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Venatrix

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Veröffentlicht am 05.08.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der Barmann des Ritz
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Mit diesem historischen Roman, der geschickt Fakten mit Fiktion verbindet, tauchen wir in das Paris, das von 14. Juni 1940 bis 25. August 1944 von der Deutschen Wehrmacht besetzt war, ein. Die Besatzer ...

Mit diesem historischen Roman, der geschickt Fakten mit Fiktion verbindet, tauchen wir in das Paris, das von 14. Juni 1940 bis 25. August 1944 von der Deutschen Wehrmacht besetzt war, ein. Die Besatzer haben alle großen Hotels der Stadt für ihre Zwecke requiriert. So auch das Ritz.

Star des Ritz bzw. seiner Bar ist Barmann Frank Meier, dessen, mit 1.000 Exemplaren streng limitierte, Buch "The Artistry of Mixing Drinks" ihn weit über das Ritz hinaus bekannt gemacht hat. Diese Bekanntheit birgt auch eine große Gefahr, denn was niemand wissen darf: Frank ist als Sohn eines polnischen Juden in der untergegangenen Donaumonarchie geboren worden. Im Ersten Weltkrieg hat er auf Seiten Frankreichs gekämpft. Einiges aus seinem bewegten Leben erfahren wir durch seine fiktiven Tagebuchaufzeichnungen, die zwischendurch eingeflochten sind.

Die Bar des Ritz ist auch Treffpunkt von Schauspielern, Diplomaten, Denunzianten, Schriftstellern, Schwarzmarkthändlern, Luxusdirnen und zahlreicher Offiziere der Wehrmacht, wie Hermann Goering. Es ist fesselnd zu lesen, wie einerseits zahlreiche Franzosen, Künstler und Geschäftsleute wie Coco Chanel, sich den Deutschen anbiedern, und andererseits vor allem die Pariserinnen durch kleine Gesten, wie schwarze Bänder an Hüten und in den Haaren als Zeichen der Trauer wegen der Besatzung, passiven Widerstand leisten. Coco Chanel hat übrigens von 1936 bis zu ihrem Tod 1971 in einer Suite des Hotels gewohnt hat. Allerdings, wenn man dem Roman hier glauben darf, in einem separaten Trakt.

Philippe Collin hat hier einen fesselnden historischen Roman, der die Stimmung in Paris recht gut wiedergibt. Hofft man zunächst auf das Eingreifen von Staatschef Henri Pétain und seiner Vichy-Regierung, so wendet sich mit Fortdauer des Krieges und der Verfolgung der Juden das Blatt. Vor allem Frank Meier ist maßlos enttäuscht von Pétain, den er vor Verdun als Kommandierenden kennengelernt hat.

Interessant ist die Arroganz der Deutschen, die mit mehreren Cocktails intus, völlig ungeniert über ihre nächsten Pläne schwätzen und nicht bemerken, dass Frank Meier der deutschen Sprache mächtig ist bzw. ihn, ähnlich wie ein Möbelstück, ignorieren.

Sehr gut ist Meiers Angst vor einer Denunziation, die nicht nur ihn alleine, sondern auch Blanche, die Ehefrau des Hoteldirektors Claude Auzello, und seinen Lehrling Luciano betrifft, geschildert. Diese diffuse Angst steigert sich von Kapitel zu Kapitel. Auf Grund seiner Beziehungen gelingt es Meier, zahlreichen Juden gefälschte Pässe zu organisieren, was ihn natürlich in noch größere Gefahr bringt.

Das Cover zeigt eine Szene in der Bar. Welches Schicksal einige der historischen Personen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erwartet, ist im Anhang, der auch einige Abbildungen beinhalte, nachzulesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Roman, der auf Tatsachen beruht und fesselnd erzählt wird, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.08.2025

Eine Leseempfehlung!

Irina
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Dieser autofiktionale Roman ist die Geschichte ihrer mütterlichen Familie, die Autorin Sasha Colby, soweit es möglich war, akribisch recherchiert hat und nun gekonnt erzählt.

Alles beginnt im Jahr 1942 ...

Dieser autofiktionale Roman ist die Geschichte ihrer mütterlichen Familie, die Autorin Sasha Colby, soweit es möglich war, akribisch recherchiert hat und nun gekonnt erzählt.

Alles beginnt im Jahr 1942 als die junge Ukrainerin Irina Kylynych im Alter von 19 Jahren wie Hunderttausende ihrer Landsleute zur Zwangsarbeit in Nazi-Deutschland verschleppt wird. Nach tagelanger Irrfahrt kommt sie in Wetzlar an und hat „a bisselchen Glück“ wie sie später immer wieder sagen wird. Irina wird der Verpackungsabteilung der Leitzwerken zugeteilt, lernt recht schnell die deutsche Sprache und wird nach einigen Wochen in den Haushalt von Elsie Kühn-Leitz übernommen. Dort muss sie miterleben, wie Elsie Kühn-Leitz 1943 von der Gestapo verhaftet wird, weil sie ihre Zwangsarbeiter „übertrieben menschlich“ behandelt.

Irina lernt ihren Mann Sergei kennen, bekommen ihr erstes Kind Alexandre und fliehen unter falschem Namen zu Kriegsende vor den Truppen der Roten Armee und landen nach Umwegen über Displaced-People-Camps in Kanada. Denn die russischen Zwangsarbeiter werden den Sowjets übergeben, gelten aber in der UdSSR als Kollaborateure und werden in Straflager nach Sibirien gebracht oder gleich hingerichtet. Doch auch in Kanada glauben sie sich lange Jahre (noch) nicht sicher. Hier kommt Lucy zur Welt, die Sashas Mutter werden wird.

„Großmutters Vorliebe für Spitze, hat ihre eigene Geschichte, die in einem tief im Mark verankerten Glauben wurzelt, dieses Material würde den Sieg der Zivilisation über die Barbarei symbolisieren, den Sieg der Schönheit über die animalische Hässlichkeit der Armut. Als jemand, der von den Feldern der durch Stalin ausgehungerten Ukraine in ein Zwangsarbeiter in Nazi-Deutschland und dann über Displaced-Person-Camps ins Nachkriegs-Kanada gekommen war, musste sie es schließlich wissen. Im Haus meiner Großmutter ist alles voll mit Spitze - die Vorhänge, die zierdeckchen, das Tischtuch auf dem Esstisch. Sie dient als Barriere.“ (S. 15)

Sasha Colby erzählt abwechselnd in zwei Zeitebenen ihre Familiengeschichte. Zunächst steigen wir im Jahr 2011 bei den Vorbereitungen eines Festes im Hause von Irina ein, um wenig später in das Jahr 1942 nach Wetzlar zurückzukehren und Elsie Kühn-Leitz kennenzulernen. Elsie ist die Tochter von Ernst Leitz II, deren Großvater die Leitz-Werke 1869 gegründet hat. Vater und Tochter Leitz sind Gegner der Nazis und versuchen so viele Menschen zu retten wie möglich. Das gelingt mit viel Geld und Chuzpe, denn es gibt zahlreiche Leitz-Werke in den USA, die nun neue, meist jüdische Mitarbeiter erhalten. Dennoch müssen sie sich in Acht nehmen und Ernst Leitz II muss nicht nur der Partei beitreten, sondern auch optische Geräte wie Ferngläser und Kameras etc. für die Wehrmacht produzieren. Die Wochen der Haft, die Elsie Kühn-Leitz im Polizeigefängnis von Frankfurt verbringen muss, sind ihren Aufzeichnungen entnommen.

Meine Meinung:

Der Autorin gelingt es ausgezeichnet ihre gegenwärtige Familiengeschichte mit der Vergangenheit ihrer Großmutter zu verknüpfen. Dazu tragen so manche Eigenheiten von Irina wie die schon erwähnte Vorliebe für Spitze oder ihre Einkaufsgewohnheiten in den Supermärkten, die immer wieder für Augenrollen und mitunter auf Unverständnis bei Tochter und Enkelin sorgen bei. Liebevoll lässt Sasha ihre Baba (Großmutter) in dem ihrer eigentümlichen Sprache, die mich als Wienerin, ein wenig an das Jiddische erinnert, sprechen.

Dass Elsie Kühn-Leitz und ihr Vater Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben, ist, im Gegensatz zu Oskar Schindler, relativ unbekannt. Ich habe darüber vor Jahren gelesen. Zum einen, weil mir als Vermesserin der Konzern, der früher unter dem Namen Wild Heerbrugg Vermessungsgeräte hergestellt hat und dieses als Leica-Geosystems nach wie vor macht, und weil Leica-Kameras (neben Hasselblad) das Nonplusultra der Fotografie sind, sehr gut bekannt ist. Zum anderen habe ich bereits einige Firmengeschichten und ihre Haltung während der Nazi-Diktatur gelesen. Nicht alle Konzerne, die in dieser Zeit profitiert haben, stellen sich ihrer Verantwortung.

Fazit:

Mir hat dieser autofiktionale Roman sehr gut gefallen, was vor allem an Baba Irina liegt, die mit ihren Eigenheiten liebevoll, wie es nur eine Enkelin vermag, geschildert ist. Zahlreiche private Fotos ergänzen diese Familiengeschichte. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 04.08.2025

Beste Krimiunterhaltung!

Die Lotsin
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„Die Lotsin“ von Mathijs Deen ist bereits der vierte Fall für Kommissar Liewe Cupido. Er ist gebürtiger Deutscher, aber auf Texel aufgewachsen und wird darum »der Holländer« genannt. Diesmal greift er ...

„Die Lotsin“ von Mathijs Deen ist bereits der vierte Fall für Kommissar Liewe Cupido. Er ist gebürtiger Deutscher, aber auf Texel aufgewachsen und wird darum »der Holländer« genannt. Diesmal greift er später als üblich ins Geschehen ein. Worum geht‘s?

Die Glaziologin und Klimaforscherin Iona Grimstedt arbeitet auf eine Forschungsstation im Nordosten Grönlands. Auf Grund eines gefährlichen Zwischenfalls funkt man das nächste Schiff an, um sie an Land, nach Kiel, zu bringen, da sie an zahlreichen Erfrierungen leidet. Es ist ausgerechnet das Forschungsschiff Anthropocene auf dem ihr Mann Torsten als Erster Offizier Dienst tut. Niemand ist von Ionas Anwesenheit recht begeistert und auch der Ehemann verhält sich eigenartig. Wenig später erhält die deutsche Küstenwache einen Notruf, denn Iona scheint kurz vor Helgoland über Bord gegangen. Ist sie gesprungen oder hat hier jemand nachgeholfen?

Xaver Rimbach, der junge Kollege von Liewe Cupido, der im Moment nicht abkömmlich ist, übernimmt die ersten Befragungen der Schiffsbesatzung bis er von seinem Hermann Rademacher, dem Leiter der Bundespolizei SeeEinheit, rüde zurechtgewiesen und abkommandiert wird. Rimbach, ein Winzersohn aus dem Neckargebiet ist die raue See nicht geheuer und zudem hat er das Gefühl, dass auf dem Schiff etwas im Argen liegt. Doch ein Gefühl, auch wenn es noch so mies ist, ist zu wenig. Auf die Fakten kommt es an, sagt Xanders Mentor Liewe immer. Wenig später übernimmt Liewe Cupido die Ermittlungen, die immer mehr Fragen aufwerfen als sie beantworten.

Was hat der Kapitän zu verbergen, dass er die Lotsin niederstößt?

Meine Meinung:

Ich mag den wortkargen Ermittler Liewe Cupido und auch Xander bin ich in diesem Band näher gekommen. Er ist ja das genaue Gegenteil von Cupido, weil ob seiner Unsicherheit immer ein wenig zu viele Worte macht. Ich denke, Xander hat enormes Potenzial, das auch von Cupido erkannt wird.

Interessant finde ich die Beschreibung des Lebens auf See. Für mich als Wiener Landratte ist das nichts, obwohl ich immer wieder gerne den Schiffen zusehe, sei es in Hamburg oder auf der Kieler Woche. Gut beschrieben ist die eigenartige Atmosphäre, die auf der Anthropocene herrscht. Den Begriff „Geisterschiff“ finde ich gut gewählt.

Der Krimi ist komplex, zumal ja auch mehrere Dienststellen, die nicht immer besonders gut harminieren, an den Ermittlungen beteiligt sind.

Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten. Allerdings sind sowohl Torsten als auch Iona Grimstedt ist keine besonderen Sympathieträger. Besessen von ihrer Arbeit lässt sie ihre fünfjährige Tochter bei ihrer Mutter, die kaum die deutsche Sprache beherrscht, zurück und sein Verhalten ist auch sehr fragwürdig.

Mit dem Auftauchen von Liewes Schwester Paula und dem Tod der Mutter erhält der Krimi dann noch einen persönlichen Touch und wir Leser erfahren, warum sich die Geschwister aus dem Weg gehen.

Eine kleine Anmerkung muss ich zur Übersetzung machen: Der niederländische Originaltitel heißt „De loods“ was ins Deutsche übersetzt soviel wie Schuppen, Halle, Lager oder schlicht Container, wie sie auf der Anthropocene in Verwendung stehen, bedeutet. Ein (Schiffs)Lotse wird als Scheepspiloot bezeichnet. Das hat mir der Mann meiner Freundin, ein gebürtiger Holländer aus Zeeland erklärt. Das hat nichts mit der Lotsin zu tun, die kurz an Bord war, sondern mit den Containern und ihrer besonderen Fracht.

Fazit:

Dieser vierte Fall für Liewe Cupido hat mich sehr gut unterhalten, weshalb ich ihm 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 04.08.2025

Gute Krimi-UNterhaltung

Nach dem Leben
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Dieser Krimi ist der 4. Krimi aus der Reihe rund um Hauptkommissarin Hanna Will und Kriminalpsychologe Jan de Bruyn. Für mich ist das der erste Band dieser Serie, aber nicht der erste der Autorin.

Ein ...

Dieser Krimi ist der 4. Krimi aus der Reihe rund um Hauptkommissarin Hanna Will und Kriminalpsychologe Jan de Bruyn. Für mich ist das der erste Band dieser Serie, aber nicht der erste der Autorin.

Ein alter, einsamer Mann wird in seinem Haus tot aufgefunden. Schnell ist klar, dass er mit einer Überdosis Insulin ermordet worden ist. In dem Haus, das seit Jahrzehnten nicht renoviert worden ist, fehlen Mobiltelefon und Laptop, obwohl er beides laut seiner Ex-Frau besessen hat.

Als sich herausstellt, dass er Kontakt zu einer Frau, die für einen Escort-Service arbeitet, gehabt hat, scheint der Fall gelöst, denn auch sein Vermögen ist verschwunden. Doch ist das wirklich so?

Allerdings glaubt Hanna in den Gerüchten rund um den Vater des Toten, eine weitere Möglichkeit für ein Motiv zu finden. Der soll nämlich nicht nur verstört aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt sein, sondern zuvor als Angehöriger der Waffen-SS an der Ermordung zahlreicher Menschen beteiligt gewesen sein und mehrere Bewohner seines Heimatdorfes denunziert haben. Will hier jemand späte Rache üben?

Meine Meinung:

Geschickt führt die Autorin ihre Leser und die Ermittler auf den Holzweg.

Der eine Ermittlungsansatz geht in Richtung Lovescamming, also einsamen Menschen Liebe vorzugaukeln, um ihnen dann ihr Vermögen abzunehmen, ist in Zeiten diverser Datingplattformen für die Polizei nichts Ungewöhnliches. Allerdings sind eher Frauen als Männer Opfer.

Dieser Krimi lässt sich schnell und flüssig lesen. Die Polizeiarbeit, viel Recherche und mühsames Abklappern von Nachbarn eingeschlossen, ist authentisch beschrieben.

Seit kurzem sind Hanna Will und Jan de Bruyn auch privat ein Paar. Wer wissen will, wie es dazu gekommen ist, muss wohl die Reihe beim ersten Band beginnen. Ich denke, ich werde das nachholen, um den einen oder anderen Zweifel bzw. Hinweis besser verstehen zu können.

Fazit:

Dieser Krimi hat mich gut unterhalten, daher gibt es 5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.08.2025

Penibel recherchiert und gekonnt erzählt

Die Einstein-Vendetta
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Im Sommer 1944 dringt ein Trupp deutscher Soldaten in die Villa Il Focardo nahe bei Florenz ein. Hier wohnt Robert Einstein, Cousin des in die USA emigrierten Nobelpreisträgers Albert Einstein, mit seiner ...

Im Sommer 1944 dringt ein Trupp deutscher Soldaten in die Villa Il Focardo nahe bei Florenz ein. Hier wohnt Robert Einstein, Cousin des in die USA emigrierten Nobelpreisträgers Albert Einstein, mit seiner Frau Nina, sowie den Töchtern Luce und Anna Maria genannt „Cici“. Robert Einstein versteckt sich in den Wäldern der Umgebung und glaubt seine Familie in Sicherheit. Ein folgenschwerer Irrtum, wie sich herausstellt. Nina, Luce und Cici werden kaltblütig ermordet, weil sie Roberts Versteck nicht preisgeben. Robert muss die Schüsse im Verborgen mitanhören. Die anderen Frauen, die bei dem Überfall in der Villa anwesend waren und einen anderen Familiennamen als Einstein haben, überleben. „Offizieller“ Grund der Ermordung ist der Verdacht, die Familie Einstein würde die Partisanen unterstützen, sowie Munition und Sprengstoff in der Villa lagern. Dass Robert Einstein Jude ist, seine Frau nach Nazi-deutschen Gesetzen Blutschande begangen hat und die Töchter Mischlinge ersten Grades sind, sind zusätzliche Gründe die Familie auszurotten.

Nur wenig später erreichen die Alliierten Florenz und die Villa. Untersuchungen beginnen. Recht schnell wird klar, dass es sich hier um einen Racheakt und einen Fall von Sippenhaftung - also um eine Vendetta - seitens Hitler handeln muss, denn das eigentliche Ziel seiner Wut, Albert Einstein, ist in den USA in Sicherheit.

Robert Einstein wird im Juli 1945, getrieben von Trauer und Selbstvorwürfen Suizid begehen.

Der britische Journalist Thomas Harding, Nachfahre von nach England emigrierten Juden, versucht dieses Kriegsverbrechen an der Familie Einstein aufzuklären. Dazu spricht er mit den wenigen noch lebenden Zeitzeugen der Tat und recherchiert er in zahlreichen Archiven in England, Italien und Deutschland. Er studiert akribisch tausende Seiten und zahlreiche Protokolle der damaligen Ermittler. Doch der Täter lässt sich rund 80 Jahre nach dem Verbrechen nicht wirklich feststellen, zumal die Soldaten ohne Rangabzeichen unterwegs waren. Harding kann zwar, auch auf Grund der Zeugenaussagen, mögliche Namen ausfindig machen. Die Männer leben allerdings nicht mehr. Es scheint, als bliebe das Kriegsverbrechen an der Familie Einstein, die stellvertretend für den berühmten Cousin Albert sterben musste, ungesühnt.

Interessant ist Thomas Hardings Blick auf die Überlebenden und die psychischen Folgen des Erlebten. Im Nachwort erklärt er, warum ihn das Schicksal der Familie Robert Einstein so berührt. Zahlreiche Abbildungen aus dem Besitz der Ermordeten sowie Faksimiles von Dokumenten runden dieses bewegende Sachbuch ab.

Dieses Kriegsverbrechen ist nur eines von vielen, die bis heute nicht gesühnt werden können. Allerdings kann es wegen des berühmten Familiennamens exemplarisch als Mahnmal dienen.

Fazit:

Dieses Sachbuch ist penibel recherchiert, gekonnt erzählt und dadurch ein wichtiger Beitrag der historischen Aufarbeitung. Dafür gebühren 5 Sterne.