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Veröffentlicht am 28.04.2026

Hat mich positiv überrascht

Homesick
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Die Londonerin Mara wohnt mit einem alten Freund aus der Heimat in einer WG, ist in einer langjährigen Beziehung mit Tom und hat einen Job in der Bibliothek. Überraschend erhält sie viel Geld und soll ...

Die Londonerin Mara wohnt mit einem alten Freund aus der Heimat in einer WG, ist in einer langjährigen Beziehung mit Tom und hat einen Job in der Bibliothek. Überraschend erhält sie viel Geld und soll sich dafür eine Wohnung kaufen. Wir begleiten Mara während 1 ½ Jahre, in denen es um ihre Beziehungen zu ihrer besten Freundin, ihrem Partner, ihrem Chef und ihren neuen Nachbarn im Haus geht. Der Klappentext vermittelt jedoch ein völlig falsches Bild: Tom hat nicht nur Heimweh! Es passiert etwas, was die Beziehung von den beiden stark beeinflusst. Dieses Buch handelt nicht einfach von Heimweh, sondern darum, wo Mara sich in ihrem Leben und ihren vielfältigen Beziehungen sieht und auch die Jahre der 20er, in denen man schon erwachsen ist, aber noch erwachsener wird.

Die Kapitel sind oft kurz gehalten, z. B. auch mal nur eine Seite lang. Der Schreibstil ist sehr lebendig und auch wenn ich die Geschichte nicht als humorvoll bezeichnen würde, schwingt oft so viel Leichtigkeit mit. Trotz auch ernster Themen, die angesprochen werden.

Wie schon erwähnt, folgen wir Leser/innen Mara über mehrere Jahreszeiten hinweg, was mir sehr gut gefallen hat. Durch viele Momentaufnahmen kommt man der Protagonistin sehr nahe. Ich finde sie auch sehr sympathisch und realistisch. In manchen Situationen hätte ich mir mehr Aktionismus von ihrer Seite aus gewünscht, aber in ihrem Alter und dem ersten Kontakt mit gewissen Themen hätte ich auch nicht anders gehandelt. Mara ist sehr lebendig und authentisch dargestellt. Die Geschichte enthält auch viele wichtige Themen wie Freundschaft, mentale Gesundheit, Alltagssexismus und Finanzen. Das Ende hingegen hat mich enttäuscht, weil mich etwas völlig kalt erwischt hat, das ich bis heute nicht verstehe (auch nicht nach Gesprächen mit anderen Leserinnen). Theoretisch und irgendwann in der Zukunft kann ich es nachvollziehen, aber zu dem Zeitpunkt im Buch überhaupt nicht, weil es keine Erklärung und keine Gefühle von den Protagonisten dazu gab. Hier hätte ich mir wenigstens einen kurzen Absatz über das Geschehene von der Autorin gewünscht.


Fazit:
„Homesick“ hat mich total überrascht, positiv überrascht, weil es vielfältiger und lebensechter ist, als der Klappentext vermuten lässt (der übrigens den Inhalt falsch widergibt). Es geht um Maras Beziehungen zu ihrem Partner, ihrer besten Freundin, ihrem Chef und ihren Nachbarn im Haus. Während auch wichtig Themen, wie Finanzen, mentale Gesundheit und Alltagssexismus einen Platz finden, ist die Geschichte aber auch sehr locker, leicht und kurzweilig geschrieben. Nur das Ende konnte mich nicht überzeugen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 28.04.2026

Nicht so fröhlich, wie das Cover versprechen mag

You and Me - Die zweite erste Liebe
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Adam und Jules sind schon seit Jahrzehnten zusammen und haben bereits erwachsene Kinder, doch die beiden sind in Routinen gefangen und mit vielem nicht glücklich, wie steht es nun um ihre Beziehung? Auf ...

Adam und Jules sind schon seit Jahrzehnten zusammen und haben bereits erwachsene Kinder, doch die beiden sind in Routinen gefangen und mit vielem nicht glücklich, wie steht es nun um ihre Beziehung? Auf dem Dachboden finden die beiden alte Mixtapes, die sie sich in ihrer Datingphase und zu wichtigen Tagen gegenseitig geschenkt haben. Adam legt eine Kassette ein und reist zurück zu diesem Moment, zu diesem Tag – buchstäblich. Ja, die Geschichte handelt tatsächlich von Zeitreisen, was mir gar nicht bewusst war, obwohl es auf dem Klappentext steht, was ich aber metaphorisch aufgefasst habe. Nun reisen die beiden also abwechselnd zurück in ihrer gemeinsamen Geschichte und ändern auch einige Dinge, doch führt das alles zwischen ihnen beiden zum Besseren?

Der Anfang des Buches war für mich nicht leicht. Adam und Jules sind mit einigen Dingen in ihrem Leben nicht mehr zufrieden und miteinander auch nicht. Ihr Sohn schmeißt die Uni, während ihre Tochter zwar einen Job hat, aber wie ihr Bruder keinen Handgriff im Haushalt hilft und für gewisse Arbeiten zu ihrer Mutter rennt. Das war mir anfangs zu negativ. Als wir aber anfangen mehr über Adam und Jules und ihre Beziehung zu erfahren, haben mir die Rückblicke ihrer ersten Verliebtheit wieder die Laune gehoben. Man lernt somit auch die jüngeren Versionen der beiden kennen. Ich finde, das Autorenduo hat das Protagonistenpaar richtig anschaulich und nachvollziehbar dargestellt. Die Charaktere sind mir sympathisch, aber während der Geschichte nie richtig ans Herz gewachsen. Trotzdem konnte ich immer verstehen, warum sie in bestimmten Situationen so gehandelt haben.

Ich finde es schön, dass Musik so eine große Rolle spielt. Es werden auch einige Songs im Buch genannt und anfangs ist ein QR-Code für die Playlist auf Spotify abgebildet. Musik sagt so viel aus, leider kann ich beim Lesen keine Musik nebenbei hören, ansonsten wäre das ein richtig schöner Soundtrack gewesen. Auch dass Jules und Adam sich immer wieder zu besonderen Anlässen ein Mixtape erstellt und geschenkt haben, finde ich eine richtig schöne Geste.

Während der ganzen Zeitreisen und Veränderungen der Vergangenheit, wird die Geschichte repetitiv. Es ist zwar interessant und spannend, wie die neue Gegenwart aussieht, aber der Lerneffekt bei Jules und Adam ist kaum da und sie agieren im Grunde immer wieder gleich. Die Handlungen von ihnen selbst sind immer wieder gleich und auch gegenseitig sehr ähnlich. Die Geschichte endet teilweise vorhersehbar und einfach zu perfekt. Dass jetzt z. B. jeder Charakter auf den letzten Seiten in eine Beziehung gequetscht wird, ist zu viel. Und die Auflösung der Zeitreisen finde ich nachvollziehbar, aber schade. Der letzte Satz (mir sind letzte Sätze von Büchern so wichtig!) ist einfach unromantisch, unangenehm und zu gewollt.


Fazit:
„You & Me“ ist eine richtig schöne Idee mit den tatsächlichen Zeiteisen, die Jules und Adam in die vielen Jahre und Momente ihrer Beziehung zurückschicken. Die Thematik ist recht schön aufgebaut und die Charaktere von dem Autorenduo nachvollziehbar geschildert, jedoch wird die Handlung repetitiv und das Ende lässt mich unbefriedigend zurück. Die Geschichte ist nicht so fröhlich, wie das farbenfrohe Cover zu versprechen scheint.

Veröffentlicht am 28.04.2026

Ein düsteres Märchen

Verrat der Schwäne
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Im Königreich Auréal ist die Magie längst verschwunden, doch Zauberer wie Odiles Vater wollen sie wieder zurückbringen. Darum muss Odile sich als zukünftige Braut des Kronprinzen ausgeben und die zur Hochzeit ...

Im Königreich Auréal ist die Magie längst verschwunden, doch Zauberer wie Odiles Vater wollen sie wieder zurückbringen. Darum muss Odile sich als zukünftige Braut des Kronprinzen ausgeben und die zur Hochzeit benötigte wertvolle Krone stehlen. Dafür verzaubern sie Marie, die eigentliche Verlobte des Prinzen, in einen Schwan, der auf dem See zwischen Theater und Königspalast seine Kreise zieht. Doch wegen dem unvorhergesehenen und brutalen Mord am König muss sich Odile mit Marie verbünden. Und sich auch die Frage stellen, ob ihr Bruder wirklich der Mörder sein könnte.

Die Geschichte hatte für mich durchweg eine düstere Stimmung. Schon auf den ersten Seiten wandelt Odile durch das dunkle Theater und tritt an den See in die Nacht hinaus. Die Autorin beschreibt immer wieder solche atmosphärischen und gedrückten Situationen. Auch Handlungen, wie z. B. die Verwandlung von Marie in einen Schwan durch Odiles Vater, sind böse und verschlagen. Ein weiterer Moment ist auch unheilvoll und sehr brutal. Insgesamt hat mich die Geschichte an ein Märchen erinnert. Das Theaterstück „Schwanensee“ kenne ich leider nicht genauer und kann deshalb keine Vergleiche ziehen. Mir hat die Stimmung der Gothic Geschichte sehr gut gefallen. Außerdem ist die Spannung auch immer recht hoch und es passieren so einige Dinge, die mich überrascht haben.

Zum Ende der Geschichte wird es nochmals unheilvoll und es baut sich der Druck im Geschehen auf, aber vor allem auf Odile. Wie die Autorin hier ihre Rolle darstellt, hat mir wirklich sehr gut gefallen. Die Protagonistin mag zwar nicht die größte Sympathieträgerin sein, aber Odile ist ein anschaulich ausgearbeiteter Charakter, mit dem man gerne mitfiebert. Der Schluss hat mich etwas irritiert, da er sich für mich etwas überhastet anfühlt. Die Handlung nimmt einen Faden auf, durch den ich dachte, es gäbe einen zweiten Band, wird im Epilog dann aber doch abgeschlossen, was sich für mich überhastet angefühlt hat. Als hätte es wirklich einen Nachfolgeband geben sollen, aber der Verlag hat dies der Autorin untersagt, wodurch sie schnell noch ein abschließendes Ende entwickeln musste.


Fazit:
„Verrat der Schwäne“ ist eine düstere und atmosphärische Geschichte, die mich mit den unterschiedlichen Charakteren und vielen spannenden und überraschenden Momente in Atem halten konnte. Das Ende fühlt sich überhastet und zu erzwungen an, da sich der Abschluss der Geschichte für mich zu abrupt anfühlt.

Veröffentlicht am 27.04.2026

Hat mir immer weniger gefallen

Keeping it casual
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Als Max die Diagnose Gehirntumor erhält, geht auch noch ihr langjähriger Freund fremd und sie hat nun einiges, mit dem sie klar kommen muss. Zur Ablenkung überredet ihre Freundin und Mitbewohnerin Alice ...

Als Max die Diagnose Gehirntumor erhält, geht auch noch ihr langjähriger Freund fremd und sie hat nun einiges, mit dem sie klar kommen muss. Zur Ablenkung überredet ihre Freundin und Mitbewohnerin Alice sie dazu, sich bei Tinder eine zwanglose Abwechslung zu suchen. Somit beginnt Max mit Johnny zu chatten und dabei die Familienrezepte von ihrem Ex auszuprobieren.

Der Anfang der Geschichte hat mir richtig gut gefallen, weil hier vieles so offen ist. Max hat zwar eine schlimme Trennung hinter sich und eine schwere OP vor sich, aber weil sie genau an diesem Punkt steht, kann so vieles passieren. Die Chatgespräche mit Johnny sind richtig schön und humorvoll. Das Geplänkel der beiden war mein Highlight in diesem Buch! Die Beziehung zu Max‘ Ex Scott spielt auch eine wichtige Rolle und wird meist in Rückblicken erzählt, wodurch man ein richtig gutes Bild von deren Beziehung bekommt.

Die schönste Phase in diesem Buch ist die mit Johnny vor Max‘ Gehirn-OP. Danach hat mir die Geschichte sehr viel weniger Spaß gemacht, weil die Ex-Beziehung von Max vermehrt eine Rolle einnimmt. Eine große Rolle, immer wieder! Ich hätte mir gewünscht, die Autorin wäre hier mehr auf Max‘ Hier und Jetzt und ihre gewünschte Zukunft eingegangen. Die Entwicklung der Protagonistin ist aber meist nachvollziehbar dargestellt. Teilweise kann ich auch verstehen, dass die Ex-Beziehung zu Scott einen so großen Raum einnimmt, weil sie für Max‘ Charakterentwicklung wichtig ist. Hier wurde die Geschichte auch vermehrt französisch. Das gibt der Geschichte einen besonderen Touch, weil bisher auch schon die gekochten Rezepte aus Frankreich stammen (und es sind auch alle hinten im Buch abgedruckt), aber andererseits war dieser zweite französische Punkt sehr gewollt und erzwungen von der Autorin. Ein neuer Charakter, den Max hier kennenlernt, empfand ich total aufdringlich. Auch hier versteh ich den Sinn dahinter, aber ich hätte es schöner gefunden, wenn es nicht so übertrieben lustig dargestellt worden wäre.

Apropos Witz: Am Ende des Buches gefällt mir der Humor der Autorin auch immer weniger (z. B. soll Max auf einen Staubsauger stehen, what?), ich musste Szenen sogar mehrmals lesen um sie zu verstehen. Der Humor zwischen Max und Johnny ist richtig locker und lustig, den der Autorin mochte ich insgesamt leider nicht. Der Schreibstil hingegen hat mir gut gefallen. Er ist locker und Max‘ Gefühle werden in bestimmten Situationen sehr intensiv und anschaulich beschrieben, was mich sehr berührt hat.


Fazit:
Der Anfang des Buches hat mir wirklich gut gefallen und das Potenzial war da. Aber leider ging der Augenmerk der Geschichte in eine andere Richtung, als ich erwartet und mir gewünscht hätte. Statt Max‘ Zukunft und auch die aufkeimende Beziehung zu Johnny, nimmt die Ex-Beziehung sehr, sehr viel Raum ein. Immer wieder ging es um die alte Beziehung zu Scott, was mich wegen ihm echt genervt hat. Wer gerne charakterorientierte Geschichte liest und französischen Flair mag, könnte hier Freude am Lesen haben.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 12.03.2026

Weniger romantisch als erhofft

Botanic Hearts
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Nach einem verheerenden Hurricane muss Tansy mit ihrer kleinen Tochter Briar neu anfangen. Ihr Haus ist leer bis auf die Grundmauern und der Bibliothek droht die Schließung. Für ein paar Monate soll die ...

Nach einem verheerenden Hurricane muss Tansy mit ihrer kleinen Tochter Briar neu anfangen. Ihr Haus ist leer bis auf die Grundmauern und der Bibliothek droht die Schließung. Für ein paar Monate soll die Bücherei im Botanischen Garten unterkommen. Bei dessen Direktor Jack und Tansy fliegen von Anfang an die Fetzen, weil sie sich am Tage des Hurricanes auf falschem Fuß erwischt haben.

Bücher und Natur – die beiden schönsten Dinge im Leben, finde ich, da war dieses Buch ein Muss für mich! Zunächst findet die Bibliothek Platz in einem kleinen Schuppen, aber mit der Zeit wird dieser Ort immer schöner und die Vorlesestunden im Freien ein Genuss für die Besucher/innen. Der Park, die Arbeiten dort und die wieder aufblühenden Pflanzen werden sehr schön geschildert. Die Natur hat einen festen Platz in der Geschichte, Bücher eher indirekt durch die Aktionen, die von der Bibliothek angeboten werden. Ich würde so gerne selbst durch den Garten schlendern und dann in der Little Green Library stöbern!

Die beiden Protagonisten haben es mir anfangs nicht leicht gemacht. Jack ist abweisend und legt der Bibliothek immer wieder Steine in den Weg und Tansy ist ständig nur genervt von ihm und dementsprechend unfreundlich gestalten sich auch ihre Gespräche. Außerdem hat Tansy so eine Art an sich, die ich am ehesten mit tollpatschig beschreiben kann und stampft oft mit dem Fuß auf, wenn ihr was nicht passt. Jack ist oft dominant und fast schon aggressiv dabei. Durch Tansys Tochter Briar sehen die beiden auch bald eine andere Seiten von dem/der Gegenüber und lernen sich besser kennen. Während die Protagonisten ihre extreme Art mehr und mehr ablegen, kommen ihre nachvollziehbaren und liebenswürdigen Verhaltensweisen ans Licht.

Die Hintergrundgeschichte der beiden macht Sinn, aber irgendwie kommen Konflikte auf, die auf den nächsten Seiten schon wieder unwichtig sind und es werden andere in den Vordergrund gerückt. Und einiges ist mir zu dominant und wiederholend. Es nicht wie bei anderen Liebesgeschichten üblich, dass sich Spannung um und zwischen dem Paar aufbaut und dann in einem Konflikt im dritten Akt gipfelt. Eine „Geschichte zum Wohlfühlen“ steht hinten auf dem Buch, aber es ist vielmehr eine typische RomCom mit sehr vielen kleinen Dramen. Die versprochene Sprache der Liebe durch Bücher oder Blumen hat mir gefehlt, das hätte mehr Romantik in die Geschichte gebracht. Und irgendwie habe ich am Ende das Gefühl, dass die beiden nicht gänzlich zusammen passen, weil sie in ihrer Sturheit und dem Willen zu Bestimmen zu ähnlich sind, und dieses Gefühl macht mich am Ende einer Liebesgeschichte echt unzufrieden.


Fazit:
„Botanic Hearts“ besticht mit so einer wunderschönen Idee, die Bücher und Natur vereint. Noch dazu, weil die Autorin von einer ähnlichen wahren Begebenheit inspiriert wurde. Doch die Protagonisten sind Enemys-to-Lovers, die sich erst langsam zusammenfinden und dann immer wieder unwichtige kleine oder zu aufgebauschte große Dramen haben. Ich hätte mir in der Liebesgeschichte weniger Heiterkeit einer RomCom und mehr Romantik gewünscht.