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Veröffentlicht am 12.02.2022

Molly Gray - ein Zimmermädchen der besonderen Art

The Maid
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Molly Gray ist sehr fleißig, sehr lieb, hört(e) immer auf ihre Gran, was leider seit einiger Zeit aufgrund von deren Hinscheiden nicht mehr möglich ist. Aber da sie ihr immer gut zugehört hat, ...

Molly Gray ist sehr fleißig, sehr lieb, hört(e) immer auf ihre Gran, was leider seit einiger Zeit aufgrund von deren Hinscheiden nicht mehr möglich ist. Aber da sie ihr immer gut zugehört hat, weiß sie, was sich gehört. Allerdings ist sie ein bisschen naiv - na gut, ich übertreibe ein wenig. Sie ist SEHR naiv.

Doch sie hat das Herz auf dem richtigen Fleck und liebt ihren Job als Zimmermädchen im Regency Grand Hotel, London! Sogar noch, als sie eine Leiche in einem der von ihr gereinigten Zimmer entdeckt!

Durch ihre exponierte Rolle in der Angelegenheit ist sie auch während der Ermittlungen mitten drin - beziehungsweise sorgt sie dafür, dass sie es ist. Und erfährt - teilweise auf recht rabiate Art - wer für und wer gegen sie ist. Doch was noch viel wichtiger ist - sie selbst spürt auch, wer und was in ihrem Leben wirklich wichtig ist und was zählt.

Ein amüsanter und rührender britischer Cosy Krimi der besonderen Art, den ich mit Genuss gelesen habe! Die meiste Zeit mit einer Tasse Earl Grey und ein paar Ingwerkeksen an meiner Seite!

Veröffentlicht am 10.02.2022

Nicht unterBUTTERn lassen!

Butter
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Tokio in den 2010er Jahren: Eine Journalistin, Rika, interviewt eine Serienmörderin, Manako Kaijii, die ihre deutlich älteren Geliebten auf dem Gewissen haben soll. Bei den Gefängnisbesuchen ...

Tokio in den 2010er Jahren: Eine Journalistin, Rika, interviewt eine Serienmörderin, Manako Kaijii, die ihre deutlich älteren Geliebten auf dem Gewissen haben soll. Bei den Gefängnisbesuchen spricht diese wieder und wieder von Speisen, von Mahlzeiten, vor allem aber vom Essen und vom Genuss. Und von Butter.

Mehr und mehr erliegt Rika der Faszination dieser Schilderungen, sie beginnt, die Genusserlebnisse nachzuahmen. Nicht nur das Essen selbst, sondern auch das drumherum.

Es kommt so weit, dass Rika in die Heimat Manokos fährt, um dort zu recherchieren, vor allem, um deren Familie und die Bekannten aus Jugendzeiten kennenzulernen. Mit dabei: Reiko, ihre beste Freundin, die sich ihr quasi aufgedrängt hat - auch sie ist von Manokos Geschichte, über die sie von Rika erfahren hat, gefangen.

Diese Treffen zeigen Manoko von einer ganz anderen Seite, was für Rika gewissermaßen etwas Heilendes hat - ihre Faszination nimmt ab, sie beginnt, eine vielschichtigere Sicht auf Manoko zu entwickeln und sie mehr und mehr aus der Distanz zu betrachten. Nicht so Reiki, die nach dieser gemeinsamen Reise verschwindet und sich bei niemandem meldet, nicht einmal bei ihrem Mann.

Rika ist die Einzige, die von ihren letzten Aktivitäten wusste; sie muss sich daran machen, diese aufzuspüren.

Ein äußerst facettenreicher Roman, in den ich erst nach und nach hineinfand, was einerseits durch den Stil, andererseits jedoch auch durch die Handlung bedingt war. Beim Stil hatte ich Blogs vor Augen, was in Manokos Hinsicht auch durchaus passte. Ich hatte das Gefühl, an der Oberfläche zu schwimmen, nur Lifestyle vermittelt zu bekommen, keine tieferen Hintergründe.

Doch was ich zunächst - überspitzt formuliert - als seichtes Gewäsch empfand, erwies sich als raffinierte Konstruktion. Der Leser dringt gemeinsam mit Rika in die Tiefen nicht nur der bisherigen Handlungsinhalte, sondern des Lebens schlechthin vor und wächst mit ihr. Ein besonderes Werk, das ich meist mit Interesse, zum Ende hin mit Begeisterung, aber stellenweise auch mit Abscheu las.

Die japanische Autorin setzt ihre Protagonistinnen, aber auch sich selbst als Schreibende, wirklich den absurdesten Situationen aus, was mit Sicherheit eine Menge Mut erfordert.

Eine Demaskierung von Oberflächen findet im Verlauf der Handlung statt, was auch vom Leser eine Menge erfordert. Kondenzentration, Flexibilität, Einfühlungsvermögen, aber auch Abstand in den entsprechenden Situationen.

Also: wenn man dazu bereit ist, empfehle ich dieses Buch. Während der Lektüre sollte man aber immer wachsam bleiben, sonst wird man gnadenlos an der Nase herumgeführt!


Veröffentlicht am 07.02.2022

Ein Loser nach der Wende

Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
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Ein Loser: das war Michael Hartung, nachfolgend wie im Roman als Hartung bezeichnet, eigentlich schon immer, auch seine Mitmenschen und vielleicht auch er selbst das Wort nicht verwendet hätten: ...

Ein Loser: das war Michael Hartung, nachfolgend wie im Roman als Hartung bezeichnet, eigentlich schon immer, auch seine Mitmenschen und vielleicht auch er selbst das Wort nicht verwendet hätten: er hat dies und das gelernt, dies und das gearbeitet, und jetzt im 30. Nachwendejahr ist er der Chef und der einzige Mitarbeiter eines schäbigen Videoverleihs, dessen Tage gezählt sind.

Von Frau (und Tochter) längst verlassen, vegetiert er mehr vor sich hin, als das er bewusst leben würde.

Dann, irgendwann im Sommer 2019, kommt ein Journalist zu ihm und will was über eine Aktion wissen, die in den 1980ern stattfand - damals arbeitete Hartung bei der Reichsbahn und soll in bedingungsloser Selbstopferung eine S-Bahn in die BRD und damit über hundert Menschen in die Freiheit geschickt haben. Der Reporter bringt einen ausführlichen Artikel darüber und Hartung eine Menge Geld.

Plötzlich erinnern sich alle an ihn, sogar seine mittlerweile erwachsene Tochter ist endlich mal stolz auf ihren Dad.

Eine amüsante Geschichte, die ich leider als ein wenig gezwungen, konstruiert und streckenweise auch als langweilig empfand.

Veröffentlicht am 31.01.2022

Plötzliche Extremsituationen im Alltag

Milch Blut Hitze
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ie Miniaturen der Autorin Dantiel W. Moniz beschreiben fragile Frauenfiguren, die die Brutalität des Alltags am eigenen Leib erfahren. Die junge Autorin arbeitet wirkungsvoll heraus, wie es unvermittelt ...

ie Miniaturen der Autorin Dantiel W. Moniz beschreiben fragile Frauenfiguren, die die Brutalität des Alltags am eigenen Leib erfahren. Die junge Autorin arbeitet wirkungsvoll heraus, wie es unvermittelt in der Normalität, im eigenen Alltag zu einer Extremsituation kommen kann, die alles verändert.

Die Geschichten sind nicht unbedingt extrem kurz, für mich sind sie dennoch Miniaturen, die sich auf eine kurze Zeitspanne fokussieren; wir blicken sozusagen hinein zu dem Menschen - unser Eindruck von ihm und seinem Umfeld entsteht aufgrund der Bedingungen und Entwicklungen in diesem kurzen Augenblick.

Moniz' Sprache ist durchaus eindringlich; sie gibt ihren jeweiligen Protagonisten - bzw. sind dies überwiegend Frauen - seinem Umfeld sowie dem Leser preis.

Ein besonderer Stil, der beeindruckt!

Veröffentlicht am 31.01.2022

Menschen, die die Wahrheit nicht sehen (wollen)

Perfect Day
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Ann fühlt sich ausgestoßen, verurteilt, gebrandmarkt: ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft und soll für die Ermordung von zehn kleinen Mädchen verurteilt werden. Alle um Ann wenden sich ab - ...

Ann fühlt sich ausgestoßen, verurteilt, gebrandmarkt: ihr Vater sitzt in Untersuchungshaft und soll für die Ermordung von zehn kleinen Mädchen verurteilt werden. Alle um Ann wenden sich ab - außer Zufallsbekanntschaft Jakob, der auf ihrer Seite zu sein scheint.

Ann setzt alles daran, den wahren Täter zu finden, denn ihr wunderbarer Vater, der ihr beide Eltern zugleich und zudem immer ihr Verbündeter war, kann es doch nciht gewesen sein. Warum bloß glaubt ihr keiner? Offensichtlich ist niemand bereit, die Wahrheit abzuwarten!

Romy Hausmanns Psychothriller sind ein Garant für Besonderes, Überraschendes. Sie sind anspruchsvoll, geheimnisvoll, beängstigend, eindrucksvoll und gelegentlich auch überwältigend. Letzteres war bei vorliegendem Thriller nicht so häufig der Fall wie bei "Liebeskind", aber auch dieses Werk ist außergewöhnlich und hat nichts mit Hau-Drauf-Spannung zu tun. Nein, hier verbindet sich schriftstellerisches Können mit originellen Ideen und wird damit für Freunde der anspruchsvollen Spannung ein gefundenes Fressen sein.