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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.08.2025

Eine Frau geht ihren Weg

Mein Name ist Emilia del Valle
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Wie schon einige Male zuvor wählt Isabel Allende hier das Format eines historischen Romans und einmal mehr steht eine Frau im Mittelpunkt, nämlich die bereits im Titel genannte Emilia de Valle, die - wie ...

Wie schon einige Male zuvor wählt Isabel Allende hier das Format eines historischen Romans und einmal mehr steht eine Frau im Mittelpunkt, nämlich die bereits im Titel genannte Emilia de Valle, die - wie es sich hier bereits andeutet - ihre (Vor)Geschichte aus der eigenen Sicht erzählt. Zumindest in weiten Teilen

Zu diesem Zweck versieht Frau Allende ihre Protagonistin mit einer großen Portion Schneid und einer noch größeren an Humor. Nur eine so erfahrene und begabte Autorin wie sie kann ein so dichtes Thema wie dieses mit einer unendlichen Lässigkeit und Breite zugleich darlegen.

Die Geschichte spielt in Amerika in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, beginnt in San Francisco, wo Emilia unehelich geboren wird, aber dennoch in einer ausgesprochen glücklichen Familie aufwächst, in der sowohl die Mutter als auch der (Stief)vater - dieser sogar ganz kompromisslos - darauf achten, dass ihre Interessen gewahrt bleiben und setzt sich dann in Chile - dem Herkunftsland ihres Erzeugers - fort, in das sie als Kriegsreporterin reist. Wie sie zu einer solchen wurde und wie sie diesen Auftrag erfüllt, das ist ein unglaubliches, sprachgewaltiges und vor allem sehr schmerzliches Abenteuer und dazu ein Stück bester frauenzentrierter - feministisch würde nicht so passen - Literatur, das trotz eines aus meiner Sicht unbefriedigenden Endes ausgesprochen lesenswert ist und das kein:e Freund:in klarer, direkter Worte einerseits und scharfsinniger, unterhaltsamer und ausgesprochen amüsanter Romane andererseits an sich vorbeiziehen lassen sollte. Allerdings sollte sie/er nicht zu zart besaitet sein!

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Borkum im Sommer

Der Sommer am Ende der Welt
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Ja, das ist ein Touristenmagnet und auch Hanna und ihre Tochter begeben sich dorthin - wenn auch nicht nur zur Erholung. Nein - Hannas Mutter, inzwischen Ende sechzig, hat dort 1963 einen traumatischen ...

Ja, das ist ein Touristenmagnet und auch Hanna und ihre Tochter begeben sich dorthin - wenn auch nicht nur zur Erholung. Nein - Hannas Mutter, inzwischen Ende sechzig, hat dort 1963 einen traumatischen Sommer erlebt - als Fünfjährige! Sie war eines der zahlreichen Verschickungskinder, die man damals aus gesundheitlichen Gründen in eine gesunde Umgebung - beispielsweise an die Nordsee schickte. Ein Erholungskur sollte es werden und war doch in zahlreichen Fällen häufig das Gegenteil.

Journalistin Hanna plant einen enthüllenden Artikel darüber und hat mit ihrer Tochter in der damaligen Kurklinik - inzwischen ein Luxushotel - gebucht. Doch ihr stellen sich so manche Widerstände in den Weg. Allerdings findet sie auch die Liebe - an dieser Stelle hat das Buch mich verloren, zumal es weitere Romanzen gab, wodurch das eigentliche, so wichtige und für mich sehr interessante Thema ziemlich in den Hintergrund trat.

Veröffentlicht am 05.08.2025

Moll will singen

Durch das Raue zu den Sternen
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Und zwar nicht nur in Moll, sondern in allen Tonlagen. Da es in ihrem kleinen Ort keinen passenden Chor für sie gibt, tut sie alles, um in den Knabenchor hineinzukommen, was eigentlich unmöglich ist. Doch ...

Und zwar nicht nur in Moll, sondern in allen Tonlagen. Da es in ihrem kleinen Ort keinen passenden Chor für sie gibt, tut sie alles, um in den Knabenchor hineinzukommen, was eigentlich unmöglich ist. Doch Moll wäre nicht Arkadia Fink - das ist nämlich ihr richtiger Name - wenn sie nicht bekommen würde, was sie will.

Ein überaus unterhaltsamer, warmherziger und tiefsinniger Roman, wie ich es von Christopher Kloeble nicht anders kenne. Hier schafft er es, tief in die Seele eines jungen Mädchens einzudringen und diese für sich sprechen und denken zu lassen - wie junge Mädchen dies eben tun. In diesem Falle ein zutiefst unglückliches junges Mädchen, auch wenn sie es sich nicht eingesteht. Sie hofft trotz anderer Hinweise (eigentlich ist es deutlich mehr als das), dass ihre lustige, liebevolle und so musikalische Mutter pünktlich zum Beginn ihrer Sangeskarriere zurück kommen wird. Und Moll kann zwar nicht zaubern, aber singen - also machen Sie sich auf etwas gefasst!

Veröffentlicht am 01.08.2025

Ein Leben zwischen zwei Kulturen

Onigiri
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Das teilen Aki, aus deren Sicht dieser Roman erzählt wird und ihre Mutter Keiko, die einst aus Japan nach Deutschland kam, um zu singen, sich in einen Deutschen ver- und dann wieder entliebte, ...

Das teilen Aki, aus deren Sicht dieser Roman erzählt wird und ihre Mutter Keiko, die einst aus Japan nach Deutschland kam, um zu singen, sich in einen Deutschen ver- und dann wieder entliebte, aber mit ihren beiden Kindern dennoch in Deutschland blieb.

Inzwischen ist sie dement - aber ihre kulturelle wie auch nationale Verlorenheit besteht weiterhin. Auch in ihrem Heimatland? Aki, inzwischen selbst verheiratet und Mutter mehrerer Kinder fliegt kurzerhand mit der Mutter nach Kobe, deren Heimatstadt, nachdem sie verspätet erfährt, dass ihre Großmutter verstorben ist.

Die Leser:innen erleben nicht nur die Reise der beiden, sondern tauchen während der Lektüre tief in die Biographien beider Protagonistinnen - und auch einiger mehr - ein.

Eine faszinierende, ungewöhnliche Lektüre, während der ich mir wieder und wieder die Frage stellte, ob bzw. inwiefern Akis Geschichte mit der der Autorin übereinstimmt. Wie auch immer, ich könnte es mir sehr gut vorstellen und mich hat diese Darstellung immer wieder sehr bewegt. Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein in einem Land, in das man nicht, oder nur teilweise (in Akis Fall zur Hälfte) geboren ist, das sind große zeithistorische Themen, die auch mich selbst betreffen. Autorin Yuko Kuhn vermag das Dilemma derer, die "dazwischen" leben, eindringlich darzustellen - nur an einigen Stellen springt sie ein wenig zu sehr hin und her, die jeweiligen Sequenzen wirken dadurch etwas zerfahren bzw. verwirrend. Doch habe ich immer wieder in die Handlung zurückfinden und mich an den teils traurigen, teils sehr unterhaltsamen oder gar lustigen Schilderungen bereichern können.

Veröffentlicht am 27.07.2025

Schönes Thema, teilweise unangemessen umgesetzt

Die Geschichte des Klangs
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Ja, ja - die Liebe - ist es vor allem Lionels und Davids Liebe zur Musik oder doch die zueinander? Die ich im übrigen möglicherweise überlesen hätte, wäre ich nicht über das in diesem Kontext überaus unpassende ...

Ja, ja - die Liebe - ist es vor allem Lionels und Davids Liebe zur Musik oder doch die zueinander? Die ich im übrigen möglicherweise überlesen hätte, wäre ich nicht über das in diesem Kontext überaus unpassende Wort "vögeln" gestoßen.

Während des Ersten Weltkriegs in friedlichen Gefilden: Lionel, ein junger Musiker, vor allem Sänger, lernt David in einem Pub kennen und wird Monate später von diesem eingeladen, ihn auf einer beschwerlichen Reise unter Mitnahme eines alten Aufnahmegerätes - hier soll Lionel beim Tragen helfen - auf der Suche nach alten Folksongs im ländlichen Nordamerika zu begleiten.

Die Schilderung dieser Reise (abgesehen vom Vögeln) hat mir sehr zugesagt, was für ein wunderbares Projekt, dieses Sammeln und Aufzeichnen der Lieder, quasi eine Art Oral History in Liedern. Die ansonsten eher platonisch formulierte Zuneigung der beiden jungen Männer zueinander ist stimmungsvoll und einfühlsam geschildert. Der zweite Teil, der etwa 70 Jahre später, in den 1980er Jahren angesiedelt ist, kann damit aus meiner Sicht leider nicht mithalten und so verläuft diese Novelle für mich ein wenig im Sande....