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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2021

Ein komplexer Krimi

Weißer Sand
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KHK Birger Andresen ist nach seinem Sabbatical wieder zurück in Lübeck. In diesem Jahr hat er sich Gedanken um seine private und berufliche Zukunft gemacht. Doch bevor er etwas davon umsetzen kann, ist ...

KHK Birger Andresen ist nach seinem Sabbatical wieder zurück in Lübeck. In diesem Jahr hat er sich Gedanken um seine private und berufliche Zukunft gemacht. Doch bevor er etwas davon umsetzen kann, ist er in einen komplexen Kriminalfall verwickelt, der weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Ein Mann zeigt einen Überfall auf sich und seine Frau, die seitdem verschwunden ist, an. Allerdings und das erregt nicht nur Andresens Argwohn, erst einen Tag nach dem Ereignis. Wenig später wird der man tot aus dem Meer gezogen. Und als dann die vermisste Frau schwer verletzt auch noch auftaucht, wissen Andresen und sein Team, dass sie sehr tief graben müssen, um die Zusammenhänge zu erkennen.

Meine Meinung:

Wie wir es von Jobst Schlennstedt gewöhnt sind, beginnen seine Krimis recht verwirrend. Erst im Laufe der Ermittlungen, bei denen wir Leser miträtseln bzw. mitfiebern dürfen, verknüpfen sich die einzelnen Handlungsfäden zu einem kompakten Handlungsstrang und letztlich zu einem schlüssigen Ende.

Birger Andresen ist kein einfacher Charakter. Immer wieder eckt er bei Kollegen, Untergebenen und auch bei Vorgesetzten an. Seine unkonventionellen Ermittlungsansätze und oftmaligen Alleingänge sind für Team und Chefs ziemlich anstrengend. Diese Eigenmächtigkeiten hat er in seinem Sabbatical zurückgelassen. Nun bindet er zumindest Morten und Elif in seine Ermittlungen besser ein. Dass er der einen oder anderen Spur allein (und ohne Sicherheitsnetz) nachgeht, liegt eben in seiner Natur.

Schmunzeln musste ich mehrmals über den übereifrigen „Dorfsheriff“ Korte, der so gerne Kriminalbeamter geworden wäre und sein Konterfei formatfüllend auf den Titelseiten der Tagespresse sehen möchte. Er kann es Andresen nicht verzeihen, dass er schon bei einem früheren Fall, nicht aktiv in die Ermittlungen einbezogen worden ist, obwohl er einen entscheidenden Hinweis gegeben hat.

Dieser elfte Fall lässt Birger Andresen, der bald sechzig Jahre alt wird, gereift erscheinen. Es sieht so aus, als ob es noch einen zwölften geben wird. Doch ein Nachfolger ist vermutlich schon gefunden - Sohn Ole wird in das Team der Lübecker Mordkommission eintreten. Ich denke, das birgt allerlei Konfliktstoff.

Fazit:

Ein komplexer 11. Fall, dem gerne ein 12. folgen darf. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.09.2021

Eine Hommage an jene, die nicht nach Hitlers Pfeife tanzten

Die Edelweißpiratin
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In ihrem neuen Buch wendet sich Michaela Küpper einer Personengruppe zu, über die nicht allzu viel bekannt ist: die sogenannten „Edelweißpiraten“, eine Gruppe von jungen Männern und Frauen, die nicht nach ...

In ihrem neuen Buch wendet sich Michaela Küpper einer Personengruppe zu, über die nicht allzu viel bekannt ist: die sogenannten „Edelweißpiraten“, eine Gruppe von jungen Männern und Frauen, die nicht nach Hitlers Pfeife tanzen wollen.

Die Autorin nimmt uns auf eine Zeitreise in das Jahr 1933 mit. Hitler ist seit Ende Jänner Reichskanzler und sogleich beginnen die Repressalien gegen Juden und politisch andergesinnte wie Sozialisten und Kommunisten. Die Jugendlichen zwischen 14 und 17 sollen in der Hitlerjugend (HJ) zu willigen Helfern des Regimes geformt werden. Dagegen lehnen sich zahlreiche Jugendgruppen wie eben die „Edelweißpiraten“ oder die „Swing-Jugend“ auf. Sie wollen weiter eigenständig denken und agieren.

Von einem dieser unerschrockenen Mitglieder handelt dieses Buch - Gertrud „Mucki“ Kühlem. Muckis Eltern sind Gertrud, eine Apothekerin, und Peter Kühlem, der Kommunist. Sie wächst in einem offenen Elternhaus auf und hat schon früh gelernt, zu ihrer Meinung zu stehen.

Als der Vater im Sommer 1933 verhaftet und zuerst in das „braune Haus“ gebracht wird, um 1942 im KZ Esterwegen ermordet zu werden, lässt man Mucki und ihre Mutter anfangs in Ruhe. Je restriktiver die Gestapo mit andersdenkenden umgeht, desto entschlossener wird Mucki. Sie schließt sich den Kölner „Edelweißpiraten“ an. Zunächst nur, um den ungeliebten Nachmittagen beim BDM auszukommen. Je länger das Regime die Menschen unterdrückt, desto gewagter die Aktionen von Mucki und ihren Kollegen. Sie beschreibt mit Schulkreide Zäune und Hauswände.

Schließlich wird sie 1942 verhaftet, als sie Flugblätter von der Kuppel des Kölner Hauptbahnhof regnen lässt. Sie wird in das Gefängnis Brauweiler eingeliefert, mehrfach gefoltert, in Einzelhaft gehalten und kommt nur durch ein Versehen frei.

Mucki und ihrer Mutter gelingt die Flucht aus Köln. In Sigmaringen finden sie Unterschlupf.

Meine Meinung:

Michaela Küpper hat die Lebensgeschichte von Gertrud Kühlem (verehelichte Koch) penibel recherchiert und sehr gut erzählt. So können sich Leser, die noch nie von Widerstandsgruppen abseits von Stauffenberg & Co gehört haben, ein Bild davon machen, dass es sehr wohl Widerstand gegen das Nazi-Regime gab.
Alles musste im Geheimen ablaufen, niemand konnte vertraut werden, denn das Spitzelwesen war äußerst perfide angelegt.

Sehr gut sind auch die Lebensumstände der Zeit dargestellt. Zunächst bleibt vieles beim Alten, dann als die Mutter ihre Arbeit in der Apotheke verliert, müssen die beiden Frauen aus der schönen, großen Wohnung ausziehen und in eine kleine Dachkammer umziehen. Die bedrohlichen Razzien der Gestapo, bei denen alles kurz und klein geschlagen wurde, machen klar, dass weder Recht noch Ordnung herrschen, sondern nur das, was die Schlägertrupps dafür halten.

Dieser historische Roman ist auch deswegen bemerkenswert, da es nur ganz wenige Frauen zu einiger Bekanntheit geschafft haben.

Mit viel Mühe und Not überleben Mutter und Tochter Kühlem die NS-Herrschaft in Sigmaringen. Als die französische Armee Sigmaringen erreicht, wird sie für einige Zeit Bürgermeisterin. Gertrud „Mucki“ Koch stirbt hochbetagt im Juni 2016.

Michaela Küpper hat, wie schon in ihrem anderen historischen Roman „Der Kinderzug“ Fakten und Fiktion sehr gut verknüpft.

Fazit:

Gertrud „Mucki“ Koch und ihren Weggefährten kann nicht genug Tribut gezollt werden, dass sie sich dem NS-Regime entgegengestellt haben. Hätte es doch mehr solcher Menschen mit Zivilcourage gegeben! Gerne gebe ich dieser Hommage an die „Edelweißpiratin“ 5 Sterne.

Veröffentlicht am 14.09.2021

Ein Krimidebüt mit leichten Schwächen

Tod in der Schorfheide
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Dieser Krimi ist das Debüt von Richard Brandes und ist durchaus gelungen, obwohl die eine oder andere kleine Kritik anzubringen ist. Doch davon später.

Worum geht’s?

In der Schorfheide, einem eher unberührten ...

Dieser Krimi ist das Debüt von Richard Brandes und ist durchaus gelungen, obwohl die eine oder andere kleine Kritik anzubringen ist. Doch davon später.

Worum geht’s?

In der Schorfheide, einem eher unberührten Teil Brandenburgs, kommt ein Mann beim Brand seines Hauses ums Leben. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um einen brutalen Mord handelt.

Fast gleichzeitig wird eine fünfzehnjährige Schülerin als vermisst gemeldet.
Die Ermittlungen im Mordfall leitet Carla Stach und als dann herauskommt, dass das Mordopfer und die Schülerin einander kannten, läuft Stach die Zeit davon. Sie muss zuvor den Mord aufklären, um das Mädchen zu finden.

Meine Meinung:

Der Krimi ist fesselnd geschrieben. Die komplexen Zusammenhänge erschließen sich Lesern und Ermittlern erst nach und nach. Das ist meiner Ansicht nach sehr gut gelungen.

Spannend ist der Krimi durch die zahlreichen Wendungen und Sackgassen. Denn kaum glauben Ermittler und Leser, den Täter ausfindig und dingfest gemacht zu haben, entwindet sich dieser dem Zugriff, unter anderem durch Selbstmord.

Die Charaktere haben noch einiges Potenzial sich zu entwickeln. So wirkt Maik ein wenig farblos und manchmal nur wie ein Handlanger von Carla. Dem Macho Uli Rösler habe ich anfangs wenig Sympathie entgegenbringen können. Das hat sich, nachdem sein eigenes privates Schicksal bekannt worden ist, ein wenig gebessert. Er hat sich eben eine raue, unnahbare Schale zugelegt.

Was mir weniger gut gefällt?

Richard Brandes hat so etwas wie einen „Anfängerfehler“ gemacht: Er packt eine große Zahl von gesellschaftspolitischen Themen in sein Buch. Da ist z.B. Carla Stach, die mit einer Frau verheiratet ist und deren familiäre Probleme, wie der die Schule schwänzende Stiefsohn Toni, für mein Gefühl, einen zu großen Raum einnehmen. Auch die frauenfeindlichen Aussagen von Uli Rösler, eines Ermittlers, die vor allem seine farbige und allein erziehende Kollegin Julia treffen, sind ein wenig zu dick aufgetragen.

Nicht missverstehen - diese Themen sind wichtig, gehören angesprochen, aber nicht alles in einem (Debüt)Krimi. Diese Seitenblicke in Carlas und Julias Familienleben hätten ein wenig gestrafft werden können. Denn, dass Toni die Schule schwänzt, bringt den Fall keinen Deut weiter.

Die mehrfachen Perspektivenwechsel können die Spannung dann doch aufrecht erhalten, die durch die Familieneinblicke ein wenig verlangsamt worden sind.


Wie es sich für einen Regionalkrimi gehört, spielen die stillen Wälder Brandenburgs eine große Rolle. Auch neugierige Nachbarn gehören zum Lokalkolorit dazu.

Fazit:

Ein durchaus gelungenes Krimidebüt, das noch einige kleine Schwächen aufweist. Daher reicht es diesmal nur für 3 Sterne.

Veröffentlicht am 14.09.2021

Fataler Blick in die Sterne

Der Himmel über Nordfriesland
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Dieser Krimi ist der 5. aus der Reihe um das Husumer Polizisten-Duo Flottmann und Hilgersen.

Eine Frau begeht Selbstmord, eine andere wird im Schlick vergraben und stirbt, und eine dritte verschwindet ...

Dieser Krimi ist der 5. aus der Reihe um das Husumer Polizisten-Duo Flottmann und Hilgersen.

Eine Frau begeht Selbstmord, eine andere wird im Schlick vergraben und stirbt, und eine dritte verschwindet spurlos. Zusätzlich muss sich das sympathische Duo mit einem Kornkreisen, einem plötzlich leeren Löschteich und einer Glocke, die, wie diejenige der bei der Großen Mandränke verschwundenen Stadt Rungholt, klingt, herumschlagen.

Flottmann und Hilgersen wird recht bald klar, dass diese Ereignisse zusammenhängen, aber wie?

Meine Meinung:

Dieses Buch ist mein erstes von Gerd Kramer. Wie konnte der Autor mir bisher durch die Lappen gehen?

Flottmann und Hilgersen benehmen sich wie ein altes Ehepaar, worüber ich herzlich schmunzeln musste, wie über die witzigen Dialoge. Trotzdem nimmt sich Gerd Kramer eines wichtigen Themas an: der Leichtgläubigkeit mancher Menschen, was Astrologie und Esoterik anbelangt. Ein Horoskop zur Unterhaltung zu lesen,
Mag vielleicht amüsant sein, sein Leben ganz nach den Aussagen eines Astrologen auszurichten, kann fatale Folgen haben. Besonders bei durch Schicksalsschläge gebeutelte Personen wie Helena, kann das in eine unheilvolle Abhängigkeit führen, der alles untergeordnet wird. Helena, durch den Tod der kleinen Tochter traumatisiert und vom Ehemann links liegen gelassen, schlittert in ein Suchverhalten, das sie letzten Endes Selbstmord begehen lässt. Das ethische Verhalten zweier Astrologinnen, die sich munter über ihre Klientinnen austauschen und sich die Kundinnen zuschanzen, ist mehr als grenzwertig. Wenigstens
hat eine dann ein schlechtes Gewissen und gibt den Job auf.

Da ich die Vorgänger nicht kenne, habe ich mich vermutlich um den Genuss gebracht, die Entwicklung von Flottmann und Hilgersen zu verfolgen. Ich denke, ich werde das nachholen.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der uns nach Husum entführt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 14.09.2021

Fesselnder Krimi, der in die Vergangenheit der Schweiz reicht

Wenn die Schatten sterben
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Dieser Krimi von Christof Gasser ist eine Art Prequel zur Reihe rund um Dominik Dornach. Wir erleben ihn hier etwa zehn Jahre vor seiner eigenen Krimiserie.

Worum geht’s?

Rebecca „Becky“ Kolberg reist ...

Dieser Krimi von Christof Gasser ist eine Art Prequel zur Reihe rund um Dominik Dornach. Wir erleben ihn hier etwa zehn Jahre vor seiner eigenen Krimiserie.

Worum geht’s?

Rebecca „Becky“ Kolberg reist gemeinsam mit ihrem zehnjährigen Sohn aus ihrer Heimat Kiel nach Solothurn, um Abstand von ihrem bisherigen Leben zu gewinnen. Der Unfalltod ihres Ehemanns hat Becky traumatisiert. Hier in Solothurn, woher ihre adeligen Großeltern ursprünglich stammen, will sie einen Neuanfang wagen.

Als beim Renovierungsarbeiten im Schloss der Großeltern ein eingemauertes Skelett entdeckt wird, muss sie sich der Vergangenheit ihrer Vorfahren stellen, die sie bislang nicht wirklich interessiert hat. Anders als in Deutschland oder Österreich verjährt ein Mord in der Schweiz bereits nach 30 Jahren, weshalb Dominik Dornach, ihr Nachbar, keine offiziellen Ermittlungen anstellen darf.

Doch dann sterben ein alter Mann und seine Pflegerin einen gewaltsamen Tod und der leitende Staatsanwalt verdächtigt Becky. Nun schlägt Dornachs Stunde, denn er kann den ehrgeizigen Staatsanwalt, der ewig gestrige Ansichten pflegt, nicht leiden.

Nach und nach kommen Teile der Familiengeschichte derer von Colberg ans Tageslicht. Eine Familiengeschichte, die nicht gänzlich frei von Schuld ist.

Meine Meinung:

Christof Gasser ist ein sehr spannender Krimi gelungen. Wir dürfen uns tief in die Geschichte der Schweiz begeben, die vor und während des Zweiten Weltkrieges ein nicht besonders rühmliches Verhalten an den Tag gelegt hat. Aus Angst vor dem Überrolltwerden des Landes wie das neutrale Belgien oder die Niederlande paktiert man mit Hitler-Deutschland. Dass dabei auch handfeste wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen, ist auch verständlich. Die Schweiz ist abhängig von der Zulieferung von Rohstoffen, insbesondere von Kohle.

So können wir hier einen Krimi in zwei Zeitebenen erleben, der durch das unselige Gedankengut des Herrenmenschentums verbunden ist: Der gegenwärtige Teil rund um Becky und der andere Handlungsstrang aus 1940 rund um die couragierte Emma.

Geschickt flicht Christof Gasser die historischen Ereignisse ein. Der Leser erfährt Dinge, die ihm (so wie mir) nur rudimentär geläufig waren/sind. Schön unterschwellig in der Handlung, sodass Niemandem ausschließlich trockene Fakten an den Kopf geworfen werden. Das gefällt mir persönlich sehr gut. Natürlich muss ich, weil historisch sehr interessiert, einiges recherchieren. Gute Bücher, egal welchen Genres, verleiten mich immer, einer geschilderten Sache nachzugehen und mehr darüber wissen zu wollen.

Der Krimi selbst ist fesselnd und die Figuren fein herausgearbeitet. Zugeben finde ich Emma interessanter und sympathischer als Becky, die mir ein wenig oberflächlich erscheint. Gut, dass Dominik Dornach nicht auf ihre unterschwelligen Avancen anspringt. Ihr Sohn hingegen wirkt sehr sympathisch, da er Dominiks achtjährige Tochter Pia aus ihrem selbst gewählten Schneckenhaus herausholt.

Fazit:

Ein fesselnder Krimi, der so manches Geheimnis aus der Vergangenheit birgt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.