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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2017

leicht und locker --bin begeistert

Die Zeitenbummlerin
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Normalerweise lese ich Krimis und habe dieses Buch nur gelesen, weil ich es von der Autorin bekommen habe. Aber ich muß sagen, welch ein Genuß !

Es hat sich so locker und flockig gelesen, wie schon lange ...

Normalerweise lese ich Krimis und habe dieses Buch nur gelesen, weil ich es von der Autorin bekommen habe. Aber ich muß sagen, welch ein Genuß !

Es hat sich so locker und flockig gelesen, wie schon lange ein Buch nicht mehr und es hat mich so inspiriert, dass ich jetzt selbst im Urlaub mit dem Rad von Stadt zu Stadt fahren will. Zwar nicht, wie in dem Buch von Berlin nach Norwegen, aber immerhin habe ich unsportliche Nuß mir schon eine Route rausgesucht. Ob ich wie die Autorin dabei die Ruhe finde, mir selbst näher zu kommen bezweifel ich zwar, da ich sicher öfter eine Pause einlege und nur 10-15 km am Tag fahren will, aber darum geht es mir auch nicht.

An vielen Stellen mußte ich schmunzeln, an manchen habe ich gelacht, an einigen gedacht, " ja, so geht´s mir auch" oder "diese Gedanken kenne ich !". Das Aufbruchsfieber hat mich wie gesagt, regelrecht angesteckt und dass, obwohl ich jede sportliche Aktivität hasse und nur wenn ich muß, mit dem Rad zur Arbeit fahre.

Bei Josephin geht es jedoch nicht nur um´s Fahren, um Abstand zur zerbrochenen Beziehung, um Selbstfindung, Meditation, Grenzen austesten, Abenteuer oder um ihre Interwies, sondern um viel mehr, was ihr aber erst im nachhinein bewußt wird. Die Autorin gibt sehr gut die Äußeren Widrigkeiten und die inneren Gefühle, Betrachtungen und Gedanken von Josephin wieder. Ihre Entwicklung läßt sich gut nachvollziehen, auch wenn Josephin selbst nicht immer versteht, warum sie so handelt.

Ein rundrum gelungenes, in sich stimmiges Buch, dass ich nur jedem ans Herz legen kann, der entweder eine leichte Urlaubslektüre sucht oder seine verkrustete Alltagsroutine aufbrechen möchte.

Veröffentlicht am 17.02.2017

sehr lesenswert

Tender Bar
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Ein Buch über eine Kindheit in einer Bar ? Naja, habe ich gedacht, nicht so mein Thema, aber mal sehen...

Gut, daß ich mich draufeingelasssen habe ! Es ist wirklich lesenswert. Der Autor schreibt über ...

Ein Buch über eine Kindheit in einer Bar ? Naja, habe ich gedacht, nicht so mein Thema, aber mal sehen...

Gut, daß ich mich draufeingelasssen habe ! Es ist wirklich lesenswert. Der Autor schreibt über seine eigene Kindheit und sein Leben und wie dieses immer wieder von der Bar und den großartig beschriebenen Charakteren darin beeinflußt wird. Die Bar, in der sein Onkel arbeitet übernimmt viele Funktionen : Vaterersatz, Zufluchtsort, Kraftspender, Kompass im Leben usw. Der Autor beschreibt seinen Werdegang als Kind, Student, Voluntär, Reporter und wie er immer wieder hofft, sein Vater würde eine Rolle in seinem Leben spielen. Das Portrait des furchtbaren Opas, bei dem Mutter und Sohn aus Geldmangel leben, ist besonders gut.
Das Buch ist mit viel Humor und Liebe geschrieben und dies gilt vor allem auch für die Freunde des Onkels aus der Bar , welches alles Originale sind. Das erste mal als J.R. ihnen begegnet ist einfach wundervoll und so erlebt es der Junge auch. Wenn man gut geschriebene Bücher mag : Auf jeden Fall lesen.

Veröffentlicht am 17.02.2017

ein wichtiges Buch

Freispruch der Familie
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In diesem Sachbuch von u.a. Prof. Klaus Dörner geht es um die Angehörigen psychisch kranker Menschen und den Aufbau von Angehörigengruppen. Es war bei seinem Erscheinen ein enorm wichtiges Buch, da die ...

In diesem Sachbuch von u.a. Prof. Klaus Dörner geht es um die Angehörigen psychisch kranker Menschen und den Aufbau von Angehörigengruppen. Es war bei seinem Erscheinen ein enorm wichtiges Buch, da die Angehörigen kaum gesehen wurden oder von den Profis als lästig oder sogar als Grund der psychischen Erkrankung oder Verschlechterung des Patienten gesehen wurden. Die Familien blieben mit ihren Fragen, Sorgen, Schuldgefühlen und Ängsten allein. Dieses Buch hat all das verändert.

Es kommen verschiedene Autoren zu Wort, in erster Linie Profis und Angehörige. Zunächst wird dargestellt, wie die Lage der Angehörigen ist, was für Sorgen und Gefühle eine psychische Erkrankung in den Familien auslöst, dann wird mit einigen Vorurteilen und veralteten Meinungen aufgeräumt und schließlich wird über den Aufbau verschiedener Angehörigengruppen berichtet, um dem Leser die Vorteile solcher Unterstützung zu verdeutlichen und eine Anleitung zu geben, wie man solche Gruppen initiieren kann, um dann mit einigen Erfahrungsberichten bzgl. solcher Gruppen abzuschließen.

Heute sind Angehörigengruppen weitgehend ein fester Bestandteil der meisten Kliniken, Ambulanzen oder anderer Einrichtungen. Insofern hat das bahnbrechende Buch heute etwas an Aktuallität verloren. Wenn man jetzt eine solche Gruppe gründen will, gibt es genügend andere Quellen, bei denen man sich informieren kann und weit mehr Erfahrungsberichte. Was die Not und Hilflosigkeit der Angehörigen angeht und die Wichtigkeit der Selbsthilfegruppen, um aus der Isolation herauszukommen und über ihre Ängste und Gefühle sprechen zu können und um sich Unterstützung zu holen, so hat das Buch nichts von seiner Aktualität eingebüßt.

Veröffentlicht am 17.02.2017

brandaktuell und erschütternd

Jetzt bin ich hier
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Dieses Buch ist von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund geschrieben. Es gibt einen erschütternden Eindruck darüber wieder, mit was diese Menschen zu kämpfen haben, was sie aufgegeben haben, ...

Dieses Buch ist von Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund geschrieben. Es gibt einen erschütternden Eindruck darüber wieder, mit was diese Menschen zu kämpfen haben, was sie aufgegeben haben, was ihnen fehlt, was ihnen genommen wurde und von ihren Ängsten und ihrer Trauer, aber auch ihren Hoffnungen.
Einige Geschichten schildern die Fluchtgründe, andere die Flucht selbst, wieder andere handeln davon, wie ihre Ankunft in Deutschland gewesen ist. Es gibt ein sehr langes Kapitel über Religionsgemeinschaften von Flüchtlingen hier in Deutschland (was mir persönlich zu dröge war--deshalb auch nur 4 statt 5 Punkte). und Auszüge aus einer Schreibwerkstatt mit Gedichten und kurzes Schilderungen darüber, was beispielsweise Heimat bedeutet oder Deutschland usw.

Aber auch eine besonders erschütternde Geschichte über Abschiebung ist darin, wo geschildert wird wie unfassbar und unbegreiflich dieses Urteil für die Betroffenen ist, vor allem, wenn sie hier geboren und aufgewachsen sind und nie die Heimat ihrer Eltern kennengelernt haben, jetzt aber dorthin abgeschoben werden.

Alles in allem ein Buch, welches einem unter die Haut geht. Nach manchen Geschichten mußte man das Buch erstmal weglegen und sich erholen von dem, was dort geschrieben steht. Manchmal hatte man sogar Tränen in den Augen. Dieses Buch ist nicht nur aktuell sondern auch sehr ergreifend. Einige der Geschichten sollten Pflichtlektüre an den Schulen werden. Vielen Dank an alle, die Zeit und Mühe aufgewendet haben, sich ihre Traumata wieder vor Augen führten und ihre Geschichten aufschrieben.

Veröffentlicht am 10.02.2017

völlig unlogisch

DIE WAHRHEIT
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Achtung Spoiler



Habe viel positives über das Buch gehört und bin nun sehr enttäuscht. Mit dem Schreibstil kann ich mich nicht so ganz anfreunden und auch Sarahs Innenleben (Gedanken und Gefühle) finde ...

Achtung Spoiler



Habe viel positives über das Buch gehört und bin nun sehr enttäuscht. Mit dem Schreibstil kann ich mich nicht so ganz anfreunden und auch Sarahs Innenleben (Gedanken und Gefühle) finde ich eher langweilig. Da hat sie etwas so Gravierendes wie das spurlose Verschwinden ihres Mannes erlebt und bleibt doch irgendwie oberflächlich.

Dass sie am Flughafen nichts sagt, als ein Fremder sich als ihr Mann ausgibt, kann ich nicht nachvollziehen. Auch wenn es ihr körperlich schlecht geht und sie mit Schwindel und Ohnmacht wegen des Schocks zu kämpfen hat, müßte ihr doch eher ein "Wo ist Philipp?" oder "Du bist nicht Philipp" oder "Wer sind Sie?" rausrutschen, als ein "Schön, dass Du wieder da bist", auch wenn sie sich den Satz vorher zurecht gelegt hat.

Ich wäre am Flughafen ausgestiegen, sobald ich gemerkt hätte, der Fremde steigt ein und hätte einen anderen Wagen genommen. Ich hätte meinem Sohn gesagt, "das ist nicht Dein Vater" und wenn ich ihn zu einer Freundin gebracht hätte, hätte ich ihr ebenfalls gesagt, dass ein Fremder sich als Philipp ausgibt. Ich hätte (da ich in einem anderen Auto gesessen hätte) dem Fremden nicht die Tür geöffnet. Wäre er trotzdem reingekommen, hätte ich Freunde angerufen, um mir beizustehen oder auch den einen Arbeitskollegen. Und bevor dieser fremde und unsympatische Mann, den ich als Bedrohung für mich und mein Kind empfinde, sich bei mir einnistet, wäre mir der vorübergehende Trubel egal gewesen. Ich hätte die Polizei dazu geholt und die Presse auf meine Seite gezogen. Vielleicht wäre das ein Fehler gewesen, falls er die Presse für sich einnimmt, aber ich hätte es zumindest versucht und auf den öffentlichen Druck auf ihn gehofft. Evtl. hätte ich einen Anwalt eingeschaltet, damit er zunächst in ein Hotel zieht bis zur Klärung der Dinge. Man kann ja argumentieren, wenn er seine Frau liebt und man 7 Jahre getrennt war, dass er dann seiner Frau eine Wiedergewöhnungsphase zugesteht.

Ebenfalls nicht nachvollziehbar finde ich, dass sie nicht Hilfe holt. Als sie telefonieren will, zieht der Fremde den Telefonstecker. Später ist sie mit ihrem Handy allein im Zimmer und nutzt es nicht. Dann rennt sie Nachts auf die Straße, um Hilfe zu holen, was nicht gelingt. Aber am nächsten Tag folgt sie dem Fremden heimlich quer durch die Stadt, fährt dann zu ihrer Freundin und zur Schwiegermutter usw. anstatt sich Hilfe zu holen. Für mich nicht nachzuvollziehen. Auch der Fremde ist nicht zu verstehen. Er hat Angst, dass sie die Polizei ruft, lässt sie aber dann alleine losfahren und nimmt ihr auch nicht das Handy weg.

Auch wird schon früh im Buch gesagt, dass sie in Gedanken aufzählt "Ich habe ein Tattoo, ich habe jemanden umgebracht..." Später heißt es dann, sie habe das so erfolgreich seit Jahren verdrängt, dass sie davon nichts mehr wußte, bis der Fremde fragte, was das Schlimmste sei, was sie je getan habe und somit die Erinnerung daran wieder kam.

Den Stil mag ich auch nicht, da jedesmal, wenn eine regennasse Strasse im Dunkeln beschrieben wird, es heißt "die Strasse glänzte schwarz wie Lakritze". Einmal ist gut, 2x naja, aber noch öfter ist einfach zu viel. Genauso wird das Wort "Übersprungshandlung" überstrapaziert. Dauernd macht Sarah irgendwelche Übersprungshandlungen. Ja, man macht das im Alltag oft, aber muß es jedesmal so genannt werden. Andere Handlungen werden ja auch beschrieben, ohne sie zu benennen (Projektion, Assoziation, Reflexe usw.) Auch lies sich das Buch nicht wirklich flüssig lesen. Es gibt zuviele Handlungsstränge oder Andeutungen, die Spannung erzeugen, aber dann nie wieder erwähnt werden oder in einem Nebensatz am Schluß abgetan werden. Der Fremde spricht auch immer wieder von einem Plan, von dem die Frau ihn nicht abbringen kann. Allerdings scheint sein Handeln sehr planlos und auch diese Bemerkungen werden nicht wieder aufgegriffen. Herauszufinden, ob Sarah was mit dem Verschwinden ihres Mannes zu tun hat, in dem man da rumsitzt und nicht schläft, ist kein Plan. Auch Sätze wie "wenn ich untergehe, dann nehme ich sie mit" (S.138) ergeben überhaupt keinen Sinn, wenn man den Schluß kennt.

Alles sehr unlogisch, abstrus, wenig glaubhaft und in sich nicht schlüssig.

Das Gefühl, für dumm verkauft zu werden, was sich schon bei den ersten Widersprüchen eingestellt hat, gipfelt aber dann darin, dass der Fremde doch Sarahs Mann ist, nachdem zuvor gesagt wurde, der Fremde sei viel kleiner. Auch wird klar gesagt, dass er es nicht ist. Als Beispiel nur mal ein Zitat des Fremden beim Betrachten eines Fotos des verschwundenen Philipps (S234): "Egal wie groß die körperliche Ähnlichkeit auch sein mag,es war idiotisch von mir zu glauben, dass ich die Frau auch nur eine Sekunde lang täuschen könnte. ...Ich mag aussehen, wie Philipp Petersen....Aber die Essenz eines Menschen lässt sich nicht immitieren. Seele lässt sich nicht fälschen." Und dann ist er es doch ? Fühle mich veräppelt.

Der Schluß ist auch mau und eher wie ein Ballon, aus dem die Luft raus ist.

Alles in allem finde ich die Handlung sehr abstrus und an den Haaren herbeigezogen. Kein empfehlenswertes Buch. Verstehe den Hype nicht.