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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.04.2020

Hat mich nicht vollends überzeugt

Die Kleider der Frauen
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Dieser Roman spielt auf zwei Zeitebenen, nämlich im Paris des Zweiten Weltkriegs und im Jahr 2015 in New York. Die beiden Handlungsstränge werden durch die Figur Estella verbunden.

Wer ist sie nun?

Paris ...

Dieser Roman spielt auf zwei Zeitebenen, nämlich im Paris des Zweiten Weltkriegs und im Jahr 2015 in New York. Die beiden Handlungsstränge werden durch die Figur Estella verbunden.

Wer ist sie nun?

Paris im Jahr 1940: Gemeinsam mit ihrer Mutter Jeanne arbeitet die 22-jährige Estella für die großen Couturiers. Nachdem das Geld für den Lebensunterhalt nicht reicht, kopiert die begnadete Zeichnerin Estelle heimlich die neuesten Modelle und verkauft die Skizzen für wenig Geld an amerikanische Modenhäuser. Deren kaufkräftige Kundschaft findet jeden Trend aus Paris „très chic“ und trägt mit mehr oder weniger Gespür kopierte Maßkleider aus Paris. Dabei ist es Estellas großer TRaum, selbst Kleider zu entwerfen. Das kreative Potential dazu hat sie.

Als Estella irrtümlich in eine Aktion der Résistance gerät, muss sie Hals über Kopf nach Amerika fliehen. Warum Amerika? Jeanne gesteht erst jetzt, dass ihr Vater nicht der brave französische Soldat, der im Ersten Weltkrieg gefallen ist, war, sondern ein Amerikaner.

Im zweiten Handlungsstrang begegnen wir der 95-jährigen Estella und ihrer Enkelin Fabienne 2015 in New York. Die alte Dame hat ihren Traum wahr gemacht und unter dem Label „Stella Design“ erstklassige Mode designt. Fabienne ist schüchtern, beinahe verzagt, fühlt sie sich doch durch den Schatten der Großmutter erdrückt. Denn die will, dass Fabienne nach ihrem Tod, der nicht mehr allzu ferne ist, das Familienimperium übernimmt. Doch Fabienne trauert um ihren Vater Xander, der vor kurzem verstorben ist. Bei der Durchsicht der väterlichen Dokumentenschatulle entdeckt sie Ungereimtheiten, die ihr weiteres Leben ziemlich auf den Kopf stellen werden .....

Meine Meinung:

Die Autorin hat um historische Personen und reale Ereignisse einen Roman gesponnen, wie man ihn derzeit häufig zu lesen bekommt.
Armes Mädchen flieht aus Deutschland oder einem von den Nazis besetzten Ländern und schafft es in England/Amerika oder wo auch immer, ein kleines oder größeres Familienimperium aufzubauen. Natürlich warten das Böse sowie das Gute gleich ums Eck. Zufälle gibt es en masse und die Liebe kommt auch nicht zu kurz.

Während der Erzählstrang um Estelle noch ein bisschen dramatisch ist, erscheint der von Fabienne doch ein wenig langweilig und vorhersehbar. Meiner Ansicht hätte man den durchaus weglassen können.

Schöne Kleider spielen natürlich eine große Rolle. Manchmal habe ich dann schon ein wenig an den Recherchen der Autorin gezweifelt, wenn, wie auf Seite 20 zu lesen ist, Estelle aus goldfarbener Seide binnen 1,5 Stunden ein piekfeines Couturekleid nähen kann. Auf S. 37 braucht sie dann für eine Bluse aus derselben Seide die ganze Nacht. Hm, ich habe früher selbst Ballkleider aus Samt und Seide genäht, aber ich habe schon ein paar Tage dazu benötigt.

Die Räume auf einem Schiff heißen Kabine oder Kajüte, aber nicht „Zimmer“. Und das Kapitel Nr. 24 trägt die Überschrift „Juli 1941“, spielt aber unmittelbar bei Estellas Begräbnis 2015. Solche und ähnliche Ausrutscher kommen immer wieder vor, was auf mangelnde Sorgfalt bei der Übersetzung bzw. Lektorat vermuten lässt.

Wer über solche Mängel hinwegsehen mag oder dem sie nicht auffallen oder stören, kann diesen Roman interessant finden und gerne lesen.

Der Schreibstil ist leicht zu lesen, da nicht besonders anspruchsvoll.

Fazit:

Ein netter Roman, aber auch nicht viel mehr, der von mir gerade noch 3 Sterne erhält.

Veröffentlicht am 07.04.2020

Eine detaillreich Biografie zum 200. Geburtstag

Florence Nightingale
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Wer kennt ihn nicht, den Namen von Florence Nightingale, der „Lady mit der Lampe“?

Autorin Dr. Hedwig Herold-Schmidt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Jena, Abteilung Volkskund/Kulturgeschichte. ...

Wer kennt ihn nicht, den Namen von Florence Nightingale, der „Lady mit der Lampe“?

Autorin Dr. Hedwig Herold-Schmidt ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Jena, Abteilung Volkskund/Kulturgeschichte. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf der Sozial- und Kulturgeschichte von Gesundheit und Krankheit bzw. Adelsgeschichte im 19./20. Jh.. Da kommt sie natürlich an Florence Nightingale (1820-1910) nicht vorbei.

Diese ausführliche Biografie einer Unbequemen ist das Ergebnis ihrer Arbeiten. Die Autorin versucht die Frau hinter der Legende" heraus zu arbeiten, was nicht immer ganz einfach ist. Florence Nightingale polarisiert auch heute noch.

Die einen sehen in ihr eine Querulantin, eine frustrierte alte Jungfer, die ihre Upperclass-Herkunft dazu benutzt hat, allen möglichen Leuten auf die Nerven zu fallen und sich selbst zu inszenieren. Die anderen stellen sie auf das Podest der Nächstenliebe und stilisieren quasi zur „Heiligen“, zum Engel der Schlachtfelder. Beides ist vermutlich falsch. Wie immer ist ein gesunder Mittelweg das Maß der Dinge.

Auf die einzelnen Lebensstationen, die hier beschrieben sind, will ich gar nicht näher eingehen. Interessant habe ich gefunden, dass sie Statistiken über die Kranken geführt hat. Sie hat Fragebögen entworfen, Daten gesammelt und daraus ihre Schlüsse gezogen. Etwas, was sehr modern anmutet und derzeit in aller Munde ist. Natürlich können ihre Statistiken nicht mit den Hochrechnungen unserer Zeit verglichen werden, aber allein die Tatsache, dass sie sich damit beschäftigt hat, ist erstaunlich. Sie gilt als Erfinderin des „Polar-Area-Diagramms“, einer Darstellung mittels Kreisdiagramm mit unterschiedlicher Radien. Und da alles ohne Tabellenkalkulation und Hightech.

Ihre Beharrlichkeit trägt Früchte. So werden ihre Ideen zu den Reformen des Gesundheitswesen (mürrisch, aber doch) angenommen. Ihre Vorschläge zum Bau eines Modellkrankenhauses, in dem die Kranken in Pavillons unterbracht werden statt in riesigen Baracken, werden zum größten Teil umgesetzt genauso wie ihre Ideen zur Einrichtung von Krankenpflegeschulen. Sie „predigt“ unermüdlich die Mindeststandards der Hygiene. Damit ist sie nicht allein - Mitkämpfer sind u.a. Joseph Lister und Ignaz Semmelweis.

Die Autorin schildert das Leben von Florence Nightingale in chronologischer Reihenfolge sehr sachlich und bemüht, sich von den anderen Biografen nicht beeinflussen zu lassen. Manchmal wirkt es daher ein wenig distanziert.

Am Ende des Buches (S. 291) habe ich einen Fehler entdeckt: Florence Nightingale stirbt am 13.08.1910 und nicht, wie angegeben, 2010. Vielleicht war das auch eine Freud’sche Fehlleistung des Verlages, weil EIN Leben für die Fülle der Aufgaben nicht ausgereicht hat.

Fazit:

Eine ausführliche Biografie zum 200. Geburtstag von Florence Nightingale, die mehr war als der viel zitierte „Angel of Mercy“.
Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 06.04.2020

Ein "Mut-mach-Buch"

Corona - Nichts wird mehr sein wie es war. 17 Geschichten, die jetzt Mut machen. Life is a story - story.one
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In diesem kleinen „Mut-mach-Buch“ haben 17 Personen ihre Gedanken zum „Corona-Virus“ aufgeschrieben. Darunter bekannte Namen wie Matthias Strolz oder Uwe Böschemeyer.

Es sind Gedanken die ebenso unterschiedlich ...

In diesem kleinen „Mut-mach-Buch“ haben 17 Personen ihre Gedanken zum „Corona-Virus“ aufgeschrieben. Darunter bekannte Namen wie Matthias Strolz oder Uwe Böschemeyer.

Es sind Gedanken die ebenso unterschiedlich wie ihre Autoren sind. Manche muten philosophisch an, andere beschreiben einfach den geänderten Alltag.

Die 17 Gedankensplitter sind:

Mama, die Corona-Fighterin!
Korrektur ohne Angabe von Gründen
Pasta mit Kaviar - in Zeiten von Corona
Der Grund für unsere Hoffnung
Verkehrt herum
Er hat Eier
#CorCooning - und du so!
Corona - nichts wird mehr sein wie es war
Nachbarschaftshilfe
Wahrnehmung
Geht’s ham!
Kaffeehaus im Kopf
Wenn der Wienfluss wieder leuchtet
Frau Mann
Die Rückkehr des Topfschnittes
Die Linse scharf stellen
Keine Schule


Es ist schwer, hier einen Favoriten zu wählen. Ich probier’s dennoch:

Sehr gut gefällt mir „Kaffeehaus im Kopf“: die plötzliche Einschränkung, nicht mehr in das Lieblingskaffeehaus gehen zu dürfen, weckt Sehnsüchte, die durch Betrachten der Website nur unzureichend gestillt werden können. Allerdings entwickelt sich eine Vorfreude dort, wenn alles Beschränkungen aufgehoben sind, einen Kaffee zu trinken.

Berührend finde ich „Frau Mann“ und „Keine Schule“. Wir machen uns vermutlich viel zu wenig Gedanken, wie es den Kindern mit den geänderten Rahmenbedingungen geht. Die erste Freude über „keine Schule“ ist einer Bangigkeit gewichen, FreundInnen, Lehrkräfte oder auch nur die gewohnte Routine wiederzusehen. Es scheint, als hätten viele Erwachsene nicht geahnt, wie gerne ihre Kinder in die Schule gehen.

Über „Er hat Eier“ muss ich herzlich schmunzeln, da der erste Impuls, den jungen Mann anzukeifen übermächtig gewesen sein muss. Allerdings hat die Autorin der Zeilen die Situation völlig verkannt.

Fazit:

17 Gedankensplitter, die so unterschiedlich wie die Menschen sind. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 05.04.2020

Hat mich nicht vollends überzeugt

Die Muskatprinzessin
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Dieser historische Roman nimmt uns in das 17. Jahrhundert mit. Es ist die Zeit der holländischen Ostindienfahrer. Eva Ment, die Tochter des Bierbrauers Claes Corneliszoon Ment muss den doppelt so alten ...

Dieser historische Roman nimmt uns in das 17. Jahrhundert mit. Es ist die Zeit der holländischen Ostindienfahrer. Eva Ment, die Tochter des Bierbrauers Claes Corneliszoon Ment muss den doppelt so alten Jan Pieterszoon Coen heiraten, um die Brauerei vor dem Bankrott zu retten. Schon in der Hochzeitsnacht verfliegen Evas romantische Vorstellungen von der Ehe.

Wenig später macht sich das Ehepaar auf die beschwerliche Schiffsreise nach Batavia, wo Jan seinen Posten als Generalgouverneur antreten soll. Eva muss ihr bisheriges Leben zurücklassen. Lediglich ihr Bruder Gerrit und der Kater Jasper begleiten sie. Nach 8 Monaten beschwerlicher und gefährlicher Reise treffen sie in Batavia ein. Die Welt in die Eva nun eintaucht, könnte exotischer nicht sein.

Nach anfänglicher Scheu, kann sie sich des Zaubers und der Schönheit des fremden Landes nicht entziehen. Sie lernt einige einflussreiche Leute lernen.

Die hellhäutige und rothaarige Eva wird von den Einheimischen wie ein Göttin verehrt, während Jan mit Gewalt über das Land herrscht. Vor dieser Willkür ist auch seine Frau nicht gefeit.

Meine Meinung:

Die Geschichte ist rund um die historisch belegten Gestalten des Ehepaares Ment-Coen gewoben. Dass von Eva Ment sehr wenig überliefert ist, hat die Fantasie des Autors beflügelt. Allerdings habe ich hier den Eindruck, dass er sich an manchen Stellen ein bisschen „vergaloppiert“ hat. So ist Eva viel zu modern. Die Sätze, die ihr (und den andern Figuren) in den Mund gelegt werden, passen nicht so recht zur Zeit. Mir ist schon bewusst, dass es schwierig ist, einen ganzen Roman hindurch, die altertümliche Sprache beizubehalten. Auch das Ablehnen diverser Heiratskandidaten und Hinauszögern der Hochzeit ist zu fortschrittlich.

Auch, dass Eva in Amsterdam nach Herzenslust und Laune ohne Begleitung des Bruders oder wenigstens einer Dienstmagd herumstreifen darf, halte ich für unglaubwürdig.

Überrascht hat mich, dass Eva und ihr nur wenige Jahre jüngere Bruder in einem Bett schlafen (dürfen). Das erscheint aus mehreren Gründen nicht so recht glaubhaft: Erstens wohnt die Familie in einem großen Haus, in dem wohl jeder eine Kammer hat und zweitens befinden wir uns in einer sehr prüden Zeit. Deshalb habe ich auch ein wenig Schwierigkeiten mit Evas unzüchtigen Gedanken. Was ich allerdings so gar nicht gebraucht hätte, wären die detaillierten Schilderungen der sexuellen (Gewalt)Handlungen. Da reichen eigentlich Andeutungen. Dass die Männer eher gewalttätig als einfühlsam waren, ist wohl jeder Leserin klar.

Dass Gerrit in Amsterdam lieber Tennis und Golf spielt oder sich betrinkt, als zu arbeiten, ist nachvollziehbar. Allerdings spielt man im 17. Jahrhundert beide Sportarten ein wenig anders als wir sie heute kennen. „Jeu de Paume“ heißt der Vorläufer zum Tennis, das erst um 1875 seine heutige Form erhält. Man spielt „Jeu de Paume“ in Ballspielhäusern, von denen es vor allem in Paris einige gibt, die nicht nur dem Adel zugänglich waren. Auch Golf ist nicht in der aktuellen Form zu sehen, sondern eher ein Spiel ähnlich wie Cricket oder Hockey.

Was Jan Pieterszoon Coen, eine bei Historikern ziemlich umstrittene Figur, wirklich antreibt, kommt nicht so gut heraus. Hier wird er als skrupellos, zeitweise barbarisch und von brennendem Ehrgeiz zerfressen, dargestellt. Diese Charakterisierung wird vermutlich schon hinkommen. Das kann nicht allein mit dem Calvinismus erklärt werden. Aber, das wäre vielleicht ein anderer interessanter Roman.

Interessant zu lesen ist, wie die Besiedelung von Indonesien durch die Vereinigte Ostindische-Compagnie vonstatten geht. Natürlich gewaltsam, das ist klar. Um den Marktpreis für Muskatnüsse künstlich hoch zu halten, wurden die Wälder der Banda-Inseln einfach gerodet und die Einheimischen abgeschlachtet. Von diesem Völkermord erfährt der Leser durch Gespräche, die Eva in diversen Gesprächen führt. Aufstände unter Zuhilfenahme der Briten, des Erzfeindes der Holländer, sind die Folge. Die Unterminierung der Festung liest wie jene von der Belagerung Wiens durch die Türken von 1529 bzw. 1683.

Stellenweise hat der Roman dann auch noch einige Längen. So wird dem Leben im Amsterdam und der Schiffsreise recht viel Platz eingeräumt. Da hätte man durchaus straffen können.

Fazit:

So ganz hat mich dieser historische Roman nicht überzeugt, daher kann ich nur 3 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 05.04.2020

Tolles Kindersachbuch

Willi Virus
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Mit diesem Sachbuch für Kinder lassen sich die Neugier und das Interesse von Kindern wecken. Zumal das Wort „Virus“ derzeit in aller Munde ist.

Dieses Buch erzählt aus der Perspektive des Rhinovirus Willi ...

Mit diesem Sachbuch für Kinder lassen sich die Neugier und das Interesse von Kindern wecken. Zumal das Wort „Virus“ derzeit in aller Munde ist.

Dieses Buch erzählt aus der Perspektive des Rhinovirus Willi sachlich und humorvoll wie ein Schnupfen entsteht. Dazu werden folgende neun Themen kindgerecht aufbereitet:

Was ist ein Rhinovirus?
Wie groß ist das Virus
Welche Arten von Viren gibt es?
Wie werden sie übertragen?
Wie breiten sie sich im Körper aus?
Was ist eine Immunabwehr?
Welche Maßnahmen zur Bekämpfung gibt?
Wie verbreitet ist das Rhinovirus?
Wann ist Schnupfensaison?

Der Haupttext des Buches ist auch für kleinere Kinder gut zu verstehen. Für größere sind dann weitere Ausführungen vorhanden. Das Buch kann über mehrere Jahre vor- und dann selbst gelesen werde. Es findet sich immer wieder ein kleines neues Detail.

Die Illustrationen finde ich entzückend. Besonders gut hat mir gefallen, dass auf der Buchinnenseite die Worte „Hatschi“ und „Gesundheit“ in zahlreichen Sprachen angegeben sind.

Fazit:

Das Buch erzählt verständlich und ist mit vielen witzigen Bildern garniert. Willi Virus eignet sich wunderbar, Kindern Virus-Erkrankungen und deren Verbreitung zu erklären. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.