Profilbild von Tine

Tine

Lesejury Star
offline

Tine ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Tine über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2025

Fesselnder, anfangs gefühlloser Thriller

Not Quite Dead Yet
0

Die 27-jährige Jet lässt sich treiben und hat ihren Platz noch nicht gefunden, beruflich wie privat. Nachdem sie spätabends vom Halloween-Jahrmarkt heimkehrt, wird sie überfallen. Während sie im Familienanwesen ...

Die 27-jährige Jet lässt sich treiben und hat ihren Platz noch nicht gefunden, beruflich wie privat. Nachdem sie spätabends vom Halloween-Jahrmarkt heimkehrt, wird sie überfallen. Während sie im Familienanwesen auf dem Sofa sitzt, schlägt ihr jemand mehrmals auf den Kopf. Versuchter Mord, wie die Polizei ermittelt. Obwohl Jet im Krankenhaus nur benommen aufwacht, hat der unbekannte Eindringling jedoch sein Ziel erreicht: In sieben Tagen wird sie an einem Aneurysma sterben. Doch davor wird sie noch etwas Großes vollbringen, nimmt sich Jet vor, und zwar ihren eigenen Mord aufklären! Doch wer in ihrem Umfeld oder in ihrer Heimatstadt würde ihr so etwas antun?

Die Protagonistin Jet ist nicht unbedingt eine Sympathieträgerin. Dass sie beruflich schon einiges ausprobiert hat, aber nicht weiß, was sie dauerhaft machen möchte, finde ich okay. Aber sie ist auch egoistisch und stößt einige Leute vor dem Kopf, z. B. sollte sie ihren Eltern bei dem Auf- und Abbau ihres Standes auf der Halloweenparty helfen, doch hatte sie keine Lust dazu und lässt es dementsprechend bleiben. Allein, dass sie sich fest vornimmt ihren Mord aufzuklären und alles daran setzt, immer mehr Informationen zu sammeln, hat mir imponiert. Deswegen fand ich es anfangs eher schwer in die Geschichte einzutauchen. Man hat noch nicht viele Anhaltspunkte, was in der Halloweennacht geschehen ist und eine Protagonistin, die man nicht unbedingt als nett bezeichnen kann, was sollte mich da in der Geschichte fesseln? Trotzdem habe ich durchgehalten und es wurde zunehmend immer spannender.

Holly Jackson hat es einfach drauf: Sie erzählt diesen Thriller sehr geschickt und spannend. Jet findet nach und nach Geheimnisse oder Ereignisse über die Menschen in ihrem Umfeld heraus. Von Anfang an sind diese auch schockierend. Man taucht immer tiefer in die Geschichte ein und bekommt immer mehr Anhaltspunkte. Obwohl man doch einen recht überschaubaren Personenkreis hat, konnte ich trotzdem nicht bis zum Ende erraten, wer Jet umbringen wollte. Auch, als sich das Motiv langsam herauskristallisiert hat. Die Autorin hat mich überrascht, an die Seiten gefesselt und schlussendlich sogar berühren können. Denn mit jedem Tag zeigt Jet nicht nur immer mehr Symptome des wachsenden Aneurysmas, sondern auch mehr Menschlichkeit und Gefühl.


Fazit:
„Not quite dead yet“ ist wieder ein überaus spannender Thriller von Holly Jackson, auch wenn ich anfangs nicht mit der Protagonistin warm wurde und deshalb Probleme hatte, in die Geschichte zu finden. Aber diese wird zunehmend spannender, facettenreicher und schockierender. Holly Jackson hat es einfach drauf, einen überaus fesselnden Thriller zu gestalten.

Veröffentlicht am 07.09.2025

Zwischen Haha und Oh nein!

Never Trust Your Fake Husband
0

Mitten in Paris liegt eine junge Frau verletzt auf dem Gehweg und sieht für den Agenten Sawyer wie seine Kollegin Alex aus. Doch wie es sich heraus stellt, hat die junge Frau durch ihre Kopfverletzung ...

Mitten in Paris liegt eine junge Frau verletzt auf dem Gehweg und sieht für den Agenten Sawyer wie seine Kollegin Alex aus. Doch wie es sich heraus stellt, hat die junge Frau durch ihre Kopfverletzung keine Erinnerungen mehr und scheint Alex‘ Zwillingsschwester zu sein. Da mehrere Behörden und auch Verbrecher nach Alex suchen, muss Sawyer mit der Unbekannten flüchten.

Das pastellene Cover und das Hochzeitspaar versprechen eine lockere Fake-Beziehung, weshalb es mich anfangs total überrascht hat, dass Sawyer und die junge Frau durch halb Paris gejagt werden. Jedoch hat mir die Verfolgungsjagd richtig gut gefallen! Zwischen Schüssen, Weglaufen und Verstecken versuchen die beiden herauszufinden, was hier los ist und Alex vor hat. Es ist richtig spannend und actiongeladen, aber auch oft lustig und teilweise absurd, typisch RomCom. Passenderweise ist die gedächtnislose Frau, Zoe, oft naiv, sorglos und tollpatschig. Deswegen musste ich in manchen Situationen meine Augen verdrehen. Aber nachdem ich mich schnell daran gewöhnt habe, dass Zoe plappert, wenn sie nervös ist und in brenzligen Situationen zeigt, dass sie auch gute Fluchtideen und Mut haben kann, hat mich die Geschichte richtig mitgerissen. Mit ihrem Verhalten bringt die Protagonistin eben auch erst Witz in die Geschichte und lockert die rasante Erzählung auf. Es ist spannend, amüsant und mit jedem weiteren ruhigen Versteck auch mal romantisch. Die zunehmenden Gefühle von Zoe und Sawyer haben mich berühren können und ich habe so sehr auf ein glückliches Ende für die beiden gehofft.

Die Geschichte wird aus beiden Perspektiven von Zoe und Sawyer erzählt. Durch den Titel wird direkt Argwohn aufgebaut und auch in seinen Kapiteln nicht alles erzählt, was schon Spannung erzeugen kann. Andererseits ist es schon seltsam, dass man etwas aus einer Erzählperspektive liest, diese aber nicht alles verrät. Wozu dann die zweite Perspektive? Ehrlicherweise finde ich sie unnötig (oder zu wenig genutzt, wie mans nimmt).


Fazit:
Von dem Cover von „Never trust your Fake Husband“ sollte man sich nicht zu sehr beeinflussen lassen, denn hinter der pastellfarbenen Seite verbirgt sich auch ganz schön viel Spannung und Action. Die Liebesgeschichte zwischen der gedächtnislosen Protagonistin und dem knallharten Agenten ist in eine brenzlige Verfolgungsjagd gebettet. Die romantic suspense Geschichte hat mich positiv überrascht und konnte mich fesseln und amüsieren.

  • Einzelne Kategorien
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.09.2025

Starke Protagonistin

Lichterloh - Stadt unter Ruß
0

Die junge Cleo lebt in einer Stadt, in der alles mit Kohle betrieben wird und diese schwarze Brocken das wertvollste überhaupt sind. Ihr größter Traum ist es Schornsteinfegerin zu werden, doch diese gehören ...

Die junge Cleo lebt in einer Stadt, in der alles mit Kohle betrieben wird und diese schwarze Brocken das wertvollste überhaupt sind. Ihr größter Traum ist es Schornsteinfegerin zu werden, doch diese gehören der Elite an und bilden darin nur ihre eigenen Kinder aus. Nachdem sie in einem ärmlichen Viertel, wo fast nie die Kohlegeräte und Öfen gewartet werden, ein Feuer löscht, soll sie eigentlich bestraft werden, doch die Bewohner/innen des Viertels feiern sie für ihren Einsatz. Deshalb darf Cleo die Ausbildung als Schornsteinfegerin absolvieren, doch viele Leute wollen sie scheitern sehen.

Rußstadt macht ihrem Namen alle Ehre: Auf allem liegt eine Schicht Ruß und sogar der Himmel ist grau und nicht gänzlich zu sehen. Die meisten Menschen arbeiten in der Fabrik, wo all die kleinen Öfen hergestellt werden, die es wirklich für jede Tätigkeit gibt. Alles wird nur mit Kohle betrieben. Dadurch scheint die Stadt schäbig, was eine ziemlich düstere Atmosphäre hervorruft. Diese dunkle und triste Umgebung beschreibt die Autorin sehr anschaulich. Doch dagegen gibt es die sympathischen und starken Protagonisten. Cleo ist eine Kämpferin, die sich trotz aller Widerstände nicht von ihrer Ausbildung unterkriegen lässt. Mit jedem Tag an der Academy und der Ablehnung dort, gibt es immer wieder Momente, wo Spannung aufkommt und Cleo ihre Zielstrebigkeit, Einfallsreichtum und Begabung beweist. Außerdem hat sie ihre Schwester, die ebenfalls das System dieser Stadt nicht gut heißt, und viele weitere Freunde. Somit wird die Geschichte heller, freundlicher und herzlicher.

Die Autorin hat im Nachwort erwähnt, dass sie diese Geschichte aufgrund ihrer Faszination für Schornsteinfeger/innen erfunden hat. Trotzdem lässt sich mit der Nutzung der wertvollen Kohle auch gut Parallelen zu unserer realen Welt ziehen. Ich hab hier viel Sozial- und Umweltkritik herausgelesen, weil die Elite von Rußstadt immer reicher wird und die gute Luft für sich alleine beanspruchen, während die Umwelt verpestet wird. Vielleicht war das gar nicht beabsichtigt, aber auf jeden Fall bietet das einen passenden Rahmen für unsere starke Protagonistin, die sich geschickt und klug durch ihre Ausbildung manövriert und ob sie es am Ende schafft, müsst ihr selbst nachlesen.


Fazit:
„Stadt unter Ruß“ ist der Auftakt einer spannenden Reihe um eine beeindruckende und mutige Protagonistin, die sich aller Widerstände zum Trotz nicht unterkriegen lässt. Außerdem enthält die Dystopie natürlich auch einige Kritikpunkte wie mit der Umwelt und den Bürger/innen umgegangen wird, was sehr anschaulich dargestellt wird.

Veröffentlicht am 07.09.2025

Spannend und atmosphärisch

Mondia-Dilogie 1: Silent Secrets
0

Remy hat ein unbeschreibliches Talent für Technik. Deshalb hat sie sich im Blumenladen ihrer Schwester eine gemütliche kleine Werkstatt eingerichtet, wo sie allerhand kaputte Geräte aus der Nachbarschaft ...

Remy hat ein unbeschreibliches Talent für Technik. Deshalb hat sie sich im Blumenladen ihrer Schwester eine gemütliche kleine Werkstatt eingerichtet, wo sie allerhand kaputte Geräte aus der Nachbarschaft repariert. Eines Tages erscheint dort ein junger Mann, der einen Gegenstand von ihr fordert, und plötzlich befindet sie sich inmitten eines großen Abenteuers. Der Besucher, Sim, gehört nämlich zur gewaltigen Weltenbibliothek Mondia, in der unzählige Bücher stehen, und mit ihrer Ordnung unser Welt aufrechterhält. Doch es gibt Probleme und auch Feinde, weshalb die Bibliothek im Untergrund von Paris bedroht ist.

Es ist spannend Remy in diese neue Welt unterhalb von Paris zu folgen und kennenzulernen. Die gewaltige Bibliothek und ihre Bedeutung ist sehr beeindruckend und wird jedes Bücherwurmherz höher schlagen lassen. Paris ist auch ein passendes Setting für die buchige Geschichte, weil ich finde, dass diese Stadt schon selbst etwas magisches und besonderes hat. Die Autorin hat passenderweise auch einige französische Floskeln eingebaut. Sim und Remy bewegen sich nicht nur in der Hauptstadt Frankreichs, sondern reisen auf ihrer Suche auch an einige verschiedene Orte in Europa, wobei es sie immer wieder nach Hause führt.

„Wer sagt, dass Romane nicht auch einen Funken Realität in sich tragen. Die Wirklichkeit lebt im Auge des Betrachters.“, Sim, 60%

Die Geschichte endet in einem, ja schon leicht fiesen, Cliffhanger. Der Prolog und Epilog stehen miteinander in Verbindung und machen mich sehr neugierig. In der Welt der Mondia gibt es so viele Geheimnisse und Dinge, die Remy noch nicht weiß. Ich bin so gespannt auf den zweiten Teil der Reihen und möchte unbedingt tiefer in die Welt eintauchen!


Fazit:
„Silent Secrets“ beinhaltet eine faszinierende Idee rund um die Weltenbibliothek und einige Abenteuer für die Protagonisten. Die Geschichte ist sehr spannend und macht ihrem Titel alle Ehre, denn es gibt noch so vieles im Geheimen zu entdecken, sodass ich sehr gespannt auf den zweiten Teil bin.

Veröffentlicht am 09.08.2025

Grausam und schonungslos

The Book Eaters
0

Wie oft sagen wir, dass wir ein Buch verschlungen haben, weil es so gut und spannend war? Nun ja, die Protagonisten in diesem Buch verschlingen sie wirklich: Sie essen Bücher, wodurch sie die Geschichte ...

Wie oft sagen wir, dass wir ein Buch verschlungen haben, weil es so gut und spannend war? Nun ja, die Protagonisten in diesem Buch verschlingen sie wirklich: Sie essen Bücher, wodurch sie die Geschichte währenddessen auch aufnehmen. Doch das Leben der Buchesser-Famillien ist düster: Es gibt strenge Regeln und die wenigen Frauen werden überbehütet aufgezogen und zu Schwangerschaften mit ausgewählten Familien gezwungen, um den Fortbestand der Buchesser aufrechtzuerhalten. Noch dazu gibt es einige wenige ihrer Spezies mit einer anderen Ausprägung des Hungers: die Gedankenesser. Diese ernähren sich von Menschen, weshalb sie meist kurz nach der Geburt umgebracht werden, doch eine andere Buchesser-Familie könnte wahrscheinlich Cai helfen, weshalb seine Mutter Devon auf der Suche nach ihnen ist.

In der Geschichte folgen wir nicht nur Devon und Cai auf ihrer Flucht und Suche im Heute, sondern erhalten auch immer wieder einige Kapitel aus Devons Vergangenheit. Wir erfahren, wie sie als „Prinzessin“ in ihrer Familie aufgewachsen ist, bis hin zu ihrer Hochzeit um Kinder zu gebären. Dadurch wird anschaulich geschildert, wie die unterschiedlichen Familien leben und deren Beziehungen untereinander strukturiert haben, sprich das Patriarchat ausleben.

Die Geschichte ist währenddessen sehr düster und brutal. Nicht nur herrscht Zwang und Unterdrückung bei den Buchessern, sondern auch damit einhergehend viel Grausamkeit und Gewalt. Viele Szenen haben mich schockiert und abgestoßen, wobei die Autorin diese zwar schonungslos erzählt, aber nicht zu anschaulich. Ich finde auch, dass die psychische Gewalt in dem Buch eine größere Rolle spielt, als die physische. Mich haben die Auswirkungen und die Gefühle der Protagonisten vielmehr geschockt, als der Akt der körperlichen Gewalt an sich. Viele Szenen sind einfach krass, weshalb es für diese Dark Fantasy eine Triggerwarnung gebraucht hätte. Ich finde der Untertitel „Wie viele Menschen würdest du opfern, um dein Kind zu retten?“ fasst die Geschichte um Devon und ihren Sohn sehr gut zusammen. Devon ist eine Löwin, wenn es um Cai geht und ich hab mich (trotz keiner eigenen Kinder) sehr gut in sie hineinversetzen können. Ich habe mitgefiebert und die Geschichte verschlungen (haha!). Die Autorin erzählt so fesselnd, schockierend und überraschend, dass ich das Buch innerhalb weniger Tage durchgesuchtet hätte, wenn ich es nicht im Rahmen einer Leserunde gelesen hätte.

Wegen der vielen Grausamkeiten und überraschenden, verstörenden Szenen war mir das Ende der Geschichte zu seicht. Seit dem Beenden des Buches bin ich irgendwie unzufrieden damit. Das Ende schließt eigentlich ziemlich gut Devons Geschichte ab und ist auch im Grunde hoffnungsvoll, aber mir bleiben so viele Fragen offen! Bei einigen Handlungssträngen frage ich mich, wie es da in Zukunft sein wird. Die Autorin hat vor Jahren angedeutet, dass sie gerne weitere Bücher in dem Buchesser-Universum schreiben würde und ich hoffe sehr, dass da nun wirklich noch etwas nachkommt.


Fazit:
„The Book Eaters“ ist wirklich krass! Es wird schonungslos von Gewalt, Patriarchat, Mutterliebe und psychischen Grausamkeiten erzählt. Das Buch hat mich schockiert und gefesselt gleichermaßen. Diese Geschichte ist eine passende Lektüre für Halloween oder auch einfach Dark Fantasy-Fans.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Fantasy