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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.06.2021

Hat mich bestens unterhalten

Kalter Kristall
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In seinem zweiten Krimi mit Chefinspektor Robert Worschädl und Sabine Schinagl lässt der Autor die beiden ohne Wissen des Chefs jenseits der Staatsgrenze in Tschechien ermitteln. Warum eigentlich?

Während ...

In seinem zweiten Krimi mit Chefinspektor Robert Worschädl und Sabine Schinagl lässt der Autor die beiden ohne Wissen des Chefs jenseits der Staatsgrenze in Tschechien ermitteln. Warum eigentlich?

Während einer Wanderung mit Ehefrau Karoline stößt Robert Worschädl auf eine verkohlte Frauenleiche, die als Eliska Cerny, Prostituierte des dubiosen „Flat-Rate-Puffs“ von Harry Kovac identifiziert wird. Als Worschädl und Schinagl erfahren, dass die Tote einen minderjährigen Sohn hat, der verschwunden ist, machen sie sich auf die Suche nach Jakub.

Es gibt zahlreiche Spuren, doch welche führt zum Ziel? Eine davon ist, neben dem Puff ein Asia-Laden, der neben Reis und Sojasauce noch andere Spezialitäten verkauft. Eine andere bringt die beiden Ermittler in den Wellnesstempel von Clemens Wiesbauer sowie zu dessen Bruder, dem rollstuhlfahrendem Rallye-As Florian, der Eliska sehr gut gekannt hat.

Als Karoline in Linz überfallen und bös zugerichtet wird, lässt er alle guten Vorsätzen fallen und aktiviert wieder seinen unorthodoxen Ermittlermodus. Dass dies weder bei seinem ehrgeizigen Chef Stefan Schweitzer noch im Innenministerium gut ankommt, versteht sich von selbst.

Meine Meinung:

Auch dieser zweite Fall für Worschädl & Schinagl hat mir wieder ausgezeichnet gut gefallen. Neben den Einblicken in ihre Arbeit dürfen wir auch wohl dosiert an ihrem Privatleben teilhaben.

Ich habe mich bestens unterhalten gefühlt. Da ich erst im April selbst in den Bezirken Rohrbach und Freistadt unterwegs war, habe ich mich über die Beschreibung der kurvenreichen Straßen amüsiert. Ja, doch, manche Einheimische (Männer wie Frauen) fahren Rallye, wenn sie die Kinder in die Schule bringen oder den täglichen Einkauf erledigen.

Über den im Wellnesstempel urlaubenden und nörgelnden Landesrat musste ich recht herzlich schmunzeln. Dass der dann (angefüttert durch ein Zimmer-upgrade und ähnliche Guttis) zugunsten der Wiesbauer-Brüder im Innenministerium interveniert, ist leider ein typisches Beispiel der österr. Bürokratie. Während sich Stefan Schweitzer davon beeindrucken lässt, zuckt Worschädel nur mit den Schultern und ermittelt einfach weiter.

Wie von Thomas Baum gewöhnt, ist der Schreibstil sehr flüssig und angenehm zu lesen.
Der Kriminalfall ist bestens durchdacht und dicht gewebt. Die vielen kurzen Kapitel bringen Abwechslung und animieren (passt zum Puff) die Leser zum stetigen Weiterlesen. Von Beginn an spannend, undurchsichtig und manchmal auch erschütternd, gibt es eine stimmige Auflösung. Der Leser wird, wie die Ermittler, in so manche Sackgasse gelotst.
Auch diesmal widmet sich der Autor einem ernsten Thema: der florierenden Drogenerzeugung im Nachbarland.

Fazit:

Ein Krimi, der nicht nur durch seine hervorragend durchkomponierte Handlung, sondern auch durch den schwarzen Humor besticht. Gerne gebe ich auch hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 20.06.2021

Rasanter Reihenauftakt

Gefahr aus dem Watt
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Mit diesem Krimi-Debüt hat Markus Rahaus eine spannende Geschichte geliefert.

Der Tote, den der Hund eines Spaziergängers im Ottendorfer Watt findet, arbeitet genauso wie der zweite in einer Biotechnologiefirma, ...

Mit diesem Krimi-Debüt hat Markus Rahaus eine spannende Geschichte geliefert.

Der Tote, den der Hund eines Spaziergängers im Ottendorfer Watt findet, arbeitet genauso wie der zweite in einer Biotechnologiefirma, die in der näheren Umgebung ihren Sitz hat. Dort gibt man sich wortkarg bis ablehnend, was die ohnehin nicht hoch ausgeprägte Geduldspanne von KHK Olofsen noch kleiner werden lässt. Als dann mehrere Personen, die mit beiden Toten Kontakt hatten, darunter ein Kind, an einer hochansteckenden Virusinfektion sterben, geraten Olofsen und Greiner zunehmend unter Druck.

Man holt einen Experten aus dem Bereich Virologie hinzu, um weitere Todesfälle zu verhindern. Doch wird das gelingen?

Meine Meinung:

Der Autor ist Biologie und kennt sich auch bei Viren aus. Im Erscheinungsjahr 2018 mutet das Thema Viren noch ein wenig exotisch an. Heute, im Jahr 2021 sind Covid-19 bedingt, Viren in aller Munde und die verschiedensten Verschwörungstheorien dazu auch.

Was mir aufgefallen ist, und mir ein wenig komisch vorkommt, ist, dass zwar einige, wie das kleine Kind und seine Mutter sterben, aber Olofsen und Greiner, keinerlei Anzeichen einer Erkrankung zeigen. Die beiden waren ja auch unmittelbar an beiden Tatorten.

Der Kriminalfall an sich hat viele Facetten. Das Motiv des Täters, die Überbevölkerung der Welt zu stoppen, um damit die Enge, die seiner Meinung nach Hass erzeugt, zu beseitigen, klingt schon sehr nach einer Verschwörungstheorie. Leider haben sich angesichts der Pandemie einige Leute solche und ähnliche Theorien zu eigen gemacht.

Hier in diesem ersten Band wird aufgedeckt, warum sich die beiden von Berlin nach Cuxhaven versetzen haben lassen. Nun ja, die sprichwörtliche ruhige Kugel kann Olofsen auch hier nicht schieben. Seine unorthodoxen Ermittlungsmethoden erzeugen bei Kollegen Greiner ebenso Stress, wie bei den diversen Vorgesetzten. Diese sehen allerdings aufgrund der Ermittlungserfolge zähneknirschend über seine ruppige Art hinweg.

Mein Fazit:

Ein rasanter Krimi, der durch die beiden Ermittler gut getragen wird. Es wird nie langweilig, daher 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.06.2021

Spannender Krimi

Tod in Brügge
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Dieser Krimi fällt ein wenig aus dem üblichen Rahmen. Wieso?

Claire van de Velde, eine alleinerziehende Mutter mit ständig schlechtem Gewissen, erhält die Leitung über das Morddezernat zugesprochen auf ...

Dieser Krimi fällt ein wenig aus dem üblichen Rahmen. Wieso?

Claire van de Velde, eine alleinerziehende Mutter mit ständig schlechtem Gewissen, erhält die Leitung über das Morddezernat zugesprochen auf die ihr Kollege Vincent sowie ihr Ex-Freund Marc gespitzt haben. Besonders Vincent kann mit dieser Niederlage nicht gut umgehen.

Die erste Bewährungsprobe lässt auch nicht lange auf sich warten. Binnen weniger Tage werden drei Frauen erstochen. Allen ist gemeinsam, dass sie einen helfenden Beruf haben, mit dreizehn Messerstichen getötet worden sind und auf ein und demselben Online-Partnersuchportal nach dem Mr. Right gesucht haben.

Es ist ausgerechnet jene Datingplattform auf der auch Claire, zwar nicht den Traummann aber einen Sexpartner sucht. Es meldet sich ein dominanter Typ, der sie nächtens auf öffentlich Plätze bestellt und dort mehr oder weniger wortlosen, aber nahezu brutalen Sex mit Claire hat. Hin- und hergerissen zwischen Abscheu und Befriedigung muss Claire tagsüber einen Mörder fangen, der wie ein glitschiger Aal nicht zu fassen ist.

Nebenbei macht Vincent ihr das Leben schwer. Erst als Jasper, das EDV-Genie illegal in der Datingplattform stochert, kommen sie dem Täter näher. Claire ist immer in Gefahr, dass ihr gefährliches Privatleben auffliegt. Trifft sie sich mit einem Mörder? Wird sie selbst auch zum Opfer?

Meine Meinung:

Die verwinkelte Altstadt von Brügge mit ihren Nischen und kleinen Parks eignet sich perfekt für das Szenario.

Auf die Leser wartet ein fesselnder Krimi, in dem hin und wieder kleine Glaubwürdigkeitsmängel auftauchen. Dass Claire einen Ausgleich zwischen Beruf und Muttersein braucht, versteht man als Leser sofort. Beides ist fordernd. Ein bisschen ein Problem habe ich, wenn sie sich wissentlich in Gefahr begibt. Als Polizistin sollte sie ja wissen, dass die Spinner und Mörder nicht aussterben.
Natürlich werfen die sexuellen Kontakte in der Öffentlichkeit (auch wenn es Nacht ist), das Kopfkino an. Sex im Freien, wo man jederzeit ertappt werden kann, gibt so manchem Paar erst den richtigen Kick.

Interessant ist, Claire zuzusehen, wie sie abwägt, ob der Mann der Mörder ist und ob sie selbst gefährdet sein könnte. Diese Zweifel, die sie mit Freundin Emma bespricht, sind gut dargestellt. Da kommt ziemlich Spannung auf. Claire wirkt ziemlich zerrissen, doch dann zieht sie ihr Ding durch.

Fazit:

Ein ungewöhnlicher sowie spannender Krimi, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 20.06.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Die Richterin und das Ritual des Todes
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In ihrem nunmehr 4. Fall muss sich die französische Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt zwei Episoden aus ihrer Vergangenheit stellen: Die eine ist ihre 6-monatige Schulzeit im Chateau des Cigales, ...

In ihrem nunmehr 4. Fall muss sich die französische Untersuchungsrichterin Mathilde de Boncourt zwei Episoden aus ihrer Vergangenheit stellen: Die eine ist ihre 6-monatige Schulzeit im Chateau des Cigales, einem noblen Internat, und das andere ist das Wiedersehen mit einem Ex-Freund, der nun dort Lehrer ist. Es schwebt das Damoklesschwert der Befangenheit über Mathilde ...

Doch zurück zum Anfang:

Der augenscheinliche Reitunfall, bei dem Patricia, eine 17-jährige Schülerin des Chateaus ums Leben kommt, stellt sich bei näherer Betrachtung als kaltblütiger Mord heraus. Also müssen Mathilde, Felix und Rachid die Ermittlungen aufnehmen. Die Gespräche mit den Schülern fördern wenig zu Tage. Patricia sei nett, umgänglich, hilfsbereit gewesen und ja, eine sehr gute Schülerin und eine Pferdenärrin. Mehr wisse man nicht zusagen.
Als sie unter den Lehrkräften ihren Ex-Freund entdeckt, muss sie sich der Frage nach einer eventuellen Befangenheit stellen, worauf eine Abgabe der Ermittlungen folgen müsste. Rashid, der zu einem guten Freund geworden ist, bestärkt sie, weiter zu ermitteln.

Dann gibt es mit dem beliebten Sportlehrer einen weiteren Toten und die Ermittler erfahren, dass vor einigen Jahren ein Schüler an einer Herzkrankheit gestorben ist. Für Mathilde und ihr Team sind das zu viele Zufälle. Deshalb wird Brigadier Coralie Mollard, die sich im Vorgängerband gut eingeführt hat, mit Billigung des Schuldirektors, dem der gute Ruf seiner Schule über alles geht als Aushilfssportlehrerin eingeschleust.

Wird es Coralie gelingen, die Mauer des Schweigens unter den Schülern zu durchbrechen?

Meine Meinung:

Wer nie in einem Internat war, wird die absurden Rituale kaum verstehen, denen Schüler ausgesetzt werden. Der Gruppendruck und die Angst als Außenseiter dazustehen, verleitet viele Jugendliche, sich auf so etwas einzulassen.

Wie seine Vorgänger ist der Krimi in einem angenehmen Erzählstil gehalten. Daneben erfährt der Leser ganz nebenbei einiges aus der Geschichte der Provence.
Mit Martin, dem deutschen Historiker machen die Entdeckungsreisen recht viel Spaß - kulinarische Genüsse inklusive.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 20.06.2021

Hat mich nicht vollends überzeugt

Abgründe der Schönheitschirurgie
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Prof. Dr. Werner Mang ist ein bekannter plastischer Chirurg, der in diesem Buch mit der Schönheitschirurgie und deren Auswüchsen abrechnet.
Er schildert, dass es bereits Teenager gibt, die sich zum Geburtstag ...

Prof. Dr. Werner Mang ist ein bekannter plastischer Chirurg, der in diesem Buch mit der Schönheitschirurgie und deren Auswüchsen abrechnet.
Er schildert, dass es bereits Teenager gibt, die sich zum Geburtstag eine neue Nase oder einen optimierten Busen wünschen. Diese jugendlichen Klienten weist er grundsätzlich ab.

Werner Mang ist Spezialist der Nasenchirurgie („Mang’sche Nase“) und prangert jene Kollegen an, die ohne langjährige Operationspraxis sich an Nasen zu schaffen machen. Die Nase ist ein höchst komplexer Teil des Körpers, der noch dazu deutlich sichtbar ist. Fehler fallen sofort auf.

Was mich ein wenig an diesem Buch gestört hat ist, dass es viele Wiederholungen gibt. Ja, wir wissen, dass Mang mehrfach von neidischen Kollegen diffamiert und verleumdet wurde. Warum das x-fach wiederholen? Der aufmerksame Leser kann sich das merken. Ich halte dem Autor zugute, dass er sich wirklich ungerecht behandelt und gekränkt fühlt.

Was aber nicht passieren darf ist, dass Einbinden der Füße junger Mädchen nach Japan zu verorten. Hier hat das Lektorat nicht gut aufgepasst. Dieser barbarische Brauch, die Mädchenfüße zu verstümmeln („Lotosfüße“) stammt aus China. Selbst Mao ist es nicht gleich gelungen, dieses absurde Schönheitsideal auszurotten.

Fazit:

Ein Einblick in die Abgründe der Schönheitschirurgie, der ich 3 Sterne gebe.