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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.02.2022

Hat mich nicht überzeugt

Perfect Day
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Mit der Verhaftung ihres Vaters bricht für Ann die Welt zusammen. Ein Serienmörder soll er sein. Ausgerechnet er? Der ruhige, in sich gekehrte Professor, der sich seit dem frühen Tod seiner Ehefrau rührend ...

Mit der Verhaftung ihres Vaters bricht für Ann die Welt zusammen. Ein Serienmörder soll er sein. Ausgerechnet er? Der ruhige, in sich gekehrte Professor, der sich seit dem frühen Tod seiner Ehefrau rührend um Tochter Ann gekümmert hat?

Die Polizei wirft ihm vor, im Laufe von mehr als vierzehn Jahren zehn kleine Mädchen ermordet zu haben. Als „Schleifenmörder“ bezeichnen ihn die Medien, weil er mit roten Bändchen Spuren zu seinen Opfern legt.

Ann kann und will nicht glauben, dass ausgerechnet ihr Vater solche Verbrechen begangen haben soll. Sie setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um seine Unschuld zu beweisen. In ihrem Schmerz ist sie nicht wirklich zimperlich in der Auswahl der Mittel, verrennt sich in Hirngespinste und Sackgassen.

Meine Meinung:

Ich muss gleich gestehen, Thriller mit Serienmördern gehören nicht unbedingt zu meinen Lieblingsbüchern. Zu diesem, meinem ersten von Romy Hausmann, habe ich erstens durch das Cover und zweitens durch die durchwegs guten Bewertungen zu den anderen Büchern der Autorin hinreißen lassen.

Die Idee habe ich auch interessant gefunden. Wir nehmen Anteil an Anns Leben, das nicht erst durch die Verhaftung ihres Vaters aus dem Ruder läuft. Der Tod der Mutter, den sie als kleines Mädchen miterlebt hat, prägt Ann natürlich, vor allem weil der Vater keine neue Beziehung mit einer Frau eingeht. Überhaupt, die zwischenmenschlichen Beziehungen scheinen hier insgesamt ein wenig auf der Strecke zu bleiben. Überall trifft man auf gebrochene Menschen. Manchmal führt auch der Zufall (?) Regie. So arbeitet z.B. die Mutter eines Verbrechensopfers im selben Burgerlokal wie Ann.

Doch je länger ich dieses Buch gelesen habe, desto weniger mochte ich Ann. In ihren Bemühungen, die Unschuld ihres Vaters zu beweisen, legt sie eine Besessenheit an den Tag, der beängstigend ist.
So jagt sie einem Mann nach, den sie als Verdächtigen einstuft.

Der Schreibstil hat mir zu Beginn recht gut gefallen, da seine Schnörkellosigkeit zu einem Thriller sehr passt. Doch dann gleitet der Thriller in eine Unglaubwürdigkeit ab, die mich fast ein wenig geärgert hat.

Der mehrfache Perspektivenwechsel lässt die Spannung recht schnell steigen. Nach einiger Zeit nützt sich Anns Besessenheit einen anderen, als Täter überführen zu müssen, ziemlich ab und wird anstrengend und unglaubwürdig. Das Motiv des Serientäters wirkt ein wenig an den Haaren herbeigezogen.

Fazit:

Das Buch hat interessant begonnen, aber im Laufe der Zeit an Glaubwürdigkeit verloren. Daher reicht es nur für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 05.02.2022

Sehr gut recherchiert und opulent erzählt

Keltenschwur
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Das ist der zweite Band rund um die Keltin Rowan, die einst gemeinsam mit ihrem Milchbruder Johs von römischen Soldaten verschleppt und als Sklavin auf einem Weingut am Rhein arbeiten muss.

In diesem ...

Das ist der zweite Band rund um die Keltin Rowan, die einst gemeinsam mit ihrem Milchbruder Johs von römischen Soldaten verschleppt und als Sklavin auf einem Weingut am Rhein arbeiten muss.

In diesem Band gelingt ihre Befreiung durch ihre große Liebe Drystan, den Sohn des Häuptlings. Doch die Rückkehr in das heimatliche Dorf wird von einigen Bewohnern, darunter ihre eigene Familie, mit argwöhnischen Blicken beäugt. Vor allem auch deshalb, weil Rowan nur eine Bauerntochter ist, die nur innerhalb ihres Standes heiraten darf. Drystan wäre nach den bisherigen Gepflogenheiten tabu für sie.

Doch das sind nicht die einzigen Schwierigkeiten, die auf das junge Paar warten. Drystans Vater ist während seiner langen Abwesenheit gestorben und der Nachfolger will seine Macht und Position nicht aufgeben.

Wie weit die gehässigen Neider, die aus Rowans eigener Familie kommen, gehen, wird hier eindrucksvoll beschrieben.

Meine Meinung:

Mir hat dieser historische Roman rund um Rowan, Drystan und die Römer Caius und Aurelia recht gut gefallen. Es wäre gut, die Vorgeschichte „Keltensonne“ dieser Trilogie zu kennen, denn warum Rowans Familie gar so bösartig ist, wird hier nur angedeutet.

Da es ja keine schriftlichen Zeugnisse der Kelten gibt, sondern nur Berichte der Römer und einige Artefakte, kann sich die Fantasie der Autorinnen sehr gut entfalten.

Die Trilogie ist in Rheinland-Pfalz, beim Donnersberg angesiedelt. Hier hat man Überreste einer Kreisgrabenanlage gefunden, die auf ein größeres keltisches Oppidum hinweisen.

Darauf weisen die Autorinnen in ihrem Nachwort hin. Für alle jene, die mit Latein nicht viel am Hut haben, werden die wichtigsten lateinischen Begriffe in einem Glossar dargestellt.

Die Geschichte hat mir gut gefallen. Sie zeigt, dass es nicht immer leicht ist, Anführer zu sein und, dass Nachsicht, häufig missverstanden wird.

»Eine Gemeinschaft muss sich auf alle Mitglieder verlassen können. Nur dann ist sie stark!«


Fazit:

Ein gelungener historischer Roman aus der Zeit rund um 90 vor Christus. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.02.2022

NIcht nur für Kinder ab 9 Jahren

Flüsterwald - Der Schattenmeister erwacht: Das spannende Staffelfinale! (Flüsterwald, Staffel I, Bd. 4)
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Mit diesem 4. Band ist die erste Staffel rund um Lukas und Ella, die mit ihren magischen Freunden zahlreiche Abenteuer im Flüsterwald erleben, beendet.

Wie schon in den Vorgängern zählen Köpfchen, Freundschaft ...

Mit diesem 4. Band ist die erste Staffel rund um Lukas und Ella, die mit ihren magischen Freunden zahlreiche Abenteuer im Flüsterwald erleben, beendet.

Wie schon in den Vorgängern zählen Köpfchen, Freundschaft und das Miteinander im Kampf gegen das Böse. Diesmal ist der Gegner der Schattenmeister, der seine dunkle Macht ausdehnen und festigen will. Gemeinsam mit Elfe Felicitas, Menok Rani und der Katze Punchy versuchen Lukas und Ella dem Bösen Einhalt zu gebieten.

Meine Meinung:

Diese Reihe ist nicht nur für Kinder ab 9 Jahren lesenswert, sondern auch für Erwachsene, die für einige Stunden dem gewöhnlichen Alltag entfliehen wollen und die magische Welt des Flüsterwaldes eintauchen wollen.

Entzückend sind wieder die Illustrationen von Timo Grubing, die den Text sehr gut begleiten.

Die Charaktere sind liebevoll gestaltet und die Handlungen sind schlüssig.

Dass die Abenteuer im Flüsterwald weitergehen werden, beweist der Epilog, in dem sich eine fremde Katze unter die Bewohner des Flüsterwaldes gemischt hat. Freund oder Feind? Mit Spannung wartet die große und kleine Lesergemeinschaft auf die nächste Abentuer.

Fazit:

Eine Buchreihe nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, die gerne magische Abenteuer erleben wollen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.02.2022

Apfelland in Mörderhand

Steirerwahn
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Der 12. Krimi mit Sandra Mohr und Sascha Bergmann beginnt gleich mit einer unangenehmen Neuigkeit für Bergmann: Seine Ex-Verlobte Nicole Herbst wird die neue Chefin des LKA Graz. Ein Posten, um den sich ...

Der 12. Krimi mit Sandra Mohr und Sascha Bergmann beginnt gleich mit einer unangenehmen Neuigkeit für Bergmann: Seine Ex-Verlobte Nicole Herbst wird die neue Chefin des LKA Graz. Ein Posten, um den sich er ebenfalls beworben hatte.
Doch viel Zeit zum Nachdenken bleibt dem Unterlegenen nicht, denn er wird von Sandra Mohr mitten aus der Einstandsfeier zu einem Mord gerufen.

In dem idyllischen an der steirischen Apfelstraße gelegenen Puch bei Weiz, ist ein Mann mit dem Gürtelstrick seiner Kutte erdrosselt worden. Schnell stellt sich heraus, dass der Tote Teil einer eingeschworenen Schnapsbrennergruppe, den „Apfelmännern“ war, die in streng gehüteten Ritualen den besten Apfelschnaps herstellen.

Noch bevor die Ermittler alle Spuren ausgewertet haben, stirbt der nächste Apfelmann. Nach wie vor ist kein Motiv zu erkennen und man muss davon ausgehen, dass die beiden Toten nicht die letzten sein werden ...

Meine Meinung:

Ich mag sie, die Steirerkrimis von Claudia Rossbacher. Zum einen, weil immer andere Regionen der Steiermark als Tatort auserkoren werden und die Leser die Eigenarten von Land & Leuten kennenlernen und zum anderen, weil mich die Wortgefechte zwischen der toughen Sandra Mohr und dem oft grantelnden Sascha Bergmann zum Schmunzeln bringen.

Mit der Figur der Nicole „Nicky“ Herbst als Chefin, bringt die Autorin wieder frischen Wind in die Reihe. Ich denke, das wird zu einigen Konflikten führen.

Ein weiterer neuer Charakter ist Hubert Müllner, der im selben Haus wie Sandra Mohr wohnt. Der Mann ist gut aussehend und wirkt geheimnisvoll. Es gibt keine Informationen im Internet über oder von ihm und im Melderegister scheint er auch nicht auf. Bei Sandra läuten zwar die Alarmglocken, allerdings kann sie sich dem Charisma des Mannes nicht entziehen.

Claudia Rossbacher macht es hier spannend - mich hat sie mit diesem Neuzugang ziemlich angefixt. Mein Kopfkino spielt hier gleich verrückt. Wer ist er wirklich? Ein verdeckter Ermittler, ein Heiratsschwindler oder jemand, der weder mit den sozialen Medien noch mit dem Staat etwas zu tun haben will (ich sage nur „Reichsbürger“)? Jetzt muss ich fast ein Jahr auf die Antworten warten.

Wie schon bei den Vorgängern ziert ein Herz, in unterschiedlichen Ausführungen das Cover. Diesmal gibt es eine kleine Überraschung: Das Herz ist aus einer Sisalschnur gelegt, was man beim Angreifen des Buches auch spüren kann. Das haptische Erlebnis lässt einen gleich in den Krimi eintauchen.


Fazit:

Die neuen Charaktere bringen frischen Wind in die Reihe. Diesem 12. Fall gebe ich gerne 5 Sterne.

Veröffentlicht am 01.02.2022

Auf der Suche nach den eigenen Wurzeln

Auf der Straße heißen wir anders
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Karla, oder Karlotta, wie sie auch genannt wird, lebt mit ihrer Familie in einer Hochhaussiedlung in Bremen-Nord, die sich aus einem bunten Völkergemisch zusammensetzt. Während die meisten anderen Familie ...

Karla, oder Karlotta, wie sie auch genannt wird, lebt mit ihrer Familie in einer Hochhaussiedlung in Bremen-Nord, die sich aus einem bunten Völkergemisch zusammensetzt. Während die meisten anderen Familie ihre Herkunft aus der Türkei, Russland oder Albanien kennen und mitunter stolz darauf sind, ist das bei Karla anders. Zwar weiß sie, dass ihre Großmutter Maryam in den 1960er Jahren als Gastarbeiterin aus Istanbul nach Deutschland gekommen ist und das man armenische Wurzeln hat, aber nicht viel mehr. Über den Völkermord an den Armeniern von 1915 erfährt sie in der Schule gerade einmal einen Halbsatz.

Als Maryam stirbt, hat sie ganz exakte Anweisungen für ihr Begräbnis hinterlassen, die nach armenischem Ritus erfolgen soll. Unter den Habseligkeiten der Großmutter findest sich ein fein ziseliertes Armband aus Gold und ein vergilbter Zettel mit dem Namen Lilit und einer Adresse in Armenien.

Mit viel Geduld und Überredungskunst überzeugt Karla ihren Vater, nach Armenien zu reisen und die ominöse Lilit in der ihnen unbekannten Heimat zu suchen. Mit im Gepäck ist das goldene Armband.

Meine Meinung:

Der Roman gibt uns in mehreren Rückblicken Einblick in das Leben der einzelnen Familienmitglieder. Karlas Leben in Bremen-Nord ist für mich das unspektakulärste, da leicht vorstellbar. Die Vergangenheit von Vater Avi, der aufgrund seiner Intelligenz ein Priesterseminar in Jerusalem besuchte oder das seiner Mutter Maryam als türkische Gastarbeiterin, der man den Pass abgenommen hat und die einen ähnlichen Knebelvertrag eingehen musste, wie man es nur von Bordellbesitzern kennt oder das - für mich interessanteste Leben - von Urgroßmutter Armine, die aus dem Familienverband in Armenien gerissen und damit vor dem sicheren Tod gerettet worden ist.

Der Völkermord an den Armeniern ist bis heute vielerorts ein Tabu-Thema. In der Türkei sowieso und anderswo wird auch kaum darüber gesprochen. Die wenigen Überlebenden vermieden es tunlichst armenisch zu sprechen, geben ihren Kindern türkische Vornamen (die armenischen werden nur heimlich daheim gesprochen) und müssen ihre Familiennamen jener der Türken anpassen. Die Auslöschung der Armenier ist fast, aber nur fast, gelungen.
Ähnliches passiert heute noch mit den Kurden (wieder ist die Türkei federführend) oder in China, wo man die Uiguren in Lager sperrt, umerzieht und ihnen verbietet, nach ihren Traditionen zu leben.

Laura Cwiertnia erzählt die Geschichten der einzelnen Familienmitglieder eindrücklich und einfühlsam. Die Geschichte von Karla ist für mich persönlich ein bisschen zu ausführlich, denn ein Leben in der Gegenwart, in einer Hochhaussiedlung ist für jeden Leser leicht vorstellbar.

Durch die Einlassung in die Geschichte der Vorfahren lässt sich erklären, warum Avi so ist, wie er ist, und welche Traumata die einzelnen Familiemitglieder an die nächste Generation weitergegeben haben.

Fazit:

Eine bewegende Familiengeschichte und die Suche nach den eigenen Wurzeln. Gern gebe ich hier 5 Sterne.