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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2022

Eine Biographie in Rezepten!

Geschmack pur!
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in ungewöhnlicher Ansatz ist es, den der Sternekoch Thomas Rach hier mit seinem neuen Kochbuch verfolgt.

Es macht uns alle, die wir ihm auf seinen vielen von Rezepten flankierten Stationen des Lebens ...

in ungewöhnlicher Ansatz ist es, den der Sternekoch Thomas Rach hier mit seinem neuen Kochbuch verfolgt.

Es macht uns alle, die wir ihm auf seinen vielen von Rezepten flankierten Stationen des Lebens begleiten, zu seinen Reisegefährten. Nicht nur durch die Restaurants, in denen er sein Handwerk erlernte bzw. in späteren Jahren arbeitete, sondern auch in die Küche seiner Mutter und das Hamburger Kinocafé, in dem er während des Studiums jobbte. Hier gibt es die Möglichkeit, schnelle, schlichte und mehr als schmackhafte Rezepte auszuprobieren, aber wer Lust hat, kann ihm bis in die Sterneküche folgen und dort das ein oder andere Gericht nachkochen.

Das werde ich nicht tun: ich werde die Beschreibungen wie bisher genießen, mich an den Fotos laben, die Erlebnisse des Meisterkochs immer wieder verfolgen. Aber es gibt auch so genug Leckeres und nicht zu anspruchsvolles, was ich uns hier zu Hause gönnen kann.

Ein interessanter, stellenweise auch bewegender und rührender Ansatz. Auf jeden Fall etwas sehr Besonderes.

Veröffentlicht am 21.05.2022

Über Menschen, Menschlichkeit und das Leben an sich

Über Carl reden wir morgen
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Nachdem ich diesen Roman gelesen aus der Hand gelegt habe, musste ich mir erstmal lange Gedanken darüber machen, wie ich ihn denn eigentlich so finde.

Keine Frage: Autorin Judith W. Taschler kann schreiben ...

Nachdem ich diesen Roman gelesen aus der Hand gelegt habe, musste ich mir erstmal lange Gedanken darüber machen, wie ich ihn denn eigentlich so finde.

Keine Frage: Autorin Judith W. Taschler kann schreiben wie kaum eine andere: bereits nach wenigen Seiten hatte ich ihr Szenario klar vor Augen, die Familie Brugger, sowohl die erste, als auch die nachfolgenden Generationen standen mir ebenso wie weitere Akteure klar vor Augen. Ebenso wie die historischen Gegebenheiten, in die sie das Geschehen auf ihre höchst eigene Art sehr gekonnt einbettet.

Eine ganz besondere Stärke der Autorin liegt - so finde ich - in der Gestaltung ihrer Charaktere, wobei ich in diesem Roman besonders die weiblichen Figuren als sehr gelungen sehe. Ihnen wohnt eine ganz besondere Kraft inne!

So flutschte die Lektüre nur so dahin, ich war schneller im letzten Viertel des Buches angelangt, als es mir lieb war - eigentlich hätte ich immer so weiter lesen können. Aber dann eben nicht mehr. Für diese letzten Seiten brauchte ich deutlich länger als für alles Vorherige zusammen und zwar einfach deswegen, weil sich etwas in mir zu sträuben begann: Die Handlung erschien mir so gar nicht mehr rund, es passte alles nicht mehr so richtig ineinander, ich konnte den Entwicklungen einfach nicht mehr folgen. Und legte somit - leider, leider - das Buch mit einem ausgesprochen mulmigen Gefühl beiseite, was mir außerordentlich leid tut!

Veröffentlicht am 19.05.2022

Schweigen in schweren Zeiten

Jede*r kann die Welt verändern! - Ich bin Anne Frank
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Damit man nämlich nicht erwischt wird. Schweigen kann man meist nur, wenn man sich allem entzieht und so versteckte sich Annes Franks Familie über zwei Jahre lang in einem winzigen und engen ...

Damit man nämlich nicht erwischt wird. Schweigen kann man meist nur, wenn man sich allem entzieht und so versteckte sich Annes Franks Familie über zwei Jahre lang in einem winzigen und engen Hinterhaus in Amsterdam.

Bis sie leider doch gefunden wurden von den Nazis und/oder ihren Handlangern und in ein KZ gebracht wurden. Die wenigsten überlebten - auch Anne leider nicht.

Aber es blieb etwas von ihr, das unglaublich viele Menschen kennen, nämlich ihr Tagebuch, das gerade durch seine Beschreibung des Alltäglichen so erschüttert. Fast alle kennen es, die meisten haben es sogar gelesen. Oft auch die, die sonst eher keine Bücherwürmer sind.

Deswegen ist es eine tolle Idee, dieses so wichtige Thema auch für jüngere Kinder zugänglich zu machen. Hier ist es in Form einer Graphic Novel vom Aufbau und vom Design her wirklich sehr gelungen.

Doch mangelt es aus meiner Sicht inhaltlich an dem, was Kinder brauchen. Kinder tun sich schwer mit Andeutungen, mit vagen Phrasen. Sie brauchen Konkretes: wenn Schlimmes geschehen ist, sollte man einen Weg finden, es so auszusprechen, dass das Kind es versteht, aber trotzdem ertragen kann. Hier gibt es am Ende Floskeln, die sehr unkonkret formuliert sind. Ich bin schon lange kein Kind mehr, aber wenn ich die Geschichte der Familie Frank nicht aus dem FF kennen würde, hätte ich auch meine Schwierigkeiten damit.

Also damit, die konkreten Ereignisse nachzuvollziehen. Und das empfinde ich leider als wenig hilfreich. Denn es ist wichtig, in schweren Zeiten zu manchen Gelegenheiten - eher zu ziemlich vielen - zu schweigen. Danach jedoch sollte darüber geredet werden, um sie nicht zu vergessen. Und man sollte es den (kleinen) Menschen nicht zu schmerzhaft präsentieren - aber doch so, dass sie es genau verstehen!

Veröffentlicht am 18.05.2022

Eine Jugend in einer rohen und gewalttätigen Welt

Amelia
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Man könnte meinen, dass Amelia auf einem anderen Kontinent oder gar einem anderen Planeten, zumindest jedoch in einer ganz anderen Epoche als ich groß geworden ist: doch nichts davon trifft zu. Sie ist ...

Man könnte meinen, dass Amelia auf einem anderen Kontinent oder gar einem anderen Planeten, zumindest jedoch in einer ganz anderen Epoche als ich groß geworden ist: doch nichts davon trifft zu. Sie ist - wie auch ihre Autorin Anna Burns - ganze zwei Jahre älter als ich und lebt ebenfalls in Europa, allerdings unter ganz anderen Bedingungen.

Ihr gesamtes Umfeld, ausgehend von der eigenen Familie ist von roher Gewalt geprägt, Verletzungen, die zumeist nichts mit dem in Belfast herrschenden Bürgerkrieg zu tun haben, sind an der Tagesordnung. Sowohl seelische als auch körperliche, von der Autorin teilweise sehr realitätsnah, teilweise aber auch in einer sehr realitätsfernen Wahrnehmung, die in der Regel die Sichtweise der Protagonistin Amelia spiegelt, geschildert.

Es ist für mich kein typischer Roman - wäre es als Band von Kurzgeschichten bezeichnet worden, hätte das für mich auch gepasst, denn es geht nicht immer um Amelia, auch wenn der Kosmos einer ist, in dem sie immer wieder auftaucht, nämlich die unruhigen Jahre von Belfast, die Troubles eben, die die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts in Nordirland dominierten.

Eine Lektüre, die sicher von einer starken, vielleicht auch durch dieses Niederschreiben gestärkten Autorin verfasst wurde, für die ich mich als Leserin jedoch oftmals zu schwach fühle. Ich brauche immer mal wieder eine Pause von der rohen Gewalt, der Gnadenlosigkeit um Amelia herum. Diesen Roman zu lesen, hat mich außerordentlich viel Kraft gekostet.

Kann sein, dass er mich besonders betroffen macht, weil wir gerade einen weiteren sehr brutalen Krieg in Europa miterleben müssen und dieses ganze Szenario für mich deutlich gegenwärtiger ist als noch vor einigen Monaten.

Veröffentlicht am 17.05.2022

Entspanntes Morden im Norden

Der Tod macht Urlaub in Schweden
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Nämlich genau zur Urlaubszeit des in ganz Schweden bekannten Stockholmer Mordermittlers Peter Vinston. Er wird gegen seinen Willen krank geschrieben und soll sich auf Ratschlag seines Arztes erholen, weswegen ...

Nämlich genau zur Urlaubszeit des in ganz Schweden bekannten Stockholmer Mordermittlers Peter Vinston. Er wird gegen seinen Willen krank geschrieben und soll sich auf Ratschlag seines Arztes erholen, weswegen er sich nach Schonen begibt, um sich in der Nähe seiner Tochter und Exfrau sowie deren neuem Mann, einem adligen Schlossbesitzer, aber einem der gemütlichen Art, auszuruhen.

Aber zunächst beginnt sein Aufenthalt mit einer Riesenparty aus Anlass des sechzehnten Geburtstags seiner Tochter Amanda. Dort trifft er auf ein sehr egozentrisches Weibsbild, eine Amerikanerin - die er am nächsten Tag wiedertrifft, als er mit seiner Exfrau eine Hausbesichtigung macht. Und zwar zunächst lebendig - später dann tot - ermordet, wie sich schon bald herausstellt.

Sie wollte an einer Stelle Häuser an Reiche verschachern, die eigentlich allen Menschen zugänglich sein sollte, da es sich um einen besonders schönen Strand handelte. Und sie hatte eine ganze Reihe von Menschen um sich, die sie loswerden wollten.

Peter Vinston wird vom lokalen Polizeichef in die Ermittlungen einbezogen, zunächst sehr gegen den Willen der lokalen Polizistin Tove Esping, der der aufgetakelte Kerl - Vinston trägt stets feinste Dreiteiler und ist ganz schön etepetete - zunächst ziemlich gegen den Strich geht.

Ein unterhaltsamer Krimi, bei dem die Figuren aus meiner Sicht teilweise noch nicht ganz ausgereift sind und der sich auch etwas schwerfällig entwickelt. Dennoch freue ich mich auf den zweiten Band der Reihe und bin zuversichtlich, dass dieser an Struktur und Format gewinnen wird!