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Veröffentlicht am 03.05.2025

Wenn Fortsetzungen nicht halten, was der Vorgänger verspricht


Charlie und der große gläserne Fahrstuhl
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Ich liebe gute Kinderbücher. Und ich liebe Roald Dahl – vor allem sein „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Ein moderner Klassiker, skurril, unterhaltsam und voller Fantasie. Umso gespannter war ich auf ...

Ich liebe gute Kinderbücher. Und ich liebe Roald Dahl – vor allem sein „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Ein moderner Klassiker, skurril, unterhaltsam und voller Fantasie. Umso gespannter war ich auf die Fortsetzung: „Charlie und der große gläserne Fahrstuhl“. Neu übersetzt von Ebi Naumann, farbig illustriert und empfohlen für Kinder ab acht Jahren.
Doch leider hat mich das Buch enttäuscht – und zwar auf mehreren Ebenen. Da ist zunächst die Geschichte selbst: Statt erneut in die fantastische Welt von Willy Wonka einzutauchen, reisen Charlie und seine Familie samt Schokoladenfabrik ins All, treffen auf Weltraummonster und geraten in eine Abfolge absurder Episoden. Es fehlt die liebevolle Erzählstruktur, die den ersten Band so besonders gemacht hat. Vieles wirkt hektisch, überdreht – fast wie eine Aneinanderreihung von Ideen, die nie wirklich ausgereift wurden.
Was mich beim Lesen besonders gestört hat: Die sprachliche Gestaltung. Auch wenn ich weiß, dass Dahl bewusst mit Sprache spielte, wirkt die neue Übersetzung an einigen Stellen bemüht, manchmal sogar holprig. Noch gravierender: Die vielen Fehler. Vor allem bei der Zeichensetzung und Orthographie wirkt das Lektorat stellenweise sehr nachlässig. Für ein Kinderbuch dieser Größenordnung und Bekanntheit hätte ich mehr Sorgfalt erwartet.
Natürlich gibt es auch positive Aspekte. Die Illustrationen sind lebendig, bunt, teilweise witzig und sprechen Kinder sicher an. Und Willy Wonka bleibt ein Charakter, der polarisiert und fasziniert. Aber insgesamt fehlt dem Buch die Wärme und erzählerische Magie seines Vorgängers.
Ein Buch, das Fans der Schokoladenfabrik sicher aus Neugier lesen werden – aber eines, das sprachlich und inhaltlich nicht an den ersten Teil heranreicht. 3/5 Sternen

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Veröffentlicht am 02.05.2025

Ein Leben im Schatten der Geschichte – und doch voller Licht

Um jeden Preis
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Ich habe jetzt schon einige Tatsachenromane von Hera Lind gelesen – und jedes Mal denke ich: Das kann man doch gar nicht erlebt haben. Und doch sind es wahre Geschichten, aufgeschrieben mit Respekt und ...

Ich habe jetzt schon einige Tatsachenromane von Hera Lind gelesen – und jedes Mal denke ich: Das kann man doch gar nicht erlebt haben. Und doch sind es wahre Geschichten, aufgeschrieben mit Respekt und Tiefe. „Um jeden Preis“ hat mich besonders bewegt.
Im Mittelpunkt steht Lydia, die 1944 als sechzehnjähriges Mädchen aus einem deutschen Dorf bei Odessa vor der Roten Armee flieht. Allein diese Vorstellung – mit nichts als dem Mut der Verzweiflung auf der Flucht – ist kaum greifbar. Lydia und ihre Familie schaffen es tatsächlich nach Deutschland. Doch es ist kein Ende, sondern ein Anfang: Sie werden zurückgeholt. Und was dann folgt, ist ein nie enden wollender Albtraum: Sibirien. Zwangsarbeit. Hunger. Kälte. Und immer wieder: das Festhalten am Leben. Am Glauben. An der Familie.
Tatsächlich musste ich beim Lesen immer wieder innehalten, um das Gelesene zu verarbeiten. Was mich so beeindruckt hat: Lydia verliert nie ihren inneren Kompass. Ihr Leitsatz – unbedingt zusammenbleiben – zieht sich durch ihr ganzes Leben. Trotz aller Unmenschlichkeit hält sie an dem fest, was zählt: Familie, Würde, Hoffnung.
Hera Lind erzählt Lydias Geschichte mit großer Einfühlsamkeit, ohne Pathos, aber mit spürbarer Achtung. In klarer, schnörkelloser Sprache erzählt sie nicht nur von Leid, sondern vor allem von unerschütterlicher Menschlichkeit. Besonders schön fand ich, dass Lydia selbst ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben hat – und dass ihre Familie nach ihrem Tod das Tagebuch an Hera Lind geschickt hat. Da, wo das Tagebuch endet, kommen ihre Verwandten zu Wort und erzählen die Reise weiter.
Linds Schreibstil ist gewohnt einfühlsam und detailreich. Sie schafft es, die Leser:innen mitten in das Geschehen zu ziehen, die Kälte Sibiriens spürbar zu machen und die emotionale Belastung der Protagonistin greifbar darzustellen. Der familiäre Zusammenhalt, der sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht, ist besonders berührend.
Ein zutiefst bewegendes Buch über Stärke, Leid und die Kraft der Liebe. Es ist ein wichtiges Zeitzeugnis, das die Schicksale vieler Russland-Deutscher beleuchtet. Wer Geschichten sucht, die Mut machen und Erinnerungen wachhalten, sollte „Um jeden Preis“ unbedingt lesen.
Mich hat Lydias Geschichte noch lange nach dem Zuklappen des Buches begleitet.

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Veröffentlicht am 14.04.2025

Sorindas Geschichte

Vengeance of the Pirate Queen - Fürchte meine Rache
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Band drei – und was für ein Abschluss! „Vengeance of the Pirate Queen“ ist das Finale der Piratinnen-Reihe von Tricia Levenseller, und diesmal steht Sorinda im Mittelpunkt. Bisher war sie die schweigsame ...

Band drei – und was für ein Abschluss! „Vengeance of the Pirate Queen“ ist das Finale der Piratinnen-Reihe von Tricia Levenseller, und diesmal steht Sorinda im Mittelpunkt. Bisher war sie die schweigsame Assassinin im Schatten, doch jetzt bekommt sie ihr eigenes Schiff – und eine gefährliche Mission.

Was als Auftrag beginnt, wird schnell zu ihrer Geschichte. Denn Sorinda kann zwar lautlos töten, aber Gefühle wegdrücken? Das ist eine ganz andere Liga. Auf ihrer Reise wird klar: Jetzt steht sie im Mittelpunkt, auch wenn sie sonst lieber im Schatten bleibt. Sie ist die Kapitänin und alle schauen zu ihr auf und als sie auch noch versehentlich den König der Tiefe weckt, steht sie komplett im Mittelpunkt.

Ihr Mantra seit Kindheitstagen lautet: Du kannst keine Angst vor der Dunkelheit haben, wenn du selbst das Monster bist, das in den Schatten lauert. Doch Sorinda ist mehr als das – wir bekommen einen Blick hinter die kühle Fassade, auf ihre Vergangenheit, ihre Ängste und ihr Herz. Und das gehört längst Kearan, auch wenn sie es sich nur zögerlich eingesteht.

Tricia Levenseller bleibt sich treu: Es gibt Action, Piratenflair, starke Frauenfiguren und eine Prise Romantik – ohne zu verkitschen. Tiefgang? Nicht allzu viel, aber das ist okay. Diese Reihe will unterhalten, mit schnellen Dialogen, Spannung, Action und jeder Menge Frauenpower.

Wer Piratengeschichten mag und ein Herz für toughe, aber verletzliche Heldinnen hat, sollte sich die Reihe definitiv ansehen. Sorinda bekommt mit diesem Band endlich die Bühne, die sie verdient – ein gelungener Abschluss.

4/5 Sternen – weil es einfach wieder ein tolles Piratenabenteuer ist.

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Veröffentlicht am 07.04.2025

Ein echter Pageturner!

Die Kollegin – Wer hat sie so sehr gehasst, dass sie sterben musste?
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Freida McFadden ist bekannt für ihre nervenaufreibenden Thriller – und ist für mich die Queen der Plottwists. Auch dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, ein echter Pageturner ...

Freida McFadden ist bekannt für ihre nervenaufreibenden Thriller – und ist für mich die Queen der Plottwists. Auch dieses Buch hat mich von der ersten bis zur letzten Seite gefesselt, ein echter Pageturner mit bestem Nervenkitzel.
Im Mittelpunkt steht Dawn Schiff, eine schüchterne und etwas sonderbare Buchhalterin, die in ihrem Büroalltag nicht gerade beliebt ist. Sie hat klare Routinen, mag keine sozialen Interaktionen und ihr liebstes Gesprächsthema sind Schildkröten (!). Doch als sie nicht zur Arbeit erscheint, beginnt ihre Kollegin Natalie – charmant, selbstbewusst und hübsch, sich Sorgen um Dawn zu machen. Als Natalie zu Dawns Haus fährt, um nach dem rechten zu sehen beginnt alles aus dem Ruder zu laufen.
McFadden spielt meisterhaft mit Perspektiven und den Erwartungen wer gut oder böse ist, wer die Wahrheit sagt, oder manipuliert. Die Geschichte ist clever konstruiert und man kann das Buch kaum aus der Hand legen.
Der Schreibstil ist flüssig und die kurzen Kapitel und eingeschobenen E-Mails treiben das Tempo an und lassen einen regelrecht durch die Seiten fliegen. Besonders beeindruckend ist die subtile Art, mit der McFadden Spannung aufbaut – ein leichtes Unbehagen, das sich immer weiter steigert.
Ich mochte die Serie „How to get away with murder“ und „Die Kollegin“ hat mir ähnliche Vibes beschert.
Leider blieb in diesem Buch der große Twist aus, aber das hat der Geschichte nicht geschadet.
Fazit: „Die Kollegin“ ist ein packender Psychothriller, der einen in die dunklen Abgründe der menschlichen Psyche eintauchen lässt. Wer psychologische Spannung mit Wendungen liebt, wird dieses Buch verschlingen. Für mich eine klare Leseempfehlung für Freundinnen und Freunde der Spannungsliteratur und ich kann nur 5 von 5 Sternen vergeben!

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Veröffentlicht am 05.04.2025

Ein starkes Buch!

Wild wuchern
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Es sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. ...

Es sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. Leise, aber unaufhaltsam.

Marie ist auf der Flucht. Vor was, bleibt lange im Nebel. Sie sucht Zuflucht bei Johanna, ihrer Cousine, die allein in einer Hütte hoch oben in den Tiroler Bergen lebt. Einsamkeit als Lebensform. Rückzug als Widerstand.

Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein: Marie – blond, schön. Johanna – dunkelhaarig, kantig. Doch zwischen ihnen spannt sich eine unsichtbare Linie, gezogen aus Erinnerungen, Erwartungen, Verletzungen. Die Rollen, die man ihnen zugeschrieben hat, waren nie dieselben – und doch tragen beide die Schwere von dem, was man ihnen mitgegeben hat.

Die Sprache in Wild Wuchern ist ein Ereignis für sich. Poetisch, bildreich, durchzogen von österreichischem Dialekt, ohne jemals zu sehr zu wollen. Der Roman kommt ohne Kapitel aus, als würde er sagen: Dies ist ein einziger Strom, ein Atemzug, eine Erinnerung, die sich nicht zerteilen lässt.

Wild Wuchern erzählt von Herkunft, Erwartungen, Zuschreibungen. Und von der leisen Rebellion, die darin liegt, auszubrechen – oder einfach nur auszuhalten. Es stellt keine Fragen in Großbuchstaben, es sucht nicht nach Antworten. Es lässt Raum. Für das, was zwischen den Zeilen wächst.

Ein stilles, starkes Buch. Eins, das bleibt.

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