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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.09.2025

Vorübergehend aussortiert

Der Tote im Kamin
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Frank Grasby, Inspector in York, schmückt sich eher mit Missgeschicken als mit Erfolgen und wird daher in ein winziges Kaff namens Elderby abgeschoben, bis sich die Wogen glätten. Auch, wenn er sich dort ...

Frank Grasby, Inspector in York, schmückt sich eher mit Missgeschicken als mit Erfolgen und wird daher in ein winziges Kaff namens Elderby abgeschoben, bis sich die Wogen glätten. Auch, wenn er sich dort nur um Diebstähle kümmern soll, beschert ihm gleich der Tag seiner Ankunft eine geheimnisvolle Leiche in einem Kamin - ein Opfer, das niemand kennt. Bald folgt der nächste Todesfall und schon bevor er die Bewohner des Ortes alle kennt, weiß Grasby schon nicht, wem dort überhaupt zu trauen ist. Wir schreiben das Jahr 1952 und es geistern noch diverse Mähren über das Überleben Hitlers und seinem Versteck auf der britischen Insel wie auch andere haarsträubende Geschichten.

Gemeinsam mit seinem Mitarbeiter und mehr noch mit der amerikanischen Praktikantin Deedee nimmt Grasby die Fährte unverdrossen auf - wird er in einen Komplott geraten oder befindet er sich bereits mittendrin!

Dieser alles andere als dörflich-gemütliche Krimi ist ebenso spannend wie amüsant, dazu kommt die überzeugende Darstellung der Charaktere und natürlich der Lokalkolorit. Ein ausgesprochen lesenswerter Krimi, der mir viel Freude bereitet hat!

Veröffentlicht am 22.09.2025

Schade um den Titel

Kleine Wunder in der Mitternachtskonditorei
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Denn der stellt - zumindest aus meiner Sicht - das Buch in die Reihe der kuschligen kleinen Cafes und Stübchen, die derzeit fast inflatorisch unseren Büchermarkt überschwemmen und die ich von Beginn ...



Denn der stellt - zumindest aus meiner Sicht - das Buch in die Reihe der kuschligen kleinen Cafes und Stübchen, die derzeit fast inflatorisch unseren Büchermarkt überschwemmen und die ich von Beginn an meide. Gottseidank fand ich hier das Cover so interessant und fesselnd, dass ich dem Buch nicht nur einen zweiten, sondern auch den dritten und vierten Blick schenkte und es als ausgesprochen lesenswert empfand - ein Eindruck, der sich während der Lektüre bestätigte: denn dieses Buch ist aufgrund seiner Thematik - ein Kontakt der Verstorbenen mit den Lebenden - vor allem jedoch aufgrund der literarischen Umsetzung etwas ganz Besonderes.

Ein Roman, den wir Lebenden von der anderen Seite lesen und gemeinsam mit der Hauptfigur Yeonhwa einen ganz ungewöhnlichen Kontakt zu den Verstorbenen erhalten: sie nämlich erbt eine Konditorei, die nur spätabends beziehungsweise nachts zu einer ganz bestimmten Uhrzeit geöffnet ist und dann auch nur ganz besondere Kunden - und auch nur einen pro Nacht empfängt und das von diesem gewünschte Gebäck backt.

Was genau dahinter steckt, das erfahren Sie in diesem berührenden Roman, der nur an wenigen Stellen ein bisschen von seiner Faszination einbüßt, insgesamt aber ausgesprochen lesenswert ist.

Veröffentlicht am 21.09.2025

Der Tod kann uns immer und überall ereilen

Lügennebel
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Und leider auch in sehr jungen Jahren. In diesem, mittlerweile bereits vierten Fall der Are-Serie, wird das sehr deutlich. Das Opfer, eine erst 19jährige junge Frau, die ein wenig über die Stränge schlug. ...

Und leider auch in sehr jungen Jahren. In diesem, mittlerweile bereits vierten Fall der Are-Serie, wird das sehr deutlich. Das Opfer, eine erst 19jährige junge Frau, die ein wenig über die Stränge schlug. Sie war mit Studienfreunden aus Uppsala für ein verlängertes Wochenende nach Are gereist, um Ski zu fahren und sich zu entspannen - wer hätte ahnen können, dass sie nicht wiederkehren würde?

Wer wie ich Hannas vorherige Fälle mit großem Genuss verfolgt hat, der darf sich freuen: es geht mindestens genauso spannend weiter. Ich empfand diesen Fall als besonders spannend: auch wenn einiges verdächtig erscheint, ist am Ende wenn auch nicht alles, so doch vieles ganz anders, als es zunächst scheint.

Kurz nach dem Mord folgt auch noch ein gefährlicher Brand auf dem in den Gebäuden, in denen die Freunde untergekommen sind: Hanna und ihr Kollege Daniel haben wieder gut zu tun und wir lernen auch andere Kollegen des Teams besser kennen.

Viveca Sten schreibt wie gewohnt so fesselnd und mitreißend, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte und die gut 500 Seiten in zwei Tagen durch hatte. Ich habe mich durch den Fall gefressen, muss ich sagen. Denn nicht nur der Stil der Autorin vermag zu begeistern, nein, mehr noch ist es der Inhalt. Wieder einmal hält die Autorin geschickt die Balance zwischen Zufällen und Fakten. Diesmal empfand ich auch die Liebesgeschicke der Ermittler:innen als durchaus geschickt eingebaut, so dass dieser Fall aus meiner Sicht ein absolut rundes Ding ist.


Veröffentlicht am 18.09.2025

Krimi mal ganz anders

Plant Lady
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Die junge Autorin hat für ihren Krimi um Yu-hee, Inhaberin eines besonderen Pflanzenladens, in dem sie die Gewächse quasi auf die jeweilige Kundschaft "zupflanzt", einen ebenso besonderen Stil ...

Die junge Autorin hat für ihren Krimi um Yu-hee, Inhaberin eines besonderen Pflanzenladens, in dem sie die Gewächse quasi auf die jeweilige Kundschaft "zupflanzt", einen ebenso besonderen Stil gewählt. Dieser ist nichts für Leser:innen, die alles genau erklärt, hinterfragt und ausgeschildert haben wollen. Nein, der Stil ist ebenso reduziert und geheimnisvoll wie ihre Protagonistin Yu-hee.

Es ist bald klar, dass Yu-hee einen Sinn und ein Herz für Frauen hat, die getrieben sind oder sich verstecken wollen - oder ist sie am Ende selbst eine von ihnen? Auf jeden Fall sind gleich mehrere Männer - keiner von ihnen sonderlich sympathisch - nach ihrem Besuch in ihrem Laden nicht mehr aufzufinden.

Ein Roman, der ebenso reduziert wie geheimnisvoll und auch feministisch ist. Ein Krimi, in dem der Ermittler nicht fehlt, aber eine eventuelle Tatwaffe?

Wer sich auf diesen besonderen Krimi einlässt, sollte offen sein: für bestimmte Erkenntnisse, aber auch dafür, das vieles hier ganz anders ist als man es von Krimis gewohnt ist, gewissermaßen eine Neuheit. Nichts für die breite Masse, umso mehr jedoch für Leser:innen, die nach neuen Wegen in der (Kriminal)Literatur suchen.

Veröffentlicht am 17.09.2025

Ein Denkmal für Anna

Anna oder: Was von einem Leben bleibt
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Und zwar ein literarisches: verfasst über eine Frau, die vor über neunzig Jahren, nämlich 1932 verstarb - im Alter von 65 Jahren. Gesetzt hat es ihr ihr Urenkel, mehrfach preisgekrönter Redakteur der ZEIT ...

Und zwar ein literarisches: verfasst über eine Frau, die vor über neunzig Jahren, nämlich 1932 verstarb - im Alter von 65 Jahren. Gesetzt hat es ihr ihr Urenkel, mehrfach preisgekrönter Redakteur der ZEIT - sie hat es mehr als verdient.

Wobei aus meiner Sicht fast jeder Mensch ein solches Andenken verdient hätte, doch in Annas Fall ist es wirklich so, dass sie ein ungewöhnliches Leben führte, so zumindest meine Meinung.

Als junge Frau, fast noch ein Mädchen, verschlug es sie nach Cobbenrode im Sauerland, wo sie, aus einer mittellosen Großfamilie stammend, eine Stelle als Lehrerin antreten sollte, die sie fünfzehn Jahre ausfüllen sollte und dann: der Knaller!

Anna heiratet, und zwar nicht irgend jemanden, sondern den begehrtesten Junggesellen des Ortes, begütert und vier Jahre jünger als sie. Nach dessen frühem Tod füllt sie etliche seiner amtlichen Positionen aus, obwohl sie inzwischen Mutter ist, wird Wirtin im örtlichen Gasthaus, führt die Post.

Ihr zweiter Mann ist gar 19 Jahre jünger - auch mit ihm bekommt sie ein Kind, aufgrund seines Alters wird er im Ersten Weltkrieg eingezogen, auch das keine leichte Situation.

Ein Lob auf Henning Sussebach, der in der literarischen Aufarbeitung ihres Schicksals aus meiner Sicht alles richtig macht. Es ist eine warmherzige Darstellung ihres Lebens beruhend auf den wenigen Fakten, die ihm zur Verfügung stehen. Diese bettet er ein in eine zeitgeschichtliche umrahmende Darstellung ihrer Umgebung, der Lebensbedingungen, möglicher beziehungsweise durchaus wahrscheinlicher Entwicklungen, Freuden, Sorgen und Nöte. Und zeigt immer wieder auf, dass Anna ein für ihre Zeit ausgesprochen ungewöhnliches Leben führte. In einer fremden Stadt allein auf sich gestellt, brachte sie - wie man damals sagte - zu etwas. Nämlich neben einer Familie auch zu beruflichem Erfolg, sie war für ihre Zeit eine erfolgreiche Unternehmerin, nämlich als Gastwirtin. Und eine ebenso erfolgreiche Arbeitnehmerin, nämlich als Postangestellte.

Ein Buch, das sich ganz wunderbar liest und mir, die ich mich derzeit - oder eigentlich immer - mit meinen eigenen Vorfahren beschäftige, in vielerlei Hinsicht die Augen geöffnet hat. Vor allem in der, dass es nicht schlimm ist, nicht alles über die jeweilige Person zu wissen. Ein historisches Verständnis und ein ebensolches Einfühlungsvermögen in damalige Umstande und Ansichten ist mindestens genauso wichtig.

Ein wundervolles Buch, dem ich viele Leser wünsche!