Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.10.2021

Ein beeindruckende Doku über israelische Erfindungen

DU SOLLST ERFINDEN
0

Dieses außerordentlich interessante Buch stellt vier großen Kapiteln die fünfzig wichtigsten Innovationen vor, die die Lebensbedingungen vorrangig von Menschen in Israel verbessert haben. Allerdings profitieren ...

Dieses außerordentlich interessante Buch stellt vier großen Kapiteln die fünfzig wichtigsten Innovationen vor, die die Lebensbedingungen vorrangig von Menschen in Israel verbessert haben. Allerdings profitieren weltweit Millionen Menschen von diesen Erfindungen wie z.B. der Tröpfchenbewässerung. Dienst der ursprünglich dazu das kostbare Nass in den trockenen Landstrichen Israels punktgenau an die Pflanze bringen und damit den Ertrag zu steigern, so findet man diese Art der Bewässerung in (fast) jedem beliebigen Garten in der gesamten Welt.

Der Titel „Du sollst erfinden“ erinnert ein wenig an die Zehn Gebote. Und so verstehe ich dieses Buch. Durch Einfallsreichtum und Altruismus in einer Welt, in der es mehr Schatten als Licht gibt, Leben zu retten und die Lebensbedingungen der Menschen (nicht nur) in Israel zu verbessern.

Fazit:

Eine beeindruckende Dokumentation über den Einfallsreichtum israelischer Erfinder, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 03.10.2021

Hat mich nicht vollends überzeugt

1431
0

Die meisten von uns kennen die Geschichte der Jeanne d’Arc (1412-1431) besser bekannt als Jungfrau von Orleans, jener Bauerntochter, die auszog, um Frankreich im Hundertjährigen Krieg gegen England zum ...

Die meisten von uns kennen die Geschichte der Jeanne d’Arc (1412-1431) besser bekannt als Jungfrau von Orleans, jener Bauerntochter, die auszog, um Frankreich im Hundertjährigen Krieg gegen England zum Sieg zu verhelfen.

Damit verstößt sie gegen jede der damals geltende Konvention. Sie verlässt ihr Elternhaus ohne Erlaubnis, trägt Männerkleidung und mischt sich in Kriegshandlungen ein. Als sie 1431 von den Engländern gefangen genommen wird, ist ihr der Prozess vor der Inquisition und der Tod auf dem Scheiterhaufen sicher.

Meine Meinung:

Ich lese gerne (Roman)Biografien historischer Frauen. Diese hier hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Zum einen ist über die historische Johanna wenig überliefert. Das was wir über sie wissen, steht vor allem in den Gerichtsakten ihres Prozesses, der hier geschildert wird. Und Geschichte schreiben bekanntlich die Sieger - in diesem Fall die Engländer.

Zum anderen habe ich wenig Neues erfahren. Interessant ist zu lesen, wie Johanna auch einige ihrer Feinde beeindruckt. Man weiß nicht, wie man mit dieser charismatischen Frau umgehen soll. Daher lieber früher als später als Hexe verbrennen.

Nicht ganz klar ist mir die Intention der Autorin geworden, aus welchen Beweggründen sie dieses Buch geschrieben hat. Sie muss sich ja mit Größen wie William Shakespeare, Friedrich Schiller, George Bernard Shaw, Jean Anouilh oder Bertold Brecht messen, die Jeanne d’Arc als Heldin verehren. Der österreichische Autor Felix Mitterer in seinem 2002 erschienenen Werk „Johanna oder die Erfindung der Nation“ wesentlich kritischer mit ihrer Person auseinander.

Fazit:

Ein Buch, das mich nicht überzeugt hat und daher nur 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 02.10.2021

Hat mich leider nicht überzeugt

Eine Familie in Berlin – Paulas Liebe
0

Mit diesem Buch startet Ulrike Renk eine neue Reihe einer Familien-Saga. Dabei verquickt sie wie in ihren anderen historischen Roman echte Personen mit fiktiven Charakteren.

Diesmal geht es um Paula Dehmel, ...

Mit diesem Buch startet Ulrike Renk eine neue Reihe einer Familien-Saga. Dabei verquickt sie wie in ihren anderen historischen Roman echte Personen mit fiktiven Charakteren.

Diesmal geht es um Paula Dehmel, geborene Oppenheimer, die allen Widerständen ihrer Familie zum Trotz, den begabten, aber flatterhaften Dichter Richard Dehmel heiratet.
Zunächst scheint die Ehe zwischen der in einer sehr aufgeschlossenen jüdischen
Familie aufgewachsenen Paula auch glücklich zu sein. Doch Richard hat nichts anders im Schädel, als ein berühmter Schriftsteller zu werden, geht nur äußerst widerwillig (s)einem Job als Versicherungsberater nach.

Doch als er verlangt, dass Paula seine Geliebte Ida, die sich wie eine Diva gebärdet, freundlich in den Haushalt aufnehmen soll, um eine „Ménage à trois“ zu führen, macht die durch Asthma gesundheitlich angeschlagene Paula endlich klar Schiff.

Meine Meinung:

Ich schätze Ulrike Renk als Autorin zahlreicher Familiengeschichten. Vor allem jene aus der Seidenstadt Krefeld die Ostpreußen-Saga oder die Trilogie der australischen Schwestern. Mit diesem Buch und den Protagonisten bin ich nicht ganz warm geworden. Vor allem Paula ist mir in ihrer Naivität und ihrem Verhalten Richard gegenüber ziemlich auf die Nerven gegangen. Ich hätte nach wenigen Seiten wetten können, dass Richard ein selbstverliebtes Ekel ist. Hat sie Richard nur deswegen geheiratet, weil ihr alle von ihm abgeraten haben? Diese obsessive Liebe, die nur ihr selbst schadet, kann ich nicht nachvollziehen. Aber vielleicht bin ich zu vernunftorientiert.

Mein Lieblingscharakter ist Tante Auguste. Auch mit Paulas Mutter Toni kann ich wenig anfangen. Man kann nicht alles haben. Sie hat im Gegensatz zu Auguste vier Kinder und einen Mann, der nach Maßgabe der damaligen Zeit und seiner Profession als Rabbiner, ein liebevoller Ehemann und Vater ist. Und was macht Toni? Sie ist neidisch auf Auguste und meckert ständig herum. Beklagt sich dauernd, dass ihr Mann Rabbiner einer eher armen jüdischen Gemeinde ist.

Sehr gut gefallen hat mir die aufwendige Recherchearbeit der Autorin, wenn auch der häufige Briefwechsel zwischen Richard und Paula, in denen sie sich gegenseitig ihre dichterischen Ergüsse, schreiben, nicht ganz meinen Geschmack treffen. Dieses ewige Gesäusel „Oh du mein Duling, mein Einziger“ von Paulas Seite hat mir einiges abverlangt. Da habe ich einiges quergelesen. Aber, wie schon gesagt, romantisches Liebesgeflüster ist nicht meines.

Von den Kinderreimen, die sie für ihre Kinder verfasst hat, ist mir der eine oder andere („Rumpumpel“) bekannt vorgekommen. Deswegen ist die Lektüre keine verlorene Zeit. Allerdings bin ich unschlüssig, ob ich einen weiteren Band lesen werde. Doch schauen wir einmal, was da noch kommt.

Fazit:

Ein etwas anderer historischer Roman als diejenigen, die ich von Ulrike Renk gewöhnt bin. Leider kann ich nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 26.09.2021

zehn Frauen, die auszogen um ihre persönliche Freiheit zu finden

Zehn unbekümmerte Anarchistinnen
0

Saint-Imier, eine Kleinstadt im Schweizer Jura, und deren Uhrenmanufakturen 19. Jahrhundert sin die Kulisse für dieses interessante Buch.

1872 arbeiten viele Menschen in den Manufakturen von Longines ...

Saint-Imier, eine Kleinstadt im Schweizer Jura, und deren Uhrenmanufakturen 19. Jahrhundert sin die Kulisse für dieses interessante Buch.

1872 arbeiten viele Menschen in den Manufakturen von Longines und Heuer - weltweit bekannte Uhrenmarken. Vor allem Frauen, die tagaus und tagein die selben Handgriffe machen müssen, um eine der Präzisionsuhren zu erschaffen, sind es leid, um ein Drittel weniger bezahlt zu bekommen sowie nebenbei den Haushalt und Kindererziehung zu schupfen, immer der Gefahr ausgesetzt, beim Schwanken der Auftragslage als erste gekündigt zu werden.

Einige, nach Unabhängigkeit von Macht und Kapital strebenden Menschen, schließen sich auch in der Schweiz, nach dem Pariser Vorbild, zu „Kommunen“ zusammen. So wird 1872 nach einem Besuch von Michail Bakunin, einem Gegenspieler von Karl Marx, die „Internationale der antiautoritären Föderation“ gegründet.
Zahlreiche Bewohner lassen sich von den Idealen anstecken. Unter anderem zehn Frauen, deren Geschichte hier in diesem Buch anhand von Dokumenten recherchiert und nacherzählt wird.

Zehn Frauen, die es leid sind, von Fabrikanten, Pfarrern, Männern und den Umständen im Allgemeinen gegängelt zu werden, beschließen nach Südamerika auszuwandern und dort ein unabhängiges Leben zu führen.
Sie bereiten sich akribisch vor. Jede besorgt sich als Kriegskasse eine Longines 20A. Als Vorhut verlassen Colette und Juliette, ein Liebespaar, die Schweiz. Die beiden werden bald nach ihrer Ankunft in Puntas Arenas ermordet. Von wem bleibt im Dunklen. Spielt hier ihre Homosexualität eine Rolle oder „nur“ die Unangepasstheit oder die beiden liebevoll „Zwiebeln“ genannten Longines 20A? Diese Uhren, die durch die Hände der 10 Frauen gegangen sind, werden noch eine Rolle spielen, denn durch heimlich angebrachte Gravuren lässt sich herausfinden, wessen Uhr es ist.

Trotzdem machen sich die acht anderen Frauen auf, ihren Traum von Freiheit auszuleben. Auf der Überfahrt, auf dem Schiff sind auch zahlreiche andere verbannte Anarchisten, stirbt Emilie bei der Geburt ihres Kindes - da waren’s nur mehr sieben.

In Patagonien angekommen, gründen sie gegen alle Widerstände eine Bäckerei und eine (eh klar) Uhrmacherwerkstatt. Sie müssen sich gegen die Kolonialbeamten, einer wie der andere korrupt und gewalttätig, wehren.

Letztendlich bleibt nur die Bericht erstattende Valentine Grimm am Leben, die 1910 in Montevideo Zeugnis gibt, vom Versuch ihre persönliche Freiheit zu finden und eine bessere Welt zu gründen. Manchmal muten ihre Visionen reichlich naiv an. Doch sie beißen sich durch und müssen mehrmals einen Neuanfang wagen.

Interessant finde ich, dass Valentin, obwohl nun alleine, immer das „WIR“ benützt.

Fazit:

Eine höchst interessante Geschichte von zehn wagemutigen Frauen, die auszogen, ihre persönliche Freiheit zu finden. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 26.09.2021

Eine Hommage an jene, die Widerstand leisteten

Die Clique der Ehrlosen
0

„Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger, verbrecherisch-dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet, um mich zu beseitigen und mit mir den Stab praktisch der deutschen ...

„Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich unvernünftiger, verbrecherisch-dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet, um mich zu beseitigen und mit mir den Stab praktisch der deutschen Wehrmachtführung auszurotten.“ (Auszug aus Adolf Hitlers Rundfunkansprache vom 21. Juli 1944 nach dem misslungenen Attentat in der Wolfschanze).

Diesem Zitat und der Widerstandsbewegung rund um Stauffenberg geht eine andere Verschwörung, die schon 1938 das Ziel, Hitler auszuschalten, hatte, und erst im Zuge der Verhaftungen von 1944 aufgedeckt wurde, voraus.

Von dieser Verschwörung, in der unter anderem Hans Oster, Wilhelm Canaris und eine Reihe von adeligen Wehrmachtsoffizieren schon früh erkannt haben, dass das NS-Regime und Hitler Deutschland in den Abgrund reißen würden, handelt dieses Buch.

In zwei Handlungssträngen bringt uns Autor Thomas Majhen die dramatischen Ereignisse näher. Da ist zunächst jener der Verschwörer, der einerseits über die Vorbereitungen zum Umsturz von 1938 und andererseits die Monate nach dem 20. Juli 1944 beleuchten.

Der zweite Handlungsstrang führt uns in das Leben von vier Unterprimanern, die stellvertretend für die breite Masse stehen, die der Propaganda und dem Druck des Regimes nachgeben (müssen).

Anders als das Stauffenberg-Attentat ist diese Verschwörung von Hans Oster, Wilhelm Canaris und den Offizieren in der (heutigen) Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Ausgang von Osters Bemühungen das Regime zu stürzen, ist unter anderem die „Blomberg-Fritsch-Affäre“. Mit falschen Anschuldigungen werden Werner von Fritsch und Werner von Blomberg, beide Kritiker von Hitler, aus ihren Ämtern entfernt. Hans Oster ist bereits vor 1938 erschreckend weitsichtig und versucht, Gleichgesinnte im In- und Ausland zu überreden, gegen die Nationalsozialisten und Hitler vorzugehen.

Meine Meinung:

In akribisch recherchierten Details lässt uns der Autor an der Verschwörung der Offiziere, die seit je her ein besonderes Ehrgefühl an den Tag legen - eine eingeschworene Gesellschaft, die vor allem der Tradition verpflichtet ist, teilhaben. Sie verstehen sich unter anderem als Hüter Deutschlands, wie folgendes Zitat zeigt.

"Unsere Aufgabe, unsere oberste Pflicht als Offiziere besteht darin, Deutschland vor Schaden zu bewahren."

Daher ist die Todesstrafe durch erhängen, eine besondere Schmähung der Offiziersehre. Den Tod durch ein Erschießungskommando oder das Fallbeil hätten die meisten vorgezogen. Nicht dass es etwas am Ergebnis geändert hätte, aber es wäre in ihren Augen ein ehrenvoller Tod gewesen.

Sehr interessant zu lesen ist, wie Hans Oster sein Netzwerk peu à peu aufbaut. Selbst jene, die dann doch nicht mitmachen, schweigen aus Respekt. Dass es dennoch eine große Zahl von adeligen Offizieren gab, die willfährige Helfer der Diktatur waren, darf nicht verschwiegen werden.

Besonders eindrücklich sind die Gedanken von Hans Oster in der Haft geschildert. Zwischen brutalen Verhören, in denen die Mitverschwörer gegen einander ausgespielt werden (sollen) und der Isolierhaft, hat Oster Zweifel, ob er nicht zu wenig getan hat, um das Regime zu beseitigen.

"... Deine Ziele waren von Beginn an zu ehrgeizig und unmöglich zu erreichen. Und doch war die übermenschliche Aufgabe, die du dir zu eigen gemacht, waren die Strapazen, denen du dich unterworfen hast, nicht umsonst. Nichts, das zum Wohle Anderer unternommen, kein Leid, das zum Schutze Wehrloser erduldet wird, ist je umsonst. Denk nur an all die Leben, die du mit deinem Opfer gerettet hast." (S. 391)

Anders als in der Wirklichkeit lässt der Autor die Verschwörer 1938 einen Putschversuch unternehmen.

Fazit:

Der Geschichte einer Gruppe von Offizieren, die alles andere als ehrlos waren, gebe ich gerne 5 Sterne und eine unbedingte Leseempfehlung.