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Veröffentlicht am 21.11.2020

Robinson als Lebensgefährte

Robinsons Tochter
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Wir treffen auf Polly Flint in ihrer frühesten Jugend, als sie sechsjährig bei ihren alten und frommen Tanten im gelben Haus landet. Wo sie bald - ohne es so festzumachen - spürt, dass man auch auf konventionelle ...

Wir treffen auf Polly Flint in ihrer frühesten Jugend, als sie sechsjährig bei ihren alten und frommen Tanten im gelben Haus landet. Wo sie bald - ohne es so festzumachen - spürt, dass man auch auf konventionelle Art unkonventionell und bei sich selbst bleiben kann. Die älteren Schwestern ihrer verstorbenen Mutter fahren nämlich durchaus ihren eigenen Stiefel und so gestaltet sich auch Pollys Leben nicht unbedingt der Norm entsprechend.

Auch wenn ihr vieles fehlt, eines hat sie im Überfluss, nämlich Bücher und schon früh kristallisiert sich Robinson Crusoe, den sie quasi als Mitbewohner annimmt, mit dem sie spricht und den sie wieder und wieder rauf und runter liest, als ihre hauptsächliche und maßgebliche Bezugsperson heraus. Gerade auch, wenn jemand aus ihrem Umfeld sie einmal mehr wissentlich oder ohne Absicht enttäuscht hat.

Polly Flint ist eine Geberin und das spüren die Menschen um sie herum. Doch am Ende ihres Lebens blickt sie auf ein reiches, buntes Gesamtbild zurück.

Dies ist ein Werk von Jane Gardam aus dem Jahre 1985, das erst jetzt übersetzt wurde und wie froh bin ich, darauf gestoßen zu sein! Ein wahres Kleinod ist es, eine Art Hymne auf die Großzügigkeit, ein Aufruf, seinen eigenen Weg zu gehen und sich davon nicht abbringen zu lassen. Jane Gardam, die Grande Dame des klassischen britischen Romans mit Pfiff, hat wieder einmal ein wundervolles Werk voller Humor, Wärme und Esprit geschaffen. Nur dominierte Robinson aus meiner Sicht die Handlung stellenweise doch zu stark.

Veröffentlicht am 20.11.2020

Schwabenschicksal

Aus und davon
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Hier geht es um Cornelia, eine Frau in ihren Vierzigern, geschieden, Mutter und Physiotherapeutin. Und um ihre Mutter Elisabeth, die bei den Kindern in Stuttgart blebt, während sich Cornelia in die Staaten ...

Hier geht es um Cornelia, eine Frau in ihren Vierzigern, geschieden, Mutter und Physiotherapeutin. Und um ihre Mutter Elisabeth, die bei den Kindern in Stuttgart blebt, während sich Cornelia in die Staaten begibt, um einem Kapitel der Familiengeschichte nachzuspüren.

Sie ist nicht nur von Cornelia verlassen worden, sondern auch von ihrem Mann Hinz, der nach einem Schlaganfall die Reha in Richtung einem neuen Leben verlässt und zum Kurschatten zieht.

Dazwischen sind mythenartige Sequenzen gepackt, die ein älteres Kapitel der Familiengeschichte beleuchten.

Schöne neue Welt - die scheint sich den Männern: Elisabeths Mann Hinz und Cornelias Exmann Dimi zu eröffnen, denen sich beiden neue Möglichkeiten eröffnen, doch was ist mit den dazu gehörenden Frauen? Müssen sie sehen, wo sie bleiben?

Autorin Anna Katharina Hahn kümmert sich um alle Generationen, auch Cornelias Kindern Bruno und Stella wird genug Aufmerksamkeit gewidmet - eine Familiengeschichte der anderen, der modernen Art. Eben ein ganz normales Familienleben in Stuttgart und drum herum. Ein Schwabenleben.

Veröffentlicht am 20.11.2020

Botschaften von der Insel

Ein Jahr mit C. S. Lewis
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Diese wurden von einem wirklich großen Briten gesandt, nämlich von C.S. Lewis: Literaturprofessor, Theologe und Autor großartiger, ewig aktueller Werke, allem voran der "Chroniken von Narnia".

Ein Andachtsbuch ...

Diese wurden von einem wirklich großen Briten gesandt, nämlich von C.S. Lewis: Literaturprofessor, Theologe und Autor großartiger, ewig aktueller Werke, allem voran der "Chroniken von Narnia".

Ein Andachtsbuch für das ganze Jahr, zusammengestellt mit Texten aus verschiedenen seiner Bücher. Alle Texte sind klug und erkenntnisreich, ja, sie sind auch weise. Was mich ein bisschen gestört hat, hat nichts mit den Worten des großen Mannes zu tun: Ich lese gerne zwischendurch mal an einem beliebigen Tag, der für mich von Bedeutung ist, sei es als Geburtstag eines lieben Menschen, sei es eine wichtige Wegmarke für mich wie der Tag, an dem ich mein Universitätsexamen ablegte oder auch meinen ersten "echten" Arbeitstag beging, oder eben auch einer mit besonders traurigen Gedanken, bspw. der Todestag eines lieben Menschen. Natürlich gibt es auch besonders fröhliche Tage wie den Hochzeits- oder Jahrestag.

Ich bin also eine, die gerne einzelne Tage voneinander losgekoppelt nachliest. Und genau damit tue ich mich schwer. Denn es folgen oft in logischer Folge mehrere zueinander gehörende Texte und man verliert den Faden.

Das ist für mich nicht der Sinn eines Andachtsbuches, auch wenn ich das Vorgehen natürlich verstehe und es den Texten nichts von ihrer Qualität raubt. Aber zu mir passt es nicht so ganz - dafür sicher zu vielen anderen Lesern!

Veröffentlicht am 20.11.2020

Wochenend und Sonnenschein?

Ein Wochenende
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Nein, alles andere als das, denn bereits die Anreise der drei Freundinnnen gestaltet sich komplex und schwierig. Die drei sind übriggeblieben von einem Vierergrüppchen, dessen warmherzigstes - so scheint ...

Nein, alles andere als das, denn bereits die Anreise der drei Freundinnnen gestaltet sich komplex und schwierig. Die drei sind übriggeblieben von einem Vierergrüppchen, dessen warmherzigstes - so scheint es - Mitglied vor einem Jahr verstorben ist.

Die anderen trauern, Jede auf ihre Weise. Sie haben vor, das Haus aufzuräumen, doch müssen sie dies zunächst mit sich selbst und ihren Beziehungen untereinander tun.

Zudem spitzt es sich am Wochenende auf verschiedenerlei Art zu durch Ereignisse von Außen und es kommt zu etlichen Bewährungsproben.

Kein gelassen-eleganter Roman, sondern eher das Gegenteil. Ich bin froh, dass ich nicht solche Freundinnen habe!

Veröffentlicht am 18.11.2020

Hunger und Leid

Alma Mater
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Aber auch zwischenmenschlicher Werkschätzung begegnet der junge Georg auf seinem Weg als Student nach Marburg. Aus einem kleinen Dorf kommend, in dem er Angst und Schrecken erlebt, hätte er im Leben nicht ...

Aber auch zwischenmenschlicher Werkschätzung begegnet der junge Georg auf seinem Weg als Student nach Marburg. Aus einem kleinen Dorf kommend, in dem er Angst und Schrecken erlebt, hätte er im Leben nicht gedacht, dass er einmal Theologie studieren darf, doch das Leben nimmt seltsame Wege.

Wer gedacht hat, dass er Georg beim lustigen Studentenleben begleiten kann, liegt falsch, denn statt lustiger Feiern muss Georg quasi ums Überleben kämpfen und anfangs sogar in einer Notunterkunft nächtigen. Doch durch Zufall verschlägt es ihn zu Kaspar und dessen Frau Ursula,, die eine Druckerei besitzen, die Kaspar neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit betreibt.

Ein brummiger Kerl - so scheint es, doch mit der Zeit begegnet Georg Geborgenheit und Zuneigung, also einem richtigen Familienleben. In dem aber auch Trauer und Not immer wieder seinen Platz findet - Marburg wird von unterschiedlichen Mächten besetzt und fungiert wie andere deutsche Städte auch als Spielball der Mächte.

Ein eindringlicher und überzeugender Roman, in dem es nicht nur um äußere Entwicklungen, sondern auch und vor allem um innere Werte geht. Ich habe sehr lange gelesen, da das Buch keine leichte Kost ist, dafür jedoch ein großer Gewinn, von dem ich sicher noch lange zehren werde!