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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.09.2025

Hat mich nicht überzeugt

VIER
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Dieser Krimi ist die Fortsetzung zu Zehn, einem Krimi, in dem ein Serienmörder die Polizei Jahre lang an der Nase herumführt, bis ihm bei einem Showdown das Handwerk gelegt werden konnte, auch wenn sein ...

Dieser Krimi ist die Fortsetzung zu Zehn, einem Krimi, in dem ein Serienmörder die Polizei Jahre lang an der Nase herumführt, bis ihm bei einem Showdown das Handwerk gelegt werden konnte, auch wenn sein letztes Verbrechen, bei dem mehr als dreißig Personen und Dutzende schwer verletzt worden sind, nicht mehr verhindert werden konnte. Man muss den Vorgänger nicht unbedingt gelesen haben. Denn einige wichtige Aspekte von Zehn in der Fortsetzung rekapituliert bzw. erwähnt werden. Daher ist gewährleistet, den Anschluss zu finden.

Der Krimi beginnt mit einem Prolog und der Einvernahme eines Tatverdächtigen am 1. September 2020. Anschließend springt der Krimi in unregelmäßigen Abständen zwischen der Vergangenheit von 2001, 2008, 2012 und 2016 wieder nach 2020. Zwar ist bei jeden Kapitel der genau Tag angegeben, man kann das aber in der Gier, wissen zu wollen, was nun weiter passiert, leicht überlesen werden, sodass dann ein wenig verwirrt zurück geblättert werden muss.

Anders als in Zehn wird diesmal von Beginn an ordentlich ermittelt. Denn spätestens nach dem zweiten geköpften Opfer ist klar, dass ein direkter Zusammenhang mit der damaligen Mordserie besteht. Die Ermittler stehen unter Hochspannung. Übt hier jemand Rache? Oder will man ehemalige Mitwisser beseitigen? Nur wer?

Der alte Täter kann es nicht sein, denn der liegt, nachdem ihn seine Ehefrau, weil sie ihn zu stoppen versucht hat, durch mehrere Schüsse schwer verletzt hat, im Koma. Die fieberhafte Suche beginnt und ein Verdächtiger wird gefasst. Aber ist wirklich der Mörder mit dem Schwert, der auch den damaligen Ermittlungsleiter Kanther ermordet?

Meine Meinung:

Das Buch wird als Thriller beworben, was ich so nicht unterschreiben mag. Nur Zeitsprünge machen noch keinen Thriller. Der Schreibstil ist eher einfach gehalten. Allerdings gibt es einige Passagen, bei denen ich meinen Kopf schütteln musste. Ein Beispiel gefällig?

„Aury brannte. Lichterloh. Verdammt, sie hätte Steaks auf ihrer nackten Haut grillen können. Jedenfalls gefühlt.“

Ähem, das klingt schon sehr nach Groschenroman.

Mit den Charakteren bin ich auch nicht wirklich warm geworden. Vor allem, weil das Verhältnis zwischen Teamleiter Martin Paulus und seiner jungen Kollegin Aurelie die Ermittlungen überhaupt nicht weiterbringt, sondern die beiden eher ablenkt. Ließe man das weg, hätte der Krimi wohl nur die Hälfte der Seiten. Auch zu Charlotte, die als toughe Frau beschrieben wird, finde ich keinen Zugang.

Das Buch schließt dann mit gleich drei (!) Epilogen, von denen der letzte im Jahr 2021 am Krankenbett des Koma-Patienten spielt. Ich habe eine, nein eigentlich zwei, vage Ideen, die vermutlich erst im dritten Band dieser Reihe schlüssig beantwortet werden können. Denn an den festgenommenen Verdächtigen als Täter glaube ich nicht so recht.

Fazit:

So ganz kann mich dieser Krimi, der durchaus spannende Stellen hat, diesmal nicht überzeugen, weshalb er nur 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Dunkelnah
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In seinem neuen Psychothriller nimmt uns Autor Roman Klementovic in die düstere Atmosphäre eines Lost Place mit. Schon der Prolog stimmt auf einen kommenden Albtraum ein.

Simon Winter trifft im ehemaligen ...

In seinem neuen Psychothriller nimmt uns Autor Roman Klementovic in die düstere Atmosphäre eines Lost Place mit. Schon der Prolog stimmt auf einen kommenden Albtraum ein.

Simon Winter trifft im ehemaligen Hotel Waldhof ein, um dort bei Renovierungsarbeiten mitzuarbeiten. Doch schon dessen Ankunft lässt ahnen, dass der Autor wieder mit seinen Leser:innen Katz und Maus spielen wird. Das Hotelier-Paar besteht aus einer Frau, die Simon ständig nötigt, Schnaps zu trinken und deren aggressiven Mann, der ohne Flinte und Rottweiler keinen einzigen Schritt tut.

Simon hätte besser auf sein Bauchgefühl gehört und unverzüglich umgedreht. Allerdings gerät er in den Sog dieses seltsamen und manipulativen Ehepaares. Als er erfährt, dass eine junge Frau verschwunden ist, beschließt er, diese zu finden.

Meine Meinung:

Ich verfolge die literarische Karriere von Roman Klementovic seit seinem Debüt Verspielt im Jahr 2015. Er schafft es in jedem seiner Thriller eine bedrückende Atmosphäre darzustellen, in der Protagonisten wie Leser nicht wissen, wem sie trauen können oder welchen Streich einem das verängstigtes Gehirn spielt. Wie Klementovic in einem Interview erklärt, hat ihn das dem Verfall preisgegebene Südbahnhotel am Semmering zu diesen Thriller inspiriert.

Die Spannung steigt von Seite zu Seite bis sie sich in einem furiosen Final entlädt. Nicht immer wirkt alles glaubhaft, aber das gehört zu einem Psychothriller wohl dazu, das Ängste und Visionen die Wirklichkeit entstellen.

Fazit:

Wer also einen Psychothriller lesen möchte, bei dem wenig so ist, wie es scheint, ist hier richtig. Mir war es diesmal ein wenig zu viel der Manipulation, weshalb ich diesmal 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Bei den Partisanen im Wald

Europäische Erziehung
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Europäische Erziehung ist der erste Roman von Romain Gary (1914-1980). Gary schildert darin die Geschichte des 14-jährigen Janek Twardowski, der 1942 von seinem Vater, einem Arzt, in einem Wald nahe der ...

Europäische Erziehung ist der erste Roman von Romain Gary (1914-1980). Gary schildert darin die Geschichte des 14-jährigen Janek Twardowski, der 1942 von seinem Vater, einem Arzt, in einem Wald nahe der Stadt Vilnius versteckt worden ist. Das unterirdische Versteck ist mit einer Feuerstelle, Decken und einigen Säcken Erdäpfeln beinahe luxuriös ausgestattet. Zunächst kommt der Vater immer wieder, um nach Janek zu sehen. Doch als er wegbleibt, der geneigte Leser wird wissen warum, schließt sich Janek, wie ihm der Vater geraten hat, den Partisanen an, bei denen er zuerst als Laufbursche bis er seinen Platz in der Gruppe findet.

Während im entfernten Stalingrad die Schlacht tobt, werden in Litauen Juden deportiert und ermordet. Für jeden getöteten deutschen Soldaten werden Dörfer niedergebrannt und Geiseln erschossen, wobei kein Unterschied gemacht wird, ob es sich um Frauen, Männer oder Kinder handelt. In dieser grausamen Zeit reift Janek frühzeitig zum Mann.

Meine Meinung:

Romain Gary hat diesen Roman noch während des Zweiten Weltkriegs verfasst, als er auf Seiten der Alliierten kämpft. Das Buch ist vor kurzem neu übersetzt worden, wobei angemerkt wird, dass die Sprache der damaligen Zeit weiterhin verwendet worden ist, was unter Umständen zu Irritationen führen könnte. Meiner Ansicht nach hat der Verlag damit richtig gehandelt, um die Authentizität des Romans beizubehalten.

Der Autor selbst ist 1914 in Vilnius (Litauen) als Sohn einer jüdischen Familie geboren, in Polen aufgewachsen und nachdem der Vater die Familie verlassen hat, 1928 mit seiner Mutter nach Frankreich übersiedelt. Dort geht er 1938 zur französischen Luftwaffe und nach der Besetzung Frankreichs durch die Wehrmacht nach England zu Charles de Gaulles Exilregierung.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.09.2025

Hat mir nicht gefallen

Blut und Spiele in Colonia
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Dieser historische Krimi ist der zweite Fall für das ungewöhnliche Ermittlerpaar, dem Anwalt Quintus und der Patriziertochter Lucretia, der in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, kurz CCAA, also im ...

Dieser historische Krimi ist der zweite Fall für das ungewöhnliche Ermittlerpaar, dem Anwalt Quintus und der Patriziertochter Lucretia, der in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, kurz CCAA, also im heutigen Köln, um 87 n. Chr. spielt.

Der Inhalt ist schnell umrissen: Rund um den charismatischen Schauspieler und Tänzer Aulus, werden einige Personen ermordet. Um den Ruf seiner Stadt (und seine Macht) nicht zu verlieren, werden Lucretia und Quintus vom Statthalter der CCAA beaufragt, den oder die Täter ausfindig zu machen. Bei ihren Recherchen, müssen sie feststellen, dass auch Aulus seine Geheimnisse hat und nicht nur ein viel beklatschter Künstler ist.

Leider kann mich dieser Ausflug in die römische Geschichte nicht begeistern, denn für meinen Geschmack und mein Geschichtsverständnis wird hier die Realität viel zu stark gebeugt. Es mag ja die eine oder andere aufmüpfige unter den verwöhnten Töchtern aus Patrizierfamilien gegeben haben, aber solche Freiheiten, wie sich Lucretia nimmt, sind äußerst unwahrscheinlich. Da wäre der Pater Familias mit vollem Recht eingeschritten.

Das Buch lässt sich leicht lesen, denn einerseits gibt es am Ende ein ausführliches Glossar, das allen jenen, die sich in der römischen Antike nicht so gut auskennen, hilfreich zur Seite steht, und andererseits ist der Schreibstil der heutigen Zeit angepasst.

Fazit:

Wer einen Roman aus der Römerzeit lesen will, aber auf historische Genauigkeit nicht so viel Wert legt, wird Freude an diesem Buch haben. Wer, so wie ich, auf Authentizität achtet, muss zu anderen Büchern greifen. Von mir gibt es 2 Sterne.

Veröffentlicht am 19.09.2025

Komplexer Politkrimi

Seidenstraße
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Dass die millionenschweren Investitionen Chinas in europäische Firmen und Infrastruktur nicht allzu beliebt sind, ist nichts Neues. Natürlich gibt es auch Gruppen, die aus unterschiedlichen Gründen auf ...

Dass die millionenschweren Investitionen Chinas in europäische Firmen und Infrastruktur nicht allzu beliebt sind, ist nichts Neues. Natürlich gibt es auch Gruppen, die aus unterschiedlichen Gründen auf solche Investments drängen. Diesmal geht es um Anteile am Hamburger Hafen. Nun stehen sich Befürworter und Gegner des Deals nicht nur mit Transparenten sondern auch mit Schlagstöcken gegenüber.

Vor diesem Hintergrund spielt dieser Politkrimi, bei dem man nicht genau weiß, wer Freund und wer Feind ist. Das muss auch Max Oster, ehemaliger BND-Mitarbeiter und Ex-Soldat, der nun als Sicherheitschef am Hamburger Hafen arbeitet, am eigenen Leib spüren, als Jessica Wang, eine musikbegeisterte Chinesin, die er in der Elbphilharmonie kennengelernt hat, ermordet wird. Sie wird nicht die einzige Tote bleiben.

Recht schnell gerät Oster zwischen die Mahlsteine unterschiedlicher Interessen. Er wird von Polizei und Geheimdienst gejagt. An seiner Seite, die junge etwas naive Journalistin Laura Schneider, die glaubt einem großen Scoop auf der Spur zu sein. Beide wissen nicht, wem sie noch trauen können und welche Rolle der eine oder andere aus Regierung und Geheimdienst spielen.

Meine Meinung:

Dieser Politkrimi ist rasant und lässt sich sehr gut lesen. Nicht immer ist es leicht, herauszufinden, wer auf welcher Seite steht. Manchmal gibt es nur die eigene Seite.

Interessant ist der Krimi allemal, denn er zeigt, dass die Regierungsmitglieder nicht einer Meinung sind und verschiedene Gruppen teils aus Eigennutz teils aus Verblendung eigene Ziele verfolgen. Trotz der oft verwirrenden Hinweisen, die sich oft als Sackgasse entpuppen, gelingt es Robert Lackner eine schlüssige, wenn auch vielleicht nicht befriedigende Auflösung darzubieten.

Die Charaktere sind recht gut ausgearbeitet. Mit Laura Schneider kann ich mich überhaupt nicht anfreunden. Zum einen wirkt sie auf mich ziemlich naiv, auf der anderen halte ich sie für ehrgeizig und berechnend. Ich denke, sie würde Max Oster bedenkenlos fallen lassen, wenn er ihr nicht mehr nützlich erscheint. Das passt für mich nicht ganz zu einer Volontärin, die gerade einmal 23 Jahre alt ist.

Ich kenne Robert Lackner von seinem ersten Buch, der Biografie von Willy Perl, jenem Anwalt, der Tausenden Juden das Leben gerettet hat.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Polit-Krimi 4 Sterne.