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Venatrix

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Veröffentlicht am 16.03.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Tödliches Gebet
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Für seinen zweiten Fall vertauscht der für seine unorthodoxen Methoden bekannte, um nicht zu sagen berüchtigte, Commissaire Louis Campanard sein farbenfrohes Outfit mit dem schwarzweißen Habit eines Zisterziensermönches, ...

Für seinen zweiten Fall vertauscht der für seine unorthodoxen Methoden bekannte, um nicht zu sagen berüchtigte, Commissaire Louis Campanard sein farbenfrohes Outfit mit dem schwarzweißen Habit eines Zisterziensermönches, um im Kloster von Sénanque undercover zu ermitteln.

Was ist passiert?

Frére Bernard, einer der Mönche, hat Campanard vor einigen Jahren aus einer Lebenskrise geholfen, und als nun verstörende Nachrichten von einem Teufel aus Bernards Kloster an Campanards Ohr dringen, ein Mönch spurlos verschwindet und Bernard auf der Fahrt zu Campanard tödlich verunglückt, ist es für den Commissaire nur allzu selbstverständlich, diesen Vorgängen auf den Grund zu gehen. Dafür opfert er seine geliebten Hawaiihemden und die Schlafanzüge mit Mohnblumen - zumindest für einige Zeit - und geht als Visitator ins Kloster.

Gemeinsam mit Linda Delacours und Pierre Olivier verlegt Campanard sein neues Hauptquartier nach Cordes, also in die Nähe des Klosters. Dass das Trio mit seinen besonderen Fähigkeiten von der dortigen Polizeichefin Capitaine Dubac mit Argwohn beäugt wird, ergibt sich zwangsläufig.

Die Situation eskaliert und Louis, Linda und Pierre müssen jeweils auf sich alleine gestellt Nachforschungen betreiben, die zahlreiche Abgründe der menschlichen Seele offenbaren.

Meine Meinung:

René Anour ist mit diesem Krimi eine hinreißende Fortsetzung gelungen, bei der sehr wenig so ist, wie es scheint. So entpuppt sich ein Mönch als Fan von Faustschlägen, ein Abt als Verwandter eines Unterweltsbosses und einige Mönche feiern gemeinsam mit Personen aus der Umgebung ein Bacchanal, ohne Bekleidung aber mit vielen Umarmungen.

Wie wir es vom Autor gewöhnt sind, verbindet er kulinarische Genüsse mit der Beschreibung der Umgebung. So gelingt es mühelos, den Mönchen bei der Ernte der Lavendelblüten zuzusehen und den Duft des Lavendels wahrzunehmen.

Zahlreiche überraschende Wendungen lassen niemals Langeweile aufkommen. Der eine oder andere Charakter verspielt ziemlich schnell die Sympathien, die ihm entgegengebracht werden.

Der Krimi ist flüssig zu lesen und spart nicht mit spannenden Szenen. Die Auflösung ist so spannend wie ungewöhnlich. Ich hatte eine ungefähre Ahnung, die sich letztlich nur zur Hälfte bewahrheitet hat.

Schmunzeln musste ich über Georges, den Gedichte schreibenden Gastwirt, bei dem das Trio abgestiegen ist. Den hat Campanard ganz schön an der Nase herumgeführt.

Ich hoffe, das Geheimnis um Louis Campanards Lebenskrise wird in einem der nächsten Fälle doch noch gelüftet.
Es schadet nicht, den ersten Fall (Tödlicher Duft) zu lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Krimi, der bis zu letzten Seite fesselt 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 16.03.2025

Ein gelungener hist. Roman

Die Tote aus der Emscher
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Peter Kersken, Autor und Chronist des Ruhrgebiets, nimmt uns in diesem düsteren historischen Roman in den September des Jahres 1816 mit. Napoleon ist endgültig besiegt und in der Verbannung auf St. Helena. ...

Peter Kersken, Autor und Chronist des Ruhrgebiets, nimmt uns in diesem düsteren historischen Roman in den September des Jahres 1816 mit. Napoleon ist endgültig besiegt und in der Verbannung auf St. Helena. Die ehemals französischen Eroberungen wie das Herzogtum Berg stehen (wieder) unter preußischer Verwaltung. Seit Monaten wird Europa von Dauerregen und Kälte heimgesucht. Die Bauern können ihre Felder kaum bestellen und das wenige, was angebaut worden ist, kann wegen der fehlenden Sonnenwärme nicht reifen und verfault auf den Feldern. Niemand kann sich an eine so nasse Periode erinnern bzw. findet eine plausible Erklärung für die Unwetter. Daher machen sich alte Urängste in der Bevölkerung breit und der schon längst vergessen geglaubte Glaube an Hexen feiert Wiederauferstehung.

Als Anna, eine kräuterkundige Kleinhäuslerin, tot aus der Emscher gezogen wird, ermittelt der preußische Untersuchungsrichter Anton Demuth vor Ort. Er bezieht Quartier in der Poststation und beginnt mit seinen Befragungen. Dabei stößt er auf einige Frauen, die Anna als Hexe bezeichnen und machen sie für Krankheit und Elend sowie den Tod mehrerer Personen verantwortlich. Leider sind diese Frauen keinem vernünftigen Argument zugänglich und verweigern, den Tatsachen in die Augen zu sehen. Selbst der Gemeindepfarrer kann gegen deren Hass nichts ausrichten.

Demuth geht mit Sorgfalt und Akribie seiner Arbeit nach. So werden zahlreiche Personen befragt, unter anderem eine gastierende Schaustellertruppe und ein Bayer, der sich ebenfalls in der Poststation einquartiert hat und sich eigenartig verhält. Fremde sind zwar auf einer Poststation nicht selten, doch die Verweildauer eher kurz, weshalb der Bayer doch recht auffällt. Seine Geschichte, die Demuth zu Tage fördert ist so skurril, dass er sie schon für bare Münze nimmt.

Die Untersuchungen nehmen ihren Lauf und langsam gehen Demuth die Verdächtigen aus, bis ihn ein Zeitungsartikel auf die richtige Spur bringt ...

Meine Meinung:

Dieser historische Roman beruht auf historischen Tatsachen. Das Jahr 1816 geht als „Jahr ohne Sommer“ in die Annalen ein. Rund 100 Jahre später wird man den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 als Ursache erkennen.

Wir dürfen dem Untersuchungsrichter Anton Demuth bei seinen Ermittlungen über die Schulter schauen. Ich finde es immer recht spannend, wie die damaligen Ermittler ohne die zahlreichen Helferleins, die heutigen Polizisten zur Verfügung stehen, Verbrechen aufklären. Natürlich sind das eine oder andere unentdeckt und daher ungesühnt geblieben. Interessant finde ich die Anmerkung, dass zwischen erwachsenen und minderjährigen Tätern unterschieden worden ist. War das wirklich so? Ich bin zwar Österreicherin und keine Juristin, aber ich glaube gelesen zu haben, dass man das erst ab 1871 zumindest auf dem Papier so gehalten hat. Aber, vielleicht ist das ein Relikt aus dem französischen Code Civil, der ja um 1816 in den einigen ehemaligen französischen Eroberungen noch gegolten hat.

Autor Peter Kersken gelingt es vortrefflich die düstere Stimmung einzufangen. Da sind zum einem die wetterbedingte Angst vor einer Hungersnot und zum anderen sowohl der generelle Argwohn Fremden gegenüber als auch der Neid auf jene Menschen wie Anna, die ihr Leben selbst in die Hand nehmen, um das Beste daraus zu machen.

Schrecklich sind diese verbohrten und missgünstigen Weiber, die, auch wenn sie nicht persönlich Hand an der Toten angelegt haben, dennoch für deren Tod verantwortlich sind. Ein Großteil des Hasses auf Anna speist aus der Tatsache, dass sie ohne Ehemann gelebt hat.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman aus dem Ruhrgebiet um 1816 eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 16.03.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Wettlauf in Triest
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Während ganz Triest dem großen Derby im Ippodromo di Montebello entgegenfiebert, bekommt es Inspector Bruno Zabini mit einer übel zugerichteten weiblichen Leiche zu tun, die in der Nähe der Pferderennbahn ...

Während ganz Triest dem großen Derby im Ippodromo di Montebello entgegenfiebert, bekommt es Inspector Bruno Zabini mit einer übel zugerichteten weiblichen Leiche zu tun, die in der Nähe der Pferderennbahn gefunden wird.
Die Ermittlungen gestalten sich als zäh, denn die Tote ist zunächst unbekannt, wird aber dann als Prostituierte identifiziert.

Recht bald kann Zabini einen Verdächtigen festnehmen, den er aber bald wieder frei lassen muss, weil während seiner Haft eine weitere Frau nach derselben Methode ermordet worden ist. Im Kotter zu sitzen ist wohl das beste Alibi.

Zahlreiche Spuren, denen Bruno Zabini mit seinem Tatortkoffer nachgeht, deuten auf das Umfeld der Trabrennbahn hin. Nun muss sich Zabini mit Fabrizio Renzullo, einem ziemlich erfolglosen, aber verliebten Buchmacher, dem mürrischen Magazineur Gino Foda und seinem Hund sowie skrupellosen Zuhältern und Menschenhändlern herumschlagen.

Bei den Ermittlungen wird auffällig oft eine Personenbeschreibung geliefert, die an einen von Brunos Kollegen denken lässt. Kann es sein, dass ein Polizist Strippenzieher dieser Machenschaften ist? Der Verdacht liegt nahe, denn die Indizien verdichten sich, weshalb Polizeidirektor Dr. Rathkolb, einige Akten anfordert und durchackern lässt, was wiederum den Geheimdienst seiner Majestät nicht untätig sein lässt.

Damit beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, denn all diese Aktionen sind nicht unbemerkt geblieben und der Verdächtige bereitet seinen Abgang vor.

Meine Meinung:

Günter Neuwirth ist wieder eine tolle Fortsetzung der Reihe rund um Bruno Zabini gelungen. Diesmal lesen wir nichts über Dampfschiffe oder Eisenbahnen, sondern dürfen Zabini in seinem Labor, das er in der Dienststelle eingerichtet hat, über die Schulter schauen.

Während wir Leser den verliebten Buchmacher begleiten und das schwarze Schaf in der Polizei ausmachen, benützt Bruno Zabini, die ihm zur Verfügung technische Ausrüstung. So arbeiten Bruno und seine Mannschaft nach dem von Professor Dr. Hans Gross (1847-1915) 1893 herausgegebenen „Handbuch für Untersuchungsrichter als System der Kriminalistik.“. Es wird also das Mikroskop zur Spurenanalyse herbeigezogen und ein Treffer führt die Ermittler wieder ins Ippodromo.

Auch sonst ist der Fortschritt langsam aber sicher in der Triestiner Polizeidirektion eingezogen: Bis auf Inspector Emilio Pittoni, der alles, was Zabini für gut hält, ablehnt, schreibt man nun mit Schreibmaschinen statt mit der Hand. Demnächst sollen sogar Telefone und Fernschreiber angeschafft werden.

Daneben erhalten wir wieder Einblick in Brunos Privatleben.

Fazit:

Eine gelungen Fortsetzung dieser historischen Krimi-Reihe, die uns wieder nach Triest als es noch österreichisch war, führt. Gerne gebe ich wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Nacht der Ruinen
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Der junge Kölner Jude Joseph Salomon kann Anfang 1939 gerade noch rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen. Er lässt seinen jüdischen Freund Jakub und Hilda, die Tochter eines Nazis, zurück.

Im März 1945 ...

Der junge Kölner Jude Joseph Salomon kann Anfang 1939 gerade noch rechtzeitig aus Nazi-Deutschland fliehen. Er lässt seinen jüdischen Freund Jakub und Hilda, die Tochter eines Nazis, zurück.

Im März 1945 kehrt Joseph, nunmehr Joe Salmon, als sogenannter Ritchie Boy, in US-amerikanischer Uniform nach Köln zurück. Er erhält von Colonel Patterson den Auftrag, den Lynchmord an Richard „Ripper“ Rohrer, einem just über dem Kölner Dom abgestürzten Piloten der US-Army, aufklären. Seine Ortskenntnis und Muttersprache sind die passenden Voraussetzungen dafür. Obwohl die Stadt in Trümmern liegt und die US-Army auf der linksrheinischen Seite bereits mit dem Aufbau einer neuen Verwaltung beginnt, leisten die letzten deutschen Soldaten und der Volkssturm vom rechten Rheinufer, also von Deutz her, noch erbitterten Widerstand.

Zur Tarnung, denn Joe soll ja verdeckt ermitteln, wird ihm ein britischer Kriegsberichterstatter, namens Eric Arthur Blair, den die Nachwelt unter seinem Pseudonym George Orwell kennenlernen wird, zur Seite gestellt. Gemeinsam suchen sie nun nach den Tätern. Nebenbei benutzt er seine dienstlichen Recherchen, um Jakub und Hilda zu finden. Recht bald begegnet er Hildas behinderten Bruder Paul, der aus zunächst noch unbekannten Gründen, dem Euthanasie-Programm der Nazis entkommen ist, und nun in den Ruinen von Köln nach Verwertbarem sucht. Die Erleichterung darüber, dass Hilda überlebt hat, wird getrübt, als Joe von Paul erfährt, dass Hilda verheiratet ist.

Joe muss erkennen, dass die kurzen, aber schrecklichen 12 Jahre des Tausendjährigen Reiches die Menschen in Köln nachhaltig verändert haben und das nicht zu ihrem Vorteil.

Meine Meinung:

Wie ich es von Cay Rademacher gewöhnt bin, ist auch dieser historische Roman aus der Nachkriegszeit penibel recherchiert. Gekonnt verquickt er Fakten mit Fiktion. Wir begegnen neben George Orwell, Colonel Patterson auch Konrad Adenauer.

Bei meinem Besuch in Köln vor einiger Zeit, habe ich bei einer privaten Führung eines befreundeten Ehepaares einiges zur Geschichte der Stadt während des Zweiten Weltkriegs erfahren. Dabei habe ich zahlreiche Fakten, die hier in Rademachers Erzählung Platz haben, kennengelernt. Ich außerdem schon einige Bücher zu diesem Thema sowie über die Ritchie Boys gelesen.

Cay Rademacher hat die Stimmung dieser Tage des Jahres 1945 sehr gut eingefangen. Niemand will etwas gewusst haben, niemand war in der Partei - sie aller haben unter dem Bombenterror der Alliierten gelitten. Ein Unrechtsbewusstsein - Fehlanzeige. Erschreckend zu lesen ist, was mit guten Beziehungen zu den Machthabern während der NS-Zeit doch alles möglich gewesen ist. Doch alles hat seinen Preis: Ein Leben gegen ein anderes.

Die Charaktere sind wie immer bei Cay Rademacher sehr gut ausgefeilt. Auch die Darstellung der Ereignisse aus mehreren Perspektiven ergibt ein mehr dimensionales Bild. Der Autor vermittelt Geschichtsunterricht sehr subtil, so dass die Leser gar nicht immer merken, Geschichtsunterricht zu erhalten. So lässt er Joe, der in den USA (Kunst)Geschichte studiert hat, über die Baukunst des Mittelalters sprechen als er vor den Trümmern des Kölner Doms steht.

Schmunzeln musste ich, als Orwell erzählt, dass er einen Roman in der Schublade hat, in denen Schweine die Bösewichte sind. Ein Grund, Animal Farm, wieder einmal zur Hand zu nehmen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Roman aus dem zerstörten Köln vom März 1945 eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 15.03.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Die Hausboot-Detektei – Tödlicher Grund
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Auch der zweite Fall für die Hausboot-Detektei konnte mich fesseln und überzeugen. Diesmal bekommen es die Detektive mit einem äußerst komplexen Fall zu tun. Zunächst sieht es nach einem einfachen Auftrag ...

Auch der zweite Fall für die Hausboot-Detektei konnte mich fesseln und überzeugen. Diesmal bekommen es die Detektive mit einem äußerst komplexen Fall zu tun. Zunächst sieht es nach einem einfachen Auftrag aus: Tessa vermutet, dass ihr Freund fremdgeht und wendet sich an Arie & Co. Noch ahnt niemand, dass der Auftrag Maddie für eine Nacht ins Gefängnis und die Truppe in weiterer Folge sogar nach Südamerika führen wird.

Wieder mit an Bord sind Arie & Co mit Hund und Fru Gunilla sowie der missgünstige und überfordert wirkende Hofdcommissaris Wessel de Boer, der es Arie heimzahlen will. Nur was eigentlich? Eigentlich hätte Arie Grund Wessel, seinem Ex-Freund und Ex-Kollegen gram zu sein. Wessel hat Arie die Frau ausgespannt und auch gleich nach der Scheidung geheiratet. Hängt bei ihm der Haussegen schief? Ich denke, wir werden es in einem der nächsten (?) Fälle erfahren.

Dieser komplexe Fall erfordert aufmerksames Lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 2. Fall, der uns in die Welt der Umweltschützer und ihrer Gegner, die den Meeresboden industriell ausbeuten wollen, einführt, 4 Sterne.