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Veröffentlicht am 19.11.2023

Mord an einer Sechzehnjährigen

Monster (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 11)
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Ein neuer Band der Taunus-Serie mit Oliver Bodenstein und Pia Sander - da muss man sich ja quasi drauf stürzen! Und da bin ich längst nicht die Einzige! Wieder einmal hat Nele Neuhaus ihrem Krimi ...

Ein neuer Band der Taunus-Serie mit Oliver Bodenstein und Pia Sander - da muss man sich ja quasi drauf stürzen! Und da bin ich längst nicht die Einzige! Wieder einmal hat Nele Neuhaus ihrem Krimi eine packende Thematik zugrunde gelegt, wer will nicht wissen, wie es zur Ermordung einer 16jährigen kam und wie genau das mit unter falscher Prämisse anerkannten Flüchtling zusammenhängt.

Denn es gibt einen zweiten dramatischen Todesfall, der mit dem der jungen Larissa (die im Krimi wiederholt als "junge Frau" bezeichnet wird, was mir für eine 16jährige etwas seltsam scheint) möglicherweise in Zusammenhang steht. Aber - soviel verrate ich - ist dieser in einem ungleich politischeren Kontext zu betrachten.

Außerdem gibt es am Arbeitsplatz von Sander und Bodenstein wie immer die ein oder andere spannende Entwicklung - diesmal wird dieser noch ein bisschen mehr in den Mittelpunkt gerückt, als das üblicherweise bei Neuhaus der Fall ist.

Na, neugierig geworden? In der Tat ist "Mönster" eine weitere Perle in der Taunus-Reihe der unnachahmlichen Nele Neuhaus. Die Serie um die Kommissarin Pia Sander und ihren Chef Oliver von Bodenstein hat mit herkömmlichen, oft etwas behäbigen deutschen Regionalkrimis à la Manfred Bomm und Regine Kölpin nichts zu tun. Dagegen kann die Autorin locker mit den skandinavischen Krimiserien von Autorinnen wie Viveca Sten und Anne Holt sowie mit angelsächischen Vorbildern wie Marcia Muller locker konkurrieren - der neue, mittlerweile elfte Band ist allerdings einer der eher schwächeren in dieser Serie und kann aus meiner Sicht von der Spannung her nicht ganz mit den Glanzlichtern (natürlich nur meine subjektive Meinung) der Serie "Tiefe Wunden", "Schneewittchen muss sterben" und auch "Muttertag" mithalten.

Flüchtlinge, die damit verbundenen Vorurteile sowie die Anliegen von Teenagern - das sind wirklich brennende Themen. Doch leider war mir so, als wolle Autorin Nele Neuhaus sowohl hier als auch in der wie stets sehr lebhaft gestalteten Rahmenhandlung viel zu hoch hinaus - viel zu verschachtelt und weit hergeholt erschien mir diese.

Aber das macht nix: eine Nele Neuhaus macht - wenn überhaupt - nur Kleinigkeiten falsch und so habe ich auch diesmal mit großer Spannung und meistenteils auch mit Begeisterung gelesen!

Veröffentlicht am 18.11.2023

Ein wilder Tanz durch Zeit und Raum

Swing Time
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Ein Tanz der Freundschaft sozusagen, der Freundschaft zwischen Tracey und der Ich-Erzählerin, einer Freundschaft, die zerbricht: aus vielen Gründen, doch bleiben die beiden weiterhin aufeinander fokussiert. ...

Ein Tanz der Freundschaft sozusagen, der Freundschaft zwischen Tracey und der Ich-Erzählerin, einer Freundschaft, die zerbricht: aus vielen Gründen, doch bleiben die beiden weiterhin aufeinander fokussiert. Tracey feiert zwischenzeitlich Erfolge als Tänzerin, ihre Freundin wird nach vollendetem Studium eine Art moderne Sklavin - als Assistentin in der Entourage einer weltberühmten Popsängerin.

Willkommen in der modernen, der globalen Welt mit allen Faktoren, die darin eine Rolle spielen! Gentrifizierung, soziales Denken und Leben (schwer gemacht), soziale (Un)Gerechtigkeit, Stalking, Neid, Sehnsucht, Konkurrenz, Ausbeutung, Egoismus, Egozentrik, Popkultur, Starkult und, und und - aus der Sicht einer wahrhaft intellektuellen Autorin.

Diese hat es mir wahrlich nicht leicht gemacht, so sehr habe ich mir gewünscht, dieses Buch zu lieben, ihm zu verfallen, wie es bei Smiths Erstling "Zähne zeigen" der Fall war, ganz und gar in dem Buch zu versinken.

Es ist mir nicht gelungen, ich habe mich damit genauso schwer getan wie mit "Von der Schönheit". Zadie Smith, die kluge Stimme der britischen und inzwischen auch amerikanischen Welt der Migranten, trifft den Puls der Zeit, nicht jedoch meinen. Dafür ist mir der Roman zu hektisch, zu vollgestopft sowohl mit Figuren als auch mit Locations. Es fiel mir zunehmend schwerer, ihr zu folgen, die ganzen weiteren Akteure, die die beiden Kindheitsfreundinnen und ihre Familien mit Fortschreiten des Romans mehr und mehr flankierten, auch richtig einzuorden. Kurzum: am Ende der Handlung war ich verwirrt. Ich bin überaus irritiert aus einem ausgesprochen zeitgemäßen Roman aufgetaucht, einem Roman, für den offenbar ich selbst nicht genug am Puls der Zeit klebe.

Zu viele Wechsel, ja, zu atemlos ging es für mich zu - mir fiel es vor allem in der zweiten Hälfte des Romans schwerer und schwerer, dem Rhythmus der Autorin zu folgen. Ganz klar KEIN Rhythmus, bei dem ich mitmuss ungeachtet aller Elogen, die dieser Roman bereits erfahren hat.

Etwas für Leser, die das Schnelle, das Atemlose lieben, gerne flink voran schreiten bei ihrer Lektüre, von den Ereignissen quasi überrollt werden. Sicher ein Buch, das viele Anhänger finden wird und auch mir tut es überhaupt nicht Leid, es gelesen zu haben, auch wenn ich nicht ganz mithalten konnte!

Veröffentlicht am 17.11.2023

Konnte mich nicht begeistern

Easy Indien
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Indisch esse ich als fleischarm lebende Genießerin aufgrund der vielen Gemüse- und Reisgerichte wie auch der leckeren Brote wirklich gern - nur zu scharf sollte es nicht sein, das ist überhaupt ...

Indisch esse ich als fleischarm lebende Genießerin aufgrund der vielen Gemüse- und Reisgerichte wie auch der leckeren Brote wirklich gern - nur zu scharf sollte es nicht sein, das ist überhaupt nicht meins. Und sehr gerne auch ohne Kurkuma.

Dieser Mix zwischen dem bunten Riesenland der Gewürze und unseren oft eher nüchternen, dabei durchaus auch im Kulinarischen gemütlichen Deutschland weckte daher meine Neugierde und schien mir genau das Richtige für mich zu sein.

War es aber nicht - auch wenn die beiden oben von mir festgelegten Bedingungen durchaus eingehalten wurden - die Schärfe lässt sich ja variiieren und es gab genug Angebote ohne Kurkuma.

Was natürlich nicht bedeutet, dass es anderen ebenso ergehen muss, das ist meine ganz persönliche Wertung. Ich war immer wieder sehr enttäuscht, empfand die Fotos gerade auch im Vergleich zu anderen Kochbüchern mit indischen Elementen häufig als ausgesprochen wenig einladend, die Kombinationen als fantasielos.

Das einzige, was mich wirklich angesprochen hat - und auch zeigt, wo meine Leidenschaft sitzt - ist das letzte Kapitel zu Getränken und Nachspeisen. Das hat mich noch einmal so richtig gepackt und meine Wertung des Gesamtwerks nach oben korrigiert.

Veröffentlicht am 16.11.2023

"Vertrauen ist es, woran wir merken, dass wir noch Menschen sind" (S.97)

Die Kinder des Don Arrigo
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Eine dramatische und lange Flucht ist es, auf die sich eine Reihe von jüdischen Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen europäischen Ländern begeben, die von einer entsprechenden Organisation ...

Eine dramatische und lange Flucht ist es, auf die sich eine Reihe von jüdischen Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen europäischen Ländern begeben, die von einer entsprechenden Organisation gerettet und nach Palästina verbracht werden. Allerdings steckt man bereits mitten im Zweiten Weltkrieg und so ist es entsprechend schwierig, zumal sich in viel zu vielen Ländern deutsche Soldaten herumtreiben. Und man kann sich denken, was sie mit diesen Kindern tun würden.

Wir erfahren die Geschichte, die sich tatsächlich ereignet hat, aus Natans Sicht - er ist einer der mitreisenden Jugendlichen. Viel zu schnell wird er erwachsen und begreift, dass er seine Familie in Berlin nie mehr wiedersehen wird.

Mit Natan passieren wir diverse Gefahren, denen der Tross wieder und wieder ausgesetzt ist, erleben sie jedoch auch monatelang in einem italienischen Dorf, in dem alle Bewohner mithelfen, die Kinder zu verköstigen und anderweitig zu versorgen, auch wenn sie selbst kaum etwas haben.

Ich bin mit dem Stil des Autors nicht ganz warm geworden. Ich lese viel zu historischen Themen, sowohl Sachbücher als auch Belletristik und mir ist wichtig, dass ich die Ereignisse an realen historischen Entwicklungen festmachen kann. Also an Jahreszahlen bzw. detaillierteren Terminierungen und ähnlichem. Hier kam nichts davon vor und so blieb die Geschichte für mich außerhalb von Zeit, was ich als wenig hilfreich empfand. Denn irgendwann war es ruhig - dann war nicht klar, ob das jetzt der Frieden ist oder nicht - das erfuhr man erst deutlich später (er war es nicht). Ich konnte daher keine atmosphärische Bindung zu den Ereignssen aufbauen, auch wenn die Geschichte mit viel Engagement erzählt wird.

Veröffentlicht am 15.11.2023

In echter Not

Sturmjahre
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befinden sich zahllose Menschen in Schottland nach dem Ersten Weltkrieg. So auch Vika mit ihrem kleinen Sohn, die wegen des unehelichen Kindes vielfach verachtet wird. Was es noch viel schlimmer macht ...

befinden sich zahllose Menschen in Schottland nach dem Ersten Weltkrieg. So auch Vika mit ihrem kleinen Sohn, die wegen des unehelichen Kindes vielfach verachtet wird. Was es noch viel schlimmer macht - ihre Schwester arbeitet seit vielen Jahren als Prostitiuierte, wodurch vor allem die Frauen derer auf sie herabblicken, die bei ihr Schlange stehen, wenn sie gerade mal an Geld gekommen sind.

Gottseidank gibt es Archie, den -nach dem Krieg - einarmigen Gastwirt, der diese kleine Familie bei sich aufgenommen hat. Während ihre Schwester das tut, was sie eben tut, kocht Vika im Pub. Bis es eines Tages zu einem Zwischenfall kommt und Vika mit dem Kind geht, zurück in die Stadt, aus der sie vor Jahren gekommen ist.

Archie bricht es fast das Herz, er liebt sie schon lange - und sie ihn auch. Das klingt so, als wäre es bereits oft geschrieben worden - ist es aber nicht. Die Leser erfahren viel über diese Zeit in Schottland und über den Beitrag, den den Frauen während und nach dem Krieg leisteten. Es könnte richtig gut sein, ist leider aber immer wieder sehr, sehr langatmig. So sehr, dass ich mich wieder und wieder aufraffen musste, um hier weiter zu lesen.