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Veröffentlicht am 09.05.2021

Zuerst der Vater, dann die Zwillingsschwester

Searching Lucy
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Amber ist verzweifelt: ja, ihre Zwillingsschwester und sie sind nicht eineiig, aber sie haben dennoch jeweils den absoluten Zwillingssensor und können spüren, ob es der anderen gut geht. Es ist jetzt schon ...

Amber ist verzweifelt: ja, ihre Zwillingsschwester und sie sind nicht eineiig, aber sie haben dennoch jeweils den absoluten Zwillingssensor und können spüren, ob es der anderen gut geht. Es ist jetzt schon ein paar Monate her, seit Lucy spurlos verschwand und Amber spürt auch, dass es ihr nicht gut geht - aber sie lebt!

Bei ihrem Vater, einem Gymnasiallehrer an ihrer eigenen Schule, ist sie sich leider nicht so sicher. Er war nämlich einen Monat vor Lucy weg - einfach so, dabei war er ein absolut zuverlässiger Typ, sowohl in der Schule als auch zu Hause! Jetzt hat Amber es unglaublich schwer, denn ihre Mutter ist zusammengebrochen und zu nichts mehr fähig - Amber muss alles am Laufen halten, was vor allem bedeutet, sich um den kleinen Bruder Oliver zu kümmern, der noch in der Kita ist.

Die 17jährige Amber ist ein findiges Mädchen: sie bricht bei all ihren Nachbarn ein, um nach Beweisen für die Entführung ihrer Schwester und ihres Vaters zu suchen. Was zunehmend schwieriger wird...

Ein Buch, das unter die Kategorie Thriller fällt - so zumindest steht es auf dem Cover. Es erfüllt aber auch die Bedingungen eines spannenden Whodunnits, bei dem am Ende alles aufgedeckt wird. Wie auch immer, das Buch ist toll geschrieben und einfach spannend. Sowohl für Kinder als auch für Erwachsene! Auch wenn es stellenweise ganz schön an die Nieren geht, aber daran sollten Krimi- und Thrillerfans ja gewöhnt sein!

Veröffentlicht am 05.05.2021

Das Leben der anderen

Eine ganze Welt
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Surie ist in Nöten: sie erwartet Zwillinge. Und das im Alter von 57 Jahren. Dabei wird sie in Kürze zum ersten Mal Urgroßmutter. Sie wundern sich? So ging es mir auch: doch Surie lebt als Chassidin, also ...

Surie ist in Nöten: sie erwartet Zwillinge. Und das im Alter von 57 Jahren. Dabei wird sie in Kürze zum ersten Mal Urgroßmutter. Sie wundern sich? So ging es mir auch: doch Surie lebt als Chassidin, also als strenggläubige Jüdin, in Williamsburg, New York. Das bedeutet, sie lebt unter ihresgleichen, denn in ihrem Viertel haben die Chassiden seit vielen Jahren eine eigene Welt geschaffen, in die sie die andere Welt, von der sie umgeben sind, nicht hineinlassen. Oder nur in Notfällen.

Surie blickt auf eine riesige Familie: gemeinsam mit ihrem Mann Yidel, mit dem sie seit 41 Jahren verheiratet ist - glücklich, wie es mir während der Lektüre an verschiedenen Stellen klar wurde - auf 10 Kinder, über 30 Enkel und Schwiegereltern und weiß nicht, was sie machen soll. Denn es ist ein Tabu - Kinder zu haben, wenn man bereits Uroma ist - und vor allem: dadurch wird klar, dass "es" noch in ihrer Ehe eine Rolle spielt. Bettgeschichten also. Das ist ein noch viel größeres Tabu.

Der Leser darf Surie in ihren Alltag begleiten, mit ihr die Hebamme Val besuchen, eine Frau aus "unserer" Welt, die bisher alle Kinder Suries zur Welt gebracht hat und Surie gute Ratschläge und Handlungsoptionen an die Hand gibt. Der Weg, den Surie einschlägt, gehört definitiv nicht dazu: sie schweigt. Und zwar allen gegenüber.

Ja, es ist ein "Leben der anderen", in das ich hier eingetaucht bin. Viel zu kurz übrigens, denn ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen: Ich konnte einfach nicht anders, so haben mich Inhalt wie auch der mild ironische Stil der Autorin mitgerissen.

Suries Welt ist Lichtjahre entfernt von der meinigen. Und auch wieder nicht: ich las hier über eine etwa gleichaltrige Frau, deren Kosmos ein ganz anderer ist als der meinige und fand doch immer wieder Parallelen: Sind wir doch alle Gottes oder Allahs Kinder, bzw. Erdenbewohner, bzw. Nachkommen der Neandertaler oder was auch immer derjenige, der gerade zu Wort kommt, glaubt.

Ein wunderbarer, faszinierender Roman über eine zweifelnde Frau.

Veröffentlicht am 05.05.2021

Wer kennt wen?

So wie du mich kennst
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Bewertung von Jupp aus NRW am 19.04.2021
Erst einmal möchte ich sagen dass mich das Cover angesprochen hat. Ich mag Geschichten über Menschen die sich nicht nur an der Oberfläche bewegen. Hinter jedem ...


Bewertung von Jupp aus NRW am 19.04.2021
Erst einmal möchte ich sagen dass mich das Cover angesprochen hat. Ich mag Geschichten über Menschen die sich nicht nur an der Oberfläche bewegen. Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte der Mann sagt ihm sonst: man kann den Menschen nur vor den Kopf gucken. Das Buch wechselt immer wieder die Sichtweise und erzählt das Geschehene sowohl aus der Sicht der Verstorbenen als auch ihrer Schwester. Es ergeben sich immer wieder neue Hintergründe die sich im Laufe des Buches aufbauen. Das steigert die Geschichte und führte zu das ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen wollte und an einem Wochenende durchgelesen habe. Das Ende war schön allerdings leicht vorhersehbar. Ich hätte mir vielleicht ein anderes Ende gewünscht wobei ich nicht genau sagen könnte welches. Insgesamt ein tolles Buch…mehr
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Bewertung von TochterAlice aus Köln am 05.05.2021
Top-100 Rezensent
Karla kennt ihre Schwester Marie besser als jeder andere. Und umgekehrt. Dachte sie zumindest, bis Marie starb. Von einem Moment auf den anderen - wie das so ist bei einem Verkehrsunfall.

Mitten in New York, wo sie seit einigen Jahren lebt, ereilt es Marie. Und Karla eilt aus dem kleinen unterfränkischen Kaff, in dem sie lebt, nach New York, um ihre Asche heimzubringen. Für die Beerdigung. Und dann fährt sie nochmal hin, um ihre Wohnung aufzulösen.

Karla hat zum ersten Mal im Leben Zugriff auf alles, was Marie betrifft. Auf ihr Notebook, ihr Handy. Sogar auf Freunde und One-Night-Stands. Naja, teilweise.

Und sie erfährt Dinge über ihre Schwester, die sie nie für möglich gehalten hätte. Wobei: kurz vor dem Unglück hatte sie schon Unglaubliches erfahren, von Marie selbst. Und jetzt noch mehr. Nichts ist mehr so wie es war. Weil Marie eben eine ganz andere war. Aber nicht nur: dass Marie eine andere war, schärft Karlas Blick

Irgendwie hat dieser Roman mich ernüchtert, meine Erwartungen nicht so recht erfüllt. Ich dachte (im Hinblick auf den Blog der Autorin), dass hier jetzt etwas sehr Neues, ziemlich Feministisches kommt. Gerade auch in Bezug auf das Thema #MeToo, das in der Handlung eine bedeutende Rolle einnimmt.

Vielleicht ist dieses Innovative ja tatsächlich vorhanden, aber es geht irgendwie an mir vorbei. Sehr viel Zeitgeist steckt hier drin, ein Moderoman quasi. Der ein bisschen an mir und dem, was für mich der Geist der Zeit ist, vorbeigeht. Sollte mich nicht wundern, denn ich gehöre einer anderen Generation an als die Autorin. Was mich oft nicht einschränkt in der Wahrnehmung der Texte jüngerer Autor*innen. Hier aber schon. Irgendwie.

Veröffentlicht am 04.05.2021

Ein großes Erbe

Enriettas Vermächtnis
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hinterlässt die weltberühmte argentinische Autorin Enrietta da Silva, als sie, über 80jährig, in der Schweiz, wo sie seit Jahrzehnten lebt, verstirbt. Erben sollen zwei Personen, der argentinische Schönheitchirurg ...

hinterlässt die weltberühmte argentinische Autorin Enrietta da Silva, als sie, über 80jährig, in der Schweiz, wo sie seit Jahrzehnten lebt, verstirbt. Erben sollen zwei Personen, der argentinische Schönheitchirurg Emilio und Jana, eine Schauspiellehrerin aus Österreich. Beide kommen auf Einladung des Notars nach Zürich, beide sind sich jedoch noch nicht sicher, ob sie das Erbe antreten werden.

Während Emilio sich hinsichtlich seiner Verbindung zur Verstorbenen in Schweigen hüllt, geht Jana damit durchaus offen um, zumal Enrietta sie bereits vor Jahren mit ihrem Rechtsbeistand bekannt machte.

Auch sonst verhält sie sich sehr offensiv, besonders Emilio gegenüber: nach einem Sturz bittet sie ihn, den sie gerade erst kennengelernt hat, um Unterstützung und bindet ihn fest in ihre Genesungspläne ein.

Ein unerwartetes Ereignis, nämlich die Ankunft einer dritten Person, stellt allerdings alles bisher Geschehene in Frage.

Ein Roman, der sich mit dem Verhalten jedes Einzelnen in diesem Roman beschäftigt und auch abwechselnd die Perspektive jedes Charakters einnimmt. Es wird viel angedeutet, aber wenig zu Ende geführt - zumindest, was die meisten Handlungsmomente angeht.

Meiner Ansicht nach fehlt es diesem Buch, das in einem durchaus ansprechenden Stil verfasst wurde, sowohl an Atmosphäre als auch an Tiefe. Viele Fragen bleiben offen und ich selbst frage mich letztendlich, was genau mir dieser Roman eigentlich mitteilen will.

Veröffentlicht am 03.05.2021

Olga, ihre Familie und die Männer

Laudatio auf eine kaukasische Kuh
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Das sind drei Komponenten, die - zumindest aus Olgas Sicht - so gar nicht zusammen passen.

Denn Olga verweigert sich der uneingeschränkten Bekenntnis zum Kaukasus. Sowohl zu den Georgiern als auch zu ...

Das sind drei Komponenten, die - zumindest aus Olgas Sicht - so gar nicht zusammen passen.

Denn Olga verweigert sich der uneingeschränkten Bekenntnis zum Kaukasus. Sowohl zu den Georgiern als auch zu den Pontos-Griechen - von beiden stammt sie ab. Sie studiert Medizin in Bonn und niemand, aber wirklich niemand, weiß, dass ihre Eltern mit Oma und Olgas kleinem Bruder recht ärmlich am Rande von München leben. Naja, gut: ihr türkischer Studienfreund weiß Bescheid, aber alle anderen wissen nichts.

Vor allem Felix nicht, mit dem sie fast verlobt ist. Denn der ist Arztsohn aus Kiel - mit einem stabilen Familienhintergrund, der ihn vor dem Jobben während des Studiums bewahrt und gesichertem Job - er wird voraussichtlich direkt in die Fußstapfen seines Vaters treten. Doch erst einmal kommt die Promotion, die er - Olga graut schon davor - in München vollenden wird.

Doch noch, bevor hier jemand nach München oder sonst wohin ziehen kann, gibt es einen neuen Mann in Olgas Leben. Nämlich Jack, der sie einmal zufällig am Münchener Bahnhof sieht und ihr verfällt, zum Stalker wird. Er folgt ihr - und zwar bis nach Georgien.

Und da fing die Geschichte aus meiner Sicht an, etwas absurd zu werden. Sowohl Jacks Handlungen als auch Olgas Reaktionen darauf haben mich mehr als einmal verwundert und erstaunt zurück gelassen. Ab da konnte mich das Buch nicht mehr so richtig mitnehmen.

Traurig fand ich auch, dass die Autorin die Kaukasier - ob Georgier, Griechen oder was auch immer, als ziemliche Witzfiguren beschrieb. Spaß und Ironie - schön und gut, aber das hier ging weit hinaus über liebenswürdigen Humor.

Zu all dem kommt hinzu, dass ich ein literarisch anspruchsvolles Buch, keinen federleichten Unterhaltungsroman erwartet hatte. Schade, hier sind zahlreiche gute Ansätze und Ideen vorhanden, doch zu Ende geführt werden sie leider nicht!

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