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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.07.2025

Sommerlektüre

Die Schneiderei in der Fliedergasse - Große Träume
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Dieser Auftakt zu einer zumindest zweiteiligen Familien-Saga nimmt uns in die späten 1970er-Jahre nach Tübingen mit. Nach dem letzten Willen ihres verstorbenen Vaters soll Leonard Jura studieren und seine ...

Dieser Auftakt zu einer zumindest zweiteiligen Familien-Saga nimmt uns in die späten 1970er-Jahre nach Tübingen mit. Nach dem letzten Willen ihres verstorbenen Vaters soll Leonard Jura studieren und seine Zwillingsschwester Susanne eine kaufmännische Lehre absolvieren, um die kleine Schneiderei übernehmen zu können. Susanne fügt sich erst einmal, obwohl sie über juristisches Verständnis verfügt und liebend gerne studiert hätte. Ein typisches Frauenschicksal? Zumal Leonard weder Lust noch Begabung hat, sich den trockenen Gesetzestexten zu widmen. Lieber würde er Kleider entwerfen.

Dann schlägt das Schicksal abermals zu: Diesmal in Form eines Schreibens der Stadtverwaltung, dass das Wohnhaus der Familie im historisch wertvollen Stadtkern liegt und den Vorschriften des Denkmalsschutzes entsprechend, saniert werden muss. Die Crux daran - es fehlt der Witwe schlichtweg das Geld.

Da hilft nicht, Leonard und Susanne müssen kreativ werden. Was sie aushecken, wer ihnen hilft oder ihnen Prügel zwischen die Beine wirft, müsst ihr schon selbst lesen.

Meine Meinung:

Hinter dem Pseudonym Katharina Oswald stecken die Autorinnen Andrea Bottlinger und Claudia Hornung, die mit diesem Reihenauftakt eine gelungene Kombination aus Familien- und Zeitgeschichte geschrieben haben. So werden Feminismus, Hausbesetzungen, Straßenfeste, Improvisionstheater, Studentendemos gegen rechtsgerichtete Professoren, Burschenschafter oder Homosexualität aufgeworfen. Schmunzeln musste ich über die Bemerkungen zum Film „The Rocky Horror Picture Show“ oder zu Batikkleider.

Und ja, Frauen werden sowohl in der eigenen Familie als auch im öffentlichen Leben benachteiligt. Wenn das Geld nur für einen Studienplatz reicht, ist es fast ausschließlich der Sohn, der studieren darf. Egal ober geeignet ist oder nicht. Den Mädchen gönnt man weder Studium noch eine andere weiterführende Ausbildung. Verschenktes Geld, weil sie doch eh bald heiraten würden und zum Dazuverdienen reicht es, eine Stelle als ungelernte Kraft in Supermarkt oder Fabrik anzutreten.

Was mich nur irritiert: Braucht man in Deutschland, um eine Schneiderei zu betreiben, keine entsprechende Ausbildung? Um zu wissen, wie man Ärmel einsetzt, Abnäher richtig platziert oder die beliebte Konfektionsware anpassen soll, braucht man Schneiderhandwerk. Da hilft eine rein kaufmännische Ausbildung nicht viel.

Das Buch liest sich leicht und lässt mich an meine eigene Jugend zurückdenken. Batikkleider habe ich mir, unter der fachkundigen Anleitung meiner Großmutter, einer Schneidermeisterin, selbst genäht.

Ich bin schon neugierig wie es weitergeht, nachdem die Mutter ihren Kindern das Familiengeheimnis enthüllt hat.

Fazit:

Das Buch eignet sich sehr gut als sommerliche Lektüre. Gerne gebe ich hier 4 Sterne und freu mich auf die Fortsetzung.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Familiengeheimnisse

Wiedersehen in Assam
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Der 5. und letzte Teil dieser Teeplantagen-Reihe entführt uns im Jahr 1962 wieder nach Assam. Samantha „Sammy“ ist nun 14 Jahre alt, lebt im Londoner Internat und reist für die Weihnachtsfeiertage auf ...

Der 5. und letzte Teil dieser Teeplantagen-Reihe entführt uns im Jahr 1962 wieder nach Assam. Samantha „Sammy“ ist nun 14 Jahre alt, lebt im Londoner Internat und reist für die Weihnachtsfeiertage auf die Teeplantage ihrer Eltern nach Indien. Es ist eine Zeit der Unruhe, denn die Grenzstreitigkeiten mit China schwelen wie manche andere Unruhe über den Plantagenbesitzern. Doch das ist nicht das einzige, was Sammy den Aufenthalt vergällt. Zufällig enthüllt sie ein lange gehütetes Geheimnis ihrer Mutter, das alle außer ihr zu kennen scheinen.

Die Ferien enden im Streit und Sammy kehrt nach England zurück. Wird sie sich mit ihrer Mutter aussöhnen und jemals nach Indien zurückkehren?

Meine Meinung:

Ich habe vor kurzem eine andere Reihe der Autorin gelesen und habe mich ohne die Vorgänger der Assam-Reihe zu kennen, gleich zurechtgefunden. Das Konzept ist ähnlich: britische Teeplantagenbesitzer, das Geheimnis um eine nicht standesgemäße große Liebe inklusive einem unehelichen Kind, das man weggeben und verstecken muss, sowie ein neugieriges Familienmitglied, das dem Geheimnis auf die Spur kommt.

Vieles ist vorhersehbar, aber farbenprächtig erzählt. Manches aus meiner Sicht, ein wenig altbacken. Aber so sind sie eben, die britischen Feudalherren (und Damen). Oft steckt hinter dem großspurigen Gehabe ein dunkles Geheimnis.

Die meisten Charaktere sind ziemlich durchschaubar, aber nicht ungut.

Die junge Sammy wirkt stellenweise erwachsener als es für das angegebene Alter üblich ist.

Fazit:

Wer gerne historische Romane mit Intrigen, Herzschmerz und Vorurteilen vor einer exotischen Kulisse lesen möchte, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 20.07.2025

Informative Biografie

Elizabeth Scheu Close
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Der Verlag Anton Pustet hat seit einiger Zeit Bücher über Architektinnen und Architekten im Programm. Diese Monografie beschreibt das Leben und Wirken der Architektin Elizabeth Scheu Close (1912-2011), ...

Der Verlag Anton Pustet hat seit einiger Zeit Bücher über Architektinnen und Architekten im Programm. Diese Monografie beschreibt das Leben und Wirken der Architektin Elizabeth Scheu Close (1912-2011), die in Wien geboren ist. Ihre Mutter ist Jüdin, der Vater Sozialdemokrat. Sie lassen sich vom bekannten Architekten Adolf Loos ihre Villa in Hietzing, dem 13. Bezirk von Wien eine moderne Villa bauen. Zu modern, wie die meisten Zeitgenossen sagen.
Diese Villa in der Larochegasse 3 wird den Zweiten Weltkrieg nahezu unversehrt überstehen, mehrmals verkauft werden, ist aktuell im Besitz der Stadt Wien und steht unter Denkmalschutz.

Beeindruckt vom Sozialen Wohnbau des Roten Wien, beginnt sie 1930 als einzige Frau unter Dutzenden Männern an der TU Wien das Studium der Architektur. Wie sie später erzählt, hat man es ihr und den Studentinnen anderer Fakultäten nicht leicht gemacht. Sei es, dass man den jungen Frauen keine Toiletten zur Verfügung stellen wollte, oder sei es, dass man ihre Arbeiten um einiges strenger beurteilt hat. Weil sie aus einem jüdisch-sozialistischem Elternhaus stammt, wandert sie 1932 in die USA aus. Dort lernt sie ihren Studienkollegen Winston Close kenne, den sie 1938 heiratet.

Gemeinsam gründen das Ehepaar ein Architekturbüro. Sie werden zahlreiche Firmensitze, Geschäftsgebäude und Einfamilienhäuser planen und bauen. Um nach dem Zweiten Weltkrieg schnell ausreichend Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, arbeiten sie mit Fertigteilhäusern. Bekannt sind auch ihre Gartensiedlungen, für die Immobilienspekulanten bestehende Arbeiterwohnviertel abreißen. Damit sollen Häuser für weiße, gut verdienende Familien errichtet werden.

Zeit ihres langen Lebens - sie wird fast 100 Jahre alt - schwingen die Entwürfe des sozialen Wohnbau im Roten Wien
sowie die einfache und klare Struktur eines Adolf Loos in ihren eigenen Arbeit mit.

Fazit:

Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen. Zahlreiche Abbildungen aus dem Privatbesitz der Architektin, Pläne und Fotos ihre Studien bzw. errichteten Gebäuden vervollständigen dieses interessante Buch über Elizabeth Scheu Close, einer amerikanischen Architektin mit Wiener Wurzeln. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.07.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Aschetod
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Der 16. Fall für Chief Kate Burkholder wird recht schnell persönlich, als ihre Kollegen Mona Kurtz und Chuck Skidmore bei einem heimlichen Stelldichein, einen brennenden Scheiterhaufen entdecken, in dem ...

Der 16. Fall für Chief Kate Burkholder wird recht schnell persönlich, als ihre Kollegen Mona Kurtz und Chuck Skidmore bei einem heimlichen Stelldichein, einen brennenden Scheiterhaufen entdecken, in dem ein Mann hilflos verbrennt, weil er an einen Pfahl gefesselt ist. Der Tote ist Milan Swanz, ein Amischer, der auf Grund zahlreicher Gewalttaten und anderer Verstöße gegen die amischen Vorschriften exkommuniziert worden ist.

Recht schnell gerät Kates Bruder Jacob in den Fokus der Ermittler, denn ein Zeuge berichtet von einem Streit der beiden, den er angeblich beobachtet haben will, was Jacob aber heftig bestreitet.

So wird muss Kate den Fall abgeben, da man ihr Vertuschung vorwirft. Das hält sie aber nicht ab, auf eigene Faust zu ermitteln. Als sie entdeckt, dass es in der Vergangenheit ähnliche Fälle von Morden an Amischen gegeben hat, scheint das Gerücht um eine abtrünnigen Gruppe von Amischen, die sich als Rächer sieht, neue Nahrung zu bekommen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann John Tomasetti verfolgt sie die Spur dieser Gruppe und weiß nicht, welches Risiko sie damit eingeht.


Meine Meinung:

Dieser 16. Fall für Kate Burkholder hat es in sich. Sie ist als Amische geboren, hat sich aber dann von der Gemeinschaft losgesagt. Sie kennt die Bräuche sowie die Glaubenssätze der verschworenen Gemeinde, die, obwohl Pazifisten, schon auch die eine oder ander Auseinandersetzung untereinander haben. Diese lösen sie aber intern und rufen nie, niemals die „englische“ Polizei zu Hilfe. Sie weiß, dass Milan Swanz massiv gegen die Regeln verstoßen hat, nur das ganze Ausmaß ist ihr zunächst nicht bekannt.

Kate ist toughe Chefin, die sich um ihr Team kümmert, weshalb man ihr auch während ihrer kurzen Auszeit die nötigen Informationen zum Fall Swanz zuspielt.

Völlig unaufgeregt erklärt Linda Castillo die Lebensgewohnheiten der Amischen. Die Autorin macht das recht geschickt, in dem sie Kate Burkholder ihren Chefs bzw. den Kollegen darüber berichten lässt. Das finde ich sehr interessant, denn über das Leben der Amischen weiß ich relativ wenig. Nachdem ich in dieser Reihe erst mit dem 15. Fall eingestiegen bin, muss ich mich langsam an den Beginn vortasten, denn mich interessiert, warum sie sich von den Amischen losgesagt hat.

Der Schreibstil ist fesselnd und dieser 16. Fall wird nach dem 15. nicht mein letzter Thriller sein, den ich von Linda Castillo, die mit einigen Amischen befreundet ist und daher weiß, worüber sie schreibt, lesen werde.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Thriller 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.07.2025

Ein berührender Abschluss der Trilogie

Wir sehen uns wieder am Meer
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In diesem dritten und letzten Teil der Trilogie steht Birgit, die Freundin von Tekla aus „Als Großmutter im Regen tanzte“ im Mittelpunkt der Ereignisse. Trude Teige erzählt die bewegende Geschichte einer ...

In diesem dritten und letzten Teil der Trilogie steht Birgit, die Freundin von Tekla aus „Als Großmutter im Regen tanzte“ im Mittelpunkt der Ereignisse. Trude Teige erzählt die bewegende Geschichte einer Frauenfreundschaft während der deutschen Besatzung in Norwegen. Doch von Beginn an:

In der Gegenwart erhält Juli, Teklas Enkelin einen Anruf von der ihr zunächst unbekannten Anna Borch, die sich als Großnichte von Birgit vorstellt und Juli Birgits Geschichte erzählt.

Im Jahr 1944 hat Birgit eben ihre Ausbildung zur Krankenschwester abgeschlossen und entschließt sich, in einem Krankenhaus weit im Norden Norwegens zu arbeiten. Dort begegnet sie sowjetischen Zwangsarbeiteri, die unter menschenunwürdigen Bedingungen leben und schwer arbeiten müssen. Unter ihnen ist auch Nadia, eine junge Ukrainerin, mit der sie eine enge Freundschaft verbindet. Da Birgit in ihrer Jugend in Oslo Russisch gelernt hat, wird sie immer wieder von den Ärzten als Dolmetscherin eingesetzt. Bald engagiert sie sich im Widerstand und gerät, wie unschwer zu erraten ist, zunehmend in Gefahr, entdeckt zu werden. Das Krankenhaus dient nicht nur als Versteck für verletzte Widerstandskämpfer und geflohene Zwangsarbeiter, sondern als Drehscheibe für die Kommunikation unter den Widerständlern. Als sie sich in Sascha, einen geflohenen russischen Gefangenen verliebt, bringt sie sich und die Widerstandsgruppe in große Gefahr, denn die Gestapo ist ihr auf den Fersen.

Wenig später ist der Zweite Weltkrieg zu Ende. Doch die Repressalien sind noch nicht zu Ende. Nun sind es die norwegischen Behörden, die alle jene, die der Kollaboration mit den deutschen Besatzern verdächtigt werden, verfolgen. Norwegische Frauen, die sich mit den Deutschen eingelassen haben, werden geächtet und in einem Lager auf einer Insel gefangen gehalten.

Doch was Birgit widerfährt, ist wohl unter anderem ihren russischen Sprachkenntnissen und der Nähe Norwegens zur UdSSR geschuldet. Sie wird vom norwegischen Geheimdienst rekrutiert und tritt in Moskau eine Stelle in der Botschaft an. Geködert hat man sie mit der Nachricht, Sascha lebe dort. Als sie entdeckt, dass ihre große Liebe nicht das ist, was sie erwartet hat und sie vom KGB erpresst wird, verlässt sie tief getroffen Moskau. Damit nicht genug, wird sie in Norwegen der Spionage FÜR die Sowjetunion angeklagt und verurteilt.

Meine Meinung:

Mit diesem Abschluss ihrer Trilogie spricht Autorin Trude Teige ein heikles Thema, das nicht nur in Norwegen gerne verdrängt wird an: Kollaboration mit den Nazis. Obwohl es auch Männer gibt, die mit den Besatzern sympathisiert haben, sind es die Frauen, die geächtet werden. Besonders dann, wenn sie, weil ja deutlich sichtbar, Kinder aus den Beziehungen mit den Soldaten entstehen. Das muss auch Nadia, die ukrainische Zwangsarbeiterin erfahren, die sich ausgerechnet in Harald, den Sohn einer norwegischen Familie, die die Nazis bewundern, verliebt.

Wie die Autorin im Nachwort schreibt, beruht dieses Buch auf wahren Begebenheiten.
Dieser historische Roman fesselt bis zur letzten Seite und zeigt, dass es nicht nur in Deutschland rechtspopulistische Strömungen gegeben hat. Antisemitismus ist nicht nur den Deutschen exklusive vorbehalten. Dieses Gedankengut findet man so gut wie in jedem Land, wie durch die aktuelle politische Situation deutlich zu sehen ist.

Dieser dritte Teil der Trilogie lässt sich auch ohne die beiden anderen Teile (Als Großmutter im Regen tanzte und Und Großvater atmete mit den Wellen) sehr gut lesen, rundet aber die Geschichte sehr gut ab.

Ich habe schon einige Bücher zu Norwegen in der Besatzungszeit gelesen. Diese Trilogie hat die Ereignisse sehr gut dargestellt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Abschluss der Trilogie, sowie der gesamten Reihe eine Leseempfehlung und 5 Sterne.