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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.01.2025

Flott, frech und feministisch - Loretta, not evrybodys darling

Not your Darling
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Die 20-jährige Trickdiebin Loretta, die sich die Überfahrt von England und Einreise in die USA erschlichen hat, trifft 1950 in Los Angeles ein, um in Hollywood Maskenbildnerin zu werden. Das ist interessant, ...

Die 20-jährige Trickdiebin Loretta, die sich die Überfahrt von England und Einreise in die USA erschlichen hat, trifft 1950 in Los Angeles ein, um in Hollywood Maskenbildnerin zu werden. Das ist interessant, denn die meisten jungen Frauen wollen Schauspielerin werden.

Doch wie zu erwarten, ist LA nicht unbedingt die Stadt in der Milch und Honig fließen. Recht bald muss sie allerdings erkennen, dass die Traumfabrik überwiegend aus Sperrholzkulissen und übergriffigen Männern besteht.

Doch mit einer gehörigen Portion Chuzpe geht sie ihren Weg und nennt sich nun Loretta Darling. Ihr Wissen um bestimmte (Heil)Kräuter hilft nicht nur bei Blessuren aller Art, der Herstellung von besonderen Hautcremen und Lippenpomade.

Meine Meinung:

Dieser Roman erzählt von der dunklen Seite der Traumfabrik Hollywoods. In der vor allem Frauen ausgenützt, unter Drogen gesetzt und, sobald eine neue willfährige junge Schönheit erscheint, gnadenlos fallen gelassen wird. Doch Loretta, die mit ihren eigenen Dämonen zu kämpfen hat, ist bereit, sich auf ihre Weise zur Wehr zu setzen.

Der Roman ist ein interessanter Mix aus Zeitgeschichte und feministischer Literatur, der die Verlogenheit Hollywoods aufs Korn nimmt. Stellenweise ist der Roman bitterböse und bedient sich an Sex & Crime, um die Protagonistin ihre Ziele erreichen zu lassen.

Katherine Blake hat sich einige reale Ereignisse als Vorlage genommen. Dadurch entsteht, auch durch den opulenten Schreibstil, der wunderschön übersetzt worden ist, ein lebhaftes Bild des Moloch Hollywood.

Fazit:

Wer einen feministisch-bissigen Roman über die Abgründe in der Traumfabrik Hollywood lesen möchte, ist hier richtig. Gerne gebe ich diesem Buch 4 Sterne.

Veröffentlicht am 18.01.2025

Fesselnd bis zur letzten Seite

Grenzfall – Ihre Spur in den Flammen
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Dieser 5. grenzüberschreitende Fall für Alexa Jahn und Bernhard Krammer hat es wieder in sich. Zunächst gibt es einmal in Bad Tölz einen tödlichen Autounfall, bei dem der Lenker in den Flammen seines Jaguars ...

Dieser 5. grenzüberschreitende Fall für Alexa Jahn und Bernhard Krammer hat es wieder in sich. Zunächst gibt es einmal in Bad Tölz einen tödlichen Autounfall, bei dem der Lenker in den Flammen seines Jaguars umkommt. Die Meinungen wieso, weshalb und warum es zu diesem Unfall gekommen ist, gehen bei Alexa Jahn und ihrem Kollegen Huber weit auseinander, zumal die Augenzeugin von ihrem Mann als nicht ganz glaubwürdig diffamiert wird. Wenig später brennt ein Chalet, bei dem das afrikanische Au pair-Mädchen stirbt sowie ein Container in einer Flüchtlingsunterkunft. Doch nicht nur in Bad Tölz sondern auch in Innsbruck kommt es zu mehreren Brandstiftungen.

Ist hier ein grenzüberschreitender Feuerteufel am Werk?

Meine Meinung:

Dieser Krimi schließt ziemlich nahtlos an seinen Vorgänger („In den tiefen der Schuld“) an und löst das damalige plötzliche Verschwinden von Krammers Kollegin Roza Szabo auf.

Während Jahn in Deutschland und Krammer in Österreich den Brandstiftungen nachgehen, dürfen wir dem Feuerteufel mehrmals über die Schulter schauen. Das Motiv ist dadurch erkennbar und wir Leser wissen früher als die Ermittler, welchen Zusammenhang es zwischen den Brandstiftungen gibt. Nur wer dahintersteckt, ist noch ein Geheimnis, das in einer dramatischen Aktion von Bernhard Krammer enthüllt wird.

Der Krimi ist, durch seine, wieder bilateral angelegte Handlung. spannend. Das Tochter-Vater-Duo ergänzt sich sehr gut. Beide haben ihre Ecken und Kanten sowie Narben des bisherigen Lebens, erkennen aber ihre Gemeinsamkeiten, auch wenn sie sich erst vor einiger Zeit überhaupt kennengelernt haben. Diese Familienkonstellation ist recht interessant. Auch die anderen Charaktere sind gut gelungen. Alexa darf sich privat und beruflichen weiterentwickeln.

Anna Schneiders Schreibstil ist spannend. Ich habe den Krimi in einem gelesen, weil ich unbedingt die Auflösung wissen wollte.

Das Cover passt ausgezeichnet zu den vier vorherigen Büchern.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fünften Fall 5 Sterne und freue mich auf den 6. Fall, der Anfang 2026 erscheinen wird.

Veröffentlicht am 16.01.2025

Eine gelungene Fortsetzung

Ein Schimmern am Berg
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Dieser 10. Krimi rund um Commissario Grauner ist ein wenig anders als seine Vorgänger, denn wir machen auch einen Sprung nach Amerika, wo Ispettore Salvatore Saltapepe und Ispettore Silvia Tappeiner gemeinsame ...

Dieser 10. Krimi rund um Commissario Grauner ist ein wenig anders als seine Vorgänger, denn wir machen auch einen Sprung nach Amerika, wo Ispettore Salvatore Saltapepe und Ispettore Silvia Tappeiner gemeinsame Urlaubstage verbringen. Deswegen muss Grauner, der durch ein Missverständnis doch nicht in den vorzeitigen Ruhestand gehen kann, um sich um seine Ehe, die Kühe und die eventuell bevorstehende Hofübergabe zu kümmern, zu einem Tatort im berühmten Marmorsteinbruch von Laas fahren und muss auf die übliche Unterstützung der seiner Mitarbeiter verzichten und einigen Kleinkram selbst erledigen..

Was ist passiert?

Annabel Reiterer, eine Bildhauerin aus Laas, ist von der Marmorschneidemaschine in Stücke geschnitten worden. Tatverdächtig der Fahrer dieser Maschine, der wie so viele andere auch, in die charmante Frau verliebt war. Blöderweise kann er sich an nichts erinnern, weil er zur Tatzeit sinnlos betrunken war.

Gemeinsam mit Staatsanwalt Belli, mit dem es immer wieder Missverständnisse gibt, weil sie höchst unterschiedliche Charaktere sind, muss Grauner den Fall lösen, der sich als ziemlich komplex erweist.

Neben dem weißen Marmor, der in alle Welt verschifft wird, ist der Anbau der köstlichen Marillen das zweite wirtschaftliche Standbein von Laas. Mit dem Fruchtfleisch sind einige Marmorblöcke des Steinbruchs beschmiert worden. Waren das die Gegner des Steinbruchs zu denen auch der Ehemann der Toten gehört? Und warum liegt Belli mit einer Vergiftung im Krankenhaus, nachdem er von den Früchten, die im Büro des Steinbruchs herumstehen, gekostet hat?

Als sich eine vage Spur nach Amerika ergibt, muss Saltapepe dieser nachgehen, weil er eh schon vor Ort ist. Dabei hat er ganz andere Probleme, denn ein Angehöriger der Neapolitanischen Mafia ist ihm auf den Fersen und entführt Silvia Tappeiner.

Meine Meinung:

Dieser 10. Fall zeigt einerseits, wie groß die Reichweite der Mafia ist und andererseits wie weit die Profitgier mancher Unternehmer geht.

Gut gefällt mir, dass sich Grauner und Belli zusammenraufen. Trotz aller Unterschiede haben sie doch einiges gemeinsam, auch wenn es ihnen nicht bewusst ist. Lenz Koppelstätter versteht es wieder ausgezeichnet die Mentalitätsunterschiede der verschiedenen Regionen Italiens darzustellen. Hier die bodenständigen Südtiroler, dort die arroganten Römer oder Mailänder oder die Neapolitaner, die nichts außer Fußball im Kopf zu haben scheinen.

Mit dem Sidestep nach Amerika gibt Lenz Koppelstätter der Reihe eine dramatische Wendung, Wir werden sehen, ob und wie es mit Saltapepe und Tappeiner weitergeht.

Ich fürchte, das Ende der Reihe ist ziemlich nahe, denn Grauners Ehefrau Alba setzt ihm das (imaginäre) Messen an die Brust.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 10. Fall für Commissario Grauner wieder 5 Sterne.

Veröffentlicht am 16.01.2025

"Feuer kann sich leicht entzünden!

Drei Tage im Feuer
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Am 13. Februar 2025 jährt sich die Bombardierung Dresdens durch die Royal Air Force unter dem Kommando von Arthur „Bomber“ Harris (1892-1984) zum 80. Mal. Aus diesem Grund ist in der Reihe „Schicksalsmomente ...

Am 13. Februar 2025 jährt sich die Bombardierung Dresdens durch die Royal Air Force unter dem Kommando von Arthur „Bomber“ Harris (1892-1984) zum 80. Mal. Aus diesem Grund ist in der Reihe „Schicksalsmomente der Geschichte“ dieses Buch erschienen. Christian Hardinghaus, Historiker, profunder Kenner der Geschichte des Zweiten Weltkriegs und Autor sowohl von Sachbüchern als auch von historischen Romanen hat hier einen fesselnden Roman geschrieben, der auf drei Zeitebenen nämlich 1945, 2000 und 2025 spielt.

Nach dem Prolog beginnt die Geschichte recht ungewöhnlich mit Bianca, die im Jahr 2000 einer linksradikalen Gruppe namens „Bomber Harris“ angehört, die, nach ihren Vorbildern der Roten Armee Fraktion einen Anschlag auf eine rechtsradikale Demo vor der Frauenkirche plant. Bianca hat Bedenken, könnten doch unschuldige Kinder Opfer werden. Die Aktion wird verraten und die Mitglieder der Gruppe zu Haftstrafen verurteilt. Nur Bianca, mit 17 Jahren die jüngste der Gruppe, kommt mit einigen Monaten Sozialarbeit und Resozialisierungsheim davon.

Im Rahmen des verordneten Sozialdienstes lernt sie die betagte Marta kennen, die die Tage des Feuers in Dresden miterlebt hat. Die beiden Frauen sind sich sympathisch und Bianca öffnet sich der alten Frau. Doch als Bianca in Martas Schlafzimmer ein Bild eines Wehrmachtsoffiziers in Uniform entdeckt, will sie von Marta nichts mehr wissen, weil sie Marta für eine Faschistin hält. Da kehrt sie lieber, ohne Marta Gelegenheit zu Erklärungen zu geben, in das Erziehungsheim zurück. Doch Marta gibt nicht auf.

Damit beginnt die Geschichte in der Geschichte, denn wir erfahren aus dem Leben der jungen Marta, die als Krankenschwester im von Flüchtlingen überfüllten Dresden ihren Dienst tut und wie Bianca einen geliebten Menschen verliert.

Als dann der 13. Februar 1945 anbricht, schwenkt Autor Christian Hardinghaus für einen kurzen Augenblick auf James, einen englischen Bomberpiloten, und seine Flugzeugbesatzung, die Dresden in Schutt und Asche legen sollen. Ihnen wird vorgegaukelt, Rüstungsbetriebe und Eisenbahnanlagen zerstören zu müssen. Doch als James entdeckt, dass er eine Stadt voll mit Frauen und Kindern vernichten soll, trifft er eine weitreichende Entscheidung, die zwar für das Gesamtergebnis keine Änderung bedeutet, aber für ihn ganz persönlich einen wesentlichen Unterschied macht.

Das Ende der Geschichte rund um die beiden Frauen in der Gegenwart birgt eine überraschende Wende, die ich an dieser Stelle nicht verraten werde.

Meine Meinung:

Christian Hardinghaus, dessen Bücher über den Zweiten Weltkrieg ich alle gelesen habe, hat hier einen fesselnden historischen Roman geschrieben, der mich sehr berührt hat. Ich kenne zahlreiche Sachbücher, sowohl von britischen als auch von deutschen Historikern, über die Zerstörung Dresdens durch die Royal Air Force. Doch dieses hier bietet durch die geschickte Darstellung und Verquickung mehrerer Lebensläufe eine vielschichtige Betrachtung der Ereignisse aus verschiedenen Perspektiven.

Im Nachwort finden wir zahlreiche Anmerkungen des Autors zu den oft kontroversiell geführten Diskussionen wie z.B. die Opferzahlen oder die Tieffliegerangriffe, von denen viele Überlebende berichten. Hier kommen die zahlreichen Interviews, die der Autor mit Zeitzeugen für seine Generationen-Buchreihe geführt hat, zum Tragen.

Die Charaktere sind, wie wir es von Christian Hardinghaus gewöhnt sind, vielschichtig und sorgfältig herausgearbeitet. Aufgefallen ist mir, dass die linke Gruppe „Bomber Harris“, der Bianca zunächst angehört hat, sich nur marginal von den verschiedenen Neo-Nazi-Gruppen unterscheidet. Beide schrecken vor Sprengstoffanschlägen nicht zurück und gehen bei ihren Aktionen buchstäblich über Leichen.

Der Autor beschreibt die Ereignisse des Februar 1945 sachlich und dennoch beeindruckend. Ich habe das Buch an einem Tage gelesen.

„Feuer kann sich leicht entzünden.“ wie der aus Syrien geflüchtete Uhrmacher seiner Kundin, die eine Nachfahrin einer Überlebenden der Bombenangriffe, im Epilog erklärt. Dazu braucht es in der aktuellen politischen Lage nicht viel.

Fazit:

Christian Hardinghaus beeindruckt mit seinem historischen Roman aus der Feuerhölle von Dresden 1945, dem ich gerne eine Leseempfehlung und 5 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 16.01.2025

Kurzweilig

Eine Geschichte des Römischen Reiches in 21 Frauen
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Emma Southon hat hier ein kurzweiliges Buch über die lange Geschichte des Römischen Reiches geschrieben. Dafür teilt sie die Zeitspanne von rund 1500 Jahren in folgende vier Abschnitte und geht dem Gründungsmythos ...

Emma Southon hat hier ein kurzweiliges Buch über die lange Geschichte des Römischen Reiches geschrieben. Dafür teilt sie die Zeitspanne von rund 1500 Jahren in folgende vier Abschnitte und geht dem Gründungsmythos der Stadt („753 Rom kroch aus dem Ei“) nach. Archäologische Ausgrabungen auf dem Palatin lassen auf eine Besiedelung ab ca. 1.000 vor Christus schließen.

Das Königreich
Die Republik
Das Imperium
Spätantike

Wie im Titel angekündigt, erzählt sie die Geschichte dieses mächtigen (und dekadenten) Reiches an Hand von 21 Frauengestalten. Einige sind bekannter (wie Clodia, Boudicca, Zenobia oder Galla Placidia) und andere treten erstmals vor den Vorhang wie Tullia, der ihr Ehemann mittels eines Epitaph gedenkt oder Iulia Felix, die Geschäftsfrau in Pompeji.

Die Geschichten der Frauen sind vornehmlich von Männern wie Cicero, Catull, Livius oder Plinius überliefert und entsprechend gefärbt.

Ein grober Schnitzer ist mir im Kapitel „Tullia“ auf S. 128 aufgefallen: Hier wird das Jahr der Ermordung Caesars mit 45 v. Chr. angegeben. Das ist falsch. Caesar wurde 44 v. Chr. erstochen. Wem auch immer dieser Fehler anzulasten ist. Jedenfalls ändert sich dadurch die Abfolge der nachfolgenden Ereignisse: Denn Octavianus bildet ab 43 v. Chr. das Triumvirat mit Marcus Antonius und Marcus Aemilius Lepidus

Ich habe mir ehrlicherweise nicht die Mühe gemacht, alle Jahreszahlen zu überprüfen, vermute aber weitere Ungenauigkeiten, was sich auf die Bewertung auswirkt.

Der Schreibstil ist launig, manchmal ein wenig flapsig, rückt aber das Weltbild, das man von den Römern hat, ein wenig zurecht. Der Blick auf ein Römerlager ist für alle jene interessant, die ausschließlich marschierende Soldaten im Kopf haben. Da ich als Wienerin das Legionslager und die Zivilstadt im Archäologiepark von Carnuntum vor der Haustüre habe, ist mir auch das zivile Leben gut bekannt.

Zahlreiche Fußnoten säumen unseren Weg durch die römische Geschichte, die im Anhang aufgelistet sind.

Fazit:

Diesem kurzweiligen Buch über die lange Geschichte des Römischen Reiches an Hand von 21 Frauen gebe ich 4 Sterne.