Eine klare Leseempfehlung!
Die KonspirateureWenn man Widerstand gegen das NS-Regime sagt oder denkt, fallen einem unwillkürlich „nur“ die Namen der militärischen Widerständler rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie der 20. Juli 1944 oder ...
Wenn man Widerstand gegen das NS-Regime sagt oder denkt, fallen einem unwillkürlich „nur“ die Namen der militärischen Widerständler rund um Claus Schenk Graf von Stauffenberg sowie der 20. Juli 1944 oder vielleicht noch die Mitglieder der „Weißen Rose“ ein. Die vielen kleinen, couragierten zivilen Gruppen von Gegnern der Nazis sind zum großen Teil nur wenigen bekannt.
Dieses Buch widmet sich diesen konspirativen Gruppe, die lange Zeit unentdeckt geblieben sind. Eine davon ist das sogenannte Leuschner-Netz, das mit über mehrere tausend Mitglieder verfügt und weit verzweigt in Deutschland agieren kann, weil einige Mitglieder Handlungsreisende sind und recht lange mehr oder weniger unbehelligt reisen können. Heimlich wird auch Kontakt zum militärischen Widerstand aufgenommen.
„Die Kaufleute nutzten ihren Bewegungsspielraum für enge Kontakte. Dabei kam der dringende gesellschaftliche Bedarf an Lebensmitteln und dazugehöriger Technik den Untergrundaktivitäten entgegen. Auch wenn die Nationalsozialisten den Händler auf Grund ihrer politischen Vorgeschichte misstrauten - ihre Betriebe waren zu wichtig für die Kriegswirtschaft, als dass man auf ihre Dienste verzichten konnte. Es galt, die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs sicherzustellen. Zu letzteren gehörten auch Reinigungsgeräte, die ein weiterer Widerständler Ernst Volkmann, erfolgreich von Bochum aus vertrieb. Der Dortmunder Mitverschwörer Müller handelte mit Unterrichtsmaterial für Schulen und später mit Särgen.“ (S.23)
Das Autoren-Duo Ludger Fittkau & Marie-Christine Werner geht der Frage nach, wer diese Menschen gewesen und fördert Erstaunliches zu Tage. Die Mitglieder kommen aus unterschiedlichen sozialen Schichten, darunter Gläubige Christen, Gewerkschafter, Polizisten sowie Sozialisten und haben dementsprechend große politische Differenzen. Es eint sie der Gedanke, die Terrorherrschaft zu beenden, das gemeinsame Ziel vor das Trennende der Weltanschauungen zu stellen.
Die Autoren gedenken auch der zahlreichen Frauen, die ihren Anteil am Widerstand haben, der aber meistens abschätzig bemessen und klein geredet wird. Dass die Nazis selbst den Frauen kein politisches Denken zugestehen, hilft hier bei den Widerstandsgruppen. Man transportiert notwendige Ausrüstung und Flugblätter im Kinderwagen unter dem Kind verborgen, versteckt Juden und andere Widerständler.
Wäre das Staatsstreich vom 20. Juli 1944 gelungen, wäre vermutlich genügend Personal zur Verfügung gestanden, eine neue Verwaltung ohne die NS-Amtsinhaber aufzubauen.
Einige dieser zivilen Widerständler werden wie Wilhelm Leuschner im Umfeld des 20. Juli 1944 denunziert, enttarnt, verhaftet und hingerichtet. Andere wie Gustav Kettel, der als Kurier Nachrichten überbringt und seine eigene Widerstandsgruppe in das Leuschner-Netz integriert.
Dieses Buch setzt allen jenen ein Denkmal, die in größeren oder kleinen Gruppen Widerstand gegen das NS-Regime geleistet haben. Das bislang unbedankt und unter Einsatz des eigenen Lebens. Oft genug haben sie dafür den höchsten Preis, nämlich mit ihrem Leben bezahlt.
Fazit:
Gerne gebe dieser Hommage an die Frauen und Männer des zivilen Widerstandes gegen die NS-Diktatur 5 Sterne.