? Wie fördert und schützt man Gartennützlinge? All das wird hier verständlich erklärt. Zusätzlich gibt es kleine, hilfreiche "Infos am Rande" – von Upcycling-Ideen bis hin zu praktischen Anzuchttipps.
Besonders gut gefallen hat mir das Thema klimafittes Gärtnern: Statt sich zum Beispiel über einen braunen Rasen im Sommer zu ärgern, zeigt Pia, wie man mit einer Wildkräuter-Wiese samt Wegen eine schöne, naturnahe Alternative schafft. So passt sich der Garten den Klimaveränderungen an und bleibt lebendig und grün.
Fazit: Dieses Buch ist perfekt für alle Gartenliebhaberinnen und jene, die den natürlichen Kreislauf besser verstehen möchten. Für mich genau das Buch, das ich gesucht habe – voller Wissen, Inspiration und der Bestätigung, dass Gärtnern auch entspannt sein darf!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere