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Veröffentlicht am 16.03.2026

Zart, Klar & Feinsinnig …

Der letzte Sommer der Tauben
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… kommt der „Letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider daher. Das Buch fängt einen prägenden Lebensabschnitt des 14-jährigen Taubenzüchters Noah ein. Gerade noch kann er die Unschuld der Jugend genießen, ...

… kommt der „Letzte Sommer der Tauben“ von Abbas Khider daher. Das Buch fängt einen prägenden Lebensabschnitt des 14-jährigen Taubenzüchters Noah ein. Gerade noch kann er die Unschuld der Jugend genießen, als auch in seinem Ort das Kalifat ausgerufen wird und die gesellschaftliche Ordnung, ja sogar das familiäre miteinander wie er es kennt, nie wieder so sein wird wie bisher.

Poetisch, ruhig und bedacht wirken die einzelnen Kapitel und doch entwickelt sich auf Grund der Kürze der einzelnen Erzählabschnitte eine Geschwindigkeit in der Geschichte, die einen als Leser erahnen lässt, wie überwältigend es sein muss, mit solch einem Umbruch zu leben und diesen in kürzester Zeit zu verarbeiten und anzunehmen.

Der Autor beschönigt nicht, er beschreibt in einer Klarheit die Veränderungen, Auswirkungen und Umgang mit der neuen Ordnung, eine Ordnung mit Willkür, Ausgangssperren, Arbeitsverbot für Frauen, Verschleierung und auch wie sich die Familie um Noah um Normalität bemüht, sich ein Stück Normalität zu behalten.

Ich war positiv überrascht über das Buch, hatte es gedanklich überhaupt nicht auf meinem Leseschirm und bin dankbar das ich es über ein Bücherabo erhalten habe.

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Veröffentlicht am 16.03.2026

Fünf Fremde? = Ein Highlight!

Fünf Fremde
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Romy Fölck hat mir mit diesem Buch das erste Lesehighlight des Jahres beschert. Vielen Dank dafür.

Wie sie das geschafft hat? Ganz einfach tatsächlich.
Es gibt Dinge, die mich bei einem Buch sehr ansprechen ...

Romy Fölck hat mir mit diesem Buch das erste Lesehighlight des Jahres beschert. Vielen Dank dafür.

Wie sie das geschafft hat? Ganz einfach tatsächlich.
Es gibt Dinge, die mich bei einem Buch sehr ansprechen und wenn richtig umgesetzt, leserisch einfach begeistern …

… das Setting
Am besten ein Ort an dem ich schon einmal war, einmal hinmöchte oder ein Déjà-vu in mir auslöst. Das sind vor allem Orte mit Bezug zu Wasser. Mit Neuwerk als norddeutsche Insel, ist die Auswahl hier natürlich perfekt. Klein, friedlich, abgelegen und wenn wir ehrlich sind, fragt sich doch jeder was es für Geheimnisse auf so einer Insel gibt.

… die Charaktere
Ich finde es wunderbar, wenn die Story zwischen den einzelnen Protagonisten hin und her wechselt, wie ein andauernder literarischer Dialog, der zwischen den einzelnen Kapiteln abläuft. Hier lässt der Titel und Klappentext erahnen, dass es 5 Personen sind, die miteinander agieren.

… Zeitebenen
Manche mögen es anstrengend finden, wenn in einem Buch mehrere Zeitebenen parallel zueinander herlaufen und immer wieder der zeitliche Sprung erfolgt. Ich persönlich finde das sehr ansprechend, wie diese Ebenen sich immer weiter miteinander verknüpfen und verbinden.

… das Geheimnis
Natürlich muss es in einem Thriller einen ungeklärten Fall geben, der sich dann bis zum Finale immer weiter zuspitzt. Am besten finde ich, wie in diesem Buch, wenn es um einen jahrzehntealten Mord oder Verschwinden einer Person geht, wo man nie weiß, kommt die jetzt gleich um die Ecke gehuscht oder wäre das zu einfach.

… der Schreibstil
All das nützt natürlich alles Nichts, aber auch rein gar nichts, wenn es vom Autor oder wie hier der Autorin nicht gut umgesetzt wird. Romy Fölck hat für mich ein großartiges Werk abgeliefert, das alle Punkte harmonisch miteinander verbindet. Und natürlich ahnt man hier und da etwas, aber das ist ja der Reiz und natürlich stimmen nicht alle Vorahnungen und die Geschichte nimmt eine andere Wendung, schlägt einen Haken oder geht einfach geradlinig weiter, womit man auch nicht gerechnet hat.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Mentale Satzlabyrinthe

Die Enthusiasten
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Shandy, so wird der Ich-Erzählende Vince Bär genannt. Ein Literaturliebhaber, mit weitem Abstand ein Groupie von Laurence Sterne und den neun Bücher des Tristram Shandy, daher der Spitzname. Aufgewachsen ...

Shandy, so wird der Ich-Erzählende Vince Bär genannt. Ein Literaturliebhaber, mit weitem Abstand ein Groupie von Laurence Sterne und den neun Bücher des Tristram Shandy, daher der Spitzname. Aufgewachsen in einer Bücherverrückten Familie, daher rührt wohl seine Leidenschaft, in einem Haus welches buchstäblich von den Büchern darin getragen wird.

Auf der jährlichen Reise nach Coxwold zum Todestag seines liebsten Schriftstellers, den 250. Todestag diesmal, beginnt das monologische Gedankenspiel des Romans. Shandy erzählt von Gegenwart, von Vergangenheit, Zukunft, von Wirklichkeit und Unwirklichkeit, die er sich selber ausmalt. Alles in einem Geflecht aus Sätzen und Gedankensprüngen, die wie ein bunter zu strickender Schal wirken, wo auf kurz über lang, eine Farbe die andere ablöst, ein Gedanke den nächsten strickt, um am Ende alle Fäden zusammenlaufen.

Markus Orths hat mit diesem Werk eine verbale Explosion geschaffen. Es war anfangs schwierig, den Gedanken des Erzählers zu folgen. Irgendwann gibt man sich dem Wechselspiel hin und wartet, diese teils skurrilen Sätze mit ihrem Inhalt lesend, ab wohin die mentale Reise führt. Literarisch hat Orths hier etwas ganz Außergewöhnliches geschaffen, auch wenn ich mich mit dem Inhalt erst im letzten Drittel anfreunden konnte, haben mich die Sätze, die Metaphern, der Schreibstil fasziniert zurückgelassen. Am Ende muss sich jeder Leser selbst die Frage beantworten, was Literatur und das damit verbundene Schreiben und Lesen für ihn ist.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Generationsübergreifendes Trauma

Der unsichtbare Elefant
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Wieviel Last der vorangegangen Generationen muss jeder tragen? Wieviel bekommen wir von unseren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern auf den Weg? Gibt es Lasten und Emotionen die immer weitergegeben werden? ...

Wieviel Last der vorangegangen Generationen muss jeder tragen? Wieviel bekommen wir von unseren Eltern, Großeltern, Urgroßeltern auf den Weg? Gibt es Lasten und Emotionen die immer weitergegeben werden? Oder ist doch jeder seines Glückes Schmied, weil er reseted zur Welt gekommen ist und es an ihm liegt, was er daraus macht?

Fragen über Fragen, die sich auch die Protagonisten in diesem Roman jeder für sich und miteinander stellt, nachdem sich Anwalt Thomas in den Tod gestürzt hat. Nach seinem mehr oder minder freiwilligen Freitod fangen einige Menschen um ihn herum fragen zu stellen. Sie wollen bzw. sollen in dem Geschehenen ein Warum finden. Simon ein junger Anwalt, soll kanzleiintern zu den Hintergründen ermitteln. Viktor ein ehemaliger Schulkamerad wird dienstlich zum Fall als Seelsorger gerufen und kann seine Gedanken zum Geschehenen auch nicht abstellen. Maria eine Kollegin und Zeugin des Sturzes, reiht sich ebenfalls in die Riege der Antwortsuchenden ein.

Max A. Edelmann hat trotz der schwere des Themas einen Roman geschaffen, der auf Grund seines Schreibstils eine gewisse Leichtigkeit hat und einen durch die Seiten und Gedanken trägt. Er schreibt präzise, klar und unmissverständlich. Das Thema hätte ich tatsächlich nicht hinter dem Roman erwartet, ein Thema was jeder selbst herausfinden darf. Es lass sich angenehm und unkompliziert, doch hätte ich inhaltlich etwas mehr erwartet, ich habe immer auf Details gewartet, die dann doch im verborgenen geblieben sind, ja vielleicht auch deshalb, weil sie final nicht geklärt werden können.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Loyale Geschwisterliebe trifft narzisstische Ehe

Die Insel meiner Schwester
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Eine Insel, zwei Schwestern und viele zwischenmenschliche Beziehungen. So könnte man diesen Roman in kürze umschreiben und damit so weit von dem entfernt sein was die Autorin hier zu Papier gebracht hat. ...

Eine Insel, zwei Schwestern und viele zwischenmenschliche Beziehungen. So könnte man diesen Roman in kürze umschreiben und damit so weit von dem entfernt sein was die Autorin hier zu Papier gebracht hat. Mirjam und Nia sind Halbschwestern, die erst in ihrer Jugend voneinander erfahren. Sobald sie sich kennenlernen entsteht ein starkes Band zwischen den beiden Mädchen, was so hofft man als Leser anfangs, hoffentlich ein Leben lang halten wird. Doch nach der Jugend entfernen sich die beiden voneinander, bis zum 40. Geburtstag von Nia, den sie auf der Insel feiern will, welche eine besondere Rolle für beide Frauen spielt.

Ich möchte hier nicht zu viel erzählen und vorweggreifen, soll doch jeder selbst den Inhalt des Buches im Lesen erfahren. Für mich war es ein Buch gespickt mit schwierigen zwischenmenschlichen Beziehungen, der Erfahrung wie sich Verbindungen im Laufe des Lebens ändern können. Die Autorin erzählt in Rückblenden und der Gegenwart von gegenseitigen Abhängigkeiten, von Freundschaften die aufblühen, verblassen und wieder aufleben. Ja ich möchte sogar soweit gehen, von Traumata aus der Kindheit, die sich in Erwachsenen-Beziehungen widerspiegeln. Es ist ein sehr intensives und emotionales Buch, was definitiv zum Nachdenken anregt.

Ich persönlich habe mir von dem Buch mehr versprochen. Es ist gut geschrieben, man fliegt regelrecht durch die Seiten, jedoch fand ich es in seiner Emotionalität überwiegend eher negativ. Zum Schluß hat es mich dann doch überrascht und milde gestimmt. Ich würde es trotzdem nur bedingt weiterempfehlen, da es für labile Gemüter wahrscheinlich einfach zu viel ist.

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