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Veröffentlicht am 29.04.2026

Zwei Frauenschicksale durch ein Gemälde verbunden

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Gestaltung:
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Das Titelbild zeigt ein buntes Leinwandbild, dem man ansieht, dass die Farben wild gemixt sind, ohne etwas Konkretes darstellen zu wollen. Es ist sehr auffallend und daher wird ...


Gestaltung:
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Das Titelbild zeigt ein buntes Leinwandbild, dem man ansieht, dass die Farben wild gemixt sind, ohne etwas Konkretes darstellen zu wollen. Es ist sehr auffallend und daher wird man schnell auf dieses Buch aufmerksam. Es passt auch gut zur Handlung.

Inhalt:
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Zwei Frauen, zwei Zeitebenen:
Im Jahr 1945 sitzt die junge Marlen auf der Flucht vor den Russen in einer Kommodenschublade in einem verlassenen Güstrower Forsthaus. Darin befindet sich ein Gemälde, das sie versehentlich beschädigt. Es wird ihr ganzes Leben verändern, ebenso wie die ältere Wilma, der sie dort begegnet.

Im Jahr 2023 lebt die 34-jährige Hannah in Berlin. Sie ist ledig und Tochter einer alleinerziehenden Mutter, die jedoch bereits verstorben ist. Sie war gerade mit ihrem Leben zufrieden, als ihre beste Freundin und WG-Mitbewohnerin mit ihrem Partner wegzieht und Hannah damit in eine Sinnkrise stürzt. Kurz darauf meldet sich ihr Vater plötzlich bei ihr, mit dem sie zuvor lange keinen Kontakt hatte. Während sie versucht, herauszufinden, weshalb er sie ausgerechnet jetzt kontaktiert, findet sie gleichzeitig auch wieder zu sich selbst.

Mein Eindruck:
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"Noch als alte Frau sollte sich Marlen daran erinnern, wie ihr zum ersten Mal dieser Geruch in die Nase gestiegen war. Der Geruch nach Ölfarbe, Leim und Terpentinöl. Chemisch und satt, verheißungsvoll" (S. 40)

Dies ist der dritte Teil der Reihe über die Borowski-Frauen. Ich kannte bisher den zweiten Band "Bei euch ist es immer so unheimlich still", der Hannahs Mutter Silvia und ihre Großmutter Evelyn behandelt. Nachdem ich diesen verschlungen hatte, war ich gespannt auf den neuen Roman.

Vorweg: Man kann dieses Buch sehr gut ohne Kenntnisse der anderen Erzählungen lesen, aber manche Beziehungen werden mithilfe der ersten beiden Bände nachvollziehbarer.

Frau Schröder bleibt ihrem Erzählstil treu: Sie verwendet die beiden Zeitebenen abwechselnd und hält die Kapitel stets relativ kurz. Dadurch entfaltet sich ein Sog, der einen das Buch nicht mehr aus der Hand legen lässt. Man möchte wissen, wie es jeweils weiter geht und vor allem, welche Rolle das Gemälde dabei spielt.

Die Handlung wird dabei vorwiegend aus den Perspektiven von Marlen und Hannah erzählt, stellenweise rücken kurzzeitig auch andere Frauen in den Mittelpunkt. Besonders anhand von Marlens Schicksal kann man sehr deutlich spüren, wie schwer es Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg hatten. Auch die Kunstwelt war noch sehr von Männern dominiert. Marlen lässt sich von Wilma aus Dankbarkeit für die Aufnahme in deren Haus leider sehr lange ausnutzen.

Hannah hingegen verkörpert eine typische moderne Frau, die zwar eigenständig ist, aber ständig auf Sinnsuche und die aufgrund ihrer gefühlt unvollständigen Familie häufig mit sich selbst hadert.
Die beiden Frauen eint, dass sie ihre Wurzeln kennen, aber letztendlich über sich selbst hinaus wachsen müssen, um über eine selbst gewählte Familie glücklich zu werden.

Mir hat die Geschichte insgesamt gut gefallen. Durch den ruhigen Erzählstil und die detaillierten Beschreibungen der Figuren mit ihren Emotionen konnte ich mich in alle Charaktere einfühlen. Enttäuscht war ich allerdings vom Ende. Die Verbindung, die laut Titel durch das Gemälde geschaffen werden sollte, konnte mich leider nicht überzeugen. Sie spielte nur am Rande eine Rolle.

Fazit:
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Der dritte Teil der Reihe war leider etwas schwächer als der Vorgänger, vor allem die Verbindung beider Schicksale hat mich nicht überzeugt.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2026

Alexa und Krammer ermitteln in ihrem sechsten Fall

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Gestaltung:
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Das Cover ist wieder ähnlich zu den Vorgängerbänden gestaltet mit der Grenzlinie in der Mitte, die das bildlich dargestellte Thema durchtrennt. Der Wiedererkennungswert ist hier ...

Gestaltung:
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Das Cover ist wieder ähnlich zu den Vorgängerbänden gestaltet mit der Grenzlinie in der Mitte, die das bildlich dargestellte Thema durchtrennt. Der Wiedererkennungswert ist hier gegeben und durch die düsteren Farben wird man direkt passend eingestimmt.

Inhalt:
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Es gibt Dauerregen im Karwendelgebirge und damit eine drohende Überflutung! Alexa und ihr Team werden als Katastrophenhelfer gebraucht, das Telefon steht nicht mehr still. Als eine der Evakuierten ihr von einer seltsamen Beobachtung erzählt und sie dieser auf den Grund gehen will, finden sie im Gebirge einen Toten. Und schnell wird klar, dass dieser nicht eines natürlichen Todes starb, sondern ermordet wurde. Obwohl Alexa dringend an anderer Stelle gebraucht wird, beginnt sie zu ermitteln und kommt dabei einem tragischen Familiengeheimnis auf die Spur.

Mein Eindruck:
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"So viele Jahre war alles gutgegangen. Doch nun würde mein Geheimnis auffliegen, dessen war ich sicher. Die Flut würde ans Licht spülen, was zuvor verborgen geblieben war. Alles würde rauskommen, jedes unfassbare Detail. Auch über mich. Was ich getan hatte. Aber das war nicht das Schlimmste.
Das Monster, das ich in Schach gehalten hatte, würde wieder zuschlagen. Und ich wusste, auf wen es dieses Mal losgehen würde. Ohne Mitleid. Weil es diese Empfindung nie gekannt hatte. Ohne Rücksicht. Weil es nur sich selbst und seinen eigenen Bedürfnissen nachgab. Ohne Gnade. Weil nur der Tod die einzige Zeugin zum Schweigen bringen würde." (S. 29)

Ich verfolge die Reihe bereits von Anfang an und mag sowohl Alexa als auch ihren Vater, Chefinspektor Bernhard Krammer, der auf der österreichischen Seite ermittelt. In der Vergangenheit war es so, dass die Fälle der beiden letztendlich irgendwie zusammengeführt wurden. Allerdings standen der Stolz und die Sturheit der beiden Ermittler oft einer guten Zusammenarbeit im Wege. Auch Alexas gefährliche Alleingänge empfand ich beim Lesen häufig als unnötig und nervend.
Daher begrüße ich, dass sich die beiden in diesem Band weiterentwickelt haben und letztendlich besser miteinander kommunizieren und somit erfolgreicher ermitteln. Auch der Umgang zwischen Alexa und ihrem Kollegen Florian Huber ist harmonischer geworden.
Daher konnte diesmal der Fall etwas mehr Raum einnehmen anstelle der persönlichen Konflikte, weswegen ich diesen Band bisher als besten empfinde. Die Charaktere haben alle eine deutliche positive Entwicklung erfahren.
Der Krimifall ist abwechselnd aus den Handlungssträngen auf Alexas und Krammers Seite sowie den Gedanken einer unbekannten Person geschildert. Erst am Ende erfährt man, wer es ist. Dies sowie die Kürze der Kapitel sorgten dafür, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Dass die Flutkatastrophe als Hintergrundhandlung gewählt wurde, trägt zusätzlich zur Spannung bei. Obwohl die Flut im Karwendel erfunden ist, so sind (gewollte) Parallelen zur Ahrtalflut immer wieder erkennbar.
Das Familiengeheimnis, das am Schluss gelöst wird, beginnt man ab der Hälfte zu erahnen. Dennoch trägt die Tragik und Brutalität hinter der Geschichte dazu bei, dass man sie erst vollständig am Ende erfassen kann.
Ich habe mich bei diesem Grenzfall wieder gut unterhalten gefühlt und empfand die Weiterentwicklung der Charaktere sehr positiv. Am Ende wird wie bei jedem Roman durch eine Leseprobe der nächste Band geteasert, den ich entsprechend kaum erwarten kann!

Fazit:
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Spannender Fall um ein düsteres Familiengeheimnis vor dem Hintergrund einer Flutkatastrophe mit Alexa und Krammer als besser harmonisiertes Ermittlerteam

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 29.03.2026

Wer ist die mysteriöse Bewohnerin von Suite 11?

The Woman in Suite 11
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Inhalt:
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Nach traumatischen Erlebnissen auf dem Kreuzfahrtschiff Aurora ist die Reisejournalistin Laura „Lo“ Blacklock endlich zur Ruhe gekommen, hat eine Familie gegründet und versucht, ...

Inhalt:
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Nach traumatischen Erlebnissen auf dem Kreuzfahrtschiff Aurora ist die Reisejournalistin Laura „Lo“ Blacklock endlich zur Ruhe gekommen, hat eine Familie gegründet und versucht, wieder in ihrem alten Beruf zu arbeiten. Mitten in ihren mäßig erfolgreichen Bewerbungsversuchen erhält sie eine Einladung in ein Schweizer Luxushotel. Lo erkennt darin ihre Chance und reist dorthin. Kaum angekommen, begegnet sie Personen, die damals ebenfalls Passagiere auf der Aurora waren. Besonders die Begegnung mit einer geheimnisvollen Frau in Suite 11 irritiert sie sehr. Bald darauf gerät sie in ein Netz aus Intrigen und weiß nicht mehr, wem sie noch vertrauen kann.

Mein Eindruck:
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"»Oh nein, nein.« Alexander schwenkte den Zeigefinger. »Die Reichen sind niemals wirklich tot; gerade Sie sollten das wissen.«
»Ich bin mir ziemlich sicher, dass sie genau wie alle anderen sterben«, entgegnete ich. Alexander hörte sich gern reden, aber was sollte das jetzt bitte?
Er schüttelte den Kopf und beugte sich zu mir, als wollte er mir ein Geheimnis anvertrauen. Sein Atem roch nach Wein und Ziegenkäseparfait.
»Natürlich sterben sie. Sans doute. Aber ihr Reichtum, ihr Vermögen leben weiter und damit auch ihr Einfluss. Geld stirbt nicht, Laura. Und Geheimnisse ebenso wenig. Es gibt viele Leute, denen es lieber wäre, das Buch wäre nicht erschienen.«
Es entstand eine lange Pause. Ich starrte Alexander Belhomme an und fragte mich, was er mir damit sagen wollte. Sollte es eine Drohung sein? Oder eine Warnung?" (S. 55)

Für mich war es das erste Werk der Autorin und ich habe erst beim Lesen realisiert, dass es sich um eine Fortsetzung von "The woman in Cabin 10" handelt. Zwar kann man theoretisch das Buch auch ohne Vorkenntnisse lesen, aber da viele Figuren aus Band 1 wieder auftauchen, wäre es wohl besser gewesen. Dann hätte man die teilweise komplexen Beziehungsebenen besser verstehen können.

Die Handlung ist sehr kurzweilig, was an den recht kurzen Kapiteln liegt, sodass man geneigt ist, immer weiter zu lesen. Auch die Frage, wer vertrauenswürdig ist und welche Beweggründe die einzelnen Personen für ihre Handlungen haben, trägt zur Spannung bei.

Allerdings hatte ich auch das Gefühl, dass die Autorin sehr bemüht Charaktere aus dem ersten Teil unterbringen will, ohne dass diese für die weitere Handlung irgendeine oder nur eine sehr untergeordnete Rolle spielen.
Man erlebt die Geschichte aus den Gedanken von Lo heraus und gerade diese Perspektive empfand ich zunehmend als anstrengend, vor allem ihre stetig wiederholenden Monologe und ihre Ängste, die sie jedoch nicht daran hindern, sie immer wieder in eine Falle tappen zu lassen und den falschen Leuten zu misstrauen. Insgesamt verhält sie sich nach meinem Empfinden oft sehr naiv, vor allem nach den Erfahrungen aus Band 1. Die Fallkonstruktion birgt zwar ihre Rätsel, wirkt aber auch sehr konstruiert, sodass mich das Ende nicht überzeugen konnte.
Trotz vieler Anspielungen auf den ersten Teil habe ich nach diesem Buch keine Motivation, weitere Werke der Autorin zu lesen.

Fazit:
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Kurzweiliger Thriller mit einer etwas anstrengenden Hauptperson und teilweise nicht überzeugender Handlungslogik

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Der erste Fall für König und Faber

Die weiße Nacht
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Das Titelbild zeigt Menschen in einem Kettenkarussell vor dem Hintergrund des zerstörten Berliner Stadtschlosses. Dieses Motiv betrachtet man durch die Linse einer alten Kamera. ...

Gestaltung:
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Das Titelbild zeigt Menschen in einem Kettenkarussell vor dem Hintergrund des zerstörten Berliner Stadtschlosses. Dieses Motiv betrachtet man durch die Linse einer alten Kamera. Meine Internetrecherche ergab, dass es sich um ein Foto des deutsch-amerikanischen Fotografen Henry Ries handelt. Er hat nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Kamera das Leben im zerstörten Berlin eingefangen. Es passt sehr gut zum Kriminalfall und vermittelt gut die Stimmung zur "Stunde Null".

Inhalt:
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Nach dem Zweiten Weltkrieg herrscht 1946 "Hungerwinter" in Berlin. Die Fotografin Louise "Lou" Faber entdeckt zufällig bei ihren Fototouren durch die verschneiten Ruinen Berlins eine Frauenleiche. Die Frau liegt ruhig dort und hat die Hände wie zum Gebet gefaltet. Kriminalkommissar Alfred König übernimmt den Fall. Schnell wird klar, dass der Tod der Frau nicht auf natürliche Weise erfolgte, sondern es sich um Mord handelt. Lou lässt die Tote nicht los, aber ihre Skepsis gegenüber der Polizei hindert sie zunächst daran, ihre Gedanken und möglichen Hinweise zum Mörder preiszugeben. Umgekehrt traut auch der Kommissar Lou anfangs nicht. Doch dann gibt es weitere Tote und König und Lou stoßen bei ihren Recherchen auf Gräueltaten aus der Kriegszeit, die mit dem Fall in Verbindung zu stehen scheinen. Je mehr sie dem Täter auf die Spur kommen, desto mehr gerät vor allem Lou in Gefahr.

Mein Eindruck:
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"Lou starrte fasziniert auf das tanzende Schwarz-Weiß. Schon so lange fotografierte sie, und doch war sie jedes Mal aufs Neue überrascht, ja fast erschrocken darüber, dass sie mit ihrer Leica die Macht hatte, die Gegenwart festzuhalten, den Moment einzusperren, längst vergangenes sichtbar zu machen.
Sie war mit ihren Fotos Herrin über die Zeit. Sie konnte in diese Zeit eintreten wie in ein Zimmer, das ihres war, und wieder hinausgehen, wann immer sie es wollte. Die gefrorene Zeit der Bilder gehörte nur ihr." (S. 79)

Obwohl Frau Stern bereits viele historische Romane geschrieben hat, war dies mein erstes Buch von ihr. Ich war von Anfang an gefesselt von der Atmosphäre, die sie geschaffen hat. Das Nachkriegs-Berlin erwacht beim Lesen zum Leben. Man spürt die Unsicherheit der Menschen, den Hunger, die Kälte, die Nachwehen des Krieges. Die Schuldfrage tritt dabei immer wieder in den Mittelpunkt.
Lou ist mir sehr sympathisch. Sie selbst war im Widerstand gegen Hitler und die Nazis verwickelt und hat dabei viele gute Bekannte verloren. Sie kämpft zum einen mit dem Schuldgefühl, noch am Leben zu sein, versucht jedoch andererseits das Beste daraus zu machen und für ihre noch verbliebenen Freunde da zu sein. Zudem hat sie die Hoffnung, ihren Ehemann Emil, der als vermisst gilt, noch lebend wiederzufinden.
Alfred König schwamm einst mit dem Strom, doch ab einem gewissen Punkt wurde er zum Aussteiger und hat dadurch gesundheitliche Einbußen in Kauf nehmen müssen. Dennoch plagen ihn neben Schmerzen auch Schuldgefühle, weil er nicht früher Widerstand geleistet hat. So haben beide Protagonisten ihre persönlichen Probleme. Was sie eint, ist das Nach-Vorne-Schauen und ihr scharfer Blick fürs Detail sowie ihr Sinn für Gerechtigkeit.
Die Annäherung der beiden Charaktere geschieht glaubwürdig und nicht aus romantischen Gründen, sondern aus Respekt vor dem anderen und seinen Leistungen.
Der Fall beleuchtet ein dunkles Kapitel aus der Vergangenheit der Nazizeit, das mir bisher im Detail noch nicht bekannt war. Hier hat die Autorin sehr gut recherchiert, sodass der Leser nebenher auch etwas dazulernt. Obwohl die Handlung eher ruhig ist und häufig den Alltag und die Gedankengänge der Menschen schildert, konnte ich nicht aufhören zu lesen. Dazu trug die Kürze der Kapitel bei, aber natürlich vor allem die Frage nach dem Täter. Das Ende mit der Auflösung hat mich überzeugt, aber auch nachdenklich zurückgelassen.
Ich mochte das Duo König-Faber und freue mich auf weitere Fälle mit ihnen!

Fazit:
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Ein ungewöhnliches Ermittlerduo löst einen spannenden Fall in der Atmosphäre des Nachkriegsdeutschlands: Ein gelungener Reihenauftakt!

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Rätseln über einen Suizid

Der unsichtbare Elefant
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Das Cover wirkt nüchtern, abgebildet ist die Silhouette eines fallenden Mannes. Die senkrechten Linien kann man in mehrfacher Hinsicht deuten. Gerade diese Schlichtheit hat mich ...

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Das Cover wirkt nüchtern, abgebildet ist die Silhouette eines fallenden Mannes. Die senkrechten Linien kann man in mehrfacher Hinsicht deuten. Gerade diese Schlichtheit hat mich neugierig werden lassen. Mir gefiel es sehr gut.

Inhalt:
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"Thomas Siebenmorgen starrt auf den Bildschirm. Die Buchstaben haben wieder ihren Tanz begonnen. Ein apokalyptischer Reigen. Der Rechtsanwalt hört Stimmen. Stimmen, die rufen. Stimmen, die schreien. Stimmen, die klingen, als kämen sie aus den uralten Tiefen der Vergangenheit. Er steht auf. Er knipst das Licht aus und tritt auf die ovale Galerie. Er betrachtet die gläserne Brüstung, die ihn von einem Abgrund trennt, in den er schon oft geblickt hat. Die Stimmen sind lauter geworden. Er kann den Sinn ihrer Worte nicht verstehen. Er kann nichts mehr fühlen. Keine Zeit. Nichts mehr empfinden. Keinen Raum. Nur den Wunsch, die Stimmen gäben Ruhe. Er klettert über die Brüstung. Er blickt in die Tiefe. Von unten streift ihn ein leichter Luftzug, den er kaum spürt. Da ist erst ein dumpfes Rauschen. Trompeten. Einen Augenblick scheint es ihm, als hielte die Welt inne. Dann begreift er, dass er nicht stillsteht, sondern mitsamt der Erde in unvorstellbarer Geschwindigkeit durchs Universum rast. Er ist bereit, sich ihm wieder anzuvertrauen. Er schließt die Augen, holt tief Luft und hält den Atem an." (S. 8)

Der Anwalt Thomas Siebenmorgen springt aus seinem Bürofenster direkt auf ein teures Kunstwerk und stirbt. Seine Kollegin María ist Zeugin. Viktor Kemper vom Kriseninterventionsteam (KIT) betreut sie. Obwohl es wie ein Suizid aussieht, fragen sich beide, welches Motiv der Anwalt hatte und warum er sich ausgerechnet auf der Arbeit in den Tod stürzte. Auch der junge Anwalt Simon wird seitens der Kanzlei auf Hintergrundrecherche angesetzt. So beginnen alle zu ermitteln und geraten dabei in ein Gemenge aus Kanzleigeheimnissen und persönlichen Abgründen, die bis in die Zeit des Zweiten Weltkriegs hineinreichen.

Mein Eindruck:
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"Jetzt konnte Viktor ihn förmlich wieder riechen, den Mief aus Selbstgerechtigkeit, geplatzten Träumen und verflossener Großmannssucht, der in der großelterlichen Wohnung umhergewabert war und in dem er damals inmitten von groß gemusterten Blumentapeten, goldkantigen Chiffongardinen und schweren Perserteppichen fast erstickt wäre. Der abgestandene Geruch des ausgebliebenen Endsiegs. Dieser unsichtbare Elefant aus unterdrückter Scham, verdrängtem Schmerz und unerträglicher Selbstgerechtigkeit mitten im Wohnzimmer. Dieses Ungetüm, das sich von der Unfähigkeit zu trauern ernährte. Das allgegenwärtig und doch nie zu greifen war." (S. 286)

Der Beginn des Romans war sehr spannend. Man wird Zeuge des Suizids und rätselt über die Hintergründe. Die Handlung wird von mehreren Schauplätzen durchleuchtet, man begleitet dabei abwechselnd Viktor, María und den jungen Anwalt Simon bei ihren Recherchen. Bis zur Hälfte des Romans verfolgt die Erzählung vorwiegend die Frage nach dem Motiv des Sprungs und deckt dabei einige Ungereimtheiten in der Kanzlei auf. Doch zu einer abschließend befriedigenden Antwort kommen die recherchierenden Personen dadurch nicht. Im weiteren Verlauf verliert sich der Roman m. E. in zu vielen Nebensträngen. Es werden Probleme der sogenannten Kriegsenkel durchleuchtet, aber auch Schuld im Krieg, persönliche Bereicherung zuungunsten anderer und inwieweit man sich von seinen Wurzeln und seiner Erziehung emanzipieren kann. Der Schluss wirkte für mich steif und so stark konstruiert, dass er mich nicht überzeugen konnte. Der Roman hatte ein großes Potenzial, die Sprache und die abwechselnden Perspektiven motivierten zum permanenten Weiterlesen, doch am Ende wollte der Autor zu viel auf einmal. Es werden zu viele Themen aufgegriffen, aber die einzelnen Stränge konnten am Ende nicht zusammengeführt werden.
Ja, der Roman regt zum Nachdenken an: Über das Leben, die Vergangenheit und ihren Einfluss auf uns sowie das Thema, was Glück wirklich bedeutet und wie viel Risiko man bereit ist, für sein Lebensglück auf sich zu nehmen. Das ist das, was ich für mich mitnehme. Die Geschichte selbst war für mich letztendlich jedoch zu unausgegoren, was ich sehr schade finde, denn der Beginn war vielversprechend.
Interessant war noch der Anhang mit weiterführenden Informationen zu den behandelten Themen.

Fazit:
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Vielversprechender Beginn, doch der Autor wollte zu viel auf einmal und das Ende konnte nicht überzeugen

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