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Veröffentlicht am 19.09.2023

flapsige Wortwahl

Sylter Welle
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Der Autor Max Richard Leßmann beschreibt in diesem Buch das Zusammentreffen mit seinen eigenen Großeltern auf Sylt. Vielleicht verbringen sie zum letzten Mal eine Auszeit auf der Insel, auf der sie viele ...

Der Autor Max Richard Leßmann beschreibt in diesem Buch das Zusammentreffen mit seinen eigenen Großeltern auf Sylt. Vielleicht verbringen sie zum letzten Mal eine Auszeit auf der Insel, auf der sie viele Campingurlaube verbrachten. Max erinnert sich an die sauren Apfelringe, die Oma Lore immer zum Empfang mit dabei hatte. Er erinnert sich an die schönen Momente wie auch an die schrecklichen Eigenschaften von Oma Lore und Opa Ludwig. Sein Vater und die beiden Onkel werden in die Geschichten mit einbezogen.

Immer wieder, oft mitten im Satz, wechselt die Handlung von der Gegenwart in die verschiedensten Vergangenheitszeiten. Manchmal kann man dem folgen, oft genug leider nicht. Gelegentlich blitzt eine interessante Geschichte auf, die jedoch nicht weiter verfolgt wird. Die Wortwahl wir auch der Schreibstil sind mir zu flapsig, die abgehackten und schwer zu folgenden Episoden erschweren das Lesen. Vielleicht bin ich zu alt für diesen Schreibstil, das Buch traf nicht meinen Geschmack.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Sprachlosigkeit zwischen Mutter und Tochter

Bei euch ist es immer so unheimlich still
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Als alleinerziehende Mutter in einer chaotischen Berlin Wohngemeinschaft fühlt sich die 33-jährige Silvia Borowski nicht mehr wohl. Sie packt ihr Baby Hannah in das entwendete Auto ihres Mitbewohners und ...

Als alleinerziehende Mutter in einer chaotischen Berlin Wohngemeinschaft fühlt sich die 33-jährige Silvia Borowski nicht mehr wohl. Sie packt ihr Baby Hannah in das entwendete Auto ihres Mitbewohners und fährt, nach vielen Jahren Abwesenheit, zu ihrer Mutter Evelyn in die schwäbische Kleinstadt Ildingen. Wir erleben die Fahrt im Sommer 1989 über die Transitstrecke mit all ihren Schwierigkeiten. Zuhause findet sie eine verwahrloste Mutter und Wohnung vor. Ausgerechnet ihre Mutter, die immer Wert auf ihr Äußeres und darauf, was die Leute sagen, gelegt hat. Sie selbst hatte nie ein gutes Verhältnis zu ihrer Mutter, kann es nun durch die kleine Enkelin besser werden?
Neben der Handlung aus dem Jahr 1989 gibt es immer wieder Rückblenden in die 1950er Jahre, als Evelyn mit ihrem abgeschlossenen Medizinstudium in Ildingen Fuß fassen wollte. Karl, ihr Mann war ebenfalls Arzt und selbstverständlich wurde er immer bevorzugt. Als Silvia zur Welt kam war ein weiteres arbeiten im Krankenhaus für Evelyn unmöglich und obwohl sie ihre Tochter liebte, war sie ihr auch eine Last.
Der Arzthaushalt war immer von Ruhe geprägt, erfolgreich zu sein wurde auch von der lernschwachen Silvia erwartet, die den Tag lieber träumend verbrachte oder bei der Nachbarsfamilie, die arm und kinderreich war, bei denen jedoch immer ein Platz für sie war. Nun, 1989, wird es endlich Zeit für eine Aussprache.
Die Handlung ist lebhaft und spannend, die Personen so gut beschrieben, dass man sich in jede hineinversetzen kann, es gibt kein schwarz-weiß, alles hat zwei Seiten. Es werden Ereignisse erzählt, die man selbst so oder ähnlich auch hätte erleben können.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

viele Fragen

Tasmanien
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Nach einem abgebrochenem Physikstudium ist Paolo inzwischen als Journalist tätig und zur Weltklimakonferenz nach Paris eingeladen worden. Er trifft seinen Freund und Exkommilitonen Giulio wieder, der nach ...

Nach einem abgebrochenem Physikstudium ist Paolo inzwischen als Journalist tätig und zur Weltklimakonferenz nach Paris eingeladen worden. Er trifft seinen Freund und Exkommilitonen Giulio wieder, der nach der Trennung Probleme hat, seinen Sohn sehen zu dürfen. Durch Kontrakte trifft Paolo in Paris auf den renommierten Wolkenforscher Novelli, der anhand von Wolkenveränderungen den Klimawandel erklärt. Die beiden freunden sich an und planen gemeinsame Projekte. Zurück in Rom muss sich Paolo seinem privatem Problem stellen, seine deutlich ältere Frau Lorenza will alle medizinisches Bemühungen zu einer Schwangerschaft einstellen, das Verhältnis des Paares ist in der Krise. Da kann auch der Priester Karol nicht weiterhelfen, der steckt selbst in einem Dilemma. Er hat sich in die sehr junge Elisa unsterblich verliebt.
Der Roman will viel, nach meiner Ansicht zu viel. Es geht um private Probleme wie ungewollte Kinderlosigkeit, die Rechte eines Vaters bei einer Scheidung, das Zölibat, große Altersunterschiede zwischen Ehepartnern, Fremdgehen, Freiheiten und Gruppensex. Politische und gesellschaftliche, der Klimawandel, die Auswirkungen der Atombombenabwürfe in Japan, den Terrorismus, das Machotum und die Benachteiligung von Frauen, in diesem Fall in Universitäten. Länder und Orte werden vorgestellt, bis auf Tasmanien selbst, der als eine besonders sichere Insel in Krisenzeiten gilt.
Der Roman spricht viele Themen an, er stellt Fragen, er hat jedoch für nichts eine Antwort oder Anregungen für eine Verbesserung.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

lukrativer Schmuggel von Glasaalen

Die Spur der Aale
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Die Staatsanwältin Greta Vogelsang hat Bereitschaftsdienst als sie zu einem Leichenfund gerufen wird. Der Tote ist der sm Frankfurter Flughafen arbeitende Zollfahnder Lars Mathissen. Direkt deutet nichts ...

Die Staatsanwältin Greta Vogelsang hat Bereitschaftsdienst als sie zu einem Leichenfund gerufen wird. Der Tote ist der sm Frankfurter Flughafen arbeitende Zollfahnder Lars Mathissen. Direkt deutet nichts auf Mord, eher Unfall oder sogar Selbstmord, da erst kürzlich Lars Frau an Krebs starb. Die Ermittlungen wurde nun an die entsprechende Abteilung weitergeleitet, Greta hat offiziell nichts mehr mit dem Fall zu tun, und dennoch lässt er sie nicht los. Mathissen hätte sich nicht selbst getötet, er hat sich in seine Arbeit verbissen und war einer Bande von Schmugglern auf der Fährte. Von Frankreich über Deutschland nach Hongkong gibt es einen florierenden und verbotenen Handel von Glasaalen, Noch ganz jungen durchscheinenden Aalen. Von den wichtigen Abteilungen der Staatsanwaltschaft wird die Arbeit von Greta in der Bekämpfung von Schmuggel belächelt, bis es eskaliert.
Der Kriminalroman um eine Staatsanwältin ist mal etwas anderes, so gesehen eine Bereicherung. Es ist der erste Band eine geplanten Serie, dennoch liest es sich so als wäre einem schon manches entgangen. Personen, wie der Journalist Robert werden kurz vorgestellt, eine gemeinsame Vergangenheit haben die Beiden wohl, diese wird nicht näher erläutert. Auch Mitarbeiter aus der Staatsanwaltschaft scheinen Vorgeschichten zu haben, nur welche? Privates wird mit eingewoben, doch die Protagonisten bleiben blass. Die Handlung ist vorhersehbar und es gibt eine klare Abgrenzung von gut und böse. Von Interesse und völlig neu war für mich überhaupt vom lukrativen Schmuggel von Aalen zu lesen.

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Veröffentlicht am 01.09.2023

Mary Pats Rache

Sekunden der Gnade
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In einer Kleinstadt nähe Boston brodelt es im Jahr 1974. Nach einem Gerichtsbeschluss soll die Rassentrennung in den Schulen fallen, schwarze Kinder sollen in von weißen bewohnten Vierteln zur Schule fahren ...

In einer Kleinstadt nähe Boston brodelt es im Jahr 1974. Nach einem Gerichtsbeschluss soll die Rassentrennung in den Schulen fallen, schwarze Kinder sollen in von weißen bewohnten Vierteln zur Schule fahren und andersherum. Das will sich die weiße Bevölkerung nicht bieten lassen, überall gibt es Protestaktionen, man geht auch gegen Politiker vor. In diesem Viertel lebt auch Mary Pat, verwitwet und geschieden, mit ihrer 17-jährigen Tochter Jules. Ihren Sohn hat sie bereits beerdigen müssen, nach dem Vietmankrieg kam er verändert zurück, den Tod brachten ihm die Drogen. Die sind in diesen von armen und abgehängten Menschen weit verbreitet, es gibt eine Organisation zur Verbreitung. Zu Jules hat Mary Pat den Zugang verloren, aber als sie eines abends nicht nach Hause kommt weiß sie sofort, das etwas Schreckliches passiert ist. Mary Pat hat sich bereits als Kind wehren müssen, sie ist eine Kämpferin, nun richtet sich ihr Kampf gegen die, die für den Tod ihres Kindes verantwortlich sind. Der Polizist Bobby Coynes unterstützt sie doch sie weiß, das Gesetz hilft ihr nicht.
Die brodelnde Atmosphäre zu Beginn der Aufhebung der Rassentrennung, das Viertel mit größtenteils armen Weißen und deren Gefühl des Abgehängtseins wird sehr gut und nachvollziehbar geschildert. Die Aktualität ist beängstigend. Die Charaktere aller Protagonisten werden vielschichtig erzählt, gut und böse wechseln und nicht jeder ist auf Anhieb das, was man zu Beginn des Romans glaubt. Seht aktuell, spannend und enorm lesenswert.

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