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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.07.2025

Eine Leseempfehlung!

Ein echter Wiener geht nicht unter
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Dieses Buch ist eine Hommage an eine Kultsendung, die 2025 ihren 50. Geburtstag feiert. Als die ersten Folgen der TV-Serie 1975 über die österreichischen Bildschirme flimmerte, war die Aufregung riesengroß. ...

Dieses Buch ist eine Hommage an eine Kultsendung, die 2025 ihren 50. Geburtstag feiert. Als die ersten Folgen der TV-Serie 1975 über die österreichischen Bildschirme flimmerte, war die Aufregung riesengroß. So derb, so ordinär wie Edmund „Mundl“ Sackbauer und seine Familie hat man bislang nicht im Fernsehen gesprochen.

Auf die einzelnen Episoden, 24 an der Zahl, mag ich hier nicht eingehen, deren Zusammenfassung findet der geneigte Leser und Fan der Serie, im Anhang dieses Buches. Die Silvester-Folge, die wohl jeder kennt, wird, wie „Dinner for One“ und das Neujahrskonzert regelmäßig zum Jahreswechsel ausgestrahlt.

Interessant zu lesen ist, wie es überhaupt zu dieser Serie gekommen ist und wie die Schauspielerinnen und Schauspieler einander gefunden haben.

Bert Rebhandl ist Filmxperte und untersucht den Erfolg dieser Reihe unter verschiedenen Gesichtspunkten. Zum einen betrachtet er die Arbeit des Autors (Ernst Hinterberger), der Regie (u.a. Reinhard Schwabenitzky) sowie der Schaupielerinnen und Schauspieler. Zum anderen begutachtet er das Setting der Episoden, in dem die beengten Wohnverhältnisse der Nachkriegsgeneration (Vier Erwachsene in einer Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung mit einer Durchschnittsgröße von 50m², meist ohne Bad und WC), fehlende Bildung, oder die im Krieg verschollenen oder gefallenen Väter eine oft negierte Rolle spielen. Jemand, der wie die Sackbauers im 10. Hieb (= Favoriten, 10. Bezirk) wohnt, wird zu jener Zeit anders betrachtet (bzw. sieht sich selbst anders) als jene, die im 7., 8. oder gar im 13. oder 14. Bezirk wohnen.

Wie alles Neue, verschreckt auch diese Familien-Saga die Zuseher, ist sie doch auch ein Abbild der eigenen ge- oder erlebten Wirklichkeit. In manchen Szenen habe ich meine Eltern wiedererkannt. 40 bis 60 Zigaretten pro Tag (Vater und Mutter zusammen), das obligate Schwechater in Vaters Hand (ohne dazugehörige Bierglas versteht sich). An das Ploppen des Verschlusses kann ich mich sehr gut erinnern. Ein cholerischer Vater, eine kalmierende Mutter, die heimlich die Fäden gezogen hat und unsere Vater im Glauben gelassen hat, er hätte dies oder jene Entscheidung getroffen. Ganz so wie es sich bei den Sackbauers in der Hasengasse abgespielt hat. Nun, 1967 haben wir immerhin schon eine (Neubau)Gemeindewohnung mit 67m² mit Badezimmer bekommen. Aber sonst sind meine Erinnerungen den Spielszenen sehr ähnlich. Statt eines Onkels aus Tirol, hat es bei uns Verwandte in Kärnten gegeben, die allerdings niemals zu uns nach Wien gekommen sind.

Nach einiger Zeit sind die Anrufe beim ORF, die sich über die Sackbauers beschwert haben, weniger geworden. Heute hat die Serie Kultstatus, zählt als Wegbereiterin für Serien wie „Kottan ermittelt“ und ist überhaupt ein Teil unserer Kulturgeschichte.

Gerne gebe ich dieser Reminiszenz an meine eigene Jugend 5 Sterne und eine Leseempfehlung.


Veröffentlicht am 24.07.2025

Ein gelungener Abschluss der Reihe

Bluthunde
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Mit diesem 5. und letzten Band endet die Reihe rund um die Gebrüder Sass und ihr Syndikat. Man trägt sich schon länger mit dem Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen, denn die Polizei, die unter Ernst Gennat ...

Mit diesem 5. und letzten Band endet die Reihe rund um die Gebrüder Sass und ihr Syndikat. Man trägt sich schon länger mit dem Gedanken, sich zur Ruhe zu setzen, denn die Polizei, die unter Ernst Gennat einen Modernisierungsschub erlebt hat, ist ihnen auf den Fersen. Vor allem der Polizist Max Fabich hat sich in den Kopf gesetzt, den Brüdern Sass das sprichwörtliche Handwerk zu legen. Da hilft es wenig, dass Paul Konter, Kriminalbeamter und Lebensgefährte von Antonia Sass, den einen oder anderen Tipp gibt.

Einen letzten Coup wollen Franz und Max Sass landen: Sie wollen in die Disconto-Bank einbrechen, in der die NSDAP ihr Schwarzgeld in Millionenhöhe in Schließfächern gelagert hat. Doch damit legen sie sich mit einem Gegner an, bei dem sie nur verlieren können: Joseph Goebbels. Er ist zwar Ende der 1920er-Jahre noch nicht auf dem Zenith seiner Macht, doch die Bluthunde der SA terrorisieren neben Juden, Sozialisten und alle jene, die ihrer Weltanschauung entgegenstehen. Das bekommt auch Georg Sass, der bei einer Roma-Familie lebt, zu spüren.

Ob der Coup gelingt, müsst ihre schon selbst lesen!

Meine Meinung:

Michael Jensen ist es wieder sehr gut gelungen Fakten und Fiktion zu verbinden. Historische Personen wie die Brüder Sass, Max Fabich, Ernst Gennat und Joseph Goebbels werden durch fiktive Charaktere in ihren Handlungen unterstützt. Die gelungene Mischung aus historischer und kriminalistischer Spannung macht die Geschichte fesselnd und interessant. Damit lässt der Autor das Berlin der Zwischenkriegszeit lebendig auferstehen. Der Tanz auf dem Vulkan beginnt. In wenigen Jahren wird Adolf Hitler die Macht sich reißen.

Ich kenne alle Teile dieser Reihe sowie auch jene Serie, in der Jens Druwe, der hier als Assistent von Paul Konter seine Karriere bei der Berliner Kripo beginnt, die Hauptrolle verkörpert. Ob wir demnächst Kriminalroman lesen werden, die diese beiden Reihen verbinden? Interessant wäre dies schon!

Wie wir es von Michael Jensen gewöhnt sind, ist auch dieser Krimi hier penibel recherchiert und fesselnd erzählt. Die Figuren sind vielschichtig und authentisch in ihren Handlungen.

Die gewählte Perspektive, nämlich jene des Syndicats, gibt einen sehr guten Einblick in die Welt des Verbrechens. Dabei ist die Familie Sass eine ganz normale Familie, Meinungsverschiedenheiten inklusive. Wer hätte gedacht, dass sich auch Panzerknacker bei Kollegen weiterbilden?

Im Anhang berichtet Michael Jensen über das weitere Schicksal der Brüder Sass.

Fazit:

Wer einen fesselnden, historischen Krimi während einer politisch brisanten Zeit lesen will, ist hier genau richtig. Gerne gebe ich diesem raffiniert konstruierter Krimi über Mut, Gier und Loyalität, der auf wahren Ereignissen beruht, 5 Sterne und eine Leseempfehlung für die gesamte Reihe.

Veröffentlicht am 24.07.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Rattenharpyie
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Dieser 15. Krimi aus der Reihe rund um Franz Haderlein und seinem Team hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Warum?

Renatus Gräber, ein ehemaliger Rechtsanwalt, der den Abschaum der Menschheit erfolgreich ...

Dieser 15. Krimi aus der Reihe rund um Franz Haderlein und seinem Team hat mich bis zur letzten Seite gefesselt. Warum?

Renatus Gräber, ein ehemaliger Rechtsanwalt, der den Abschaum der Menschheit erfolgreich verteidigt hat, wird am Abend seines 100. Geburtstag ermordet. Nein, nicht nur ermordet, sondern regelrecht hingerichtet, denn in seinem Appartement in der Seniorenresidenz findet man nur mehr seinen Kopf auf dessen Stirn ein kryptisches Zeichen eingeschnitten worden ist. Der Rest liegt einige Kilometer weiter auf einem Acker, in dessen Boden Dutzende Fragmente aus Aluminium zu finden sind.

Keine leichte Aufgabe für Franz Haderlein, César Huppendorfer, Bernd „Lagerfeld“ Schmitt und Neo-Kommissarin Kira Sünkel. Warum tötet jemand einen Hundertjährigen und warum auf diese Weise? Ja, die Liste der Feinde ist lang, aber .....

Fast gleichzeitig wird der geschiedene Wolfgang Zurbriggen in seinem Haus in Meggen am Vierwaldstättersee erschossen. Als die Schweizer herausfinden, dass der Tote eigentlich Deutscher mit dem Nachnamen Gräbner ist, weil er den Namen seiner Frau angenommen hat, greift Ermittler Roland Büchel zum Telefon und Lagerfelds Telefon läutet.

Großvater und Enkel erschossen, auf beider Stirn ein Zeichen, das entfernt an die Freimaurer erinnert- an Zufall glaubt hier keiner. Doch was steckt hier dahinter? Noch ahnt keiner, was das mysteriöse Zeichen darstellen soll.

Meine Meinung:

Dieser Krimi ist ganz nach meinem Geschmack!

Zum einem, weil er auf zwei Zeitebenen, nämlich Anfang April 1945, als der Zweite Weltkrieg in den letzten Zügen liegt, aber von NS-Deutschland umso erbitterter geführt wird und in die Gegenwart, in der in Franken und in der Schweiz jeweils ein Mann getötet werden, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, werden, spielt. Und zum anderen, weil das Team um Franz Haderlein wieder zu besonderer Hochform aufläuft. Das liegt nicht nur am altbewährten fränkischen Humor, wenn Oberchef Robert „Fidibus“ Suckfüll seinen Mitarbeitern erklärt, sie müssen aus Umweltschutzgründen auf Elektro-Autos umsteigen.

„Entschuldigung, VW? Warum kriegen wir kein richtiges Auto?“ (Bernd „Lagerfeld“ Schmitt)

Auch der Neuzugang von Kira Sünkel trägt auf Grund ihrer Herkunft von der Bundeswehr bzw. Flugunfalluntersuchungskommission das Ihre dazu bei. Nicht nur, dass sie zu Bernd und Ermittlerferkel Presssack bei deren Erscheinen das eintrainierte „Rühren“ entgegenschleudert, gibt sie Nachhilfeunterricht in Sachen Elektroauto an der Tankstelle. Tja, die militärischen Umgangformen lassen sich nicht leicht ablegen, sind aber eloquent,

Natürlich dürfen auch die üblichen Charaktere wie Marina „Honeypenny“ Hoffmann, der verhasste Rechtsmediziner Siebenstädter oder Heribert Ruckdeschl von der Spusi nicht fehlen.

Doch bei allem Humor wird auch nicht auf die ernste Seite in diesem Krimi vergessen: Dass Piloten der Royal Airforce und der US Airforce nach einem Absturz über deutschem Gebiet von aufgebrachtem Mob gelyncht bzw. nicht als Kriegsgefangene gemäß der Genfer Konvention behandelt worden sind, sondern von der SS brutal ermordet worden sind, obwohl den meisten Deutschen schon längst klar gewesen sein muss, dass der Krieg verloren ist. Zum Kriegsgeschehen hat Autor Helmut Vorndran penibel recherchiert. So gibt es neben Fotos, unter anderem von den B-17 Flying Fortresses, Karten von deren Heimatflughafen in Sudbury/UK und den anderen Schauplätzen, die uns neben Oberfranken, der Schweiz und UK auch nach Illinois/USA führt.

Besonders berührt hat mich, dass der Autor dieses Buch der Besatzung der „Lonesome Polecat“ gewidmet hat, die am 8. April 1945 über Herreth abgestürzt und Vorbild für diesen Krimi ist.

Fazit:

Mir hat dieses Zusammenspiel von Vergangenheit und Gegenwart, das mich bis zur letzten Seite gefesselt hat, sehr gut gefallen, weshalb ich hier eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 22.07.2025

Zusammenfassung eines langen Lebens

Wer bin ich?
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Paul Lendvai, gebürtiger Ungar, verfolgter Jude, Flüchtling, Journalist, Osteuropa-Experte und glühender Europäer, fasst in diesem kleinen Buch sein nunmehr 96 Jahre langes Leben und seine Gedanken zur ...

Paul Lendvai, gebürtiger Ungar, verfolgter Jude, Flüchtling, Journalist, Osteuropa-Experte und glühender Europäer, fasst in diesem kleinen Buch sein nunmehr 96 Jahre langes Leben und seine Gedanken zur aktuellen Politik zusammen.

Paul Lendvai begleitet mich, seit ich denken kann. Gemeinsam mit Hugo Portisch (1927-2021) hat er mir und vielen anderen die Geschichte Europas erklärt. Ich kenne einige seiner Bücher wie „Die Ungarn“ oder „Orbáns Ungarn“. Als gebürtiger Ungar, der wie viel andere auch nach dem Ungarn-Aufstand von 1956 das Land verlassen hat, beobachtet er Ungarn mit großem Interesse.

Das Buch enthält für mich nichts wirklich essentiell Neues, ist aber eine gelungene Zusammenfassung, weshalb ich ihm 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 22.07.2025

Hat mich nicht ganz überzeugt

Onigiri
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„Onigiri“ ist der Debütroman der studierten Kulturwissenschaftlerin Yuko Kuhn. Zuletzt war sie an der Hochschule für Film und Fernsehen München tätig und arbeitet seit diesem Jahr als freiberufliche Autorin. ...

„Onigiri“ ist der Debütroman der studierten Kulturwissenschaftlerin Yuko Kuhn. Zuletzt war sie an der Hochschule für Film und Fernsehen München tätig und arbeitet seit diesem Jahr als freiberufliche Autorin.

Die Idee, das Leben einer dementen Mutter, die in einem, auch nach Jahrzehnten ihr fremdem Kulturkreis lebt, darzustellen habe ich sehr interessant gefunden. Doch irgendwie hat mich das Buch nicht wirklich berührt. Obwohl es die Zerrissenheit von Keiko, der Japanerin, die ihren Mann Ernst auf einer Europareise kennengelernt hat und von seiner Familie nie wirklich als Schwiegertochter angenommen worden ist, ziemlich glaubhaft darstellt, ist dies Spannung für mich nicht erlebbar.

Keikos Tochter Aki, aus deren Sicht der Roman geschrieben ist, steht der Krankheit ihrer Mutter hilflos gegenüber und wirkt streckenweise ziemlich ungeduldig, ja geradezu unwirsch im Umgang mit ihr. Umso erstaunter ist Aki, als Keiko, in ihrer alten japanischen Welt, in die Aki sie nach dem Tod ihrer Großmutter mitgenommen hat, geradezu aufblüht. Keiko, die seit Jahren nahezu verstummt ist, wird wieder gesprächig.

Nun, wenn sich Aki ein wenig mit Demenz beschäftigt hätte, wäre ihr das vielleicht nicht gar so erstaunlich vorgekommen. Es ja bekannt, dass das Langzeitgedächtnis von Demenzkranken besser funktioniert, als das Kurzzeitgedächtnis. Gleichwohl ist es natürlich sehr belastend, wenn ein Familienmitglied von Woche zu Woche mehr verlöscht.

Zunächst hat es mich ein wenig überrascht, dass Aki ihre Mutter aus dem gewohnten deutschen Umfeld herausgerissen hat, um nach Japan zu ihrer mütterlichen Familie zu fliegen. Doch dann ist mir aufgegangen, dass Keiko gar nicht richtig in Deutschland verwurzelt ist.

Zum Thema an Demenz habe ich schon einige andere Bücher gelesen bzw. Vorträge gehört, da mein Schwiegervater an Demenz erkrankt ist und wir sein Verlöschen hautnah miterlebt haben.

Fazit:

Leider hat mich dieses Buch nicht wirklich gepackt, weshalb es nur 3 Sterne erhält.