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Venatrix

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Veröffentlicht am 20.05.2025

Vom gesellschaftlichen Zwang, Mutter zu werden ...

Hello Baby
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Kim Eui-kyung erzählt in diesem Buch die Geschichte von sechs Frauen, die sich in einer Fruchtbarkeitsklinik in Seoul begegnen. Allen ist gemeinsam, dass sie über 35 Jahre alt sind, von der Gesellschaft ...

Kim Eui-kyung erzählt in diesem Buch die Geschichte von sechs Frauen, die sich in einer Fruchtbarkeitsklinik in Seoul begegnen. Allen ist gemeinsam, dass sie über 35 Jahre alt sind, von der Gesellschaft und der Familie dazu gedrängt werden Mutter zu werden und auf natürlichem Weg nicht schwanger werden können. Also muss die in Südkorea hoch entwickelte IVF-Medizin helfend eingreifen.

Diese sechs Frauen sind Teil eines Chat-Gruppe, über die sie sich regelmäßig und ausgiebig austauschen. Als dann eine von ihnen nach längerem Schweigen plötzlich die Geburt ihres Babys verkündet, und nahezu gleichzeitig in einem Krankenhaus ein Neugeborenes verschwindet, schiebt sich der unerfüllte Kinderwunsch von Polizistin Jiun Han in den Hintergrund und die Ermittlerin tritt wieder in den Vordergrund.

Meine Meinung:

Südkorea ist für die meisten von uns ein Land, über das wenig bekannt ist. Mir geht es da ähnlich. Allerdings habe ich vor kurzem eine Statistik über weltweite Fertilitätsraten und Geburten gelesen. Da ist mir aufgefallen, dass Südkorea wie viel andere Industriestaaten ein Problem mit zu geringem Nachwuchs hat. Es scheint, als wäre der Widerspruch hier national Anstrengungen die Anzahl der Geburt zu steigern und dort wenig kinderfreundliche Arbeitsbedingungen der Eltern, kaum zu überbrücken. Einerseits gibt es Urlaubstage für die schmerzhafte Prozedur der IVF, andererseits sind Mütter in den Firmen nicht gerne gesehen. Dieser Spagat wird in diesem Buch recht gut geschildert.

Der Druck, den die Frauen seitens ihren Familien ausgesetzt sind, ist ernorm. Die alten patriarchalischen Strukturen sind nach wie vor vorhanden, auch wenn es scheint, dass die Schwiegermütter die treibenden Kräfte sind. Ich kenne mich ja mit dem Sozialsystem in Südkorea nicht aus, aber es klingt, als ob die Care-Arbeit für ältere Verwandte nach wie vor bei Töchtern und Schwiegertöchtern liegt. Was wieder heißt, möglichst viele dieser Gratis-Pflegerin in die Welt zu setzen. Ein Teufelskreis aus dem man schwer entfliehen kann.

Gut geschildert, auch wenn die Autorin eher sachlich bleibt, sind die Hoffnungen und Enttäuschungen der Frauen und deren Erfahrungen in den Fruchtbarkeitskliniken sowie die schmerzhaften Prozeduren. Auch die Rolle der Ehemänner wird beleuchtet, die erwarten, Väter zu werden, aber wenig dazu beitragen können und wollen. Die Einstellung, an einer ungewollten Kinderlosigkeit ist immer die Frau schuld, ist weit verbreitet.

Interessant zu lesen ist, dass kaum eine der Frauen die Mechanismen, die hinter der staatlich geförderten (und geforderten) Fruchtbarkeit hinterfragen. Sie nehmen die hohen Kosten und die gesundheitlichen Risiken auf Grund der gesellschaftlichen Verpflichtungen einfach hin. Nur hier und da, regt sich so etwas wie ein klein wenig Widerstand und der Gedanke, dass unter dem Deckmantel, Frauen zu Kindern zu verhelfen, für IVF-Spezialisten eine Menge Geld zu verdienen ist.

Fazit:

Ein interessantes Buch über den Zwang, unbedingt Mutter werden zu wollen oder zu müssen. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 19.05.2025

Informatives Sachbuch

Frauen haben anders Darm
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Der Verlag Gräfe & Unzer bringt regelmäßig interessante Bücher zum Thema Gesundheit auf den Markt. Mit diesem Buch widmet er sich der weiblichen Darmgesundheit, die sich, wie Dr. Julia Seider-Nack ausführlich ...

Der Verlag Gräfe & Unzer bringt regelmäßig interessante Bücher zum Thema Gesundheit auf den Markt. Mit diesem Buch widmet er sich der weiblichen Darmgesundheit, die sich, wie Dr. Julia Seider-Nack ausführlich erklärt, wesentlich von der männlichen unterscheidet. Noch sind nicht alle Geheimnisse aufgedeckt, doch eines ist klar: die Beschwerden, an denen Frauen und ihr Darm leiden, sind teilweise von ihrem Hormonhaushalt verursacht. Auch wenn diese Feststellung nun die körperlichen Schmerzen nicht lindert, so ist dennoch die Erkenntnis keine psychische Erkrankung zu haben, eine große Hilfe.

Das Buch ist vor allem für Einsteigerinnen in dieses Thema gut geeignet, da die Autorin einen guten, wenn auch groben Überblick über Unterschiede und Zusammenhänge bei Endometriose, PCOS, Reizdarm und SIBO gibt. Natürlich kann und soll dieses Buch den Besuch bei einem Arzt nicht ersetzen. Es kann aber mithelfen, die richtigen Fragen zu stellen.

Am Ende finden die Leserinnen rund 40 Rezepte mit denen eine erste Änderung in der Ernährung stattfinden kann. Auch hier sei der Besuch einer Ernährungsberatung empfohlen.

Der Schreibstil ist angenehm und die wichtigsten ZDF (Zahlen, Daten, Fakten) sind in Infokästen nochmals zusammengefasst.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem Buch 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.05.2025

Eine klare Leseempfehlung!

Die Verschwundenen von Londres 38
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Nach seinen Büchern „Die Rattenlinien“ und „Rückkehr nach Lemberg“ widmet sich der bekannte Menschenrechtsanwalt und Bestseller-Autor Philippe Sands einer weiteren Person, deren Namen ihm bei seinen Recherchen ...

Nach seinen Büchern „Die Rattenlinien“ und „Rückkehr nach Lemberg“ widmet sich der bekannte Menschenrechtsanwalt und Bestseller-Autor Philippe Sands einer weiteren Person, deren Namen ihm bei seinen Recherchen zu Rattenlinien aufgefallen ist: Walter Rauff, ehemaliger SS-Offizier, der 1949 nach Chile fliehen konnte. Dort trifft er auf Augusto Pinochet, in dessen Dienst er von 1973 an steht. Im Keller des Hauses Londres 38 haben Pinochets Schergen des Geheimdienstes eine Folterkammer nach Vorbild der deutschen Gestapo eingerichtet. Nur wenige Menschen überleben den Aufenthalt in Londres 38. Die Mehrheit der Verhafteten verschwindet spurlos.

Wer ist nun Walter Rauff (1906-1984)?

Er unterstützt Hitlers Machtergreifung bereits vor 1933, tritt 1937 der NSDAP bei und 1938 der SS. Ab 1941 ist er für die Entwicklung der Gaswagen, in dem Juden sowie Roma und Sinti getötet werden, verantwortlich. Diese Kenntnisse machen ihn später für Diktator Pinochet und seinen Geheimdienst interessant.

So soll Rauff, inzwischen Leiter der Fischmehl-Produktionsanlage Pesquera Auraco, nach dem Militärputsch durch Pinochet und der Übernahme des Betriebes durch die DINA, den chilenischen Geheimdienst, zahlreiche Menschen verschwinden haben lassen. „Macht Fischmehl aus den Gefangenen!“

Parallelen zu den Vernichtungsöfen in deutschen KZs drängen sich hier förmlich auf. Mit der Asche der getöteten Juden hat man u.a. in Auschwitz Felder gedüngt.

Doch die Verbindung Rauff zu Pinochet ist 1998 als der ehemalige Staatschef von Chile Augusto Pinochet (1915-2006) in London verhaftet wird, noch nicht im Detail bekannt. Erst im Laufe der Recherchen, die zur Anklage und dem Prozess von Pinochet führen, entdeckt Philippe Sands zahlreiche Verknüpfungen der beiden.

Warum wird Pinochet überhaupt in London verhaftet?

Hier muss man sich Pinochets Vita ansehen. Zunächst ist er General in der Armee des demokratisch gewählten sozialistisch-marxistischen Präsidenten Salvador Allende (1908-1973). 1973 ist Pinochet am Putsch gegen Präsident Allende maßgeblich beteiligt. Dieser Umsturz wird von der US-Regierung, die einen radikalen Kurs gegen Kommunisten fährt, tatkräftig unterstützt. Pinochet wird von 1793 bis 1990 Chile als Diktator regieren, Menschen, die den Linken nahestehen, verfolgen, verhaften, foltern, rund 2.000 Menschen ermorden sowie Tausende einfach verschwinden lassen. 1988 wird er von den Chilenen abgewählt. Erst 1990 tritt er zurück, nicht ohne vorher ein Gesetz zu verabschieden, das ihm lebenslange Immunität garantiert. Weshalb er Jahrzehnte lang weder angeklagt noch verurteilt worden kann. Praktisch, wenn man selbst Gesetze erlassen kann. Allerdings hat er nicht mit der Hartnäckigkeit von einigen Familien ermordeter oder verschwundenen Personen gerechnet, die ihn und seine Mittäter wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor den Internationalen Gerichtshof bringen. Die Präzedenzfälle dafür sind die Nürnberger Prozesse bzw. das Tribunal von Tokio. Der internationale Haftbefehl, den Spanien erwirkt, weil er auch Spanier ermorden hat lassen, lässt 1998 in London, wo sich Pinochet im Krankenhaus befindet, die Falle zuschnappen.

Dort beginnen die Mühlen des Gesetzes anzulaufen. Der Autor wird angefragt, Pinochet zur Seite zu stehen, was er mit Hinweis auf persönliche Interessen ablehnt. Allerdings arbeitet er für die Ankläger. Aus den acht Jahre dauernden Recherchen ist dieses Buch entstanden. Dafür hat er zahlreiche Zeitzeugen sowie Nachfahren der Verschwunden von Londres 38 interviewt.

Warum sich Philippe Sands für dieser Prozess rund um Augusto Pinochet so interessiert?

Zum einem, weil zahlreiche Mitglieder seiner jüdischen Vorfahren von den Nazis getötet worden sind, darunter Herta Gruber, eine zwölfjährige Cousine seiner Mutter in einem von Rauffs Gaswagen. Zum anderen ist die Familie seiner Ehefrau durch die Ermordung von Carmelo Soria betroffen.

Was weiter mit Augusto Pinochet passiert ist? Er wird aus gesundheitlichen Gründen für nicht verhandlungsfähig erklärt und kehrt nach Chile zurück, wo er 2006 stirbt. Anders als einige Mitangeklagte wird Pinochet nie für seine Verbrechen verurteilt werden.

Philippe Sands deckt bei seinen Recherchen auch die Rolle der CIA und jene von Henry Kissinger auf, die maßgeblich am Putsch der (rechten) Militärdiktatur in Chile wie in anderen lateinamerikanische Ländern beteiligt waren. Hier kommen die USA mit ihrem fast schon paranoiden Kampf gegen den Kommunismus nicht wirklich gut weg.

Dass es nach Jahrzehnten doch noch einen Haftbefehl gegen Pinochet gibt, ist dem mutigen spanischen Richter Garcon zu verdanken, der Anklage wegen Genozids und der Ermordung vieler Spanier in chilenischen Gefängnissen erhoben hat. Dass es letztlich nicht zu einer Verurteilung gereicht hat, ist bedauerlich. Hier kommt der Usus, betagte Angeklagte für verhandlungsunfähig zu erklären, zum Einsatz. Besonders wenn es um Genozid handelt, wird diese Finte gerne angewendet. In Österreich hat man spät aber doch, dem NS-Arzt Heinrich Gross, der für Versuche an Kindern und deren Ermordung verantwortlich war, den Prozess gemacht, ihm aber gleichzeitig wegen Demenz die Verhandlungsfähigkeit abgesprochen.

Philippe Sand gibt uns einen interessanten Einblick in das Britische Rechtssystem, das sich von anderen starkt unterscheidet. Dieser Exkurs ist detailliert beschrieben.

Was ist nun die Conclusio dieses fesselnden Buches, das sich wie ein Mix aus Krimi, Detektivgeschichte und Sachbuch liest?

Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden vor dem International Strafgerichtshof angeklagt. Die Verfahren dauern endlos lang. Zahlreiche Angeklagte erleben den Ausgang nicht mehr. Aktuell stehen mit Putin und Netanjahu zwei prominente Staatschefs auf der Auslieferungsliste. Ob sie jemals angeklagt werden können, obwohl die Beweise erdrückend sind, ist ungewiss.

Fazit:

Mit diesem Buch liefert Philippe Sands ein wichtiges Stück Zeitgeschichte. Gerne gebe ich hier eine Leseempfehlung und 5 Sterne.

Veröffentlicht am 18.05.2025

Ein komplexer Krimi

Ägerisee
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Die ehemalige Kriminalbeamtin Sara Jung hat mit Tom Engels und Natalie Krieger eine Detektei gegründet. Obwohl Natalie Krieger es als Tochter einer reichen Familie es nicht nötig hätte, zu arbeiten, ist ...

Die ehemalige Kriminalbeamtin Sara Jung hat mit Tom Engels und Natalie Krieger eine Detektei gegründet. Obwohl Natalie Krieger es als Tochter einer reichen Familie es nicht nötig hätte, zu arbeiten, ist sie Teil des Teams. Natalie leidet an Epidermolysis bullosa (EB), einer genetisch bedingten Hautkrankheit, die es ihr kaum möglich macht, ein normales Leben zu führen, da ihre Haut so empfindlich ist, dass sie bei der geringsten Belastung und sei es nur eine zärtliche Berührung, reißt. Sie ist eine Virtuosin im Aufspüren von Informationen aus diversen Datenbanken und im Darknet. Wie ihr Nachname schon verrat, ist Noemi eine Kriegerin.

Die Detekei erhält von Fabian, einem ehemaligen Schulkollegen Natalies, den Auftrag nach seiner Freundin Noemi, einer jungen Schauspielerin an einem kleinen Theater in Zug, zu suchen. Auch Noemi fühlt sich als Kriegerin. Zum einem, weil sie ihrer Familie trotzt, um Schauspielerin zu werden, und zum anderen weil sie sich Jeanne d’Arc als Vorbild nimmt.

Die Detektive erhalten eine Kostprobe von Noemis Eltern, die sich mehr als despotisch verhalten. Vor allem der Vater, ein ehemalige Militär kann seine alten Gewohnheiten, alle Leute in seiner Umgebung zu schikanieren und herumbrüllen, nicht ablegen. Das schließt sowohl Fabian, als auch Sara und Tom ein.

Je weiter die Detektive in das Umfeld von Noemi eintauchen, desto verworrener wird die Causa. Dann verschwindet Fabians Auto, von Noemis Kreditkarte wird fleißig Geld abgebucht und auch die Leute vom Theater verhalten sich eigenartig. Da ist der Schauspielkollege, der mit Noemi in einem Zwei-Personen-Stück auftreten soll, dessen Text vom Direktor stammt, mehrmals geändert wird und eine Ähnlichkeit mit der aktuellen Wirklichkeit hat.

Meine Meinung:

Monika Mansour schafft es auch in ihrem 5. Krimi aus der Zuger Reihe, ihre Leserschaft lange im Unklaren zu lassen, was eigentlich wirklich passiert ist.

Wie in allen ihren Krimis kreuzen zahlreiche Personen, die nicht unbedingt als Sympathieträger zu bezeichnen sind, unsere Wege. Ein neuer Charakter, hoffentlich bleiben darf ist Elias Tanner, der jugendliche Ziehsohn von Sara, der durch seine unkonventionellen Ansichten, frischen Wind in die Reihe bringt.

Der Schreibstil ist wie immer fesselnd und die Handlung komplex.

Natalies Stehsatz „Ich bin eine Kriegerin“ kann auf doppelte Weise interpretiert werden. Zum einen, dass sich als wahre Kämpferin sich mit ihrem Gesundheitszustand auseinandersetzt, und zum anderen, ist Kriegerin, die in den Alpenländer oft gebräuchlich weibliche Form des Nachnamens. Einen ähnlichen Suffix findet man in Tschechien oder Polen, wo man an Hand der Endung des Familiensnamens erkennt, dass man es mit einer Frau zu tun hat. Die Frau von Anton Tchechov heißt beispielsweise Anna Tchechova.

Fazit:

Wieder ein gelungener Krimi aus der Feder von Monika Mansour, dem ich gerne 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 16.05.2025

Hier ist wenig, wie es scheint

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Als an der Universität von Oxford ausgerechnet im Büro des Dekans eine unbekannte Frauenleiche gefunden wird, wird DI R. Wilkins an den Tatort geschickt. Blöderweise gibt es diesen Rang und Familiennamen ...

Als an der Universität von Oxford ausgerechnet im Büro des Dekans eine unbekannte Frauenleiche gefunden wird, wird DI R. Wilkins an den Tatort geschickt. Blöderweise gibt es diesen Rang und Familiennamen in der Dienststelle gleich zwei Mal. Die beiden Ermittler haben noch dazu einen sehr ähnlichen Vornamen - Ryan und Ray. Während Ray, ein Sohn einer wohlhabenden nigerianisch-britischen Familie und Absolvent des ehrwürdigen College ist, ist sein Namensvetter in einem Wohnwagen in desolaten Familienverhältnissen und einem alkoholkranken Vater aufgewachsen. Es ist natürlich der ungehobelte Ryan der die ersten Ermittlungsschritte in Oxford einleitet, was zu Irritationen auf beiden Seiten führt.

Dennoch müssen Ryan und Ray, die von ihrer Chefin in ein Team gepresst werden, zusammenarbeiten. Die Aufklärung des Mordes verläuft ziemlich schleppend, zumal es mehrere Verdächtige gibt. Daneben kochen Professoren ihr eigenes Süppchen und der Dekan ist bemüht, einen möglichen Sponsor nicht zu vergraulen.

Meine Meinung:

Dieses Buch ist weniger ein Whodunit-Krimi als ein fesselndes Psychogramm zweier unterschiedlicher Lebenswelten. Der smarte Ray mit seiner nigerianisch-britischen Herkunft kennt natürlich die Regeln in der universitären Gesellschaft, während Ryan wie ein Elefant im Porzellanladen agiert. Dennoch hat es mir gut gefallen, den beiden über die Schultern zu sehen. Grundsätzlich haben sie ja ein gemeinsames Ziel, nämlich den Mord autzuklären und den Täter dingfest zu machen. Die Ansätze und Methoden sind eben unterschiedlich.

Im Mittelpunkt steht nicht der Mord, sondern die beiden Ermittler. Ryan ist alleinerziehender Vater eines kleinen Sohnes. Die Mutter des Kindes ist an einer Überdosis gestorben. Daher hat Ryan ständig Probleme mit seiner Schwester, die sich um den Kleinen kümmert, denn die Arbeitszeiten eines Detectives sind alles andere als familienfreundlich. Das muss auch Rays Frau zur Kenntnis nehmen, die ihren Mann dauernd und zur unpassenden Zeit anruft.

Interessant finde ich, dass der psychisch auffällige Ryan bei der Polizei arbeitet. Als sein kleiner Sohn von seinem betrunkenen Großvater quasi entführt und bedroht wird, rastet Ryan aus und Ray, der dazukommt, kann das Schlimmste gerade noch verhindern. Dennoch wird Ryan ebenso wie die gemeinsame Chefin aus dem Polizeidienst entlassen.

Ich bin schon neugierig wie es weitergeht, denn Ein Mord im November soll der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe sein. Ob sich Ryan und Ray abermals begegnen werden?

Fazit:

Ein komplexer Kriminalfall, der eher durch seine Milieustudien punktet als durch Ermittlungsarbeit. Gerne gebe ich hier 3,5 Sterne.