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Veröffentlicht am 12.06.2020

ganz eigener Stil

Dschingis Khans Tochter
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Was immer wieder auffällt bei den Bella Block Romanen von Doris Gercke, ist der eigene Stil, der sich nicht nur in der Erzählweise wiederspiegelt, sondern auch in dem Denken und Handeln der Figur Bella ...

Was immer wieder auffällt bei den Bella Block Romanen von Doris Gercke, ist der eigene Stil, der sich nicht nur in der Erzählweise wiederspiegelt, sondern auch in dem Denken und Handeln der Figur Bella Block. Nüchtern, herb und auf den Punkt.
Meistens lagern die Bücher eine lange Zeit auf meinem SuB, bevor ich mir wieder eins davon vornehme, weil ich sie immer als schwere Kost in Erinnerung habe. Und jedes mal bin ich wieder überrascht, wie schnell es sich doch liest und dass es so spannend ist, dass man es kaum aus der Hand legen kann. Die Bücher wirken noch lange nach und etliche Szenen sind oft schwer verdaulich. Hier fand ich die Stelle ziemlich am Anfang, wo ein Polizist einen Schwarzen quält unerträglich zu lesen. Auch der Inhalt des Nazitagebuchs ist kaum auszuhalten. Besonders entsetzlich finde ich, dass dieses abartige Gedankengut heute noch in den Köpfen der AFD sein Unwesen treibt.
Die Autorin skizziert mit wenigen Worten die Schattenseiten unserer Gesellschaft und legt den Finger präzise in die Wunden, sodass man gezwungen ist dahin zu gucken, wo es weh tut. Hier ein kleiner Auszug (S.54/55) über Drogen ( Mit Freigesetzte meint sie Arbeitslose) : " Am Eingang der U-Bahn wird mit Glück gehandelt. Glückliche, Freigesetzte, Freiheit genießende Männer und Frauen liegen auf den Treppen, hocken, vom Glück betäubt an den Geländern, sonnen sich im Licht der Großstadt. Zwischen den Glücklichen gibt es keine Beziehungen mehr. Jeder träumt für sich (...). Dem Glücklichen ist die Erde nicht kalt, die einsame Insel nicht einsam. Wen stört das Erbrochene am Schaufenster. Es stört nicht. Es gehört dazu. Wir kotzen auf euren Konsum, heißt die Botschaft, wir brauchen euer Zeug nicht. Wir leben unser eigenes Leben. Leichtfüßig, schnellsprachig gehen die Glückshändler unter den Liegenden, Einknickenden, Sichfesthaltenden, Taumelnden herum und versprechen Nachschub. Nicht endende Seligkeit. Freiheit. Der Anblick eines Mädchens, vielleicht dreizehn, betrunken oder bekifft, in zerrissener Strumpfhose und zu großem Pullover, bringt Bella in die Wirklichkeit zurück..."
Normalerweise zitiere ich nicht soviel in einer Rezi, aber ich finde, dies gibt einen guten Einblick in den Schreibstil der Autorin und in Bellas Denkweise und wie sie die Welt wahrnimmt.
Zum Inhalt : Eine Frau aus der Modebranche möchte Geschäftsbeziehungen in Rußland knüpfen und heuert Bella als Dolmetscherin an. Gemeinsam fahren sie nach Russland. Doch aus den geplanten Treffen wird nichts und Bella muß sich allein durchkämpfen. Es herrschen erschütternde Verhältnisse in der Ukraine. Aber ich denke woanders ist es genauso schlimm. Das Ende ist auch wieder typisch, denn es ist irgendwie sang-und klanglos und nicht wie man es erwartet hätte. Also außer einem ganz eigenen Schreibstil auch noch ein sehr eigenwilliges Ende. Nüchtern und herb.

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Veröffentlicht am 24.05.2020

wow sehr spannend

Torso
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Bewertet mit 5 Sternen
Ein menschlicher Torso mit Ziegenkopf wird in Berlin gefunden. Die Polizei beginnt zu ermitteln, da taucht das nächste groteske Ding auf, wieder bestehend aus Menschenteilen und ...

Bewertet mit 5 Sternen
Ein menschlicher Torso mit Ziegenkopf wird in Berlin gefunden. Die Polizei beginnt zu ermitteln, da taucht das nächste groteske Ding auf, wieder bestehend aus Menschenteilen und einem Tier. Komissar Zollanger ermittelt. Gleichzeitig versucht eine junge Frau ihn zu sprechen, weil sie nicht an den Selbstmord ihres Bruders glaubt. Was soll er ihr bloß sagen ?
Sehr spannender Krimi, den ich verschlungen habe, auch wenn ich die finanziellen Geschäfte nicht ganz verstehe. Besonders hat mir gefallen, dass die Geschichte immer neue Wendungen hatte und viele Überraschungen bereit hielt, ohne verwirrend zu sein oder unlogisch. Immer wieder fragt man sich, wie kann das denn jetzt sein, oh nein ! Aber alles ergibt einen Sinn und mir hat dieser Krimi so sehr gefallen, dass ich mir ein weiteres Buch des Autors kaufen werden. Dieses ist ein wahrer Pageturner.
Klare Leseempfehlung für alle, die es spannend mögen.

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Veröffentlicht am 23.05.2020

enttäuschend

Warum ist die Leberwurst beleidigt?
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Da ich mich dafür interessiere, wo Sprichwörter und Redewendungen herkommen und wie sie entstanden sind, dachte ich, dass dieses Buch das Richtige für mich ist. Zumal es durch das Cover und den Titel auch ...

Da ich mich dafür interessiere, wo Sprichwörter und Redewendungen herkommen und wie sie entstanden sind, dachte ich, dass dieses Buch das Richtige für mich ist. Zumal es durch das Cover und den Titel auch Humor verspricht. Allerdings bin ich ziemlich enttäuscht.
Es wurden wohl Anfragen zu den Sprichwörtern gesammelt und dann von verschiedenen Autoren beantwortet, wobei diese sich oft auch nur in Vermutungen ergehen und die Anfragen nicht wirklich beantworten. Ist z. B. die Frage nach xy gestellt worden, ergehen sich die Autoren erstmal in Platitüden zum Thema allgemein (beispielsweise Tiere in Sprichwörtern), bevor sie nach andertalb Seiten zu dem Schluß kommen, dass man nur raten könne. Klar ist nicht jede Herkunft und Entstehungsgeschichte bekannt, aber bei einigen eben schon. Vielleicht hätte man mal recherchieren können, bevor man die Frage beantwortet.
Auch war der Humor so gar nicht mein Fall. Es wirkte zu gewollt, also, als wenn die Autoren krampfhaft witzig sein wollten. Ich fand dieses Buch so grottenschlecht, dass ich es nichtmal als Mitbringsel verschenken mag. Die andertalb Sterne gibt es für die Idee, den Fleiß und das Cover.

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Veröffentlicht am 16.05.2020

nett

Im Reich der Pubertiere
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Ein witziges Büchlein über die Erlebnisse eines Vaters mit seinen pubertierenden Kindern, die er zuvor als Kolumnen veröffentlicht hat. Manches lässt einen schmunzeln, manches ist gut, manches weniger. ...

Ein witziges Büchlein über die Erlebnisse eines Vaters mit seinen pubertierenden Kindern, die er zuvor als Kolumnen veröffentlicht hat. Manches lässt einen schmunzeln, manches ist gut, manches weniger. Bei dem ein oder anderen Kapitel mußte man sogar lauthals lachen. Vor allem bei der Saftgeschichte. Da konnte sich sogar mein Pubertier wiederfinden, hatten wir doch am Vortag genau die gleiche Situation mit dem gleichen Ergebnis. Ein sehr kleines, schnell zu lesendes Büchlein, das sich vielleicht als Mitbrinsel für die Eltern anderer Pubertiere eignet. Nicht anspruchsvoll, ist es überwiegend unterhaltend und ganz nett.
Hat mir Spaß gemacht zu lesen. Es gibt auch einen ersten Band dazu, der sehr ähnlich ist.

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Veröffentlicht am 13.05.2020

erschütternd

Strafe
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In nüchterner, schlichter Sprache werden dle Leben einiger Menschen skizziert, die einen sprachlos, erschüttert oder entsetzt zurücklassen. Nicht alle Geschichten sind dramatisch. Oft ist es grade das ...

In nüchterner, schlichter Sprache werden dle Leben einiger Menschen skizziert, die einen sprachlos, erschüttert oder entsetzt zurücklassen. Nicht alle Geschichten sind dramatisch. Oft ist es grade das Normale, der Alltag, das Vertraute, das dafür sorgt, dass man diese Menschen so gut versteht. Aber irgendwann kommt ein Mensch an seine Grenzen und zerbricht oder versucht sich zu befreien aus Langeweile, Stress oder Zwängen, aus Gewalt oder Perspektivlosigkeit. Wer ist eigentlich Opfer, wer ist Täter und wer ist schuld ?
Es gelingt dem Autor, selbst Strafverteidiger, einem einen anderen Blick, einen menschlichen Blick auf die Täter werfen zu lassen. Auch schafft er es, wie schon in seinen anderen Büchern, dass er sehr emotionsgeladene Momente völlig sachlich beschreibt und sie grade dadurch erschütternd werden lässt. Auch dieses Buch ist eine klare Leseempfehlung und ich werde es auch behalten, denn diese Geschichten kann ( und möchte) man nach Jahren nochmal lesen. Es ist die Kombination bzw. der Gegensatz von Schreibstil und Geschehnissen, der einem so unter die Haut geht.

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