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TochterAlice

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.06.2025

Alt und krank

Strandgut
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So fühlt sich der 70jährige Bucky aus Chicago schon länger und insbesondere, seit seine Frau vor einem Jahr für immer verschwand. Nein, durchgebrannt ist sie nicht, sondern gestorben und seitdem mag Bucky ...

So fühlt sich der 70jährige Bucky aus Chicago schon länger und insbesondere, seit seine Frau vor einem Jahr für immer verschwand. Nein, durchgebrannt ist sie nicht, sondern gestorben und seitdem mag Bucky auch nicht mehr dem Leben trotzen, zumal er nur noch durch Tabletten überlebt. Wenn er sich selbst mal so richtig fest in die Augen schaut, muss er gestehen, dass er gar nicht sooo krank ist. Nein, er ist süchtig und das wird immer schlimmer.

Jetzt fliegt er aber erstmal nach Yorkshire, England und zwar auf Kosten eines Veranstalters. Irgendwann, in grauer Vorzeit, hat Bucky nämlich ein paar - mehr sind es tatsächlich nicht, sie sind an einer Hand abzählbar - geschrieben und auch performed, es gibt auch Aufnahmen. In den Vereinigten Staaten kräht kein Hahn danach - aber in England gibt es ein paar Leute, die Fans von ihm sind und ihn extra für einen Auftritt rüberfliegen lassen.

Bucky war noch nie außerhalb der USA, hat noch nie das Meer gesehen und sonst auch nicht sonderlich viel - wir Leser;innen begleiten ihn auf seiner ersten Tour - wird es auch die letzte sein? Vergnüglich zu lesen ist der Roman, wenn auch ein wenig flach - keineswegs kann er mithalten mit den Vorgängern des Autors Benjamin Myers "Offene See" und "Der perfekte Kreis", die für mich wahrhaftige Offenbarungen waren. Da Myers meiner Meinung nach schreiben kann und niemals richtig schlecht ist, hat sich aber auch diese Lektüre gelohnt!

Veröffentlicht am 12.06.2025

(K)eine Modenschau in der Provence?

Provenzalisches Licht
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Cyril Fontanel ist ein bekannter Modeschöpfer, aber das reicht ihm nicht: er möchte unvergesslich werden! Nicht allein deswegen plant er eine Modenschau der ganz besonderen Art und will auch nicht davon ...

Cyril Fontanel ist ein bekannter Modeschöpfer, aber das reicht ihm nicht: er möchte unvergesslich werden! Nicht allein deswegen plant er eine Modenschau der ganz besonderen Art und will auch nicht davon lassen, als Morddrohungen gegen ihn laut werden - sehr zum Mißfallen von Ermittler Pierre Durant und einiger seiner Kollegen. Leider nicht seiner Vorgesetzten, die auf die Durchführung mit besonderer Sicherung besteht.

Ein warmherziger, wenn auch ziemlich umständlicher Krimi, den man nur lesen sollte, wenn man nicht gerade auf Diät ist. Darin werden nämlich die köstlichsten Speisen nicht nur erwähnt, sondern auch im Detail beschrieben und beanspruchen mindestens so viel Platz wie der eigentliche Kriminalfall, in dem auch in der Vergangenheit "gestochert" werden muss. Gerade dieser kulinarische Aspekt sagt mir so zu, dass ich am liebsten meinen Arbeitsplatz selbst dorthin verlegen würde, um opulente Mittagspausen zu genießen - am liebsten natürlich in Gesellschaft von Pierre Durant!

Auch wenn er für meinen Geschmack gern um ein Drittel kürzer sein dürfte, lohnt sich die Lektüre dieses Krimis unbedingt und insbesondere bei düsterem Regenwetter, denn wenn man sich dort hinein vertieft, bekommt man davon gar nichts mehr mit!

Veröffentlicht am 11.06.2025

Was zählt, ist die Vergangenheit

Mittsommer
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Ein neues Ressort im Süden von England: insbesondere wegen seiner direkten Lage am Meer und der sensationellen Aussicht ist es besonders faszinierend. Und besonders elitär: das bekommen vor allem die Dorfbewohner ...

Ein neues Ressort im Süden von England: insbesondere wegen seiner direkten Lage am Meer und der sensationellen Aussicht ist es besonders faszinierend. Und besonders elitär: das bekommen vor allem die Dorfbewohner zu spüren, die bisher selbst einen direkten Zugang zum Meer hatten. Der ihnen jetzt verwehrt bleibt, außer, sie sind als Angestellte im Ressort beschäftigt und das trifft auf die meisten zu. Wobei sie behandelt werden wie der letzte Dreck und höchstens gelegentlich einen kurzen Blick auf die Aussicht, die eigentlich die ihre sein solte, werfen können. Vom Schwimmen und Sonnen, wie sie es früher getan haben, können sie nur träumen. Und wie es aussieht, wird es für immer dabei bleiben.

Die Handlung wird aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt und enthält sowohl Darstellungen aus der Gegenwart als auch Rückblicke. Was zunächst sehr unübersichtlich zu sein scheint, erweist sich nach und nach als ausgesprochen strukturiert - mit fortschreitender Entwicklung der Handlung blickt der/die Lesende immer weiter hinter die Fassade, wobei bis zum Schluss immer wieder Überraschendes geschieht.

Ein Thriller, bei dessen Lektüre man sich ordentlich konzentrieren muss, sonst gerät man aus dem Flow und einige wichtige Zusammenhänge gehen flöten. Wenn man jedoch den Überblick durchgehend behält, wird man belohnt mit intelligenten und psychologisch dicht konstruierten Handlung ausgesprochen reich belohnt!

Veröffentlicht am 09.06.2025

Zurück geblieben?

Halbinsel
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Annett lebt auf einer Halbinsel gleich an der Ostsee; sie hat ihren Mann früh verloren. Ihre Tochter Linn ist erwachsen, erfolgreich in ihrem Beruf und braucht sie nicht mehr. Bis Annett eines Tages von ...

Annett lebt auf einer Halbinsel gleich an der Ostsee; sie hat ihren Mann früh verloren. Ihre Tochter Linn ist erwachsen, erfolgreich in ihrem Beruf und braucht sie nicht mehr. Bis Annett eines Tages von einem Krankenhaus benachrichtigt wird: Linn sei während ihrer Präsentation umgekippt und wird nun stabilisiert. Annett bricht gleich auf und nimmt Linn nach einer Woche mit nach Hause. Langsam wird deutlich, dass Linn doch nicht so selbständig ist, wie es scheint. Kann Annett ihr helfen?

Während der Lektüre gewährt Annett - bzw. Kristine Bilkau über diese Figur einen tiefen Einblick in ihre Gedanken-, Gefühls- und Alltagswelt. Wir erfahren viel über die Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens gemacht hat, über ihre Bedürfnisse und Ängste. Wie gut kennt Annett sich eigentlich selbst?

Ich empfinde diesen Roman überhaupt nicht, wie von zahlreichen Rezensenten geäußert, als langweilig, im Gegenteil passiert aus meiner Sicht eine ganze Menge. Wenn auch eher im Inneren der Figur Annett, die in dem kurzen Zeitraum, der hier geschildert wird, wächst und erkennt, dass manche Lasten auch weiterführen können. Auch solche, die sie eigentlich verunsichern. Sie ist in keiner Hinsicht zurück geblieben, sondern hat die Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten.

Ein Roman, der mir gewissermaßen eine besondere Sicht auf das Leben vermittelt und zeigt, dass es manchmal hilfreich sein kann, sich auf sich selbst zu verlassen.

Veröffentlicht am 06.06.2025

Leider nicht mein Buch

Bis unsre Seelen Sterne sind. Rilke und Lou Andreas-Salomé
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Es fiel mir sehr schwer, diese Liebesgeschichte zu verfolgen: Wahrscheinlich gerade deswegen, weil ich sie mit großer Spannung erwartet hatte. Das für mich Besondere daran: sie ist als Roman konzipiert ...

Es fiel mir sehr schwer, diese Liebesgeschichte zu verfolgen: Wahrscheinlich gerade deswegen, weil ich sie mit großer Spannung erwartet hatte. Das für mich Besondere daran: sie ist als Roman konzipiert und somit musste sich die Autorin nicht sklavisch an Fakten bzw. wirklich Bekanntes halten, wodurch eine gewisse Nähe hätte entstehen können, zumal die historischen Ereignisse, also das "Drumherum" ja für die Einbettung dieser Geschichte hätten sorgen können. Tun sie aus meiner Sicht aber überhaupt nicht, alles blieb auf weiter Distanz. Ich wollte gar keine emotionale Nähe zu den Protagonisten entwickeln, aber ich hätte mich doch gerne besser in die Szenarien eingefunden: Wo kommen sie her, was kennen sie, wie blicken andere auf sie.

Ich habe mir viel Mühe gegeben, das Gelesene als atmosphärisch zu empfinden. Leider ging es komplett an mir vorbei - schade!