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Veröffentlicht am 04.11.2023

mörderische Liebessehnsucht

Meine Männer
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Die 17-jährige Norwegerin Brynhild arbeitet als Magd auf einem Bauernhof und glaubt, der Hoferbe liebt sie. Als sie ihm freudig erzählt sie sei schwanger, tritt er sie, tötet das Kind in ihr und verletzt ...

Die 17-jährige Norwegerin Brynhild arbeitet als Magd auf einem Bauernhof und glaubt, der Hoferbe liebt sie. Als sie ihm freudig erzählt sie sei schwanger, tritt er sie, tötet das Kind in ihr und verletzt sie schwer an Körper und Seele. Dies ist der fiktive Beginn der Geschichte um die real existierende Massenmörderin. Sie verlässt in jungen Jahren Norwegen, ihre Schwester Nellie nimmt sie in Chicago auf und besorgt ihr eine Arbeitsstelle. Kurz darauf trifft Brynhild, die sich inzwischen Bella oder Belle nennt, auf den aus Norwegen stammenden Mats Sorenson. Sie erhofft sich Halt und Liebe bei ihm, sie heiraten und leben ein paar Jahre zusammen, bis Mats eines plötzlichen Herztodes erliegt. Durch den Tod ihres Mannes ist Belle nun vermögend, die Gerüchte des seltsamen Ablebens veranlassen Belle die Stadt zu verlassen und eine Schweinefarm in La Porte zu kaufen. Kurz danach heiratet sie erneut.
Der Schreibstil von Victoria Kielland hat mich stark beeindruckt. Man braucht erst ein paar Seiten um sich darauf einzulassen, dann wird man jedoch sogartig in die Handlung hineingezogen. Psychologisch hoch interessant weiß man als Leser nicht ob man Mitleid mit einer nach Liebe sehnenden Frau haben soll oder es sich um eine männermordenden Psychopathin handelt.

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Veröffentlicht am 02.10.2023

Island im Wandel

60 Kilo Kinnhaken
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Im zweiten Band der Reihe um den fiktiven Ort Segulfjördur im Norden Islands steht erneut Gestur im Mittelpunkt des Geschehens. Im Jahr 1906 ist er inzwischen 19 Jahre alt und seine Gedanken und bald auch ...

Im zweiten Band der Reihe um den fiktiven Ort Segulfjördur im Norden Islands steht erneut Gestur im Mittelpunkt des Geschehens. Im Jahr 1906 ist er inzwischen 19 Jahre alt und seine Gedanken und bald auch Taten kreisen um das weibliche Geschlecht. Insgesamt ist das Leben und Lieben in dem Ort recht offenherzig, Leidenschaft ist wichtiger als Treue. Dafür kümmert man sich umeinander, so wie Lasi ein Ziehvater für den Waisen Gestur wurde, ist Gestur wie ein Vater für den kleinen, einäugigen Olgeir. Der Ort lebt vom Hering, man fährt mit Booten aufs Meer und folgt den Schwärmen. Jahrelang gab es gute Fangquoten und dieses zog ausländische Investoren an, größtenteils Norweger.
Das Leben der Isländer verändert sich, es werden stabilere Häuser gebaut, Fabriken, nach dem Telefon gibt es auch noch elektrisches Licht. Auch Gestur möchte an dem Fortschritt teilhaben und geht einen Deal ein.
Neben dem harten Leben der Isländer, dem Fang und Verarbeitung des Herings wird uns die Kultur und die Sagen näher gebracht. Vielleicht an manchen Stellen ein wenig zu ausschweifend. Hingegen gefällt mir ganz besonders der Schreibstil mit einer außergewöhnlichen Wortwahl und -findung.

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Veröffentlicht am 02.10.2023

optisch und informativ sehr gut

Das NABU-Vogelbuch
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Das Buch über unsere heimische Vogelwelt ist optisch wie informativ eine Bereicherung. Bei der Einführung wird eine gelungene Gartengestaltung für mehr Vögel im eigenen Garten erläutert und wie wir für ...

Das Buch über unsere heimische Vogelwelt ist optisch wie informativ eine Bereicherung. Bei der Einführung wird eine gelungene Gartengestaltung für mehr Vögel im eigenen Garten erläutert und wie wir für das Wohl der gefiederten Freunde sorgen können. Alle in unseren Breiten vorkommenden Vogelarten werden ausführlich mit Fotos und Grafiken beschrieben. Ihre Lebensweise, ihr Brutverhalten und ihr Lebensraum werden detailliert und leicht verständlich erzählt. Auch der Klimawandel und die Veränderungen die es für unsere Vögel bedeutet, werden angesprochen. Als ein besonderes Extra gefällt mir die herunter zu ladende Kosmos App mit den Vogelstimmen, die bei einer Bestimmung sehr hilfreich ist.
Das Sachbuch ist nicht gerade günstig, meiner Meinung nach den Preis auf jeden Fall wert. Die Aufmachung und Gliederung, die umfassende Beschreibung aller Vögel und viel Extrainformation außergewöhnlich gut gemacht.

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Veröffentlicht am 02.10.2023

besonderes Abschiednehmen

Die Butterbrotbriefe
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Nachdem die fast 40-jährige Kati Waldstein ihre Mutter beerdigt hat beschließt sie, das sie ihr Heimatdorf verlassen will. Endlich mal nicht mehr fremdbestimmt sein, endlich frei und die Welt sehen können. ...

Nachdem die fast 40-jährige Kati Waldstein ihre Mutter beerdigt hat beschließt sie, das sie ihr Heimatdorf verlassen will. Endlich mal nicht mehr fremdbestimmt sein, endlich frei und die Welt sehen können. Ihr Vater ist schon seit längerem tot, was sie von ihm noch besitzt ist ein heruntergekommenes, hoch verschuldetes Kino und eine Sammlung von gebrauchten Butterbrotspapieren. Diese nutzt sie nun für Abschiedsbriefe, die auch eine Abrechnung beinhalten. Bei ihrer Grundschullehrerin rechnet sie mit der Nichtempfehlung fürs Gymnasium ab, die sie ihrer Meinung nach verdient hatte. Ihrem Exmann liest sie seine Ignoranz vor, der Verkäuferin, wie sie selbstlos hilfsbereit war. Die Reaktionen, die sie erhält werfen ein völlig neues Licht auf ihre Mutter und wie diese in Katis Leben eingegriffen hat. Auch bei ihrer Berufswahl, sie arbeitet in der Stadtverwaltung, obwohl sie lieber Friseurin geworden wäre. Jeden Samstag verbringt Kati auf dem Wochenmarkt um Obdachlosen die Haare zu schneiden. Dort trifft sie auf Severin, der sich von der Welt zurückgezogen hat und nun durch Kati, die er für sein Schicksal hält, wieder am Leben teilhaben will.
Manche dieser Briefe und Personen wirken überzogen, nicht immer glaubhaft und das von der Mutter bestimmte Leben hätte Kati durchaus ändern können, wenn sie ernsthaft gewollt hätte. Alles wirkt ein wenig halbherzig, viel in schwarz-weiß Malerei. Zum Wegschmökern bestens geeignet, viel Tiefgang sollte man nicht erwarten.

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Veröffentlicht am 02.10.2023

gewollte und ungewollte Kinder

Wie ein Stern in mondloser Nacht
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Henni Bartholdy ist eine intelligente junge Frau, sie besucht das Gymnasium. Sie lebt im Berlin der 50er Jahre mit ihrer als Putzfrau arbeitenden Mutter und ihrem kleinen, lungenkranken Bruder. Als sie ...

Henni Bartholdy ist eine intelligente junge Frau, sie besucht das Gymnasium. Sie lebt im Berlin der 50er Jahre mit ihrer als Putzfrau arbeitenden Mutter und ihrem kleinen, lungenkranken Bruder. Als sie ihre Mutter bei der Putzstelle der von Rothenburgs vertreten musste, traf sie auf Ed, etwas älter als sie, der sich benahm wie ein reicher Schnösel, doch mit der Zeit wurden die aus so unterschiedlichen Schichten angehörenden ein Paar. Bis Henni schwanger wurde und das Kind nicht geboren werden durfte und Ed nach Cambridge zum Studium verschwand. Für Henni stand nun fest, sie wollte Hebamme werden. Nicht alle Mütter freuten sich auf ihre Kinder, immer wieder fand man Neugeborene tot in einer Mülltonne. Henni will etwas tun, gegen das Leid der Mütter und die vielen toten Babys.
Im Jahr 2000 ist die Journalistin Liv auf der Suche nach ihrer eigenen Vergangenheit, sie wurde adoptiert und vermutet, das ihr Leben mit dem von Henni zusammenhängt.
Die Unterdrückung der Frauen, Männer, die über das Leben der Frauen bestimmten und wie sie zu gebären hatten, bestimmt diesen Roman, um Kinder, nach denen man sich sehnt und solchen, die unerwünscht sind, man sich jedoch strafbar macht, wenn man sie weggibt. Ein hochinteressantes Thema, die nur durch die Liebesgeschichte mit Ed manchmal etwas kitschig wurde.

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