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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.05.2026

Stille

Das Lavendelkloster
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Krimiautor Alexander Oetker einmal anders. Gemeinsam checken wir für eine Woche in einem Schweigekloster ein und begleiten mehrere Personen auf der ungewohnten Reise in die Stille. Wir, das sind wir Leser, ...

Krimiautor Alexander Oetker einmal anders. Gemeinsam checken wir für eine Woche in einem Schweigekloster ein und begleiten mehrere Personen auf der ungewohnten Reise in die Stille. Wir, das sind wir Leser, der erfolgreiche Geschäftsführer Julien und Emma, die endlich ihre toxische Beziehung hinter sich lassen möchte, sowie andere Reisende, die jeweils für sich den Weg aus dem lauten Alltag zur inneren Ein- und Umkehr beschreiten möchten.

Unter dem beruhigendem Duft des Lavendels und der fachkundigen Anleitung der Klostergemeinschaft, fällt das Schweigen gar nicht mehr so schwer, werden doch alle anderen Sinne geschärft und die nonverbale Kommunikation sagt mehr als tausend Worte.

Meine Meinung:

Zunächst bin ich mit ein wenig Vorsicht an dieses Buch herangetreten, habe ich doch erst vor Kurzem Professor Reinhard Hallers Buch „Toxisches Schweigen. Wenn Schweigen zur Waffe wird“ gelesen. Alexander Oetker, den ich von seinen zahlreichen Krimis her kenne, hat hier ein tollen (Liebes)Roman geschrieben, der mir sehr gut gefallen hat. Üblicherweise bin ich ja nicht so die Herz-Schmerz-Leserin, aber hier ist alles wohl temperiert und gar nicht kitschig.

Der Schreibstil ist fast schon poetisch zu nennen und bezaubert durch die intensive Beschreibung der neuen Wahrnehmungen von Julien und Emma. Man kann den intensiven Duft des Lavendels richten.

Gut hat mir gefallen, wie oft Julien während der Anreise ans Aufgeben und Umkehren gedacht hat. Dass er den inneren Schweinehund überstimmt hat, um diese Auszeit für sich selbt in Anspruch zu nehmen, ist ein großer Gewinn.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Erzählung von sich selbst Finden und einen Neuanfang wagen, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine klare Leseempfehlung!

Der Fährmann
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Schauplatz sind die beiden Dörfer Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch den Grenzfluss Salzach in Österreich-Ungarn und Deutschland getrennt sind. Man kennt sich und heiratet ...

Schauplatz sind die beiden Dörfer Hohenwart und Siegering, Anfang des 20. Jahrhunderts, die durch den Grenzfluss Salzach in Österreich-Ungarn und Deutschland getrennt sind. Man kennt sich und heiratet über die Grenze hinüber. Der einzige, der davon ausgenommen ist der Fährmann. Er darf wegen des gefährlichen Berufs, den aber jeder braucht, keine Familie gründen. In Zeiten ohne Sozialversicherung würden seine Hinterbliebenen der jeweilige Dorfgemeinschaft zur Last fallen. Diese Ehelosigkeit führt oft dazu, dass der Fährmann ein Gspusi mit der einen oder anderen verheirateten Frau eingeht, was auch nicht ganz ungefährlich ist.

Soweit der historische Hintergrund vor dem dieser Roman spielt. Es ist auch die Zeit, in denen Frauen nichts, aber auch gar nichts zu sagen hatten, sondern möglichst viel Mitgift und Arbeitskraft in die Ehe mitbringen soll und für zahlreiche Söhne (Töchter sind nur eine Last) zu sorgen hat.

Der aktuelle Fährmann ist Hannes Winkler, ein Bauernsohn, der wegen seines älteren Bruders keine Chance hat, den elterlichen Hof zu übernehmen. Er liebt heimlich seine Jugendfreundin Elisabeth, die allerdings Josef Hofer, den Erben des größten Hofes diesseits der Salzach heiraten soll - so haben es die beiden Väter seit langem ausgemacht. Diese Entscheidung trifft nicht nur Hannes und Elisabeth, die seine Gefühle erwidert, hart, sondern auch die Wirtstochter Annemarie, Elisabeths beste Freundin, die sich Chancen auf eine Heirat mit Josef ausgerechnet hat. Doch Josef ist ein gewalttätiger Mann, der nur sein Vergnügen im Sinn hat und sich seinem ebenfalls brutalen Vater unterordnet.

Als Österreich-Ungarn an der Seite Deutschlands Serbien 1914 den Krieg erklärt, ist Josef wie Tausende andere junge Männer Feuer und Flamme für den Krieg. Man(n) verspricht, bis Weihnachten siegreich wieder zu Hause sein - das Ergebnis ist bekannt. Erst im Großen Krieg kann Josef endlich aus dem Schatten seines dominanten Vaters heraustreten. Als er dann, an Körper und Seele schwerst versehrt sowie morphiumsüchtig, auf den Hof, den Elisabeth, seine Mutter und Schwester in seiner Abwesenheit so gut wie möglich bewirtschaftet haben, zurückkehrt, bereitet er seiner Familie und da vor allem Elisabeth, die Hölle auf Erden. Das von den Frauen erwirtschaftete Geld gibt er ohne nachzudenken für Morphium aus. Er macht den Frauen Vorwürfe den Hof abgewirtschaftet zu haben. Als der erstgeborene Sohn Vinzenz verschwindet, eskaliert die unhaltbare Situation.

Meine Meinung:

Regina Denk hat mit diesem historischen Roman ein Dokument der patriarchalischen und oft archaischen Lebensart entworfen, in der die Männer über Leben und Tod ihrer Familien geherrscht haben. Die Frauen haben keinen Wert, sind oft nur ein personifiziertes Objekt, an dem man(n) sich, je nach Laune abreagieren konnte. Das muss Annemarie am eigenen Leib über sich ergehen, wie ehedem auch ihre Mutter, die Wirtin. Für die ist es selbstverständlich zur Ankurbelung des Schnapskonsums (und damit zum höheren Einkommen), ihre Tochter zu prostituieren.

Sprachlich ist der Roman ein Hochgenuss, auch wenn es für die eine oder andere Leserin schwer ist, über solche Zustände zu lesen.

Gerne hätte ich mehr über die alte Fanny gelesen, die als Kräuterfrau in einer Kate lebt. Natürlich abseits der Gemeinschaft und scheel angesehen. Ich bin sicher, hinter mehr oder weniger vorgehaltener Hand wird sie Hexe genannt. Dass Fanny letztendlich Annemarie als Lehrling aufnimmt und sie aus der übergriffigen Wirtsstube entkommt, ist für Annemarie eine gute Lösung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman, der durch Regina Denks fesselnden Schreibstils in seiner düsteren und intensiven Art besticht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Hat mich nicht überzeugt

1776
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Im Sommer des Jahres 2026 jährt sich die Unabhängigkeitserklärung der USA zum 250. Mal. Grund genug für zahlreiche Autorinnen und Autoren diesem Gründungsmythos nachzugehen. Stimmt das, was seither überliefert ...

Im Sommer des Jahres 2026 jährt sich die Unabhängigkeitserklärung der USA zum 250. Mal. Grund genug für zahlreiche Autorinnen und Autoren diesem Gründungsmythos nachzugehen. Stimmt das, was seither überliefert worden ist? Oder ist die Sache vielleicht doch ein wenig anders verlaufen als überliefert? Hat wirklich EIN Sommer die Welt verändert?

Leider habe ich mit diesem Buch ausgerechnet jenes erwischt, das die Ereignisse für mich (vermutlich wie für die meisten Leser) viel zu kompliziert und detailreich darstellt. Ja, es stimmt, die Lage von Mai bis Oktober 1776 ist komplex und kompliziert. Dennoch hätte ich mir eine anschaulichere Schilderung gewünscht. Denn gleichzeitig fehlt mir ein wenig eine Zusammenfassung was die Jahre zuvor passiert oder eben nicht passiert ist. Und trotzdem, nicht alles, was Historiker und Autoren wissen, muss den Lesern in dieser Fülle an Informationen nahe gebracht werden. Dem Buch deutlich anzusehen, dass Ellis‘ Spezialgebiet „Die Gründerväter der Vereinigten Staaten“ sind.

Joseph J. Ellis‘ Standpunkt, die politische Dimension und die militärischen Ereignisse sind untrennbar miteinander verbunden, weil sie einander bedingen, sind für mich (noch) schlüssig. Dass der US-amerikanische Autor und Historiker behauptet, sie würden bei anderen Autoren getrennt behandelt, kann ich nicht ganz nachvollziehen. Vielleicht unterliege ich dem aktuellen „Priming“, in dem ich alle Informationen, die direkt aus den USA kommen, einmal mit Vorsicht betrachte.

Wer die USA und ihr spezifisches Sendungsbewusstsein verstehen will, muss zu ihrem Ursprungsmythos zurückgehen: zur Amerikanischen Revolution, die bereits 1763 mit dem Steuerstreit zwischen dem Britischen Mutterland und den Kolonisten in Nordamerika, begonnen hat. Aber, dafür bräuchte es eine einleitende Zusammenfassung des Status Quo, der die Jahre vor 1776 betrachtet. Die hat uns der sonst so detailreich dozierende Autor leider vorenthalten, so dass sich der Eindruck manifestiert, in eine komplexe Sache einfach hineingeworfen zu werden. Um diese Lücke zu schließen, empfehle ich Volker Depkats Buch „Die amerikanische Revolution“ aus der Reihe C.H. Beck Wissen, vorab zu lesen. Dann wird einiges, das Joseph J. Ellis hier beschreibt, ein wenig klarer.

Dieses Buch ist nichts für Einsteiger in die Materie und schon gar kein Sachbuch für Jugendliche, wie es an einigen Stellen angepriesen wird.

Fazit:

Diesem Buch, das die sechs Monate des Jahres 1776 sehr detailliert darstellt, gebe ich 3 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine Leseempfehlung

Die Welt in ihren Händen
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Olivier Guez hat mit diesem Buch, der unkonventionellen Gertrude Bell (1868-1926), die man in außerhalb Großbritanniens kaum kennt, ein Denkmal gesetzt.

Wer war sie nun, diese Frau, die den überwiegenden ...

Olivier Guez hat mit diesem Buch, der unkonventionellen Gertrude Bell (1868-1926), die man in außerhalb Großbritanniens kaum kennt, ein Denkmal gesetzt.

Wer war sie nun, diese Frau, die den überwiegenden Teil ihres Lebens im Mittleren Osten verbrachte, die von Freunden und Feinden ehrfurchtsvoll “Effendi” genannt wurde?

Geboren 1868 als Tochter des reichen Industriellen Thomas Hugh Bell und seiner Frau Mary Shield. Drei Jahre später stirbt ihre Mutter kurz nach der Geburt des Sohnes Maurice. Das wissbegierige Mädchen darf in Oxford studieren, den Doktortitel verweigert man ihr wie allen Studentinnen. Heiraten will sie nicht, verliebt sich aber in Henry Cadogan, einem notorischen Spieler, der von der Familie als Ehemann abgelehnt wird. Sie beugt sich ihrem Vater und setzt ihre Reisen im Zweistromland fort. Sie lernt Farsi und verbringt viele Jahre als Archäologin in Mesopotamien. Sie trifft auf Männer wie T. E. Lawrence, der als Lawrence von Arabien bekannt wird, der sie nicht leiden kann und ihre Erkenntnisse als die seinen ausgibt. Dennoch werden sie gemeinsam den Aufstand der Araber gegen die Türken organisieren.

Während des Ersten Weltkriegs sammelt sie als Agentin des Britischen Geheimdienstes Zahlen, Daten, Fakten und erhält im Oktober 1917 die Auszeichnung “Commander of the British Empire”. Gleichzeitig zieht sie die Fäden bei der Einsetzung von Prinz Faisal als König im Irak, der recht bald versucht, ihren Einfluss zurückzudrängen.

Gertrude Bell wird nicht mehr nach England zurückkehren. Sie stirbt 1926 im Alter von 58 Jahren unter nicht ganz geklärten Umständen. In der New York Times erscheint folgender Nachruf

„Seit Königin Zenobia hat keine andere Frau für die Geschicke des Mittleren Ostens eine so wichtige Rolle gespielt.“

Aber stimmt das? Und was bleibt von Gertrude Bell?

Sie gilt als gemeinsam mit Sir Percy Cox als die eigentliche Gründerin des Irak und bestimmte die Landesgrenzen.
Sie hat nach Inkraft-Treten der Balfour-Deklaration die Konflikte zwischen Juden und Arabern in Palästina vorhergesehen.
Sie wird ehrenamtliche Leiterin des archäologischen Museums in Bagdad sein, dessen Gründung sie vorangetrieben hat.
Sie hat zahlreiche Werke persischer Dichter ins Englische übersetzt.

Doch bei allen politischen Erfolgen Gertrude Bells darf nicht vergessen werden, dass sie durch ihre Tätigkeit den Grundstein für die Gewalt im Nahen und Mittleren Osten, die uns bis heute beschäftigt und Abertausende Tote gefordert hat (und noch immer fordert), gelegt hat.

Von Autor Olivier Guez habe ich bereits das Buch „Das Verschwinden des Josef Mengele“ gelesen, das ähnlich gut strukturiert ist. Das Buch ist in 27 Kapitel geteilt, die sowohl Orts- als auch Datumsangabe enthalten, sodass die Rückblenden sofort erkennbar sind.

Guez hat für seine Biografie über Gertrude Bell penibel recherchiert und zeichnet ein interessantes Bild dieser unkonventionellen Frau, die so emanzipiert erscheint. Dennoch ist sie gegen das Frauenwahlrecht und reist in typisch britischer Frauenkleidung, also Hut, Mieder und Dutzende Meter Stoff im Damensattel durch die Wüste. Auch wenn das Coverbild vielleicht gestellt war, zeigt es sie in dieser Aufmachung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch, das zum besseren Verständnis der Örtlichkeiten eine Landkarte enthält, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 01.05.2026

Eine Leseempfehlung

Meine Gesundheitsretter aus der Natur gegen Bluthochdruck
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Kampf dem Bluthochdruck!

Dr. Franziska Rubin hat nach ihrem Ratgeber „Meine Gesundheitsretter aus der Natur gegen Bauchfett“ einen gegen Bluthochdruck verfasst. Für alle jene, die schon länger Medikamente ...

Kampf dem Bluthochdruck!

Dr. Franziska Rubin hat nach ihrem Ratgeber „Meine Gesundheitsretter aus der Natur gegen Bauchfett“ einen gegen Bluthochdruck verfasst. Für alle jene, die schon länger Medikamente gegen Bluthochdruck einnehmen (müssen), zeigt sie, wie diese durch angepasste Ernährung die erhöhten Werte dauerhaft absenken lassen.

Zunächst erklärt die Autorin wie Bluthochdruck entsteht und wie man ihn senken kann. Auch die Auswirkungen, die leider nicht nur eine optische Beeinträchtigung sind, werden gut erläutert. Die Grafiken und Abbildungen sowie die Beiträge machen deutlich, worum es nötig ist, dem Bluthochdruck den Kampf anzusagen, bzw. es tunlichst gar nicht entstehen zu lassen. Beides nicht einfach zu bewerkstelligen. Klar ist es einfacher ein Blutdruck senkendes Medikament einzunehmen als mehrmals täglich frisch zu kochen oder Bewegung zu machen.

Der Rezept-Teil hätte für mich ein wenig ausführlicher sein können. Übrigens, es gibt eine gute Nachricht für alle jene die Schokolade lieben. 10 bis 30 Gramm dunkler Schokolade ab 70% Kakaogehalt bzw. Kakao-Nibs sind dem Absenken der Bluthochdrucks durchaus zuträglich. Juhu!

Fazit:

Ein kompakter Ratgeber, der sehr gut erklärt wie Bluthochdruck entsteht und warum man ihm den Kampf ansagen sollte. Gerne gebe ich dem anschaulichen Buch 4 Sterne.