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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.11.2025

Ein gelungener Reihen-Auftakt

Die Chemie des Verbrechens - Die Fährte
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Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe, rund um die DNA-Forensikerin Dr. May Barven, die zunächst beim LKA als Expertin für DNA-Analysen gearbeitet hat und sich nun, nach einem Jura-Studium, als ...

Dieser Krimi ist Auftakt zu einer neuen Reihe, rund um die DNA-Forensikerin Dr. May Barven, die zunächst beim LKA als Expertin für DNA-Analysen gearbeitet hat und sich nun, nach einem Jura-Studium, als Strafverteidigerin selbstständig gemacht hat. Doch ohne Aufsehen erregenden Fall ist May Barven zwischen Haushalt, Kindererziehung und ihrem Mann sowie der winzigen Kanzlei im Homeoffice hin und her gerissen. Schon denkt sie daran, ihre Kanzlei wieder zu schließen, als sie von einem DNA-Treffer in einer Ahenforschungsdatenbank hört, der zu einem 18 Jahre alten Cold Case führt. Ist der Mörder der brutal erstochenen Ute endlich entlarvt?

Während ausgerechnet Ruben Rickleff, der Eigentümer dieser Datenbank als mutmaßlicher Täter verdächtigt wird, weiß May Barven, dass eine Anklage, die ausschließlich auf einer DNA-Analyse beruht, juristisch nicht haltbar ist. Trotzdem wird Ruben in Untersuchungshaft genommen. Gemeinsam mit Tarek, einem Privatdetektiv und Freund Rubens versucht May Barven, die Unschuld der Verdächtigen zu beweisen.

Schritt für Schritt zerpflückt May die Aussagekraft der DNA-Analyse, die von einem Schal Utes stammt, der 18 Jahre lang auf dem Dachboden ihrer Eltern nicht sehr sachgemäß aufbewahrt worden ist. Wird es gelingen, die Unschuld von Ruben Rickleff zu beweisen?

Meine Meinung:

Ich kenne Sabine Weiss‘ Bücher schon seit vielen Jahren, sei es die historischen Romane oder sei es ihre Krimis um Liv Lammers, daher musste ich diesen Reihenauftakt unbedingt lesen.

Ich finde die Perspektive der Verteidigung sehr interessant. Üblicherweise endet ja ein Krimi mit der Festnahme des Täters, was danach bis zu einer Verurteilung oder einem Freispruch passiert, erfahren die Leser nur, wenn sie sich mit Justiz-Krimis beschäftigen.

Dass uns Sabine Weiss am Geschehen der Vergangenheit teilhaben lässt, aber nicht alle Karten aufdeckt. macht den Krimi besonders spannend. Allerdings wirkt, für mich persönlich, so manche Information aus der Gegenwartshandlung zu detailverliebt. Besonders dem Familienleben Mays wird sehr viel Raum geschenkt. Dass ihr kleiner Sohn mit einem Mädchen aus dem Kindergarten Knatsch hat, bringt die Handlung nicht wirklich weiter. Mir ist schon klar, dass hier die Mehrfachbelastung der engagierten Juristin gezeigt werden soll. Und im ersten Band einer Reihe müssen die Charaktere, die bleiben, ein wenig ausführlicher beschrieben werden. Ich denke Tarek wird auch weiter eine Rolle spielen, nach dem er sich mit May zusammengerauft hat. Und wer weiß, vielleicht holt sich Ruben Mays Expertise für sein DNA-Labor.

Sabine Weiss beherrscht ihr Handwerk! Zum Beispiel hat mich das eigenartige Verhalten von Rubens Vater Ferdinand auf den Holzweg geführt, allerdings hat er auch Dreck am Stecken.

Geschickt flicht die Autorin ihr Wissen über die DNA-Analysen in die Handlung ein. So erfahren wir Leser doch einiges Neues. Auch mit den Grenzen der DNA als Beweise werden angesprochen. Schmunzeln musste ich über die Vergleich mit den diversen CSI-Staffeln.

Fazit:

Ein gelungener Auftakt einer neuen Krimi-Reihe, dem ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Hat mich nicht überzeugt

Die letzte Karte des Johann Philipp Andreae
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Ina, eine angehende Journalistin, betreibt mit ihrer Großmutter Angie, einer pensionierten Geschichtslehrerin, den beliebten „True-Crime-Podcast“, der sich mit historischen und zeitgenössischen Kriminalfällen ...

Ina, eine angehende Journalistin, betreibt mit ihrer Großmutter Angie, einer pensionierten Geschichtslehrerin, den beliebten „True-Crime-Podcast“, der sich mit historischen und zeitgenössischen Kriminalfällen beschäftigt.

Als sie in der aktuellen Folge das Leben des zwielichtigen Globenbauer Johann Philipp Andrae (1699-1760), der 1760 im Schwabacher Kerker gestorben ist, beleuchten, ahnen sie noch nicht, welchen Social Media Hype sie damit auslösen. Es geht das Gerücht um, es gäbe einen Schatz zu finden. Aus nach und fern reisen Schatzsucher an, die sich - von einem unbekannten Account leiten lassen.

Wenig später kommt es zu merkwürdigen Unfällen, die als „Fluch des Globenbauers“ subsummiert werden. Als es dann noch einen Toten gibt, ist trotz der hohen Like- und Klick-Zahl, Schluss mit lustig für Ina und Angie. Sie können sich diese Vorgänge nicht erklären.

Meine Meinung:

Als Vermesserin habe ich zunächst einmal unter „Karte“ eine Landkarte des Globenbauers verstanden und nicht eine Spielkarte, die hier eine gewichtige Rolle spielt. Da sieht man wieder was das Unterbewusstsein und Priming ausmacht (lach).

Ich habe gehörigen Argwohn den Social-Media-Communities gegenüber. Das Autoren-Duo zeigt deutlich, wie einfach Massen manipuliert werden können. Hier wird der natürliche Spieltrieb und die Neugier der Menschen ausgenützt, ohne an eventuelle Folgen zu denken. Wir erleben es ja ununterbrochen, dass durch Fake News falsche Wahrheiten verbreitet werden.

Der Krimi und seine Protagonisten haben mich nicht ganz überzeugt, daher gibt es nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Eine Leseempfehlung!

Wer die Toten stört
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James Willoughby, ein junger verarmter Adeliger, will sich seinen Traum, Arzt zu werden, erfüllen und stürzt sich im Jahr 1828 im schottischen Edinburgh voller Begeisterung, aber mit einer entsetzlichen ...

James Willoughby, ein junger verarmter Adeliger, will sich seinen Traum, Arzt zu werden, erfüllen und stürzt sich im Jahr 1828 im schottischen Edinburgh voller Begeisterung, aber mit einer entsetzlichen Naivität, in das Studium.

Eiegtnlich hat er wenig Vorstellung, was ihn erwartet. Zum einem wird theoretischer Unterricht geboten und zum anderen müssen praktische Kenntnisse an echten Leichen in privaten Anatomieschulen erworben werden. Doch die kosten extra Geld. Geld, das James nicht hat. Ein Studienkollege bietet einen Ausweg und wenig später gerät James in die Untiefen des Leichenhandels. Zunächst werden nur vor kurzem Bestattete aus den Friedhöfen der Stadt entwendet.

Als die Nachfrage nach frischen Leichen das Angebot übersteigt und eine neue Gruppe von Leichenräubern mitmischt, die auch nicht davor zurückschreckt, Menschen zu ermorden, wird es für James gefährlich.

Meine Meinung:

Hintergrund dieses historischen Krimis ist die Tatsache, dass es für die anatomischen Studien zu wenig Leichen gegeben hat. Damals durften nur die Körper hingerichteter Verbrecher für Sektionen verwendet werden. Man behilft sich unter stillschweigender Duldung der Anatomen damit, die Körper frisch bestatteter Menschen zu stehlen. Leichenraub wird damals lediglich als Vergehen bewertet.

Die Autorin hat rund um die wahre Geschichte der Leichenräuber William Burke und William Hare, die in den Jahren 1827 und 1828 insgesamt 16 Morde begangen haben, um die frischen Leichen an den Anatomen Robert Knox zu verkaufen. Die im Krimi beschriebene Mary Patterson sowie Darf Jamie sind ebenfalls reale Opfer von Burke und Hare.

Dieser Krimi ist recht authentisch beschrieben, zeigt er doch die Lebenswirklichkeiten der damaligen Gesellschaft auf. So erwartet die Familie von James, dem jüngsten Sohn, dass er die Schulden, die der verstorbene Vater hinterlassen hat, dadurch begleicht, dass er eine Stelle als Kaufmann antritt. Die anderen Familienmitglieder wie Bruder und Schwester frönen ihrem üblichen Lebensstil. James will aber unbedingt Arzt werden. Allerdings geht er die Sache mit einer Naivität an, die schon wirklich peinlich und schier unglaublich wirkt. Doch im Laufe der Geschichte entwickelt er sich von einem schüchternen Außenseiter zu einem tatkräftigen jungen Mann.

Geschickt verknüpft die Autorin die historischen Fakten mit Fiktion. Dabei gelingt es ihr, die Lebensumstände der unterschiedlichen Protagonisten sehr gut darzustellen. Selbst der trockene britische Humor findet seinen Platz.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem historischen Krimi, der uns in das Medizinstudium im 19. Jahrhundert entführt, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.11.2025

Interessante Lektüre

Wie es euch gefällt
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Der Titel dieses Sachbuchs, das sich mit Konsum und Geschmack beschäftigt, stammt, wie die geneigte Leserschaft unschwer erkennen kann, aus William Shakespeares Bühnenstück „Wie es euch gefällt“.

Auf ...

Der Titel dieses Sachbuchs, das sich mit Konsum und Geschmack beschäftigt, stammt, wie die geneigte Leserschaft unschwer erkennen kann, aus William Shakespeares Bühnenstück „Wie es euch gefällt“.

Auf 480 Seiten versucht uns Ulrich Raulff zu erklären, was guter Geschmack eigentlich sein könnte. Leider formuliert er die Methoden, einen solchen zu erkennen, erst auf S. 378

"Wer eine Geschichte des Geschmacks schreiben will, muss sich entscheiden. Zwei Wege tun sich vor ihm auf".

Hier musste ich schmunzeln, denn trotz dieser These, entweder ästhetische Theorien, oder materielle Quellen: Bildbänden, Interior Designs, Kochbüchern, Kostümgeschichten u.ä. zu benutzen, entschließt er sich selbst für ein sowohl als auch. Mir gefällt die Mischung, die man als „Bestes aus zwei Welten“ sehen kann, durchaus.

In den drei großen Kapiteln

Making Taste
Kaufhaus des Westens
Durchsichtige Dinge

sammelt er Beispiele und Argumente für seine Thesen.

Eine zentrale Rolle bei seinen Betrachtungen spielt der Film „Frühstück bei Tiffany“ aus dem Jahr 1961 mit Audrey Hepburn als Holly Golightly.

Meine Meinung:

Autor Ulrich Raulff glänzt in diesem Buch mit weitgespannten Detailwissen, das seine Leserschaft an manchen Stellen beinahe erschlägt. Der Schreibstil ist elegant und wird durch einige geistreiche Bonmots ergänzt. Nicht immer ist das Buch leicht zu lesen. Manche Gedanken muss man ein wenig sacken lassen und gegebenenfalls anderswo nachlesen.

Zahlreiche Fotos untermauern Ulrich Raulffs Hypothesen

Fazit:

Nach der Lektüre dieses interessanten Sachbuch ist eines gewiss: Über Geschmack lässt sich weiterhin trefflich streiten. Von mir gibt es 4 Sterne.

Veröffentlicht am 21.11.2025

Familie Mann im Exil 1933

Wenn die Sonne untergeht
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„Die Gefahr ist sicherer als die Sicherheit!“

Zu Autor Florian Illies habe ich, ebenso wie zur Familie Mann ein zwiespältiges Verhältnis. Der Besuch der Buch Wien, bei der ich Florian Illies bei einem ...

„Die Gefahr ist sicherer als die Sicherheit!“

Zu Autor Florian Illies habe ich, ebenso wie zur Familie Mann ein zwiespältiges Verhältnis. Der Besuch der Buch Wien, bei der ich Florian Illies bei einem Interview zu seinem neusten Buch erleben durfte, hat mich dazu bewogen, mich sowohl mit ihm selbst, als auch mit der Familie Mann nochmals zu beschäftigen.

Florian Illies lässt in diesem, seinem neusten Buch die Monate Februar bis September 1933, die für die Familie Mann (und Tausende andere) weitreichende Folgen haben wird, Revue passieren. Er lässt uns einen Anteil haben am Leben der Familie Mann, das in diesen Monaten zu einem Leben in absoluter Fassungs- und Hilflosigkeit erstarrt. Dabei verabsäumt er nicht, darzustellen, wie sich - vor allem Thomas Mann - in einer Blase von Egozentrik und Selbstgefälligkeit befindet, aus der es kaum ein Entrinnen gibt. Wie ein Herrscher gebietet er seinen Kindern Erika und Golo, Manuskripte, Briefe, Geld sowie zahlreiche Wertgegenstände aus der Münchener Villa nach Sanary-sur-Mer, wo sie aktuell leben, zu schaffen. Beide bemühen sich, stets auch in Gefahr zu sein von der Gestapo verhaftet zu werden, doch der Dank oder wenigstens eine Anerkennung ihrer Leistungen seitens des Vaters bleibt aus.

Obwohl die Familie Mann ihr Schicksal mit Dutzenden anderer Literaten wie Eva Herrmann, Aldous Huxley, Lion Feuchtwanger, Arnold Zweig usw. teilt, scheint Thomas Mann vor allem persönlich beleidigt zu sein. Er, der Literaturnobelpreisträger von 1929 wird einfach ausgebürgert und mit Verhaftung bedroht! Manns Empörung ist deutlich spürbar, gleichzeitig verschließt er, im Gegensatz zu seinem Bruder Heinrich seine Augen vor den politischen Umwälzungen in Deutschland. Dies führt letztendlich zu einem Konflikt zwischen Thomas Mann und seinem Sohn Klaus, für dessen Empfinden Thomas nicht eindeutig genug Stellung gegen das NS-Reich bezieht.

Geschickt zeigt uns Autor Florian Illies wie die Mitglieder der Familie Mann mit dem Gefühl der Entwurzelung umgeht. Dazu zitiert er aus zahlreichen Briefen und Tagebüchern, anhand derer er die Charaktere der Familienmitglieder beschreibt. Das schließt unter anderem die Drogensucht von Klaus mit ein. Ehrlich gesagt ist mir nach wie vor kein Familienmitglied so richtig sympathisch, am ehesten Katja Mann, geborene Pringsheim, die im Hintergrund die Fäden in der Hand hält.

Das Buch ist keine durchgehende Biografie der Familie Mann. Eine solche würde wohl den Rahmen sprengen. Das Buch ist eine mehrmonatige Momentaufnahme, die manchmal kühl beobachtend und durchaus ironisch ist. Immer wieder sorgen Aussprüche von Thomas Mann bei mir für Kopfschütteln, wenn er sich beinahe weinerlich um seinem zurückgelassenen Besitz sorgt und die verlorene Bequemlichkeit beklagt. Schmunzeln musste ich bei der Vorstellung, Thomas und Heinrich Mann gehen hanseatisch, sommerlich gekleidet am Stand von Sanary spazieren - weißer Dreiteiler bei 30 Grad im Schatten.

Sehr gut gefällt mir der Abschnitt „danach“, in dem die weiteren Lebenswege der einzelnen Familienmitglieder gut und prägnant zusammengefasst sind. So wird Thomas Mann später in Zürich alle seine Bücherkisten und (fast) all seine geliebten Dinge wiederfinden. Nur seine Heimat, die hat er verloren.

„Wir sind eine erlauchte Versammlung - aber einen Knacks hat jeder.“ schreibt Thomas Mann in seinem Tagebuch.

Dem ist wohl wenig hinzuzufügen.

Fazit:

Ich bin nach wie vor kein großer Fan der Familie Mann, doch diese unterhaltsame Lektüre hat sie mir ein wenig zugänglicher gemacht. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.