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Veröffentlicht am 23.12.2019

Morden wie im Märchen

Rapunzel, mein (Ein Grall-und-Wyler-Thriller 2)
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Die Ermittler der Reihe des Autors Lars-Erik Schütz haben es hart getroffen: während im ersten Fall (Alphabetmörder) der Profiler Jan Grall so stark involviert war, dass er im Anschluss suspendiert wurde, ...

Die Ermittler der Reihe des Autors Lars-Erik Schütz haben es hart getroffen: während im ersten Fall (Alphabetmörder) der Profiler Jan Grall so stark involviert war, dass er im Anschluss suspendiert wurde, trifft es diesmal seine ehemalige Mitarbeiterin, die Schweizerin Rabea Wyler, die inzwischen auf seinem Posten sitzt - nicht freiwillig, denn sie hat die Fähigkeiten des ehemaligen Kollegen in der kurzen Phase der Zusammenarbeit zu schätzen gelernt und hätte ihn zu gern an ihrer Seite.

Rein zufällig gerät sie nämlich an einen Fall, der sie stark an den ihrer vor Jahren verschwundenen Schwester erinnert. Es geht um die Faszination des Entführers bzw. Mörders für langes, blondes Haar. Rabea hegt immer noch die Hoffnung, dass iMarie noch leben könnte - eigentlich glaubt da niemand mehr so richtig dran, nicht einmal ihre Eltern. Die haben sich nach der Tragödie getrennt und führen jeweils eigene Leben.

Aber zurück zum Rapunzel-Mord, wie der Fall genannt wird, der Rabea nach Deutschland und zwar ins Ruhrgebiet und nach Düsseldorf führt - ganz auf sich gestellt. Oder kann sie sich doch auf Jan Grall verlassen?
Ein kraftvoller und ungewöhnlicher Thriller mit starken Charaktern, Manchmal wirkt alles ein bisschen zu überladen und zu dicht - zu viele Figuren, zu viele Erzählstränge - und einiges ist auch einfach unlogisch. Dennoch hat mich dieser Thriller in seiner Intensität durchaus fasziniert. Für Leser, die gern für ein Weilchen im Bösen versinken, um dann vom Autor rechtzeitig wieder daraus befreit zu werden

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Veröffentlicht am 21.12.2019

Die alte Geschichte

Mr. Booker und ich
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Blutjunge, liebesbedürftige Frau, eigentlich ein junges Mädchen noch, mit altem verheirateten Knacker. Wobei Mr. Booker, wie die 16jährige Martha, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird, in den ...

Blutjunge, liebesbedürftige Frau, eigentlich ein junges Mädchen noch, mit altem verheirateten Knacker. Wobei Mr. Booker, wie die 16jährige Martha, aus deren Sicht die Handlung geschildert wird, in den 30ern ist - für sie ist er dennoch steinalt. Beziehungsweise erwachsen. So jung, wie sie ist, ist der Altersunterschied dennoch extrem.

Hier kommt noch eine Facette hinzu: Martha hat von früh auf die ausgesprochen schwierige, nun gerade gescheiterte Ehe ihrer Eltern miterlebt und ihrer ausgesprochen konfliktscheuen und leidensfähigen Mutter beigestanden. Obwohl sie ganz schön verliebt ist, klingen ihre Schilderungen pragmatisch - das Kind hat schon einiges vom Leben gesehen, vor allem Enttäuschungen. Manchmal - eigentlich oft - wirkt sie erwachsener als Mr. Booker.

In lakonischem Stil, der vor allem dann aufweicht, wenn es um ihren eigenen Vater geht, erzählt Martha von ihrer ersten Liebe. Und damit quasi unbeabsichtigt bzw. von ihr selbst unbemerkt von ihrem eigenen Erstarken. Obwohl ich dieses Buch gar nicht besonders gern gelesen habe - ich bin eigentlich kein Fan von Lolitageschichten Mr. Bookers Verhalten ging mir ziemlich auf die Nerven - hat es mich doch auf eine bestimmte Art fasziniert. Man kann es nämlich auch als Ode an die Kraft der Frau lesen - wenn man sich auf Martha einlässt. Ein eigenartiges und auf seine Art einzigartiges Werk.

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Veröffentlicht am 13.12.2019

Feiern wie unsere Nachbarn im Westen

Weihnachten in Amsterdam
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Ein Kochbuch mit Weihnachtsrezepten aus Amsterdam: das klang verlockend. Ich wohne unweit der niederländischen Grenze und kenne somit unsere westlichen Nachbarn ganz gut. Sie sind mir als herzlich, pragmatisch ...

Ein Kochbuch mit Weihnachtsrezepten aus Amsterdam: das klang verlockend. Ich wohne unweit der niederländischen Grenze und kenne somit unsere westlichen Nachbarn ganz gut. Sie sind mir als herzlich, pragmatisch und unkompliziert bekannt. Und manchmal sind sie auch ein ganz kleines bisschen plump. Naja, einige wenige.

Genauso offenbaren sich diese Rezepte, wobei das Unkomplizierte leider ein bisschen kurz kommt.

Aber erst einmal zum optischen Eindruck: der ist ganz große Klasse, das Buch enthält nicht nur Rezeptfotos, sondern auch Eindrücke vom winterlichen, Verzeihung, weihnachtlichen Amsterdam. Und von dessen Umgebung und die sind wirklich sehr gelungen. Also ist schonmal das "Outfit" absolut top.

Da ich jedoch ebenfalls sehr dem Pragmatismus anhänge (wenn auch ein bisschen anders als die Niederländer), ging es mir vorrangig dann doch um die Rezepte und ich war sehr froh, dass es auch einen Teil mit festlichen Frühstücksrezepten gab, wo ich so etwas wie schnelle Hefeteilchen, Eierrezepte und aufgepeppte Müslis erwartet hätte. Fehlanzeige: Schokocrossis, Wurstrollen, Mincepies und überaus opulente und kompliziert anzufertigende Wurstschnecken riefen in mir eine leichte Enttäuschung hervor.

Einige Rezepte, die mich zumindest halbwegs überzeugten gab es schon wie eine herzhafte Variante der armen Ritter(die ist richtig gut) und Cranberry-Brötchen (für meinen GEschmack nur ein bisschen zu kompliziert).

Insgesamt gibt es wenig Rezepte, die für mich Assoziationen zu Weihnachten hervorrufen, was ja an und für sich nicht so schlimm ist. Aber es gibt kaum Vorschläge zu sinnvollen Alternativen, vieles ist sehr mächtig und auch nicht ganz preiswert, auch sind einige Zutaten schwer zu bekommen. Ich hatte den Eindruck, die Autorin orientiert sich an angelsächsischen Traditionen, wobei ich aber nicht weiß, ob das möglicherweise üblich ist in den Niederlanden.

Ein umfassendes, auch interessantes Buch, das mich selbst in meinen Weihnachtsvorbereitungen leider nur wenig voran brachte!

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Veröffentlicht am 12.12.2019

Weihnachten mit Schwung?

Swinging Bells
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Sandra und Thomas, ein (ungewollt) kinderloses Ehepaar hat sich an Weihnachten bisher immer komplett nach den anderen gerichtet: ihre Eltern, seine Eltern - immer hatte etwas Vorrang. Diesmal ergreifen ...

Sandra und Thomas, ein (ungewollt) kinderloses Ehepaar hat sich an Weihnachten bisher immer komplett nach den anderen gerichtet: ihre Eltern, seine Eltern - immer hatte etwas Vorrang. Diesmal ergreifen sie eine Gelegenheit, es nach dem eigenen Geschmack zu gestalten und Zack! klingelt es an der Tür.

Nicht ganz unerwartet, zugegebenermaßen, denn jemand wollte das Doppelbett, dass das Paar schon seit Monaten anbietet, ausgerechnet am Heiligen Abend abholen. Nicht ganz passend - aber man ist ja sowieso zu Hause.

Das Paar, das ankommt, macht allerdings keine Anstalten, schnell wieder zu gehen, ob mit oder ohne Bett. Statt dessen trinken sie die Weinvorräte aus und vernichten das eher bescheidene, aber leckere Mahl des Paares.

Erst viel später löst sich die Sache auf - und ich muss sagen, nicht ganz nach meinem Geschmack. Weihnachtlich wurde mir dabei ganz und gar nicht, das hat aber mit meinen sehr persönlichen Ansprüchen zu tun. Ich kann mir vorstellen, dass viele es ganz anders sehen. Mir war es ein wenig zu süffisant, ein wenig zu schlüpfrig (auch wenn es das wohl gerade nicht sein sollte) und dann doch zu wenig schräg. Aber das liegt im Auge des Betrachters - werfen Sie doch selbst einen Blick in das Buch

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Veröffentlicht am 12.12.2019

Eine ganz besondere (Weihnachts)Geschichte!

Tanz mit mir, Aurelia
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Wir befinden uns in England in einer sehr düsteren Zeit, nämlich der des Bücherkrieges zu Cromwells Zeiten. Die Puritaner sind an der Macht und verbieten alles, was Freude und Ausgelassenheit bringt. Nur ...

Wir befinden uns in England in einer sehr düsteren Zeit, nämlich der des Bücherkrieges zu Cromwells Zeiten. Die Puritaner sind an der Macht und verbieten alles, was Freude und Ausgelassenheit bringt. Nur dann - so ihre Überzeugung - lässt sich der wahre christliche Glaube durchsetzen. Nicht einmal Weihnachten darf gefeiert werden bzw. müssen das die Menschen heimlich tun.

Es gibt also zwei Seiten, beide stehen aus ihrer Sicht für den wahren Glauben ein. In dieser Zeit trifft Aurelia, Tochter eines Handwerkers, der dem herkömmlichen christlichen Glauben anhängt, auf John, der durch seinen Onkel, einen Anhänger Cromwells, bei dem er lebt, den Puritanismus präsentiert. John kommt als Wasserträger in Aurelias Haus, die beiden jungen Menschen sind sehr schnell voneinander fasziniert. Vor ihren Familien können sie das nicht verheimlichen und wollen das auch gar nicht, doch beide Seiten billigen diese Verbindung ganz und gar nicht. Doch so schnell geben Aurelia und John nicht auf!

Letztendlich zeigt sich, dass beide Seiten auf ihre Weise Recht, aber eben auch Unrecht haben. Jede Seite verhält sich mal richtig, mal falsch. So habe ich es als Leserin empfunden und genau das hat mir sehr gut an dem Roman gefallen. Obwohl sehr kurz, ist er unheimlich dicht und alles andere als eine oberflächliche (Weihnachts) Lektüre.

Mir hat sie einmal mehr gezeigt, dass Krieg uns nicht weiter bringt und dass es wichtig ist, dass wir uns alle im Wunsch nach Frieden vereinen - und dass unterschiedliche Meinungen nebeneinander existieren können. Oft ist es nicht anders möglich, als Kompromisse zu finden. Auch in diesem Roman wird das deutlich und er endet mit einem besonders machtvolles Zeichen für den Frieden. Sie dürfen gespannt sein. Ein sehr besonderes Weihnachtsbuch - und aus meiner Sicht gerade in den Zeiten des Brexit, der uns nun schon im vierten Jahr begleitet, ein sehr passendes!

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