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Veröffentlicht am 08.07.2019

Wenn man vom Leben überholt wird

Die Dinge, die wir aus Liebe tun
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Ein jeder hat sicher schon die Situation erlebt, dass das Leben ihm ein Schnippchen schlägt: man kann so gut planen und vorbereiten, wie man will, dennoch kommt alles anders als gedacht. Und irgendwann, ...

Ein jeder hat sicher schon die Situation erlebt, dass das Leben ihm ein Schnippchen schlägt: man kann so gut planen und vorbereiten, wie man will, dennoch kommt alles anders als gedacht. Und irgendwann, tja, da sieht man sich um und erkennt, dass man vom Leben selbst überholt wurde.

So ergeht es Angie Malone, die mit Conan ihre große Liebe geheiratet hat und auf eine langjährige Ehe zurückblickt. Eine Ehe, die leider trotz aller Versuche kinderlos geblieben ist. Angies ganzes Denken und Tun konzentriert sich auf diesen Kinderwunsch, bis sie auf einmal erkennen muss, dass zwischen ihr und Conan nichts geblieben ist.

Sie kehrt Seattle den Rücken und kehrt in ihre Heimat, eine Kleinstadt am Pazifik, zurück, wo ihre Mutter mit den beiden jüngeren Schwestern versucht, das italienische Familienrestaurant über die Runden zu bringen, das kurz vor der Pleite steht. Die Familie überredet sie, mit einzusteigen und bald lernt sie die junge Lauren - klug, ehrgeizig, aber ohne familiären Rückhalt - kennen.

Angie und Lauren finden einander sozusagen und schöpfen wieder Kraft - bis Lauren gewissermaßen aus der Bahn geworfen wird.

Kann sie gerettet werden bzw. sich selbst retten? Und wird Angie stark genug sein, sich noch ein weiteres Mal dem Leben zu stellen?

Ein warmherziger, mitreißender, stellenweise ein bisschen zu detailverliebter Roman über die Irrungen und Wirrungen, in die man im Laufe seines Lebens hineingerät. Nur dadurch, dass man es lebt. Also, das Leben als solches. Dies ist ein neu aufgelegtes Frühwerk der Autorin Kristin Hannah, das bereits eine Ahnung von ihrer gewaltigen Erzählkraft vermittelt. Leser, die Romane in der Art von Barbara Wood mögen, werden sicher Gefallen daran finden.

Veröffentlicht am 07.07.2019

Weckt eigene Erinnerungen

Römische Tage
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Als ich dieses Büchlein in die Hand nahm, war ich sehr gespannt auf den Zugang des Autoren Simon Strauß zum Thema. Würde er mit diesem kurzen Band dazu imstande sein, mich zu bewegen, vielleicht auch ...

Als ich dieses Büchlein in die Hand nahm, war ich sehr gespannt auf den Zugang des Autoren Simon Strauß zum Thema. Würde er mit diesem kurzen Band dazu imstande sein, mich zu bewegen, vielleicht auch Erinnerungen zu einer meiner drei Romreisen, zu denen ich es bisher gebracht habe zu wecken. Oder zu allen?

Um es gleich vorwegzunehmen: ja, er war es! Und zwar fühlte ich mich ganz klar an meine allererste Romreise im Alter von knapp 20 Jahren erinnert. In den Semesterferien begleitete ich für eine Woche ein Team von Archäologen - dazu kam es eher zufällig, denn eigentlich fuhr ich mit meinem Vater, der der Fotograf dieses Teams war. Tagsüber war ich also alleine und hatte eine Menge Zeit. Und eine ganze Menge Anregungen, die ich sowohl von meinem Vater als auch von den Archäologen erhielt.

Wie auch der Autor wurde ich mit einem gewissen Hintergrund auf Rom losgelassen. Oder Rom auf mich - wer kann das schon sagen. Ich dachte beim Lesen dieses Buches, das ebenfalls einen gewissen Zugang zur Archäologie hat, aber auch an das Buch "Engelsbrücke" von Marie Luise Kaschnitz, das ihre Eindrücke als Rückkehrerin in die ewige Stadt nach langen Jahren schildert. Auch sie hat eine gewisse Nähe zur Archäologie.

In dieser Tradition der Rombesucher finde ich mich nun, wenn mir auch die Worte der beiden genannten Autoren fehlen, die auf sehr persönliche Art auf die Stadt reagieren. Simon Strauß tut dies sehr zeitgemäß, mit einem gewissen Augenzwinkern, aber auch mit einem umfangreichen kulturhistorischen Wissen im Hintergrund, auf das er immer wieder zurückgreift.

Dies ist quasi ein Buch mit einer Tür, die man öffnen muss, um zu sehen, ob es passt. Denn es ist tatsächlich ein sehr individuelles Werk, das mit Sicherheit ebenso individuelle Reaktionen evoziert. Bei mir passte es in vielen Teilen, auch wenn mir die Schilderung der Liebe des Erzählers (war es überhaupt Liebe?) zu einer Römerin ziemlich auf die Nerven ging. Auch mit dem Ende wurde ich nicht ganz glücklich. Trotzdem hat mich dieses Büchlein ausgesprochen bereichert, gerade auch durch das Erwecken lange zurückliegender Erinnerungen und Emotionen, die jahrelang vergraben waren - wie zahlreiche archäologische Schätze in der Ewigen Stadt!

Veröffentlicht am 07.07.2019

Schwere Zeiten in Krefeld

Zeit aus Glas
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Der zweite Band um Ruth Meyer, die ältere von zwei Töchtern einer wohlhabenden jüdischen Familie in Krefeld, fällt in eine düstere Zeit. Längst hat der Vater seinen Kundenstamm verloren und dann verwüsten ...

Der zweite Band um Ruth Meyer, die ältere von zwei Töchtern einer wohlhabenden jüdischen Familie in Krefeld, fällt in eine düstere Zeit. Längst hat der Vater seinen Kundenstamm verloren und dann verwüsten die Nazis in der Reichskristallnacht die große Villa der Familie so sehr, dass es klar wird, dass diese nie wieder dorthin zurückkehren wird. Hier zeigt sich, dass Ruth, inzwischen 17 Jahre alt, zusammen mit ihrem Vater diejenige ist, die die Familie zusammenhält. Schwester Ilse ist noch zu klein und Mutter Martha, noch nie von starker Konstitution, ist zusammengebrochen.

Dazu erlässt die nationalsozialistische Regierung ein Gesetz nach dem anderen, dass der jüdischen Bevölkerung neben allen Rechten nun auch noch das Vermögen und den Wohnraum nimmt. Doch obwohl die Situation ausweglos scheint, zeigt sich gerade in dieser schweren Zeit, wer die wahren Freunde der Familie Meyer sind. Und das sind nicht gerade wenige! Beispielsweise hatte die Familie immer ein enges Verhältnis zu Hans Aretz, dem Chauffeur des Vaters und dessen Familie. Sie sind sogar zusammen in Urlaub gefahren. Nun erweist sich die Hilfe der Familie Aretz von unschätzbarem Wert.

Zudem sieht es so aus, als ob es gerade für Ruth Meyer noch eine Option gibt. Nämlich zunächst sich selbst und dann hoffentlich auch den Rest der Familie zu retten, indem sie ins Ausland geht. Doch zunächst landet Karl Meyer, ihr Vater, im Gefängnis. Ist nun alles zu Ende?

Autorin Ulrike Renk beschreibt hier eindringlich und authentisch das Leben einer jüdischen Familie in der Zeit des Nationalsozialismus, genauer: in den Jahren 1938/39 in einer mittelgroßen Stadt, nämlich Krefeld. Besondere Glaubwürdigkeit gewinnt ihre Darstellung dadurch, dass sie auf wahren Begebenheiten beruht.

Ein spannender Roman, der den zweiten Teil einer Trilogie markiert. Im Gegensatz zu Teil ein sind hier die Ereignisse nicht in die Länge gezogen, sondern überschlagen sich förmlich. Sehr gut gelingt es der Autorin, eine Atmosphäre von Angst und Gewalt, in der sich noch das letzte bisschen Hoffnung gehalten hat, zu zeichnen.

Sehr genossen habe ich auch die Beschreibungen der Autorin zur Stadt Krefeld und der Region, vor allem aber zu den Veränderungen, die die Nationalsozialisten herbeigeführt haben, gerade auch die jüdische Bevölkerung betreffend. Alles wurde sehr gut rechererchiert und eindringlich erzählt.Ein Roman, den ich verschlungen habe! Nun erwarte ich ungeduldig den dritten und letzten Teil!

Veröffentlicht am 05.07.2019

Kann das tatsächlich sein?

Dein Blick so tot
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Avery ist mit ihrer Freundin Skylar auf einer Vernissage verabredet. Dort werden Fotografien eines Künstlers ausgestellt, für den Skylar Modell stand. Doch es stellt sich heraus, dass ein anderes Bild ...

Avery ist mit ihrer Freundin Skylar auf einer Vernissage verabredet. Dort werden Fotografien eines Künstlers ausgestellt, für den Skylar Modell stand. Doch es stellt sich heraus, dass ein anderes Bild an der Stelle hängt - auch eines von Skylar, auf dem sie jedoch wie tot wirkt. Und sie taucht auch nicht auf der Veranstaltung auf. Während der ausstellende Künstler vor Wut schäumt und sich ausgesprochen unvorteilhaft präsentiert, vergeht Avery vor Sorge und kontaktiert sogleich ihren ehemaligen Kollegen Parker, einen Ermittler, der gleich sein gesamtes Team heranzieht. Denn hier hat jeder andere Fertigkeiten, zusammen sind sie unschlagbar. Meistens jedenfalls. Kann es tatsächlich sein, dass Skylar nicht mehr lebt? Es beginnt eine fieberhafte Jagd, bei der mehrere Zweierteams im Einsatz sind.

Und es stellt sich heraus, dass dies nicht der einzige Fall ist, mit dem sie sich auseinandersetzen müssen. Ich fand vor allem das Ende ausgesprochen spannend und überraschend - es waren letztendlich zwei Fälle, die hier aufgeklärt wurden und beide endeten sowohl stimmig als auch überraschend. So gesehen eine total runde Geschichte!

Aber so richtig begeistert war ich dann doch nicht von diesem Band.

Ja, die Auflösung gefiel mir, aber die Einbettung, also das Setting hat mich nicht so gepackt. Vor allem wuselten mir viel zu viele Pärchen im Ermittlerteam rum, jeder empfand etwas für irgendeinen. Es sollte doch eigentlich eher die Ausnahme sein mit der Liebe am Arbeitsplatz, oder? Hier kam mir das Team wie ein regelrechter Heiratsmarkt vor. Ein sehr christlicher Heiratsmarkt - dass alle Kollegen dieselbe religiöse Überzeugung haben, ist ja auch nicht unbedingt typisch, wobei mich das allerdings überhaupt nicht gestört hat, das ist eben das besondere I-Tüpfelchen an einem christlichen Krimi.

Jedoch ist dies der zweite Band um das Team: es kann auch sein, dass mir einfach einige Informationen fehlen, um hier richtig anzukommen und alles einordnen zu können. Aus meiner Sicht sollte man hier unbedingt mit dem ersten Band einsteigen!

Veröffentlicht am 03.07.2019

Der Zweite Weltkrieg in Norwegen

Die Frau aus Oslo
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Ein Krimi, der in verschiedenen Zeiten und auf unterschiedlichen Handlungsebenen spielt - das ist genau mein Ding! Zumal der Ausgangspunkt in Oslo während des zweiten Weltkriegs liegt, wo die Jüdin Ester ...

Ein Krimi, der in verschiedenen Zeiten und auf unterschiedlichen Handlungsebenen spielt - das ist genau mein Ding! Zumal der Ausgangspunkt in Oslo während des zweiten Weltkriegs liegt, wo die Jüdin Ester es gerade noch rechtzeitig schafft, sich nach Stockholm abzusetzen. Leider im Gegensatz zu ihren Eltern und der Großmutter, die auf direktem Wege nach Deutschland verfrachtet werden.

Ester hatte noch versucht, die Wertsachen aus der von den Nazis geöffneten Wohnung zu retten - doch war ihr da jemand zuvorgekommen.

Ohne die Hilfe ihrer Freundin Ase hätte Ester es doch nicht geschafft, doch Ase selbst, eine junge Mutter, wird neben ihrem Säugling, dem Mädchen Turid, ermordet aufgefunden.

Ihrem Lebensgefährten Gerhard, wie Ester im Widerstand aktiv, gelingt die Flucht nach Schweden, wo sich seine Gefährten allerdings fragen, ob er Schuld trägt an Ases Tod.

In den 1960er kehrt Gerhard, der lange Jahre in den Vereinigten Staaten gelebt hat, zurück nach Stockholm, trifft seine alten Weggefährten und versucht auch, Kontakt zu Turid aufzunehmen, die bei Adoptiveltern aufwuchs.

Ein dritter Handlungsstrang spielt in Oslo im Jahr 2015: Turid, inzwischen eine alte Frau, Rechtsanwältin im Ruhestand, stößt durch Zufall auf ein Armband, das sie von ihrer Mutter Ase geerbt hatte und das 1967 spurlos verschwand...

Ein interessantes Setting mit vielversprechenden Akteuren. Allerdings versinken diese aufgrund fehlender Alleinstellungsmerkmale teilweise in der Masse - mir fiel es bei einigen etwas schwer, sie auseinander zuhalten. Zudem kreisten im Mittelteil einige Figuren wie Fliegen um den heißen Brei bzw. um einander, wobei es mir schwerfiel, hier eine Zielorientierung zu erkennen und mein Interesse an dem Krimi merklich sank. Bis zum Ende konnte es trotz einiger durchaus interessanter Fragestellungen nicht wieder geweckt werden, zumal einiges offenblieb bzw. ungenau erläutert wurde. Es fällt mir schwer, zu akzeptieren, dass dieser Krimi in Norwegen richtiggehend gefeiert und zudem preisgekrönt wurde. Aus meiner Sicht gibt es zu diesem Thema wesentlich spannendere und eindringlichere Literatur!

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