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Venatrix

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Veröffentlicht am 11.06.2023

Urlaubskrimi

Miesmuschelmord
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In ihrem zweiten Krimi rund um Frederike „Freddie“ Weihs und den sympathischen Hoofdinspecteur Julian Doorn
muss Freddie, die eigentlich nur ihren Sommerurlaub bei Onkel Holger und Tante Gitti verbringen, ...

In ihrem zweiten Krimi rund um Frederike „Freddie“ Weihs und den sympathischen Hoofdinspecteur Julian Doorn
muss Freddie, die eigentlich nur ihren Sommerurlaub bei Onkel Holger und Tante Gitti verbringen, als sie vom gewaltsamen Tod von Nelleke, der Nachbarin, ihrer Verwandten erfährt. Noch größer ist ihre Verwunderung, dass Holger die Tat gesteht und Tante Gitti verschwunden ist. Gibt es da einen Zusammenhang? Will er seine Frau schützen oder welches Motiv könnte er haben?

Die Polizei, Hoofdinspecteur Julian Doorn und seiner Kollegin Vermeer, scheint keine anderen Verdächtigen zuzulassen, weshalb Freddie ihre eigenen Nachforschungen anstellt. Dabei entdeckt sie einige Geheimnisse nicht nur in der Familie der Toten, sondern auch in ihrer eigenen.

Und ist der Verkauf des Bungalow-Parks, jener Feriensiedlung, in der Generationen von Urlaubern am zeeländischen Strand geplanscht haben, nun vom Tisch?

Meine Meinung:

Dieser Krimi vermittelt Urlaubsfeeling von Sonne, Meer und Strand. Dazu dürfen kulinarische Spezialitäten nicht fehlen - also ein echter Wohlfühlkrimi, außer für die Leiche natürlich.

Zeitlich spielt sich alles innerhalb von fünf Tagen ab, wie man aus den Kapitelüberschriften, die auch einen Bezug zu den mossels (Miesmuscheln) haben, unschwer erraten kann.
Die Autorin schickt Freddie mit dem fiets, wie man die Fahrräder in den Niederlanden nennt, quer über die Halbinsel und lässt sie manchen falschen Schluss ziehen und in eine Sackgasse radeln.

Geschickt sind niederländische Sätze in den Text verwoben, wobei es wenig Mühe macht, sie zu verstehen. Entweder erschließt sich das Gesagte aus dem Inhalt oder es wird gleich die Übersetzung mitgeliefert. Zusätzlich gibt es im Anhang ein Glossar, anhand dessen man die wichtigsten Floskeln gleich auch lernen kann.

Die Charaktere sind recht gut beschrieben. Das zarte Pflänzchen der Zuneigen zwischen Julian und Freddie scheint zu gedeihen. Schauen wir einmal, was daraus wird. Interessant finde ich, dass Freddie für ihre Recherchen auch Familienaufstellungen zu Rate zieht, um die Beziehungen der Protagonisten untereinander zuordnen zu können.

Ach ja, Miesmuscheln spielen natürlich auch eine große Rolle.

Fazit:

Eine leichte Sommerlektüre, die am besten am Strand genossen werden sollte. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 11.06.2023

Ben Kittos persönlichster Fall

Düster ruht die See
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Als das Skelett, wegen dem die Baustelle eines umstrittenen Neubauprojektes eingestellt werden muss, aus der Baugrube gestohlen wird, weiß noch niemand, welche Konsequenzen das haben wird. Denn die Knochen ...

Als das Skelett, wegen dem die Baustelle eines umstrittenen Neubauprojektes eingestellt werden muss, aus der Baugrube gestohlen wird, weiß noch niemand, welche Konsequenzen das haben wird. Denn die Knochen sind rund 30 Jahre alt und nicht, wie vermutet, historisch. Ben Kitto und sein Kollege Eddie sind gefordert, dem unbekannten Toten seinen Namen zurückzugeben und den Mörder, der auf der Insel vermutet wird, zur Rechenschaft zu ziehen.

Gleichzeitig bereitet sich Ruby Travis, Tochter des sterbenskranken Craig Travis generalstabsmäßig darauf vor, alle jene Verräter zur Strecke zu bringen, die ihren Vater, einen mehrfachen Mörder, ins Gefängnis gebracht haben. Die Liste ist lang und Ben Kitto, der als Undercoverermittler Travis‘ Chauffeur war, steht als letzter auf ihrer Liste.

Neben dem fast „normalen“ Polizistenalltag, ein unbekanntes Skelett zu identifizieren, und der Bedrohung durch Ruby Travis, sieht sich Ben Kitto dem Ende von Ninas Schwangerschaft gegenüber, die wegen Komplikationen eine Verlegung in eine Klinik auf dem Festland notwendig macht, was in Anbetracht der wachsenden Gefahr durch Ruby keine so schlechte Option ist.

Meine Meinung:

Auch mit diesem 6. Fall weiß Kate Penrose ihre Leser zu fesseln.

Dieser Krimi wird in zwei Erzählsträngen, die anfangs parallel laufen, um dann auf der Insel Bryher zu einem spannenden, wenn auch unerwarteten Finale zusammenzulaufen, erzählt. Der eine, der sich um die Polizeiarbeit rund um das Skelett dreht, und der andere, der Rubys Rachepläne enthüllt. Der Leser ist in Rubys Rachefeldzug quasi „eingeweiht“ und muss um Ben Kitto zittern, zumal die versprochenen Bodyguards statt sechs Männer nur zwei sind.

Einige Charaktere wie Kittos Vorgesetzter Madron, die Forensikerin Liz Garrick oder sein Onkel Ray, dürfen wie andere Dorfbewohner wieder „mitspielen“. Madron entwickelt in diesem Krimi so etwas wie menschliche Züge Ben gegenüber. Ob sich das in einem nächsten Band fortsetzen darf?

Der Schreibstil ist fesselnd und der Krimi lässt sich gut lesen. Die Autorin weicht diesmal ein wenig von ihrer gerne verwendeten „looked room“-Situation ab. Es wird zwar versucht, wegen der drohenden Gefahr für Ben Kitto, die Insel von der Außenwelt abzuschotten, was aber, wie der geneigte Leser miterlebt, nicht gelingen wird.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem fesselnden Krimi 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 10.06.2023

Gut recherchiert und opulent erzählt

Hammaburg
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Wilfried Eggers entführt uns in das Jahr 845 als Hamburg noch die kleine Siedlung Hammaburg war. Dänischen Wikinger überfallen die Siedlung, stecken sie in Brand, ermorden die Mehrzahl der Einwohner und ...

Wilfried Eggers entführt uns in das Jahr 845 als Hamburg noch die kleine Siedlung Hammaburg war. Dänischen Wikinger überfallen die Siedlung, stecken sie in Brand, ermorden die Mehrzahl der Einwohner und nehmen die wenigen Überlebenden gefangen, um sie zu versklaven. Unter ihnen sind der knapp sechzehnjährige Mathes, seine Mutter und Schwester sowie der Mönch Christopherus. Während Mutter und Schwester auf einem der Sklavenmärkte verkauft werden, muss Mathes in der Heimat der Nordmänner Frondienste leisten. Mehrmals gerät er aufgrund seines losen Mundwerks in akute Lebensgefahr, wird aber immer wieder gerettet. Der Gedanke an Flucht ist immer präsent und sobald sich die Gelegenheit bietet, nimmt er sie wahr. Dann Mathes hat einen Schwur geleistet: Er will Mutter und Schwester aus der Sklaverei befreien, und wenn es ihn das eigene Leben kostet.

Meine Meinung:

In fünf Abschnitten begleiten wie Mathes und seine Gefährten sowie seine Widersacher bis er am Ende seiner langen Reise ankommt. Die Abschnitte gliedern sich wie folgt:

Hammaburg
Haithabu
Borg
Sjávnja
Björkö

Dieser historische Roman wird bildhaft erzählt und spart die Grausamkeit dieser Zeit nicht aus. Wir werden Zeuge von Überfällen, Folterungen und lernen zahlreiche Bräuche der skandinavischen Völker kennen sowie erfahren einiges über die Versuche der Christianisierung des Nordens.

Zwei wichtige Charaktere sind Bischof Ansgar sowie der ständig fluchende Mönch Christopherus, über den ich immer wieder schmunzeln musste.

Wie Autor Wilfried Eggers im Nachwort ausführt, hat er historische Fakten mit seiner Fantasie verknüpft. Auch sind nicht alle historische Ereignisse in der richtigen Abfolge aneinandergereiht. Dort, wo es ihm dramaturgisch opportun erschienen ist, hat er Begebenheiten in Ort und Zeit angepasst. Solche Adaptierungen der Historie mag ich im Allgemeinen nicht so besonders, aber hier kann ich sie ganz gut akzeptieren. Denn zum einen gibt der Autor sie bekannt und zum anderen ist die Geschichte der verschiedenen Gruppen der Nordmänner nach wie vor nicht zur Gänze erforscht, sodass manches durchaus so oder so ähnlich zu anderer Zeit passieren hätte können.

Eggers bemüht sich, die Sprache nicht allzu modern klingen zu lassen, und flicht altnordische Begriffe gekonnt ein. Das Einzige, was hier überhaupt nicht passt, sind die Datumsangaben wie z.B. 12. April. Im vorchristlichen Skandinavien wird der sogenannte Lunisolarkalender, also eine kalendarische Mischung aus Mond- und Sonnenjahr verwendet. Die Sami, bei und mit denen Mathes eine geraume Zeit verbringt haben eine gänzlich andere Zeitrechnung.

„Was richtig scheint, kann falsch sein und umgekehrt. Es gibt keine unumstößlichen Wahrheiten. Außer der Liebe, die niemand zu beschreiben weiß, weil sie in so verschiedener Gestalt daherkommt.“ (S.249)

Fazit:

Gerne gebe ich diesem gut recherchierten und opulent erzählten historischen Roman 5 Sterne.

Veröffentlicht am 08.06.2023

Leider eine Enttäuschung für mich

Die Wölfe von Pompeji
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Die 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs zerstörte Stadt Pompeji ist Schauplatz dieses Romans rund um Amara, die einst von ihrer Mutter aus Geldnot in die Sklaverei verkauft worden ist. Die gebildete ...

Die 79 n. Chr. durch den Ausbruch des Vesuvs zerstörte Stadt Pompeji ist Schauplatz dieses Romans rund um Amara, die einst von ihrer Mutter aus Geldnot in die Sklaverei verkauft worden ist. Die gebildete Tochter eines angesehenen Arztes muss nun ihr Leben als Prostituierte, in dem als Wolfshöhle bekannten Bordell, fristen.

Die Frauen werden gedemütigt, müssen täglich ihr Pensum erfüllen und haben wenig Aussicht, freigelassen zu werden.

Amara versucht nicht nur ihre Bildung für ein besseres Leben einzusetzen.

Meine Meinung:

Die Idee hat mir sehr gut gefallen, das im verschütteten Pompeji wieder ausgegrabene Lupanar als Schauplatz zu wählen. Allein die Umsetzung halte ich für nicht allzu geglückt.

Zuerst könnte die Geschichte in jeder anderen Stadt der römischen Antike spielen. Das Flair von Pompeji kommt überhaupt nicht zur Geltung. Auch wenn die Frauen das Lupanar nicht oft verlassen dürfen, könnte die Umgebung mit dem Vesuv in Gesprächen der reichen Männer vorkommen. Oder Reisende und Händler, die sich häufig im Bordell aufhalten, könnten über die Stadt reden. Aber leider ist von der pulsierenden Stadt nichts zu lesen.

Die Handlung selbst ist unspektakulär und der Erzählstil einfach. Vielleicht liegt es auch an der Übersetzung.

Die ziemlich derbe Sprache der Prostituierten und der Männer hingegen ist gut getroffen. Dies lässt sich anhand der Ausgrabungen von Pompeji allerdings leicht recherchieren. Was mich aber echt gestört hat und den dritten Stern kostet, ist, wenn von einer „Dinner-Party“ und mehrfach von „Partys“ die Rede ist. Das sind für die Antike völlig unpassende Begriffe! Ein Festmahl wäre ein convivium oder ein einfach eine Orgie.

Die Charaktere wirken flach.

Das Buch ist der erste Teil einer Trilogie, die vermutlich mit dem Ausbruch des Vesuvs und dem Untergang Pompejis enden wird. Beides wird ohne mich stattfinden, denn ich werde diese Reihe nicht weiterverfolgen.

Fazit:

Dieser Roman, ich kann ihn nicht einmal „historisch“ nennen, hat mich leider enttäuscht. Es reicht nur für 2 Sterne.

Veröffentlicht am 08.06.2023

Penibel recherchiert und opulent erzählt

Aufbruch im Licht der Sterne
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Historiker und Autor Frank Vorpahl erzählt in diesem, seinem neusten, Buch die Geschichte von James Cook und seinen Reisen in der Südsee. Doch nicht Cook steht im Mittelpunkt, sondern die drei Polynesier ...

Historiker und Autor Frank Vorpahl erzählt in diesem, seinem neusten, Buch die Geschichte von James Cook und seinen Reisen in der Südsee. Doch nicht Cook steht im Mittelpunkt, sondern die drei Polynesier Tupaia, Maheine und Mai, ohne die James Cook auf seinen Pazifikreisen wohl kläglich gescheitert wäre.

Frank Vorpahl, der sich schon seit rund 30 Jahren auf die Spuren von James Cook geheftet hat, hat nicht nur die Reisetagebücher und Logbücher von Cook und seinen Mitreisenden durchforstet, sondern auch polynesische Aufzeichnungen in seine Recherchen einbezogen. Das ergibt ein ganz anderes Bild von der Entdeckung der Inseln in der Südsee.

In zehn Kapiteln schildert Frank Vorpahl die Entdeckungsreisen von James Cook. allerdings nicht ausschließlich aus europäischer Sicht.

Wer sind sie nun, jene Männer, die Cook durch die Korallenriffe navigierten und ihn und seine Mannschaften davor retteten, in Neuseeland von den Maoris wegen ihres Eindringens getötet zu werden?

Tupaia ist ein Meister der Navigation und erstellte eine sehr genaue Seekarte von den zahlreichen Inseln der Südsee. Gleichzeitig ist er Hohepriester und Berater seiner Herrscher. Diese Seekarte beweist, dass die Polynesier bereits Hunderte Jahre vor den Europäern die Meere in ihren Übersee-Kanus befuhren. Tupaia erliegt dem Skorbut, obwohl sich James Cook rühmt „keinen seiner Männer an den Scharbock, verloren zu haben“. Der Wahrheitsgehalt von Cooks Aussage darf getrost angezweifelt werden. Aber, Tupaia ist ja kein „eigenes“ Besatzungsmitglied. Man kann sich alles schönreden.

Maheine hilft Cook auf dessen zweiten Reise, die drei Jahre dauert, Zugang zu Kultgegenständen zu bekommen, die später in den verschiedensten europäischen Museen zu bewundern sein werden. Sie sind heute Gegenstand von Diskussionen, um die Rückgabe von geraubten Kunstwerken.

Mai ist der Einzige, der das Wagnis auf sich nimmt, nach Europa zu reisen. Er kommt bis nach London und wird dort als „wilder Südseeprinz“ bestaunt und missbraucht.

Meine Meinung:

Dieses Buch, das so kenntnisreich wie kurzweilig geschrieben ist, ist eine längst fällige Korrektur der kolonialen Geschichtsschreibung.

Da sich nicht alles durch authentische Quellen belegen lässt (und wie authentisch sind Reiseberichte der Europäer?), erzählt Historiker Vorpahl diese fesselnde Geschichte in einer klugen Mischung aus vielen Fakten und ein wenig Fiktion. Damit stellt er den Europäern ein denkbar schlechtes Zeugnis aus und würdigt den großen Anteil, den die Polynesier an der James Cooks Reisen in der Südsee hatten.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem penibel recherchierten und kurzweilig geschriebenen Buch, das neben den europäischen Reiseberichten auch auf polynesischen Quellen zurückgreift, 5 Sterne und eine Leseempfehlung.