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Veröffentlicht am 02.06.2026

Interessante, anschauliche und sehr kurze Romanbiographie

Träume aus Feuer
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Von Johannes Kunckel habe ich bisher noch nie gehört, aber er muss ein sehr beeindruckender Mann gewesen sein. Das Buch beginnt im Jahre 1686 als der Alchemist und Kammerdiener des Kurfürsten von Preußen ...

Von Johannes Kunckel habe ich bisher noch nie gehört, aber er muss ein sehr beeindruckender Mann gewesen sein. Das Buch beginnt im Jahre 1686 als der Alchemist und Kammerdiener des Kurfürsten von Preußen die Pfaueninsel gescheckt bekommt. Er soll dort sein wertvolles Rubinglas perfektionieren (und nein, entgegen des Klappentextes weiß er, dass er kein Gold herstellen können wird). In dieser Romanbiographie begleiten wir Kunckel zwei Jahre lang zwischen seiner Familie in Berlin, der Glashütten auf der Pfaueninsel und auf dem Hof des Kurfürsten, zwischen Freundschaft und Neid.

Das dünne Büchlein beginnt direkt sehr atmosphärisch, als Johannes Kunckel über die Havel seiner neuen Insel entgegen rudert. Es sind so viele schöne Naturbeschreibungen vorhanden. Florian Illies hat einen sehr anschaulichen und wortgewaltigen Schreibstil. Seine Worte treffen auf den Punkt, sind passend zur Thematik gewählt und geben so eine wunderschöne Atmosphäre. Ich habe vor dem Lesen der Geschichte nur kurz nach der Pfaueninsel gegoogelt, aber Florian Illies hat dieses Stückchen Land und seine Bewohner viel besser vor meinem inneren Auge erschaffen, als Fotografien es könnten. Ich mag den lebendigen und bildlichen Schreibstil wirklich sehr, aber andererseits sind die Sätze und Szenen so dicht gestaltet, dass ich einiges oftmals wieder und wieder lesen musste, um mich zurecht zu finden.

"Was für ein Rot. Es ist wie ein Sonnenuntergang, der beschlossen hat, für immer in diesem Glas zu wohnen." S. 87

Ich finde es schön, dass wir auch viel von der Glaskunst lesen dürfen. Die Herstellung war damals sehr heikel, denn so viele Handlungsschritte müssen perfekt sitzen und die Arbeit ist mehr als schweißtreibend. Wusstet ihr, dass es auch Glasschneider gab? Diese Künstler haben tatsächlich Motive in Glaskelche geschnitten. Daneben steht die Politik am preußischen Hof, wo Neid und Misstrauen herrscht. Das Ende der Geschichte ist dann eher abrupt, aber durch den hinten abgedruckten Lebenslauf (finde ich sehr gut und wichtig), wissen wir, wie es Johannes Kunckels weiterhin erging. Ich muss sagen, ich hätte gerne auch mehr von Kunckel gelesen. Das Buch ist recht kurz, da es nur zwei Jahre und etwas im Geschehen eingestreute Vergangenheit umfasst. Ich weiß nicht, wie viel Material es zu seinem Leben gibt, aber ich hätte sehr gerne eine längere Romanbiographie gelesen.


Fazit:
„Träume aus Feuer“ ist eine sehr informative und kurzweilige Romanbiographie über Johannes Kunckel, der im 18. Jahrhundert die Herstellung von leuchtend rubinrotem Glas entwickelt hat. Der Schreibstil ist sehr bildhaft und lebendig, was mir sehr gut gefallen hat, drängt aber auch so viel Inhalt auf nur wenigen Seiten, wodurch ich einige Momente mehrmals lesen musste, weil ich verwirrt war. Insgesamt finde ich das Büchlein etwas mager, aber ich bin froh, dass ich dadurch Kunckel und seine beeindruckende Handwerkskunst kennengelernt habe.

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Veröffentlicht am 20.05.2026

Klischeebehafteter cozy Kleinstadt-Roman

Ein Zuhause im Frühling
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Die Illustratorin Ella braucht eine Auszeit von ihrem Freund und Ereignissen in London, weshalb sie aufs Land reist um das Cottage ihrer Patentante zu hüten. Dort will sie Distanz zu ihrem Londoner Leben ...

Die Illustratorin Ella braucht eine Auszeit von ihrem Freund und Ereignissen in London, weshalb sie aufs Land reist um das Cottage ihrer Patentante zu hüten. Dort will sie Distanz zu ihrem Londoner Leben schaffen und ihre Kreativität wieder finden. Doch überraschenderweise muss sie die Labradorhündin Tess hüten und die Dorfgemeinschaft fordert von ihr Tätigkeiten, die sonst ihre Patentante übernommen hat. Statt alleine im Cottage zu malen, trifft sie also immer wieder auf einige Dorfbewohner/innen, wie den Tierarzt Devon oder seine Mitarbeiterin Bets, und beginnt Gefallen an ihrem neuen Leben dort zu finden.

Ich finde die Cottage- und Dorfatmosphäre in der Geschichte richtig schön. Wilsgrave ist ein kleines Dorf mitten in wunderschöner Landschaft und mit sehr sympathischen, aber auch typisch nervigen Bewohner/innen. Der Vibe ist gemütlich, amüsant und herzlich, weil das Landleben anschaulich dargestellt wird. Ella ist total in Slow Living eingetaucht und aufgegangen, z. B. beim Blumenschmuck für die Kirche. Die Menschen im Dorf sind total unterschiedlich und tauchen zum richtigen Zeitpunkt pointiert auf. Die Tierarzthelferin Bets ist so eine liebenswerte Frau und selbst die nervigste Dorfbewohnerin, die es ja auch immer geben muss, hat mich nur schmunzeln lassen. Die Protagonistin selbst war unter anderem mit ihrer Arglosigkeit und ihrer Ansicht zum Schminken oft sehr klischeebehaftet, insgesamt wird ihr Charakter aber stets sehr anschaulich und nachvollziehbar dargestellt.

Die Wendungen, die dann im weiteren Verlauf auftauchen, haben mir eher weniger gefallen. Der erste Plotttwist hat mich überrascht, aber nur, weil ich dachte es wäre schon längst offensichtlich. Dieser Punkt hat mich übrigens schon von Anfang an genervt. Und bevor ich total schwammig weiterschreibe, im Grunde fand ich es auch positiv für die Geschichte, nur das Wie war schon sehr gewollt und unverschämt. Die zweite Wendung hat mich aufgeregt. Wie kann Ella so gelebt haben? Das ist heutzutage doch total unrealistisch. Wobei danach sogar etwas Action aufkam, was mir ziemlich gut gefallen hat, weil hier Schwung in die Geschichte kam. Und positiv umgesetzt finde ich auch tiefgründige Aspekte von Ellas Vergangenheit in London.


Fazit:
„Ein Zuhause im Frühling“ beinhaltet eine tolle Dorfgemeinschaft und passende Elemente von Slow Living, weshalb ich mich schon sehr freue mit der Fortsetzung nach Wilsgrave zurückzukehren. Ella selbst und ihre Entwicklung sind klischeebehaftet, was ich so von der Beststeller-Autorin gar nicht erwartet hätte. Die Wendungen am Ende haben mich verwirrt, genervt, aber auch viel Action und Heiterkeit in die Geschichte gebracht. Für Fans von Hunden und Slow Living bzw. herzlichem Kleinstadtsetting, aber auch etwas Tiefgründigkeit, kann ich die Geschichte sehr empfehlen.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Hat mich positiv überrascht

Homesick
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Die Londonerin Mara wohnt mit einem alten Freund aus der Heimat in einer WG, ist in einer langjährigen Beziehung mit Tom und hat einen Job in der Bibliothek. Überraschend erhält sie viel Geld und soll ...

Die Londonerin Mara wohnt mit einem alten Freund aus der Heimat in einer WG, ist in einer langjährigen Beziehung mit Tom und hat einen Job in der Bibliothek. Überraschend erhält sie viel Geld und soll sich dafür eine Wohnung kaufen. Wir begleiten Mara während 1 ½ Jahre, in denen es um ihre Beziehungen zu ihrer besten Freundin, ihrem Partner, ihrem Chef und ihren neuen Nachbarn im Haus geht. Der Klappentext vermittelt jedoch ein völlig falsches Bild: Tom hat nicht nur Heimweh! Es passiert etwas, was die Beziehung von den beiden stark beeinflusst. Dieses Buch handelt nicht einfach von Heimweh, sondern darum, wo Mara sich in ihrem Leben und ihren vielfältigen Beziehungen sieht und auch die Jahre der 20er, in denen man schon erwachsen ist, aber noch erwachsener wird.

Die Kapitel sind oft kurz gehalten, z. B. auch mal nur eine Seite lang. Der Schreibstil ist sehr lebendig und auch wenn ich die Geschichte nicht als humorvoll bezeichnen würde, schwingt oft so viel Leichtigkeit mit. Trotz auch ernster Themen, die angesprochen werden.

Wie schon erwähnt, folgen wir Leser/innen Mara über mehrere Jahreszeiten hinweg, was mir sehr gut gefallen hat. Durch viele Momentaufnahmen kommt man der Protagonistin sehr nahe. Ich finde sie auch sehr sympathisch und realistisch. In manchen Situationen hätte ich mir mehr Aktionismus von ihrer Seite aus gewünscht, aber in ihrem Alter und dem ersten Kontakt mit gewissen Themen hätte ich auch nicht anders gehandelt. Mara ist sehr lebendig und authentisch dargestellt. Die Geschichte enthält auch viele wichtige Themen wie Freundschaft, mentale Gesundheit, Alltagssexismus und Finanzen. Das Ende hingegen hat mich enttäuscht, weil mich etwas völlig kalt erwischt hat, das ich bis heute nicht verstehe (auch nicht nach Gesprächen mit anderen Leserinnen). Theoretisch und irgendwann in der Zukunft kann ich es nachvollziehen, aber zu dem Zeitpunkt im Buch überhaupt nicht, weil es keine Erklärung und keine Gefühle von den Protagonisten dazu gab. Hier hätte ich mir wenigstens einen kurzen Absatz über das Geschehene von der Autorin gewünscht.


Fazit:
„Homesick“ hat mich total überrascht, positiv überrascht, weil es vielfältiger und lebensechter ist, als der Klappentext vermuten lässt (der übrigens den Inhalt falsch widergibt). Es geht um Maras Beziehungen zu ihrem Partner, ihrer besten Freundin, ihrem Chef und ihren Nachbarn im Haus. Während auch wichtig Themen, wie Finanzen, mentale Gesundheit und Alltagssexismus einen Platz finden, ist die Geschichte aber auch sehr locker, leicht und kurzweilig geschrieben. Nur das Ende konnte mich nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 28.04.2026

Nicht so fröhlich, wie das Cover versprechen mag

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Adam und Jules sind schon seit Jahrzehnten zusammen und haben bereits erwachsene Kinder, doch die beiden sind in Routinen gefangen und mit vielem nicht glücklich, wie steht es nun um ihre Beziehung? Auf ...

Adam und Jules sind schon seit Jahrzehnten zusammen und haben bereits erwachsene Kinder, doch die beiden sind in Routinen gefangen und mit vielem nicht glücklich, wie steht es nun um ihre Beziehung? Auf dem Dachboden finden die beiden alte Mixtapes, die sie sich in ihrer Datingphase und zu wichtigen Tagen gegenseitig geschenkt haben. Adam legt eine Kassette ein und reist zurück zu diesem Moment, zu diesem Tag – buchstäblich. Ja, die Geschichte handelt tatsächlich von Zeitreisen, was mir gar nicht bewusst war, obwohl es auf dem Klappentext steht, was ich aber metaphorisch aufgefasst habe. Nun reisen die beiden also abwechselnd zurück in ihrer gemeinsamen Geschichte und ändern auch einige Dinge, doch führt das alles zwischen ihnen beiden zum Besseren?

Der Anfang des Buches war für mich nicht leicht. Adam und Jules sind mit einigen Dingen in ihrem Leben nicht mehr zufrieden und miteinander auch nicht. Ihr Sohn schmeißt die Uni, während ihre Tochter zwar einen Job hat, aber wie ihr Bruder keinen Handgriff im Haushalt hilft und für gewisse Arbeiten zu ihrer Mutter rennt. Das war mir anfangs zu negativ. Als wir aber anfangen mehr über Adam und Jules und ihre Beziehung zu erfahren, haben mir die Rückblicke ihrer ersten Verliebtheit wieder die Laune gehoben. Man lernt somit auch die jüngeren Versionen der beiden kennen. Ich finde, das Autorenduo hat das Protagonistenpaar richtig anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Die Charaktere sind mir sympathisch, aber während der Geschichte nie richtig ans Herz gewachsen. Trotzdem konnte ich immer verstehen, warum sie in bestimmten Situationen so gehandelt haben.

Ich finde es schön, dass Musik so eine große Rolle spielt. Es werden auch einige Songs im Buch genannt und anfangs ist ein QR-Code für die Playlist auf Spotify abgebildet. Musik sagt so viel aus, leider kann ich beim Lesen keine Musik nebenbei hören, ansonsten wäre das ein richtig schöner Soundtrack gewesen. Auch dass Jules und Adam sich immer wieder zu besonderen Anlässen ein Mixtape erstellt und geschenkt haben, finde ich eine richtig schöne Geste.

Während der ganzen Zeitreisen und Veränderungen der Vergangenheit, wird die Geschichte repetitiv. Es ist zwar interessant und spannend, wie die neue Gegenwart aussieht, aber der Lerneffekt bei Jules und Adam ist kaum da und sie agieren im Grunde immer wieder gleich. Die Handlungen von ihnen selbst sind immer wieder gleich und auch gegenseitig sehr ähnlich. Die Geschichte endet teilweise vorhersehbar und einfach zu perfekt. Dass jetzt z. B. jeder Charakter auf den letzten Seiten in eine Beziehung gequetscht wird, ist zu viel. Und die Auflösung der Zeitreisen finde ich nachvollziehbar, aber schade. Der letzte Satz (mir sind letzte Sätze von Büchern so wichtig!) ist einfach unromantisch, unangenehm und zu gewollt.


Fazit:
„You & Me“ ist eine richtig schöne Idee mit den tatsächlichen Zeiteisen, die Jules und Adam in die vielen Jahre und Momente ihrer Beziehung zurückschicken. Die Thematik ist recht schön aufgebaut und die Charaktere von dem Autorenduo nachvollziehbar geschildert, jedoch wird die Handlung repetitiv und das Ende lässt mich unbefriedigend zurück. Die Geschichte ist nicht so fröhlich, wie das farbenfrohe Cover zu versprechen scheint.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Ein düsteres Märchen

Verrat der Schwäne
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Im Königreich Auréal ist die Magie längst verschwunden, doch Zauberer wie Odiles Vater wollen sie wieder zurückbringen. Darum muss Odile sich als zukünftige Braut des Kronprinzen ausgeben und die zur Hochzeit ...

Im Königreich Auréal ist die Magie längst verschwunden, doch Zauberer wie Odiles Vater wollen sie wieder zurückbringen. Darum muss Odile sich als zukünftige Braut des Kronprinzen ausgeben und die zur Hochzeit benötigte wertvolle Krone stehlen. Dafür verzaubern sie Marie, die eigentliche Verlobte des Prinzen, in einen Schwan, der auf dem See zwischen Theater und Königspalast seine Kreise zieht. Doch wegen dem unvorhergesehenen und brutalen Mord am König muss sich Odile mit Marie verbünden. Und sich auch die Frage stellen, ob ihr Bruder wirklich der Mörder sein könnte.

Die Geschichte hatte für mich durchweg eine düstere Stimmung. Schon auf den ersten Seiten wandelt Odile durch das dunkle Theater und tritt an den See in die Nacht hinaus. Die Autorin beschreibt immer wieder solche atmosphärischen und gedrückten Situationen. Auch Handlungen, wie z. B. die Verwandlung von Marie in einen Schwan durch Odiles Vater, sind böse und verschlagen. Ein weiterer Moment ist auch unheilvoll und sehr brutal. Insgesamt hat mich die Geschichte an ein Märchen erinnert. Das Theaterstück „Schwanensee“ kenne ich leider nicht genauer und kann deshalb keine Vergleiche ziehen. Mir hat die Stimmung der Gothic Geschichte sehr gut gefallen. Außerdem ist die Spannung auch immer recht hoch und es passieren so einige Dinge, die mich überrascht haben.

Zum Ende der Geschichte wird es nochmals unheilvoll und es baut sich der Druck im Geschehen auf, aber vor allem auf Odile. Wie die Autorin hier ihre Rolle darstellt, hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die Protagonistin mag zwar nicht die größte Sympathieträgerin sein, aber Odile ist ein anschaulich ausgearbeiteter Charakter, mit dem man gerne mitfiebert. Der Schluss hat mich etwas irritiert, da er sich für mich etwas überhastet anfühlt. Die Handlung nimmt einen Faden auf, durch den ich dachte, es gäbe einen zweiten Band, wird im Epilog dann aber doch abgeschlossen, was sich für mich überhastet angefühlt hat. Als hätte es wirklich einen Nachfolgeband geben sollen, aber der Verlag hat dies der Autorin untersagt, wodurch sie schnell noch ein abschließendes Ende entwickeln musste.


Fazit:
„Verrat der Schwäne“ ist eine düstere und atmosphärische Geschichte, die mich mit den unterschiedlichen Charakteren und vielen spannenden und überraschenden Momente in Atem halten konnte. Das Ende fühlt sich überhastet und zu erzwungen an, da sich der Abschluss der Geschichte für mich zu abrupt anfühlt.