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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 09.06.2026

Ein komplexer Krimi

Der Tote auf dem Kniepsand
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In ihrem 13. Fall werden HK Lena Lorenzen und ihre Kollegin Naya Olsen abermals nach Amrun geschickt, um den Tod von Dennis Claasen zu untersuchen, der möglicherweise etwas mit angeschwemmten Drogenpaketen ...

In ihrem 13. Fall werden HK Lena Lorenzen und ihre Kollegin Naya Olsen abermals nach Amrun geschickt, um den Tod von Dennis Claasen zu untersuchen, der möglicherweise etwas mit angeschwemmten Drogenpaketen zu hat. Recht bald entdecken die beiden Ermittlerinnen, dass es im Leben des Toten einige Ungereimtheiten gibt. Zum einen scheint er zahlreiche Liebschaften auch mit verheirateten Frauen zu unterhalten und zum anderen hat er mit seinen drei Geschwistern Haus und Grundstück geerbt, um dessen Verkauf nun gestritten wird. Um seine Geschwister auszahlen zu können, reicht sein Verdienst als Mädchen für alles im Yachthafen nicht aus.

Als wenig später in Claasens Haus eingebrochen wird und verwüstet wird, deutet alles darauf hin, dass der Tote in die Drogengeschäfte involviert war. Doch wer sind die Drahtzieher? Oder ist alles ganz anders?

Meine Meinung:

Anna Johannsen schafft es, auch im 13. Fall den Spannungsbogen hoch zu halten. Neben dem oft mühsamen Ermittleralltag, der durch Bürokratie, Rivalitäten zwischen Ordnungspolizei und Kriminalbeamten sowie auf ihre Karriere bedachten Staatsanwälte nicht unbedingt erleichtert wird, gibt es für Lena und Naya doch immer wieder Kolleginnen und Kollegen, die durch unbürokratisches Handeln für Lichtblicke sorgen. Manches Macho-Gehabe des einen oder anderen Kollegen soll nur die Angst vor der Nordsee verbergen, die man(n) nicht wirklich zugeben kann.

Wie schon in den Vorgängern spielt das Privatleben von Lorenzen und Olsen eine große Rolle. Die Charaktere und die Schauplätze sind sehr gut und authentisch beschrieben. Lena Lorenzen, die auf Amrun aufgewachsen ist, kann auf zahlreiche Bekannte, wie zum Beispiel ihren früheren Lehrer zurückgreifen, um die eine oder andere Information zu erhalten. Nicht immer fühlt sie sich dabei wohl in ihrer Haut.

Fazit:

Autorin Anna Johannsen hat wieder einen vielschichtigen Krimi geschrieben, der mit einer doch überraschenden, aber stimmigen Aufllösung punktet. Gerne gebe ich dafür 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.06.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Mich kriegt ihr nicht!
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Das vorliegende Buch ist die kaum zu glaubende Lebensgeschichte von Joseph Wisnicki (1916-2016), eines jüdischen Mannes, dem es zunächst gelingt, aus dem Deportationszug, der ihn nach Treblinka bringen ...

Das vorliegende Buch ist die kaum zu glaubende Lebensgeschichte von Joseph Wisnicki (1916-2016), eines jüdischen Mannes, dem es zunächst gelingt, aus dem Deportationszug, der ihn nach Treblinka bringen sollte, zu springen und durch eine spektakuläre Flucht, die ihn, mit Unterstützung zahlreicher mutiger Helfer und falschen Papiere bis nach Vorarlberg bringt, wo er sich mit viel Chuzpe als „katholischer Fremdarbeiter“ ausgibt, in einer Gärtnerei arbeitet und so den Holocaust überlebt. Angetrieben ist Wisnicki immer von seinem Leitsatz „Mich kriegt ihr nicht!“. Bis auf seinen Bruder Dawid, werden alle Familienmitglieder ermordet.

In Innsbruck wird er Leokadia Justmann kennenlernen, die eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.

1997 schreibt Wisnicki seine Lebenserinnerungen unter dem Titel „My Fight for Survival“ nieder, nachdem seine Frau die ihren unter dem Titel „Brechen wir aus“ bereits verfasst hat.

Ich möchte diesem Buch hier gar nicht vorgreifen, sondern empfehle, es selbst zu lesen. Das Buch ist als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen im Tyrolia-Verlag erschienen. Den Herausgebern Dominik Markl und Niko Höfinger sei an dieser Stelle für ihre ergänzenden Recherchen, die diese Lebenserinnerungen so eindringlich und lebendig machen, gedankt. Sie haben Tage und Wochen in diversen Archiven verbracht, und dabei ähnliche Schicksale entdeckt. Ihre Forschungen tragen dazu bei, die Geschichte der Überlebenden am Leben zu erhalten, auch wenn diese schon längst nicht mehr unter uns weilen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesen aufwühlenden und doch von feinem Humor durchzogenen Lebenserinnerungen 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 03.06.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Brechen wir aus!
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Dieses Memoir, das von Dominik Markl und Niko Höfinger 2025 im Tyrolia-Verlag herausgegeben worden ist, ist die bewegende Flucht- und Überlebensgeschichte von Leokadia Justmann (1922-2002), die gemeinsam ...

Dieses Memoir, das von Dominik Markl und Niko Höfinger 2025 im Tyrolia-Verlag herausgegeben worden ist, ist die bewegende Flucht- und Überlebensgeschichte von Leokadia Justmann (1922-2002), die gemeinsam mit ihrem Vater aus dem Warschauer Ghetto geflohen ist, während ihre Mutter nach Treblinka deportiert und ermordet worden ist.
Leokadia und ihr Vater kommen 1943 als Zwangsarbeiter nach Tirol, leben dort mit falschen Papieren bis sie an die Gestapo verraten werden. Der Vater stirbt im KZ Reichenau, während es Leokadia mit einer Freundin gelingt, aus dem Gefängnis zu fliehen. Die beiden Frauen werden mit Hilfe von fünf mutigen Polizisten und drei unerschrockenen Frauen versteckt. In Innsbruck wird sie Joseph Wisnicki, einen polnischen Juden kennenlernen, der eine ähnliche Lebensgeschichte hat. Die beiden heiraten 1946 und lassen sich 1950 in den USA nieder.

Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.

Meine Meinung:

Leokadia Justmann hat, wie man im Nachwort lesen kann, mit ihren Aufzeichnungen bereits während ihrer Flucht begonnen, sie mehrmals redigiert und in mehreren Auszügen veröffentlicht unter anderem 1963 als „In Quest for Life“. Bei ihrem Tod 2002 findet sich eine neuerliche überarbeitete Version dieser acht Jahre dauernden Überlebensgeschichte, die Grundlage für die Forschungsarbeit von Dominik Markl und Niko Höfinger ist. Die beiden Herausgeber haben den Bericht behutsam redigiert, die Angaben gegengecheckt und dort wo notwendig, die eine oder andere Ergänzung oder Korrektur angebracht. Auf Grund der detaillierten Angaben von Leokadia Justmann, ist es Dominik Markl und Niko Höfinger gelungen, einige wenige ähnliche Schicksale ausfindig zu machen.

Das Buch ist, ebenso wie jenes ihres Ehemanns Joseph Wisnicki, als Hardcover mit zahlreichen privaten Abbildungen erschienen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem, erstmals in Deutsche übersetze Memoir, das einen authentischen Einblick in die (Über)Lebengsgeschichte einer polnischen Jüdin in Tirol gibt, eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.06.2026

Eine gelungene Fortsetzung

Die Welt in Meran - Schattenflamme
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Autorin Angela Marina Reinhardt führt uns, zwei Jahre nach dem ersten Band, zunächst abermals nach Meran.
Man schreibt das Jahr 1874 als sich die Wege der drei Hauptakteure Helen von Burt und ihre Verehrer ...

Autorin Angela Marina Reinhardt führt uns, zwei Jahre nach dem ersten Band, zunächst abermals nach Meran.
Man schreibt das Jahr 1874 als sich die Wege der drei Hauptakteure Helen von Burt und ihre Verehrer Maximilian von Montalban und Jean de Benedetti erneut kreuzen. Der Börsenkrach von 1873 und ungezügeltes Geldausgeben haben zahlreiche Vermögen in Luft auflösen lassen, weshalb Max eine reiche Erbin heiraten muss.

Während es Jean eigentlich nur um das Wohl seiner kleinen Tochter geht, spinnen Max und Helens Bruder eine Intrige, um ihn von Helen fern zu halten, damit ihr eigenes Ziel erreicht werden kann. Nach einem verbotenen Duell reist Jean mit Tochter und Kindermädchen überstürzt ab.

Wenig später erfüllt sich Helens Schicksal, das sie nach Wien führt und durch den verheerenden Brand des Ringtheaters am 8. Dezember 1881 eine neuerliche dramatische Wendung erfährt .

Meine Meinung:

Autorin Angela Marina Reinhardt gelingt es abermals ihre Leserinnen in die Welt des Fin de Siècle eintauchen zu lassen. Dabei spart sie nicht mit Gesellschaftskritik. Zum einen beschreibt sie die Welt der Reichen und Schönen sowie andererseits jene, die von ihnen abhängig sind. Auch die unzureichende medizinische Versorgung, und hier im Speziellen, die gynäkologischen Probleme, werden sehr gut beschrieben. Helen leidet vermutlich an Endometriose, einer Krankheit, der auch heute vielfach zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es weder Ärztinnen noch das Fach Frauenheilkunde. Also zuckt man entweder mit den Schulter oder stellt die (Fern)Diagnose Hysterie. Das hat häufig eine Entfernung der Gebärmutter zur Folge, die man(n) als Ursache glaubt. Nicht wenige Frauen sterben bei diesen Operationen, von den seelischen Wunden der Überlebenden spricht niemand.

Der Brand des Ringtheaters, der nach amtlichen Angaben über 380 Tote, (Schätzungen gehen aber von deutlich mehr Toten aus) gefordert hat, wird zur Gründung der Wiener Rettungsgesellschaft sowie zu einer der strengsten Bauordnungen und feuerpolizeilichen Bestimmungen in der Monarchie führen. Auslöser des Brandes ist eine Serie von Unterlassungen, Inkompetenz und Schlamperei.

Interessant ist auch der Sidestep zur österreichisch-ungarischen Polarexpedition von Julius Payer und Carl Weyprecht, an der der Meraner Johann Haller teilgenommen hat und bei seiner Ankunft in Meran wie ein Spitzensportler gefeiert wird, was ihm sehr unangenehm ist. Diese Episode hat zwar mit der eigentlichen Geschichte nichts zu tun, passt aber gut in das Setting.

Das Ende dieses Bandes, der bezeichnenderweise den Titel „Schattenflamme“ trägt, lässt auf eine Fortsetzung hoffen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der zeigt, dass die gute , alte Zeit, vor allem für Frauen nicht wirklich gut war, hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.06.2026

Eine Leseempfehlung

KiezBlues
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Autor Tim Sohr entführt seine Leserinnen und Leser in das Hamburg der 1970er und 1980er Jahre, also in jene Zeit, in denen auf St. Pauli die Messer tief fliegen und Banden das Rotlichtviertel mit brutaler ...

Autor Tim Sohr entführt seine Leserinnen und Leser in das Hamburg der 1970er und 1980er Jahre, also in jene Zeit, in denen auf St. Pauli die Messer tief fliegen und Banden das Rotlichtviertel mit brutaler Gewalt regieren. Tom „Katze“ Katzenberger ist ein knapp 15-jähriger Schüler, der heimlich den Polizeifunk abhört und bei der Eröffnung der Köhlbrandbrücke grandiose Fotos schießt, die er an die „Hamburger Morgenpost“, kurz MoPo schickt und wenig später, zunächst als freier Mitarbeiter, dann als Polizeireporter regelmäßig Aufsehen erregende Fotos schießt. Katze ist fast immer früher als die Konkurrenz am Ort des Geschehens. Während Fotos anderer Fotografen ziemlich voyeuristisch sind, hat Katze einen etwas anderen Blick und lässt den Opfern ihre Würde.

Gleichzeitig lenkt Tim Sohr unseren Blick sowohl auf die Polizisten, die auf der berühmten Davidwache Dienst tun, als auch auf Zuhälter und Prostituierte. Es ist kein weichgezeichnetes Bild der Reeperbahn, sondern blutiger Alltag. Im Lauf der Jahre hat sich Katze an die harte Realität genauso gewöhnt, wie die Polizisten an ihren bestechlichen Chef, der billigend den Tod des einen oder anderen Kollegen im Dienst in Kauf nimmt. Daneben haben die Zuhälter ihre eigenen Regeln, auf deren Einhaltung streng geachtet wird. So sind Schusswaffen verboten. Man regelt alles per Faust oder Messer. Als ein neu Generationen von Zuhältern den Kiez übernimmt, gelten die alten Regeln plötzlich nicht mehr. Die alten Gangster, soferne sie überlebt haben, können nur mit Wehmut in die Vergangenheit zurückblicken - mit Blues eben.

Meine Meinung:

Als erklärter Hamburg-Fan habe ich dieses Buch, das der Autor als Roman und nicht als Krimi bezeichnet, gerne gelesen. Der Roman ist an einige reale Ereignisse angelehnt. So gibt es für den fiktiven Tom „Katze“ Katzenberger ein echtes Vorbild. Dieses Buch ist keine Romantisierung der Menschen und der Zeit. Viele sterben, andere geben auf und verlassen den Kiez, oft auch die Stadt Hamburg.

Der Hamburger Kiez ist heute für viele Hamburg-Besucher eine Vergnügungsmeile vielfältiger Art, die auch familientauglich ist. In den 1970er- und 1980er-Jahren ging es da aber ziemlich rau zu. Touristinnen, die auf der Reeperbahn flanieren, wurden scheel angesehen und häufig blöd angemacht.

Die Charaktere sind häufig widersprüchlich angelegt. Dieses Leben zeichnet alle Figuren.
So meint Zuhälter Frankie fast philosophisch: „Was man seinem Kind vorlebt, das nimmt es auch an. Wenn das Kind sieht, dass der Vater sich gewalttätig verhält oder Geschäfte betreibt mit dementsprechenden Leuten, dann wird das auf den Jungen abfärben.“

Wenig später widerspricht er sich selbst, wenn er einen Streit mit der Mutter des Sohnes mit einem Bügeleisen beendet - mitten im Gesicht der Mutter.

Vielleicht ist die Darstellung der Gewalt nicht jedermanns Sache.

Fazit:

Tim Sohr ist mit "KiezBlues" ein ebenso rauer wie schneller sowie unterhaltsamer Roman gelungen, der kein Märchen sondern den harten Blues von St. Pauli erzählt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.