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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2020

Interessante Einblicke in ein eher unbekanntes Thema

Das Buch Alice
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Dieses Buch behandelt neben Ausführungen zu der spannenden Lebensgeschichte der Familie Urbach auch die bisher eher unbeachtete Thematik des geistigen Diebstahls Werke jüdischer Autoren und gibt gleichzeitig ...

Dieses Buch behandelt neben Ausführungen zu der spannenden Lebensgeschichte der Familie Urbach auch die bisher eher unbeachtete Thematik des geistigen Diebstahls Werke jüdischer Autoren und gibt gleichzeitig tiefe Einblicke in das Schicksal jüdischer Menschen in Österreich.
Der Autorin Dr. Karina Urbach ist es wunderbar gelungen Erinnerungen und Zitate wie „aus einem Guss“ in einem flüssig zu lesenden Text zusammenzufassen. Dabei wird die Quelle der Zitate durch kleine Kopfnoten markiert und am Ende des Buches zusammengefasst.
Vieles im Buch war für mich sehr informativ und ergänzt damit unvollständige Kenntnisse.
Beeindruckend sind auch der unbeugsame Mut sowie die niedergeschrieben gestochen scharfen Beobachtungen. Eben diese Berichte ergänzen die Handlung und machen die Schilderungen sehr authentisch.
Abgerundet durch Übersicht zu den Quellen der Zitate, sowie Fotos und Karten ist es ein
lesenswertes Buch, welches ich sehr gern weiterempfehle!

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Veröffentlicht am 03.10.2020

Die Hoffnung stirbt zuletzt…

Winter der Hoffnung
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Ich habe bereits länger mit den Büchern um die Familie Wolf von Peter Prange geliebäugelt und „Winter der Hoffnung“ ist der gelungene Auftakt dafür.
Der Krieg ist vorbei, doch die Menschen leiden weiter, ...

Ich habe bereits länger mit den Büchern um die Familie Wolf von Peter Prange geliebäugelt und „Winter der Hoffnung“ ist der gelungene Auftakt dafür.
Der Krieg ist vorbei, doch die Menschen leiden weiter, an Kälte, an Hunger und an Armut. Obwohl die Familie Wolf durch ihre Firma recht gut situiert ist, teilen sie aus Solidarität freiwillig das Schicksal zigtausender, sie sparen an Heizmaterial und Lebensmittel: „Gemeinwohl vor Eigennutz“. Doch dies schützt die Familie genau so wenig vor der Enteignung, wie ihre humane, antinationalsozialistische Einstellung während der Nazi-Zeit.
Die drei Töchter der Familie, Ruth, Ulla und Gundel haben dagegen ganz andere Probleme. Als Ruths Mann, ein glühender Nazi, aus der Gefangenschaft zurückkehrt, kommt es durch ihn zum Bruch mit der Familie. Sowohl Ulla als auch Gundel knüpfen der Weile erste zarte Bande der Liebe, die nur allmählich die (noch existenten) gesellschaftlichen Grenzen durchbricht.
Wie ein roter Faden zieht sich Mutter Christels Gummibaum durch die Geschichte, den sie mit Hingabe hegt und pflegt. Anfänglich habe ich seine Bedeutung nicht ganz verstanden, aber er ist letztendlich DAS Symbol der Hoffnung in diesem Buch.
Peter Prange ist es hervorragend gelungen, neben Alltagssituationen die dadurch anfallenden Probleme und Schicksalsschläge, mit den Träumen der Jugend zu verknüpfen. Dadurch ist ein wunderbar zu lesendes Buch entstanden, das den Leser in der Zeit versetzt.
Dafür gebe ich gern eine Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 03.10.2020

Grausame Sippenhaft

Bis wir uns wiedersehen
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Dieses Buch handelt vom Schicksal Fey, der Tochter Ullrich von Hassell, die aufgrund der Beteiligung ihres Vaters bei Anschlägen auf Hitler in Sippenhaft genommen wurde. Nach kurze Inhaftierung in Undine, ...

Dieses Buch handelt vom Schicksal Fey, der Tochter Ullrich von Hassell, die aufgrund der Beteiligung ihres Vaters bei Anschlägen auf Hitler in Sippenhaft genommen wurde. Nach kurze Inhaftierung in Undine, verbrachte Fey zuerst im Arrest einige Zeit in ihrem Zuhause, dem Castello di Brazza, bevor sie gemeinsam mit anderen Sippenhäftlingen zu einer Irrfahrt durch Deutschland antrat und bei dem sich alle ihres Überlebens nicht sicher sein konnten.
Feys kleinen Kinder, Corrado und Roberto, wurden ihr entzogen, in Obhut der Nazis gegeben und sollten unter anderem Namen zur Adoption freigegeben werden.
Catherine Bailey ist es hervorragend gelungen, ausführlich und unter Zuhilfenahme von Tagebucheinträgen sowie Erinnerungen an das zermürbende und nervenzerreißende Hin- und Herschicken, das Hoffen und Bangen der Sippenhäftlinge zu beschreiben. Für mich ist es erstaunlich, wie gut diese Irrfahrt zu den einzelnen Stationen nachvollziehbar angeführt werden, denn beim Lesen hatte ich oft den Eindruck, diesbezüglich schon längst den Überblick verloren zu haben. Beeindruckend sind auch der unbeugsame Mut sowie die niedergeschrieben gestochen scharfen Beobachtungen dieser Gefangenen. Eben diese Berichte ergänzen die Handlung und machen die Schilderungen sehr authentisch.
Vieles im Buch ist für mich sehr informativ und ergänzt damit unvollständige Kenntnisse. Sicher ist Stauffenberg mit der bekannteste aus der Gruppe der Widerständler, genaueres, explizit auch zu Ullrich von Hassel, war mir bisher jedoch unbekannt. Gleiches gilt für den erfolgreichen Ausgang hindernden Umstände die in die Überlegungen bzw. Vorbereitungen einzubeziehen waren.
Abgerundet durch Übersicht zu den Quellen der Zitate, sowie Fotos und Karten ist es ein
lesenswertes Buch, welches ich sehr gern weiterempfehle!

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Veröffentlicht am 29.09.2020

Unfall oder Mord – was geschah mit Jasmine?

Mädchengrab
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Bei einem geführten Angelausflug in den Wäldern der kanadischen Westküste verunglückte die junge Jasmine tödlich; erst 24 Jahre später wird im angrenzenden Wald ihr Skelett gefunden. Ihrer Urgroßmutter, ...

Bei einem geführten Angelausflug in den Wäldern der kanadischen Westküste verunglückte die junge Jasmine tödlich; erst 24 Jahre später wird im angrenzenden Wald ihr Skelett gefunden. Ihrer Urgroßmutter, Richterin des Supreme Courts im Ruhestand, Jilly Monaghan, lässt das Ganze keine Ruhe und sie beauftragt die unehrenhaft entlassene Polizistin Angelica „Angie“ Pallorino in Erfahrung zu bringen, was damals wirklich geschah.
Angie hat neben ihrem Jobverlust und dem Versuch sich mit Detektivarbeit die erforderlichen Stunden für die eigene Lizenz zu erarbeiten, jedoch auch genug weitere eigene Baustellen. In ihrer Beziehung zu Maddocks ist sie unsicher; ein eigenes erlebtes Trauma macht ihr sehr schwer zu schaffen. Als sie diesen Auftrag annimmt, ahnt sie noch nicht, was für schreckliche Geheimnisse und Wahrheiten sie erwarten – aber auch wieviel sie dabei für ihr eigenes Leben klären kann…
Loreth Anne White gelingt es hervorragend, mit dem wahren Bild von Jasmine Szenarien aufzuzeichnen, die mehreren Menschen Grund gaben, sie zu hassen. Immer deutlicher wird aber auch, dass diejenigen, die etwas wissen, dies für immer zu verbergen versuchen. Das Bild einer zwangsläufig eingeschworenen Gemeinschaft, die gegen jegliche Einflüsse von außen immun ist. Stück für Stück ergibt sich dann ein Bild, ein vermutliches Ende – aber war es das wirklich? Auch wenn einige Zufälle im Buch doch etwas übertrieben wirken und Angies Unentschlossenheit bzw. Unentschiedenheit mitunter zu viel des Guten sind, sorgt eben dieses „doppelte“ Ende für einen gelungenen Abschluss, bei dem keine Fragen offenbleiben.
Solide 4 Sterne für dieses Buch.

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Veröffentlicht am 28.09.2020

Das Leben kennt nicht nur schwarz und weiß…

ROMY
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Als Richard geboren wurde, war die tolerante Betrachtung des Geschlechtes mit allen Zwischenvarianten noch nicht so etabliert wie heutzutage. Er wird in dem kleinen Dorf, wo nichts peinlicher ist als andersartig ...

Als Richard geboren wurde, war die tolerante Betrachtung des Geschlechtes mit allen Zwischenvarianten noch nicht so etabliert wie heutzutage. Er wird in dem kleinen Dorf, wo nichts peinlicher ist als andersartig zu sein, als Junge aufgezogen, explizit noch mit Hormonen zur Unterstützung behandelt. Doch er fühlt sich immer schon anders, wird von den Jungs dafür gehänselt und ist immer Opfer. Opfer anderer sowie seiner eigenen Gefühle und Gedanken.
Eher zufällig erfährt er im Alter von 28 Jahren, dass er mit einer Gebärmutter und Eierstöcken weibliche Geschlechtsmerkmale besitzt. Die Entscheidung zukünftig als Frau zu leben, mit der geschlechtsangleichenden Operation erscheint ihm/ihr als DIE erhoffte Lösung. Die Enttäuschung ist umso größer, das damit nicht sofort alles gut ist.
Isabella Maria Kern zeichnet sehr einfühlsam in diesem berührenden Buch Richards/Romys schweren Weg der gesamtheitlichen Entwicklung zur Frau. Ein sehr langer Prozess, für den sich Romy allerdings als viel zu ungeduldig erweist. Hochjauchzen und zu-Tote-betrübt wechseln sich ständig ab und belasten damit nicht nur Romy, sondern auch Isabella sehr. Es gelingt einfach nicht, die sich immer wieder wiederholenden Gedankenkreise und Gespräche zu durchbrechen: Romy möchte besser und weiblicher als alle Frauen sein – einfach die perfekte Frau…
Sehr beeindruckt hat mich von Beginn an, wie viel Gefühl mit so viel berührender Inhalt in diesem Buch steckt. Bereits ab den ersten Seiten fühlt und leidet man mit beiden mit.
Und auch wenn das Buch in erster Linie von „Romy“ handelt, wird sehr deutlich, welch sensibler Mensch Isabella ist und wie glücklich sich Romy schätzen darf, sie auf ihrem schwierigen Weg zur Seite gewusst zu haben. Einfach ein gelungenes Buch um ein tragisches Thema! Klare Leseempfehlung!

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