Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.06.2025

Nicht mein Fall

Johann Strauß oder Die Geburt des Walzers aus der Dampfmaschine
0

Dieser Roman, der sich mit Johann Strauss Sohn beschäftigt hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Der Titel hat mich dazu verleitet, dieses Buch zu lesen. Wie kommt die Dampfmaschine zu Strauss und ...

Dieser Roman, der sich mit Johann Strauss Sohn beschäftigt hat mich ein wenig ratlos zurückgelassen. Der Titel hat mich dazu verleitet, dieses Buch zu lesen. Wie kommt die Dampfmaschine zu Strauss und dem Walzer? Die Idee, Johann Strauss in einer Schlosserei arbeiten zu lassen, wo er dann den Takt einer Dampfmaschine für seine Walzer verwendet, hat mir gut gefallen. Das zeigt, dass Johann Strauss aus jedem Geräusch ein Musiksstück machen konnte.

Aber sonst zeichnet Michael Scharang ein eigenartiges Bild des Komponisten. Zudem treffen wir nur auf ganz wenige historische Figuren. Also auf den Künstler selbst, den Vater (als Feindbild), die Mutter (ziemlich farblos), Kaiser Franz Joseph oder den russischen Zaren. Auch seine Brüder Josef und Eduard werden nur kurz erwähnt. Ganz unter den Tisch fallen die drei Ehefrauen. Dafür wird ihm eine enge künstlerische Beziehung mit Johannes Brahms angedichtet und eine Liebschaft mit einer Sängerin, die über Jahrzehnte gedauert haben soll.

Aus einigen Büchern über Johann Strauss ist bekannt, dass er einige Spleens gehabt und an chronischer Überarbeitung gelitten hat. Das Burnout glaube ich gleich, denn die zahlreichen Auftritte, Tourneen und die mühsamen Reisen fordern ihren Tribut.

Fazit:

Ich halte mich lieber an Romane bzw. Sachbücher, die weniger auf der Fantasie des Autors beruhen. Zudem kommt dieser Roman ganz ohne direkte Rede aus, was mich ziemlich stört. Leider kann ich hier nur 2 Sterne vergeben.

Veröffentlicht am 25.06.2025

Ein Sommerkrimi

Inselnächte
0

Inselpolizist Martin Ziegler und seine Frau Anne Wagner sind eben aus den Flitterwochen zurückgekehrt, als sie der Alltag auf Norderney wieder einholt: Horden von Touristen, die sie nicht Ge- und Verbote ...

Inselpolizist Martin Ziegler und seine Frau Anne Wagner sind eben aus den Flitterwochen zurückgekehrt, als sie der Alltag auf Norderney wieder einholt: Horden von Touristen, die sie nicht Ge- und Verbote halten und auf den gefährdeten Sanddünen herumturnen, Videos von Unglücksfällen filmen und ins Internet stellen sowie zwei Tote, Bruder und Schwester der alteingesessenen Familie Jansen, um die sich zahlreiche Gerüchte um Geiz, Geheimnisse und ein großes Vermögen ranken.

Mit dabei ist auch wieder Marthe Dirksen, die ehemalige Pensionsbesitzerin, die ihren Tee immer mit einem Schuss aus ihrem Giftschrank aufbessert und mit Helene, einer Autorin, auf Motivsuche für einen neuen Roman geht. Seit Neuestem ist sie als Social Media Expertin unterwegs und postet nicht nur Helenes Bücher auf BookTok.

Meine Meinung:

Anja Eichbaum hat wieder einen komplexen Krimi geschrieben, deren Hauptdarsteller, die schon aus den Vorgängern bekannten, drei Paare Martin/Anna, Daniela/Frank, Ruth/Oskar und Marthe Dirksen sowie KHK Gert Schneyder von der Kripo Aurich sind. Dazu kommen noch zahlreiche Personen, deren Auftritt nur für diesen Band eingeführt werden.

Grundsätzlich mag ich ja Krimis, die über mehrere Handlungsstränge verfügen sowie mittels Details zu Land und Leuten ein farbiges Bild zeichnen. Doch wie schon im letzten Fall wäre auch hier ein bisschen weniger mehr gewesen. Besonders die mehrfachen Wiederholungen, dass Marthe Tee mit Schnaps verfeinert, nervt mich persönlich. Dass es für die Einheimischen nicht sehr angenehm ist, während der Sommersaison von Touristen regelrecht überfallen zu werden, kann ich genauso nachvollziehen wie den Ärger über den fehlenden erschwinglichen Wohnraum.

Gut gelungen ist Anja Eichbaum, die Komplexität der dysfunktionalen Familie Jansen darzustellen. Das lässt Raum für Spekulationen, was denn das krampfhaft verborgene Geheimnis sein könnte. Ich hatte recht bald eine Idee, was hier passiert sein könnte und bin über die Auflösung nicht enttäuscht worden. Geschickt führt die Autorin gleich auf den ersten Seiten eine Figur ein, die man ablehnen muss und der man eigentlich alles zutraut.

Fazit:

Für Fans von Inselkrimis ein gelungenes Buch, für mich persönlich ist es an einigen Stellen ein wenig zu überfrachtet. Dafür gibt es 3 Sterne.

Veröffentlicht am 25.06.2025

EIne Leseempfehlung!

Für immer an meiner Seite
0

Schauspielerin Ronja Forcher erzählt in diesem Buch über den Verlust ihre besten Freundin Sarah, die mit 14 Jahren an der sehr seltenen Krankheit Progerie, die Kinder vorzeitig altern lässt, gestorben ...

Schauspielerin Ronja Forcher erzählt in diesem Buch über den Verlust ihre besten Freundin Sarah, die mit 14 Jahren an der sehr seltenen Krankheit Progerie, die Kinder vorzeitig altern lässt, gestorben ist.

Forcher schreibt mehrmals, dass dieses Buch kein trauriges sei, obwohl es tief berührt und manche Szenen enthält, bei denen der/die eine oder andere Tränen in den Augen haben wird.

Berührend sind auch die Briefe, die Ronja Forcher an ihre verstorbene Freundin schreibt. Trotz aller Trauer stimmt das Buch positiv, gibt Hoffnung und einfühlsame Lesestunden.

Menschen, die geliebt werden, werden immer an unserer Seite bleiben, auch wenn sie nicht mehr unter uns weilen.

Fazit:

Möge dieses Buch, das in wunderbaren Worten verfasst ist, allen jenen, die einen geliebten Menschen verloren haben, Hoffnung schenken. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 16.06.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Rätselhaftes Saint-Rémy
0

In der Hitze des Sommers arbeiten Dr. Agnes Havel und ihre beiden Assistenten Gaspard Rouge und Kevin Goubert an einer ehemals griechischen und später römischen Siedlung, als eines Morgens Gaspard im Schacht ...

In der Hitze des Sommers arbeiten Dr. Agnes Havel und ihre beiden Assistenten Gaspard Rouge und Kevin Goubert an einer ehemals griechischen und später römischen Siedlung, als eines Morgens Gaspard im Schacht einer heiligen Quelle erschossen aufgefunden wird. Übt hier jemand Rache, weil er den für Männer verbotenen Bona-Dea-Kult entweiht hat, weil er ihm auf den Grund gehen wollte? Oder sind es ganz profane Motive wie Geldgier oder Eifersucht? Und was hat Rouge im unwegsamen Gelände, in dem keinerlei Spuren der antiken Bewohner zu finden sind, zu suchen?

Capitaine Roger Blanc und sein Team sind gefordert, denn jede und jeder Befragte tischt ihnen Halbwahrheiten und ausweichende Antworten auf. Zudem fühlt sich Blancs schwangere Kollegin Fabienne Souillard von Blanc über die Maßen behütet und Marius Thonon scheint wieder dem Alkohol verfallen zu sein.

Als dann herauskommt, dass der Tod von Gaspard Rouge möglicherweise mit dem Schicksal einer jungen Familie in Zusammenhang steht, das vor 25 Jahren in St. Rémy verschwunden ist, muss Roger Blanc tief in seine Trickkiste greifen, um die komplexen Zusammenhänge zu entwirren.

Meine Meinung:

Wie wir es von Cay Rademacher und seinen Krimis gewöhnt sind, sind einfache Verbrechen seine Sache nicht. Dieser Krimi ist besonders vielschichtig, da ein Verbrechen das nächste nach sich zieht. Die Täter allerdings wenig Unrechtsbewusstsein an den Tag legen.

Für uns Leser ist hier viel Platz für eigene Spekulationen und Rechercheansätze. Natürlich kommen wir nicht an die Gedankengänge von Roger Blanc heran. Geschickt führt und Cay Rademacher auf falsche Spuren, was allerdings nicht allzu schwierig ist, wimmelt es doch hier wieder von zahlreichen Verdächtige. Doch bis alle Puzzle-Teile an den richtigen Platz fallen, sind einige Umwege in Kauf zu nehmen.

Sehr gut sind wieder Land und Leute der Provence in die Handlung eingearbeitet. Gut gefällt mir, dass sich Roger Blanc um die schwangere Fabienne sorgt, in deren Ehe es momentan kriselt. Überhaupt ist Blanc ein fürsorglicher Chef, denn auch Marius Thontons Alkoholkonsum, der ihn zu unüberlegtem Handeln antreibt, bleibt nicht unbemerkt.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem geschickt durchdachten 12. Fall für Roger Blanc und sein Team 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.06.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Die Buchhändlerin von Königsberg
0

Wenn auf einem Cover Christian Hardinghaus steht, so sind penible Recherchen und gekonnte Erzählung vorprogrammiert. So auch bei diesem historischen Roman, der während des Zweiten Weltkriegs im damaligen ...

Wenn auf einem Cover Christian Hardinghaus steht, so sind penible Recherchen und gekonnte Erzählung vorprogrammiert. So auch bei diesem historischen Roman, der während des Zweiten Weltkriegs im damaligen preußischen Königsberg, nunmehr russischen Kaliningrad, spielt.

Geschickt verknüpft Christian Hardinghaus das Schicksal der fiktiven Frieda mit den historischen Ereignissen. Friedas Traum ist es, Bibliothekarin oder Buchhändlerin zu werden. Doch nach dem Willen ihres Vaters soll sie im familieneigenen Gemischtwarenladen arbeiten, um den später zu übernehmen. Allerdings kommt ihr der Verleger Konopke, Eigentümer der (damals) größten Buchhandlung Deutschlands, dem Haus der Bücher, zu Hilfe, um ihren Traum zu verwirklichen.

Wenig später werden zahlreiche Autorinnen und Autoren von den Nazis verboten, darunter, wie man weiß auch Erich Kästner und Erich Maria Remarque sowie Hunderte andere.

„Namen wie Franz Kafka und Stefan Zweig sind Synonyme für literarische Perversion. Ihre Werke sind durch und durch jüdisch und stellen eine Gefahr für die deutsche Seele dar. Wir müssen uns ganz entschieden gegen solche Autoren und ihre Ideen wehren.“

Dieses Zitat aus der geifernden Rede des Zensors Ernst Müller, den Frieda in Leipzig bei der Bücherverbrennung erlebt, lässt in ihr Widerstand keimen. Damit ist sie auf Wellenlänge mit ihrem Chef Konopke, der sie in das Geheimnis der Buchhandlung einweiht. Jeder, der nach dem Roman Die Fliegenfischer von der Memel fragt, erhält in Konopkes Büro ein besonderes Buchpaket. Dass Frieda Bücher empfiehlt und verkauft, die dem Regime nicht genehm sind, ruft Ärger bei Kollegin Hildegard hervor, die sich dann wenig später nicht regelkonform verhält und dabei von Frieda ertappt wird. Während rund um der Zweite Weltkrieg tobt, scheint Königsberg eine Oase in der Wüste zu sein. So könnte es immer weiter gehen, oder doch nicht?

Ein Wendepunkt in Friedas Leben ergibt sich im Sommer 1943, als sie erstmals auf Urlaub geschickt wird. In Rauschen, lernt sie Hans, der sich als große Liebe entpuppt, kennen. Als Hans im Jänner 1944 wieder an die Front muss, flüchtet Frieda in Sorge um ihn, in eine Art Scheinwelt.

Das weitere Schicksal von Königsberg und seiner Bewohnern ab 1945 ist ja grundsätzlich bekannt. Die sowjetische Armee übernimmt die Stadt. Während Tausende flüchten, bleibt Frieda mit einigen anderen Frauen als Krankenschwester. Ihre Freundin aus Kindertagen Lotti ist nun Ärztin und gemeinsam versorgen sie die vor allem an Typhus Erkrankte sowie die zahlreichen Waisenkinder. Lotti ist besorgt um Frieda, die freudestrahlend vom regelmäßigen Briefverkehr mit ihrem Verlobten Hans erzählt, obwohl es seit Monaten keine Post mehr von oder nach Königsberg gibt. Ist Frieda nun zur Gänze in ihre Fantasiewelt abeglitten?

Meine Meinung:

Wie schon eingangs erwähnt, hat Autor und Historiker Christian Hardinghaus die Fakten penibel recherchiert. Wie wir es von ihm gewöhnt sind, verpackt er die geschichtlichen Details authentisch in eine fesselnde fiktionale Handlung, die sich in Teile so ähnlich zugetragen haben könnte. Er zeigt auf, dass viele Menschen durch kleine Gesten, die nicht gering zu schätzen sind, Widerstand gegen das NS-Unrechtsregime geleistet haben. Vieles davon ist unbemerkt und vor allem unbedankt geblieben.

Sehr einfühlsam ist auch der Schutzmechanismus, den sich die fiktive Frieda, stellvertretend für alle traumatisierten Frauen, zugelegt hat, beschrieben. Heute würde man ihr eine PTBS attestieren. In den 1950er Jahren sind die schmerzhaften Erlebnisse viel zu präsent und viele Menschen wollen nur vergessen, um nicht zu sagen, verdrängen. Dieses letzte Kapitel des Romans hätte meine Ansicht nach durchaus ausführlicher beschrieben werden können. Wie ist Frieda zum Psychotherapeuten gekommen? Zur Frage nach dem Verbleib von Hans, kann wohl jeder Leser selbst eine passende Antwort finden. Wenn man bedenkt, dass auch nach 1955 noch einzelne Kriegsgefangene aus Russland nach Deutschland oder Österreich gekommen sind, ist alles möglich. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Hans überlebt haben mag, äußerst gering.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem beeindruckenden historischen Roman 5 Sterne und eine Leseempfehlung.