Ein starkes Buch!
Wild wuchernEs sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. ...
Es sind oft die schmalen Bücher, die am tiefsten schneiden. Wild Wuchern ist so eines. Gerade einmal 200 Seiten, aber jede davon vibriert. Mit etwas Ungesagtem, das sich langsam an die Oberfläche tastet. Leise, aber unaufhaltsam.
Marie ist auf der Flucht. Vor was, bleibt lange im Nebel. Sie sucht Zuflucht bei Johanna, ihrer Cousine, die allein in einer Hütte hoch oben in den Tiroler Bergen lebt. Einsamkeit als Lebensform. Rückzug als Widerstand.
Die beiden Frauen könnten unterschiedlicher kaum sein: Marie – blond, schön. Johanna – dunkelhaarig, kantig. Doch zwischen ihnen spannt sich eine unsichtbare Linie, gezogen aus Erinnerungen, Erwartungen, Verletzungen. Die Rollen, die man ihnen zugeschrieben hat, waren nie dieselben – und doch tragen beide die Schwere von dem, was man ihnen mitgegeben hat.
Die Sprache in Wild Wuchern ist ein Ereignis für sich. Poetisch, bildreich, durchzogen von österreichischem Dialekt, ohne jemals zu sehr zu wollen. Der Roman kommt ohne Kapitel aus, als würde er sagen: Dies ist ein einziger Strom, ein Atemzug, eine Erinnerung, die sich nicht zerteilen lässt.
Wild Wuchern erzählt von Herkunft, Erwartungen, Zuschreibungen. Und von der leisen Rebellion, die darin liegt, auszubrechen – oder einfach nur auszuhalten. Es stellt keine Fragen in Großbuchstaben, es sucht nicht nach Antworten. Es lässt Raum. Für das, was zwischen den Zeilen wächst.
Ein stilles, starkes Buch. Eins, das bleibt.