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Veröffentlicht am 07.04.2020

Die Reise der ausgestopften Tiere

Die stummen Wächter von Lockwood Manor
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1939: Der zweite Weltkrieg kommt früh in England an - bald fürchtet man die Bombenangriffe der Deutschen auf London und es erfolgen diverse Evakuierungen - nicht nur die von Kindern und Jugendlichen, sondern ...

1939: Der zweite Weltkrieg kommt früh in England an - bald fürchtet man die Bombenangriffe der Deutschen auf London und es erfolgen diverse Evakuierungen - nicht nur die von Kindern und Jugendlichen, sondern auch von öffentlichen Einrichtungen wie bspw. Museen. So wird Hetty Cartwright, Kuratorin der Säugetiersammlung, damit betraut, große Teile "ihrer" Exponate, lauter ausgestopfte Tiere, in ein Herrenhaus, nämlich nach Lockwood Manor, zu evakuiren. Dort eröffnet sich eine neue Welt für sie - eine aus ihrer Sicht recht altertümliche. Der Lord ist ein unangenehmer Mensch, der ein eisernes Regiment führt, unter dem nicht zuletzt seine Tochter Lucy leidet, die sich schnell mit Hetty anfreundet. Dennoch: Hetty hat das Gefühl, dass ihr etwas verheimlicht wird.

Ein vielversprechender, überaus origineller Plot, der mich leider dennoch ziemlich enttäuscht hat, da sich die ganze Geschichte als relativ langatmig und umständlich dargestellt erwies und ich meine liebe Mühe hatte, hereinzukommen und bei der Stange zu bleiben. Hätte ich so nicht erwartet bei diesem so besonderen Thema. Schade, aber leider ein Roman, den ich nciht weiterempfehlen kann.

Veröffentlicht am 01.04.2020

Manchmal fällt es schwer, zur eigenen Stärke zu finden

Das Flüstern von Tinte auf Papier
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So geht es zumindest den Amerikanerinnen Ginny und Sophia, die einander zufällig ausgerechnet in Südengland begegnen, im beschaulichen Cornwall nämlich.

Beide befinden sich persönlich an einem Scheideweg ...

So geht es zumindest den Amerikanerinnen Ginny und Sophia, die einander zufällig ausgerechnet in Südengland begegnen, im beschaulichen Cornwall nämlich.

Beide befinden sich persönlich an einem Scheideweg und obwohl sich ihre Schicksale gewaltig voneinander unterscheiden, gibt es Gemeinsamkeiten: in beiden Fällen hat es jeweils mit einem Mann zu tun sowie mit beruflichen Aspekten. Und überraschend schnell ziehen beide an einem Strang, um Ginnys Buchladen zu retten. Der ihr allerdings nicht allein gehört, sondern gemeinsam mit ihrem Mann Garrett, der sie vor einem halben Jahr verließ, um sich selbst zu finden. Dabei gehört ihre eigene Leidenschaft dem Backen.

Anders Bücherwurm Sophia, die Buchläden liebt und in diesem ein geheimnisvolles, etwa 150 Jahre altes Tagebuch entdeckt, dass sie neugierig macht und nicht nur sie...

Ein warmherziger, nicht zu oberflächlicher Unterhaltungsroman, der deutlich macht, dass man der eigenen Kraft vertrauen, ebenso jedoch nicht die Hoffnung auf Hilfe und Liebe anderer Menschen verlieren sollte, wie hoffnungslos auch immer die eigene Situation scheinen mag.

Veröffentlicht am 29.03.2020

Leid und Pflicht der älteren Schwester

Meine Schwester, die Serienmörderin
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Ich konnte mich gleich mit Korede, der älteren Schwester von Ayoola und Ich-Erzählerin dieses Romans solidarisieren, denn auch ich habe eine jüngere Schwester. Allerdings eine, die sich trotz ihres guten ...

Ich konnte mich gleich mit Korede, der älteren Schwester von Ayoola und Ich-Erzählerin dieses Romans solidarisieren, denn auch ich habe eine jüngere Schwester. Allerdings eine, die sich trotz ihres guten Aussehens gottseidank nicht angewöhnt hat, ihre Verehrer über die Klinge springen zu lassen. Ganz im Gegensatz zur überirdisch schönen Ayoola, der es Korede zu verdanken hat, dass sie immer und immer wieder übersehen wird.

So auch von Tade, dem attraktiven Arzt aus dem Krankenhaus, in dem sie als Krankenschwester beschäftigt ist - beste Voraussetzungen dafür, die Leichen, die ihre Schwester (nicht nur) im Keller hat, verschwinden zu lassen. War bisher kein Problem, weil sie die Männer ihrer Schwester kaum kannte. Aber Tade - den wollte sie doch für sich selbst haben! Doch nachdem Ayoola sie in der Klinik besucht, hat sie keine Schnitte!

Es gibt nur einen, dem sie ihr Leid klagen kann - einen Komapatienten in der Klinik. Er ist ihr Vertrauter, denn sonst kann sie mit niemandem sprechen. Auch nicht mit Ayoola, die die Unterstützung ihrer Schwester als selbstverständlich nimmt. Mehr als selbstverständlich.

Hört sich nach totalem Klamauk an. Oder aber nach hartem Thriller. Nun, dieser Roman beinhaltet Elemente beider Genres, jedoch nur in Auszügen. Denn es ist auch oder vor allem - ganz wie es jeder Leser für sich interpretiert - ein gesellschaftskritischer Roman und dazu der einer nigerianischen Autorin. Einer, der die Geschicke der Frauen offenbar besonders am Herzen liegen. Denn Oyinkan Braithwaithe lässt hier tief blicken, was das Leben der Frauen, ihre Stellung in Nigeria angeht. Und sie lässt auch durchblicken, was sie diesen Frauen wünscht. Ein besonderer Roman, der allerdings ab und an ein bisschen zu luftig-leicht rüberkam.

Veröffentlicht am 29.03.2020

Sozusagen auf eigenen Wunsch

Die Verwandelten
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verwandeln sich die beiden Teenager Fibi (Mädchen) und Aram (Junge) aus einem kleinen Kaff in Mecklenburg-Vorpommern in Waschbären, indem sie eine entsprechende Anleitung aus dem Internet verfolgen. Dazu ...

verwandeln sich die beiden Teenager Fibi (Mädchen) und Aram (Junge) aus einem kleinen Kaff in Mecklenburg-Vorpommern in Waschbären, indem sie eine entsprechende Anleitung aus dem Internet verfolgen. Dazu muss man vielerlei Beeren eingewickelt in ein gewisses Blatt essen und sich in einer für Autos gedachten Waschanlage "spülen" lassen.

Gesagt, getan! Und tatsächlich... es sitzen zwei Waschbären dort, wo eben noch Fibi und Aram waren. Die installierte Kamera dokumentiert das. Fibi kann zumindest noch sprechen wie sie selbst, doch Aram fehlen die Worte - nur noch mit seiner Mitstreiterin Fibi kann er kommunizieren.

Beide kehren zurück ins jeweilige Elternhaus, wo die Reaktionen sich nicht stärker unterscheiden könnten. Fibis Vater, der nebenberuflich ehrenamtlicher Bürgermeister des heimischen Kaffs ist, hat gleich die Idee, etwas zu vermarkten. Die Mutter, eine Psychotherapeutin, reagiert da ganz anders - und Arams Eltern sowieso. Vor allem, als sich herausstellt, dass es offbar kein Zurück ins Menschenleben gibt.

Ein spritziger Roman, der sich einerseits an Kafkas berühmter Käfergeschichte orientiert, andererseits jedoch sowohl Internet als auch Marketing kräftig auf die Schippe nimmt. Aus meiner Sicht hat Thomas Brussig, dessen Werke ich bereits seit Jahrzehnten mit Begeisterung lese ("Am kürzeren Ende der Sonnenallee" ist mein absoluter Favorit), hier eine Menge Potential ungenutzt gelassen - einige Ansätze sind mir nichts, dir nichts einfach so verpufft und es gab sogar - kaum vorstellbar bei diesem Plot - die ein oder andere Länge. Zumindest für mich. Also nur bedingt empfehlenswert, wobei das nur meine persönliche Meinung ist!

Veröffentlicht am 20.03.2020

Tanzen außerhalb der Norm

Die Tanzenden
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Das tun nicht nur die Protagonistinnen dieses Romans, nämlich Eugénie und Louise, sondern auch viele andere Charaktere: sie sind nämlich eingesperrt in der Salpetrière in Paris, einem Krankenhaus, ...

Das tun nicht nur die Protagonistinnen dieses Romans, nämlich Eugénie und Louise, sondern auch viele andere Charaktere: sie sind nämlich eingesperrt in der Salpetrière in Paris, einem Krankenhaus, das man lange als "Irrenhaus" bezeichnet hat und heute vielleicht psychiatrische Klinik nennen würde: einem, an dem bekannte Spezialisten wirken wie zum Beispiel Charcot, La Tourette und Babinski und einen Forschungserfolg nach dem anderen generieren. Und sie führen ihre Forschungsobjekte, die "verrückten" Frauen, auch gerne vor, auf regelmäßigen von vorzugsweise gut betuchten Herren gut besuchten Veranstaltungen. Am wichtigsten jedoch ist der Ball an Mittfasten, der für die Pariser eine große Belustigung, für die Patientinnen jedoch der wichtigste Tag im Jahr ist: einer, an dem sie sich mit Stolz dem Publikum präsentieren, in der Hoffnung wirklich gesehen zu werden.

Denn sie sind weggesperrt worden, weil sie anders sind. In vielen, ja den meisten Fällen, von denen, die ihnen am nächsten stehen - Väter, Brüder oder auch Ehemänner. Denn man schreibt das Jahr 1885 und die Frau hat nichts - ich korrigiere - weniger als nichts zu melden. Deswegen sind die meisten der Patientinnen auch nicht nach heutigem Verständnis psychisch krank, sondern haben einen eigenen Willen bzw. ein Wissen, von dem sich die Männer bedroht fühlen. Oder jedoch sie stören sie in anderer Hinsicht.

Ein Buch, das für die gequälten, unterdrückten und weggesperrten Frauen des 19. Jahrhunderts geschrieben wurde. Ein eindringliches Werk, das jedoch leider meine Erwartungen in vielerlei Hinsicht nicht erfüllen konnte. Vor allem, weil Eugénie paranormale Kräfte zugeschrieben werden - etwas realistischeres bzw. handfesteres wäre mir lieber gewesen.

Aus meiner Sicht ein Buch, das man lesen kann, aber nicht muss. Ich habe schon faszinierendere Werke zu diesem Thema gelesen, allen voran "Runa" von Vera Buck, ein Roman, den ich allen, die sich für dieses Thema interessieren, ans Herz lege!