Platzhalter für Profilbild

Venatrix

Lesejury Star
offline

Venatrix ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Venatrix über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.10.2023

Wissenswertes aus dem Wald

Der Wald in Österreich
0

Was Sie schon immer über den österreichischen Wald wissen wollten (und sollten)! Hier in Hermine Hackls Buch erfahren die Leser Wissenswertes und Interessantes von A bis Z.

Beginnend mit „Artenvielfalt“: ...

Was Sie schon immer über den österreichischen Wald wissen wollten (und sollten)! Hier in Hermine Hackls Buch erfahren die Leser Wissenswertes und Interessantes von A bis Z.

Beginnend mit „Artenvielfalt“:

ist bekannt, dass es in Österreich 65 verschiedene Baumarten gibt?
jedes Jahr ein anderer Baum zum „Baum des Jahres“ gekürt wird? 2023 ist es die Eberesche,
dass, Brettsperrholz aus Nadelbaumholz besteht und extrem erdbebensicher ist?
dass es immer mehr FÖRSTERINNEN gibt?
dass kaum ein Heimatmuseum in Österreich ohne das Thema „Wald und Holz“ auskommt?
und täglich mehr Holz nachwächst, als geerntet wird?

Das ist nur ein Auszug aus dem Wald-Alphabet, das mit „Artenvielfalt“ beginnt und mit „Zuwachs“ endet.

Fazit:

Eine Hommage an den Wald, der uns Menschen durch seine Vielfalt nützt und schützt, aber auch selbst ein wenig Schutz braucht. Gerne gebe ich diesem Buch 4 Sterne.

Veröffentlicht am 31.10.2023

Eine Liebeserklärung an den WInter

Lieber Winter!
0

Der Winter lässt keinen kalt! Ein Paradoxon? Nicht wirklich.

Dieses in silbergraues Leinen gebundene Buch aus dem Verlag Anton Pustet, betrachtet den Winter aus verschiedenen Perspektiven. In fünf Kapiteln ...

Der Winter lässt keinen kalt! Ein Paradoxon? Nicht wirklich.

Dieses in silbergraues Leinen gebundene Buch aus dem Verlag Anton Pustet, betrachtet den Winter aus verschiedenen Perspektiven. In fünf Kapiteln zeigt uns Autorin Franziska Lipp, mit welchen Schönheiten der Winter aufwarten kann:

Spätherbst - Heimkehr
Advent - Erwartung
Weihnachten - Festlichkeit
Raunächte - Zwischenwelten
Hochwinter - Rückkehr des Lichts

Von Allerheiligen (1. 11.) bis Maria Lichtmess (2.2.) spannt sich der Bogen der kalten Jahreszeit. Zahlreiche Festtage, Bräuche und Rituale begleiten uns durch diese Zeit.

Das Buch lädt uns ein, ein wenig innezuhalten, und der hektischen Welt für ein paar Minuten oder Stunden zu entsagen. Was spricht dagegen, einen Spaziergang über Friedhöfe, Parkanlagen oder durch den Wald zu wagen? Die Hagebutten oder Schlehen bewusst anzusehen? Oder, falls doch Schnee fallen sollte, eine kleine Schneeballschlacht zu wagen? Für Meisen Futterknödel aufzuhängen und anschließen die Vögel beim Fressen beobachten, kann uns der Natur wieder näher bringen.

Franziska Lipp lädt uns ein, das Buch mehrmals in die Hand zu nehmen und gemeinsam mit der Familie Kraft zu tanken.

Kommt gut durch den Winter!

Fazit:

Dieses Buch ist ein schönes (Weihnachts)Geschenk in hochwertiger Aufmachung. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 31.10.2023

Herrlicher Dialog zwischen Hund und Mensch

Der Hund hat Recht
0

Elfriede Hammerls Kolumnen im österreichischen Magazin „Profil“ sind pointiert und treffen fast immer ins Schwarze.

Das lässt sich von diesem satirischen Dialog zwischen einer Frau und ihrem Hund auch ...

Elfriede Hammerls Kolumnen im österreichischen Magazin „Profil“ sind pointiert und treffen fast immer ins Schwarze.

Das lässt sich von diesem satirischen Dialog zwischen einer Frau und ihrem Hund auch sagen. Der aus dem Tierheim, Pardon, Boarding House, stammende Hund verwickelt seine Besitzerin in zahlreiche Diskussionen, aus denen es kein Entrinnen gibt.

So stellt er mehrmals die Frage, was denn der Unterschied zwischen ihm und Michael, dem Liebhaber sei, beide fressen den Kühlschrank leer, liegen auf der Couch. Und, ob er, Michael, denn der Richtige wäre.
Gleichzeitig bekommt allerdings ER die Frage nach seinem Beitrag zur Haushaltskasse gestellt. Die Antwort fällt entsprechend ernüchternd aus.

Diesen gewitzten Dialog, der teilweise eine bissige Gesellschaftskritik enthält, habe ich sehr gerne gelesen. Manchmal musste ich ob der hündischen Besserwisserei herzlich lachen. Besonders die Szene im Supermarkt mit der quengelnden Tochter, die das Kleinkindalter schon längst überschritten hat, hat mir gut gefallen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem satirischen Dialog 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.10.2023

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Gottes Plagen
0

Mit diesem historischen Roman entführt uns Robert Preis in das Spätmittelalter, genauer gesagt in die Zeit Kaiser Friedrichs III. (1415-1493). Diese Epoche ist geprägt von Aberglauben, Hexenwahn, Türkeneinfällen, ...

Mit diesem historischen Roman entführt uns Robert Preis in das Spätmittelalter, genauer gesagt in die Zeit Kaiser Friedrichs III. (1415-1493). Diese Epoche ist geprägt von Aberglauben, Hexenwahn, Türkeneinfällen, Feudalherrschaft sowie von Wetterkapriolen und dem Kampf um die Vormachtstellung der Kirche. Der wortkarge und menschenscheue Kaiser in seinen Residenzen in Graz und Wiener Neustadt trägt sein eigenes Scherflein zu diesem düsteren Umfeld bei. Menschen zählen für ihn nicht, sondern sind häufig Figuren auf dem Schachbrett der Politik. Dazu tragen auch zahlreiche Günstlinge wie der Münzmeister von Graz, Balthasar von Eckenperg bei.

Über den Inhalt des Romans will ich nur so viel sagen:

Das Buch beginnt und endet mit der Enthüllung eines Freskos mit dem Titel „Gottesplagen“, das an der Außenseite des Grazer Doms gemalt worden ist. Schöpfer, des von den Grazer Bürgern gestifteten Bildes ist Thomas von Villach, ein bekannter Maler dieser Epoche.

Dazwischen liegen fesselnde Seiten von Krieg, Brandschatzung, Mord und Totschlag, eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, zwischen einem Georgsritter und einer entmachteten Königin sowie die Sicht auf eine politisch höchst instabile Zeit und einen zaudernden Kaiser.

Robert Preis ist für seine peniblen Recherchen und seine opulente Erzählweise bekannt. Seine Leidenschaft gilt den Sagen und Mythen seiner Heimat Steiermark. Mit diesem historischen Roman, der uns in das Spätmittelalter führt, hat er sich einen großen persönlichen Wunsch erfüllt.

Geschickt verknüpft Robert Preis Fakten mit Fiktion. Dazu gibt es ein Personenverzeichnis, das die historischen Personen als solche kennzeichnet. Im Nachwort erklärt der Autor wo er die (Welt)Geschichte der Dramaturgie des Buches wegen ein wenig geglättet hat. Ein Verzeichnis der wichtigsten Begriffe ergänzt diesen historischen Roman.

Fazit:

Ein historischer Roman, der das Hochmittelalter in der Steiermark höchst lebendig auferstehen lässt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 28.10.2023

»Der Gipfel der Absurdität ist der Tod durch einen Verkehrsunfall.«

Camus muss sterben
0

War der Unfall des Nobelpreisträgers Albert Camus am 4. Jänner 1960 ein Werk sowjetischer Agenten? Oder lag alles bloß am übermotorisierten Auto seines Verlegers? Wie bei vielen Prominenten, die einem ...

War der Unfall des Nobelpreisträgers Albert Camus am 4. Jänner 1960 ein Werk sowjetischer Agenten? Oder lag alles bloß am übermotorisierten Auto seines Verlegers? Wie bei vielen Prominenten, die einem profanen Autounfall zu Opfer fielen, tauchen recht schnell diverse Verschwörungstheorien auf - siehe Fürstin Gracia Patricia (1982) oder Lady Diana Spencer (1997). Der Tod Albert Camus und seinem Verleger Michel Gallimard bildet da keine Ausnahme. Noch dazu, wo der Unfall, wie es scheint, von der Polizei nachlässig untersucht worden ist.

Der italienische Autor Giovanni Catelli hat seine Theorie zu Camus‘ Unfalltod bereits 2019 veröffentlich. Der Verlag Emons hat das Buch nun neu herausgebracht.

Mit diesem, an manchen Stellen verstörenden Buch, versucht Catelli den mysteriösen Todesfall neu aufzurollen. Seiner Meinung nach hat der KGB Albert Camus umbringen lassen. Sind dem französischen Autor seine sowjetkritischen Reden letztlich zum Verhängnis geworden? Immerhin hat sich Albert Camus lautstark für die Verleihung des Literaturnobelpreises an Boris Pasternak (Dr. Schiwago), der die Sowjetregierung kritisch beleuchtet hat, eingesetzt.

Catelli stützt sich bei seinen Theorien auf das Tagebuch von Jan Zábrana, das erst vierzig Jahre nach dem Tod Camus ans Licht kommt. Da ist Zábrana allerdings bereits verstorben und kann nicht mehr befragt werden. Historisch interessant sind die Ausflüge in das Ungarn von 1956 bzw. in die Tschechoslowakei von 1968 , als die UdSSR die dortigen Volksaufstände blutig niederschlägt, sowie die Geschichte(n) rund um die Übersetzung von Boris Pasternaks „Dr. Schiwago“, jenem Historienepos, der in der UdSSR als Bedrohung der Macht gesehen und deswegen verboten ist. Catelli geht auch auf die politische Situation in Frankreich der 1960er-Jahre ein, in der die Kommunistische Partei in Frankreich doch einigen Einfluss hatte.

Giovanni Catelli zählt zahlreiche Menschen, die (nachweislich oder nur vermutet) (Gift)Anschlägen des KGB zum Opfer fallen auf. Ein Weg-Zeit-Diagramm, das Catelli erstellt, lässt eine solche Manipulation an Michel Gallimards Auto durchaus im Bereich des Möglichen erscheinen.

Allerdings bleibt uns der Autor handfeste Beweise schuldig. Übrig bleibt, wie so oft, wenn ein Prominenter bei einem Autounfall stirbt, ein gewisses Unbehagen bzw. Rest von Unglauben an der Tatsache, dass auch Promis bei Autounfällen sterben können.

Dazu passt auch Albert Camus‘ eigene Feststellung:

»Der Gipfel der Absurdität ist der Tod durch einen Verkehrsunfall.«

Dass ihn dann dieser Tod auch tatsächlich ereilt, ist wohl ein Treppenwitz der Geschichte.

Fazit:

Dieser Mischung aus Spionage-Thriller, Investigativ-Roman und Verschwörungstheorie gebe ich gerne 4 Sterne.