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Venatrix

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Veröffentlicht am 15.06.2019

Österr. Architektur zwischen 1970 und 1980 perfekt in Szene gesetzt

Bunt, sozial, brutal. Architektur der 1970er Jahre in Österreich
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In diesem Buch stellt Fotograf Stefan Olàh eine Auswahl an Gebäuden der Jahre 1970 bis 1980 vor. Der Titel des Buches „Bunt, sozial, brutal“ entspricht den ersten Gedanken, wenn man die Bilder ansieht. ...

In diesem Buch stellt Fotograf Stefan Olàh eine Auswahl an Gebäuden der Jahre 1970 bis 1980 vor. Der Titel des Buches „Bunt, sozial, brutal“ entspricht den ersten Gedanken, wenn man die Bilder ansieht.
„Bunt“, weil mit Farben und Formen experimentiert wird.
„Sozial“, weil es die Zeit der Regierung von Bruno Kreisky ist und der sozial Wohnbau (um den uns Städte wie Berlin beneiden) boomt.
„Brutal“, weil sehr viel Stahlbeton in roher Form verbaut und wenig Rücksicht auf die Umgebung genommen wird.

Manche Gebäude wirken martialisch, so wie zum einen die Wotruba-Kirche, die aus lauter Betonblöcken zusammengesetzt. Zu dieser Kirche gibt es eine Geschichte, die beinahe in Vergessenheit geraten ist: Margarethe Ottlinger hat den Bau großzügig unterstützt, als sie, die tiefgläubige Katholikin, 1955 nach sieben Jahren sowjetischer Lagerhaft wieder nach Wien zurückgekehrt ist.

Anderen haben ihre Architekten wie Günter Domenig einen sehr persönlichen Stempel aufgedruckt.

Es werden Wohnbauten (Wohnpark Alterlaa, Wien oder Terrassenhaussiedlung, Graz), Verkehrsbauten wie der Franz-Josefs-Bahnhof, Schulen, Bürohäuser, Universitätsgebäude (Iuridicum) oder Industriebauten wie die Köllnbreinsperre wunderbar in Szene gesetzt. Auch Zwentendorf, das sicherste Kernkraftwerk der Welt, weil nie in Betrieb gegangen, ist abgebildet.

Friedrich Achleitner (1930-2019), ein bedeutender österr. Architekt und Architekturkritiker kommt zu Wort.

Fazit:

Ein großartiger Einblick in die österreichische Architektur zwischen 1970 und 1980. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.06.2019

Vom Bücherfass zum Download

Geschichte des deutschen Buchhandels
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Dieses Buch ist die vierte Auflage eines wirklich sehr interessanten Themas. Es gibt einen detaillierten Überblick über die mehr als 500-jährigen Geschichte des Buchhandels im deutschen Raum.

In 13 Kapiteln ...

Dieses Buch ist die vierte Auflage eines wirklich sehr interessanten Themas. Es gibt einen detaillierten Überblick über die mehr als 500-jährigen Geschichte des Buchhandels im deutschen Raum.

In 13 Kapiteln spannt Autor Reinhart Wittmann den Bogen von der Antike bis zur Gegenwart:

Der Buchhandel vor Gutenberg und in der Frühdruckzeit
Der Buchhandel im Zeitalter der Konfessionskämpfe
Der Buchhandel der Barockzeit - das „Tauschzeitalter“
Die Entstehung des modernen Buchhandels
Der Dichter auf dem Markt - die Entstehung des freien Schriftstellers
Die Entstehung des modernen Publikums - die Leserevolution
Der Buchhandel zwischen Wiener Kongress und Märzrevolution
Der Buchmarkt im Nachmärz und der Gründerzeit
Der Buchmarkt um die Jahrhundertwende: „Kulturbuch“ und „Massenbuch“
Der Buchhandel in der Weimarer Republik
Der Buchhandel im Dritten Reich und im Exil
Buchhandel und Buchmarkt nach 1945
Die digitale Herausforderung


Mir hat das Buch bis auf zwei Dinge sehr gut gefallen: Da ist zum einem die extra kleine Schrift - die ist fast nicht zu lesen. Das müsste jetzt nicht wirklich sein. Zumal das Buch für geschichtliche interessierte Leser gedacht ist, die eher schon ein wenig älter sind.
Das Zweit, das mich einigermaßen irritiert wie gestört hat: Man hat zwar Taler oder Gulden in DM umgerechnet, aber dann die DM nicht mehr in Euro. Natürlich kann man (so wie ich als Österreicherin) die Faustformel 1 Euro = 2 DM verwenden, doch stört das den Lesefluss schon einigermaßen. Diese beiden Irritationen kosten einen Stern.

Ich finde das Buch außergewöhnlich gut recherchiert und gut erzählt. Vom Bücherfass zum eBook - ein weiter Weg.

Fazit:

Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 13.06.2019

Fesselnd bis zur letzten Seite

Bachchoral
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In diesem 3. Fall erhalten Frieda Bach und Ronald Wendt, die beiden in eine Abstellkammer verbannten Ermittler, Zuwachs: Bettina Eichler, eine junge etwas unkonventionell gekleidete Polizistin. Sie soll ...

In diesem 3. Fall erhalten Frieda Bach und Ronald Wendt, die beiden in eine Abstellkammer verbannten Ermittler, Zuwachs: Bettina Eichler, eine junge etwas unkonventionell gekleidete Polizistin. Sie soll das Team für Cold Cases verstärken. Allerdings geschieht dies nicht auf Grund gesteigerten Wohlwollens durch Abteilungsleiter Gruppeninspektor Gruber, sondern ist ebenfalls Verbannung, weil Bettina es gewagt hat, Gruber zu widersprechen. Der heftet sich nämlich die Erfolge von Frieda und Ronald auf seine Brust, in der Hoffnung die Karriereleiter schnell hoch zu klettern. Na, wenn er sich da nur nicht verspekuliert.

Diesmal sind Frieda und ihr Team mit einer 50 Jahre zurück liegenden Mordserie an Frauen beschäftigt. Für Frieda wird der Fall für eine wahre Zerreißprobe: ihr verstorbener, geliebter Mann wurde damals verdächtigt, mehrere Frauen gefoltert und bestialisch ermordet zu haben. Wie konnte sie sich von ihm so täuschen lassen?
Noch während sie die in alten Akten wühlen, geschehen mehrere Frauenmorde, die der alten Serie frappant ähneln. Ist hier ein Nachahmungstäter am Werk?

Parallel zu den aktuellen polizeilichen Ermittlungen muss sich Frieda der unbekannten Vergangenheit ihres Mannes stellen.

Meine Meinung:

Wie wir es von Autor Ernst Schmid gewöhnt sind, schickt er Ermittler und Leser tief in die Abgründe der Menschen. Der Plot ist auch diesmals ähnlich wie bei den Vorgängern („Bachpassion“ und „Bachfuge“).
Neu hingegen ist die Person von Bettina „Betty“ Eichler, die mit Piercing und knappen Röckchen eher dem Klientel der Kriminalpolizei als einer Ermittlerin ähnelt. Dass sie die Nichte des Polizeipräsidenten ist und trotzdem auf dessen Protektion pfeift, macht die junge Frau so richtig sympathisch.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen. Der Autor verwendet wohl gesetzte Worte. Das Wortspiel mit Friedas Nachnamen „Bach“ und dem Komponisten kommt immer wieder vor.


Häufige Perspektivenwechsel machen den Thriller so richtig spannend. Zu Beginn der jeweiligen Ansicht steht der Name der entsprechenden Person: Also „Katharina“, „Christina“ etc.. Nur beim Täter ist die Überschrift „Er“ - und das aus gutem Grund. Nun weiß man, dass es sich um einen männlichen Täter handelt, wobei, das ist auf Grund der Grausamkeit ersichtlich. Erst langsam entwickelt (im Sinne von ans Tageslicht kommen) sich der ganze Hintergrund.

Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten. Allen voran natürlich das Ermittler-Trio. Auch Mathilde, die Schwägerin von Frieda ist eine Type für sich.

Die beschriebenen Gewaltorgien sind jetzt nicht unbedingt jedermanns Sache. Auch für mich gerade noch lesbar. Eine weitere Steigerung muss jetzt meiner Meinung nach nicht sein. Der Cliffhanger am Ende des 3. Bandes lässt auf einen weiteren Fall schließen.

Fazit:

Ein blutiger Thriller, der durch gekonnte Schreibweise besticht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 13.06.2019

Fesselnd bis zur letzten Seite

Der dunkle Bote
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Alex Beer entführt uns in die junge Republik Österreich. Die Menschen hungern und frieren, die Spanische Grippe hat Millionen Todesopfer gekostet und die Kriminalität steigt unaufhörlich. Kaum ist eine ...

Alex Beer entführt uns in die junge Republik Österreich. Die Menschen hungern und frieren, die Spanische Grippe hat Millionen Todesopfer gekostet und die Kriminalität steigt unaufhörlich. Kaum ist eine Platte (=Bande) dingfest gemacht, so wachsen zwei neue nach. In diesem Umfeld müssen sich August Emmerich und sein Assistent Ferdinand Winter zu allem Überfluss um ein ordentliches Büro mit einem Kollegn-Duo matchen: Wer mehr Fälle aufklärt, bekommt das Büro.

Zusätzlich belastet August das Verschwinden von Luise und ihren Kindern. Axel Koch, ihr lange tot geglaubter und plötzlich wieder aufgetauchter Ehemann hat Frau und Kinder entführt, und Emmerich Rache geschworen.

Dann geschehen mehrere Morde, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und die Ermittler sind ein wenig abgelenkt. Ist die junge in Sachen Frauenrechte engagierte Journalistin Alma Lehner in die Todesfälle verwickelt? Die Spur führt ins nichts, als eine weitere übel zugerichtete Leiche gefunden wird.

Veit Kolja, eine Figur aus dem ersten Teil („Der zweite Reiter“), den August Emmerich für immer hinter sich gelassen geglaubt hat, erscheint wieder auf der Bildfläche. Diesmal will er helfen und verrät, wo Axel Koch seine Familie versteckt hat und, was der Unterweltler vorhat, doch nicht ohne Emmerich vor der Brutalität seines Widersachers zu warnen.

Meine Meinung:

„Es geht ihm nicht gut, dem müden, wunden Wien“, stellt August Emmerich fest und meint damit auch sich selbst. Er ist ebenfalls müde und verwundet. Er vermisst Luise und die Kinder, die er als „seine Familie“ bezeichnet.

Die Autorin legt gekonnt mehrere Spuren, die Emmerich weiterbringen, aber auch in die Sackgasse führen. Sehr gut gefällt mir, dass den Frauen im Polizeipräsidium eine große Rolle eingeräumt wird. Ohne die „Hühnerarmee“ geht so gut wie gar nichts. Bei der ersten Nennung des Begriffs musste ich schlucken - wie abwertend. Doch die Damen arbeiten effizient, im Untergrund und das im Schutze des unterschätzt Werdens. Das Netzwerk inklusive Flurfunk (in Österreich „Buschtrommeln“ genannt) ist engmaschig.

Auch die Rolle von Alma Lehner ist gut angelegt. Ein bisschen ähnelt sie August Emmerich. Sie hat Ecken und Kanten, lässt sich nicht einschüchtern und will das Leid vor allem von Frauen lindern. Ihre Arbeit erledigt sie recht unkonventionell. Ob sich da in einem neuen Band etwas mit Emmerich anbahnen könnte?

In August Emmerichs Privatleben spitzt sich Lage immer mehr zu. Der Showdown ist berührend wie beklemmend.

Ich habe mich in das Wien von 1920 zurückversetzt gefühlt. Den erwähnte Münstedt Kino Palast habe ich selbst noch besucht. Das Kino wurde 1984 endgültig geschlossen. Einige der Tschocherl (kleine Branntweinstuben), in denen man an illegalen Glücksspielen teilnehmen konnte, haben recht lange überlebt.

Fazit:

Ein atmosphärischer Krimi, der die Zustände der jungen Republik Österreich im Jahre 1920 perfekt wiedergibt. Ich gebe hier 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 08.06.2019

Die unheiligen Geschäfte des Vatikans

Vaticanum
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Das ist der dritte Fall für den Historiker Tomás Noronha. Diesmal muss er seine Ausgrabungen unter der Peterskirche nach dem Grab des Apostels Petrus unterbrechen, um die Entführung des Papste aufzuklären ...

Das ist der dritte Fall für den Historiker Tomás Noronha. Diesmal muss er seine Ausgrabungen unter der Peterskirche nach dem Grab des Apostels Petrus unterbrechen, um die Entführung des Papste aufzuklären und die Welt vor den Islamisten retten. Ihm zur Seite steht, wieder einmal eine attraktive Frau, nämlich die Wirtschaftsprüferin Catherine.

Wird es der charismatische Superheld schaffen, den Papst aus der Hand der Entführer zu befreien?

Meine Meinung:

Schon in der Einleitung weist der Autor darauf hin, dass diesem Buch echte historische Fakten zu Grunde liegen. Ich war also gespannt, welche. Und siehe da, ich habe mehrere Déjà vu-Erlebnisse gehabt. Ich habe mich in die 1980er Jahre zurück versetzt gefühlt. Die Skandale um die Vatikanische Bank (Stichwort Roberto Calvi), die Firmengeflechte (Vatikan hält Anteile an einer Pharma-Firma, die die Antibaby-Pille erzeugt) in denen der Vatikan verstrickt war (?) oder die Gerüchte um den plötzlichen Tod von Papst Johannes Paul I. Mir war es, als ob ich die Bücher von David Yallop („Im Namen Gottes“) und Peter de Rosa („Gottes erste Diener“ bzw. „Vatikan - von Gott verlassen“) wieder lesen würde.
Gut, soweit im Süden nichts Neues. Dass der aktuelle Papst Franziskus mit diesen und ähnlichen Praktiken aufräumen will/wollte und sich damit ziemlich böse Freunde gemacht hat, ist auch nachvollziehbar. Dass immer wieder Prophezeiungen, die gerade in den Kram passen, geglaubt wird, hat auch Tradition.

Was also ist das Neue, Spannende an diesem Buch? Wenig - der Autor hat hier ziemlich viel Potential verschenkt. Bekannte Tatsachen einfach aufzuwärmen und mit aktuellen Bedrohungen zu verbrämen , ist mir einfach zu wenig. Da hilft ein „Wunderwuzzi“ in Gestalt des Historikers Tomás Noronha nicht wirklich.

Die Verflechtung von Fakten und Fiktion ist gut gelungen. Völlig unangebracht ist es, die Polizei als dämlich, uninteressiert und unfähig darzustellen. Nur Tomás „James Bond“ Noronha weiß alles, kann alles und rettet die Welt vor sich selbst.

Wer mehr über die Verstrickungen des Vatikans in üble Geschäfte wissen will, dem seien die oben angeführten Bücher ans Herz gelegt.

Fazit:

Viel verschenktes Potential. Wunderwuzzi Tomás Noronha verdient hier gerade einmal aufgerundete 3 Sterne.