Platzhalter für Profilbild

Waschbaerin

Lesejury Profi
offline

Waschbaerin ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Waschbaerin über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2019

von Seattle nach Jackson Hole

Das Verschwinden der Jamie Mason
0

Das Buch "Das Verschwinden der Jamie Mason" von Elizabeth Goddard war für mich ein doppeltes Erlebnis - unternahmen wir doch im vergangenen Jahr eine Reise im Wohnmobil quer durch die USA. Einer unserer ...

Das Buch "Das Verschwinden der Jamie Mason" von Elizabeth Goddard war für mich ein doppeltes Erlebnis - unternahmen wir doch im vergangenen Jahr eine Reise im Wohnmobil quer durch die USA. Einer unserer ersten Stopps war in Jackson Hole, wo wir in dem Westernörtchen Jackson mit den Amerikanern auch den 4th of July feierten und der Parade beiwohnten. Die letzten Tage verbrachten wir in Seattle, der Stadt im State Washington, in der dieser Roman seinen Anfang nimmt.
Die Autorin schreibt sehr lebendig und so hatte ich bereits auf den ersten Seiten wieder das Straßengewirr von Seattle, mit dem schneebedeckten Mount Rainier im Hintergrund, vor meinen Augen.

Die Protagonistin ist Willow Anderson, die in dem Ermittlungsunternehmen ihres Großvaters J.T. mitarbeitete. Er war spezialisiert darauf, Menschen im Rahmen von Ahnenforschungen zu finden. Doch es gab auch andere Aufträge. Willow ist zu Beginn des Romans tiefst verunsichert, denn gerade erst verstarb ihr Großvater bei einem Verkehrsunfall mit Unfallflucht. Wie sollte es nun weitergehen? Woran arbeitete ihr Großvater, als er totgefahren wurde?
Anfangs will sich Willow ihrem Schmerz über diesen unendlichen Verlust hingeben, entscheidet sich dann doch dafür, den letzten Fall Ihres Großvaters noch zu einem Ende zu bringen. J. T. sollte einer an Krebs erkranken Frau helfen, ihre vor 21 Jahren entführte Tochter zu finden, damit die Mutter ihrer Tochter sagen kann, dass sie die ganzen Jahre immer nach ihr gesucht hat und nun in Frieden sterben kann.
Doch bevor Willow alle Unterlagen sichten kann, wird ihr das Haus über dem Kopf abgefackelt. Brandstiftung?
Dann Szenenwechsel: Wir begegnen Austin, der sich auf den Weg nach Seattle macht, da er von J. T um Hilfe in seinem letzten Fall gebeten wurde. Austin, ein ehemaliger Kampfpilot und FBI Agent fühlt sich nicht ganz wohl in seiner Haut, als er in Seattle aus dem Flugzeug steigt. Immerhin hatte er vor wenigen Jahren eine Beziehung zu Willow, die aber nach gegenseitigen Verletzungen zerbrach. Austin kommt gerade zur richtigen Zeit, als Willow ohne Dach über dem Kopf dasteht. Gemeinsam fangen sie an, die Puzzleteile des Falles einzusammeln und wieder neu zusammen zu setzen. J. T. wollte nach Wyoming, genauer gesagt in das Gebiet von Jackson Hole. Was Austin bisher Willow nicht erzählte, genau in dieser Gegend ist er in einem schwierigen Elternhaus aufgewachsen, hat sich mit seinen Brüdern nach dem Tode des alkoholkranken Vaters dermaßen verkracht und seit einigen Jahren den Kontakt abgebrochen.
So viel, um in diesen Roman reinzukommen. Dann gibt es da noch die Mitarbeiterin und beste Freundin von Willow - Dana. Sie hält in Seattle die Stellung, beschafft wichtige Informationen, während Willow und Austin in Jackson nachforschen. Welche Spur verfolgte J. T., die ihn nach Wyoming führen sollte?
Die Autorin beschreibt die Schönheit des Grand Teton National Parks in WY, seine Weite und Vielfalt, dass mich sofort die Sehnsucht erfasste, wieder dorthin zu fahren. Wer in der schier endlosen Wildnis des Grand Teton nicht gefunden werden will, der bleibt für ewig verschollen. Vorausgesetzt, die Person ist daran gewöhnt, in der Wildnis zu überleben.
Natürlich lebt die Beziehung zwischen Willow und Austin wieder auf. Doch anders als in vielen anderen Romanen, werden keine heißen Liebesszenen beschrieben. Das fand ich sehr erholsam und angenehm. Vielmehr kam dabei die gegenseitig Wertschätzung zum Ausdruck und weniger die Begierde. Das amerikanische Alltagsleben beschreibt die Autorin sehr treffend. In den USA gehört es dazu, dass man vor dem Essen betet und Gott für die Gaben dankt. Worin wir in D. sehr nachlässig sind, das steht in den US-Familien ganz oben. Egal welcher Glaubensgemeinschaft man angehört.
Das Ende des Romans ist dann Überraschung pur. Aber bis man da angelangt ist, erlebt man als Leser Familienbande als auch Familiendramen mit Aussöhnung. Der Spannungsbogen ist weit gespannt und man fieberte viele Seiten lang mit.

Veröffentlicht am 22.10.2019

Entscheidungen, die keine endgültigen Entscheidungen sind

Drei Leben mit dir
0

In dem Buch "3 Leben mit Dir" von Kerstin Böhm stehen die drei Freunde Rebecca, Jonas und Marc im Mittelpunkt dieses Romans.
Es beginnt mit der Beerdigung von Jonas, der mit Rebecca auf einer Reise durch ...

In dem Buch "3 Leben mit Dir" von Kerstin Böhm stehen die drei Freunde Rebecca, Jonas und Marc im Mittelpunkt dieses Romans.
Es beginnt mit der Beerdigung von Jonas, der mit Rebecca auf einer Reise durch Südamerika getötet wurde, als er Rebeccas Armband einem Diebe entreißen wollte. Jonas Mutter macht Rebecca für den Tod ihres Sohnes verantwortlich und beim Lesen ging mir durch den Kopf, "welche ein Albtraum!" Nicht genug damit, dass Rebecca alleine zurück bleibt, sie muss auch noch mit den Vorwürfen ihrer "Schwiegermutter" in Zukunft leben und wohl immer Zweifel haben, ob sie nicht doch eine Schuld trifft.
Doch dann das 2. Buch.
Es gibt die Möglichkeit, an einer bestimmten Stelle des Lebens die Ereignisse zu ändern, eine andere Entscheidung zu fällen und somit im Leben einen anderen Weg einschlagen. Wer wünscht sich das nicht? Wie oft trifft oder traf man eine Entscheidung, die man am liebsten wieder rückgängig machen würde. Doch im wahren Leben ist das nicht möglich. Jedoch, das ist das Besondere eines Romans. Dort kann man die Ereignisse beliebig steuern.
Rebecca, Jonas und Marc sind auch hier beste Schulfreunde, doch Rebecca, sehr wankelmütig und ansonsten überhaupt nicht entscheidungsfreudig, verliebt und entscheidet sich für Marc, dem man eine erfolgreiche Karriere vorhersagt. Er weiß was er will, wirkt wie ein fester Untergrund, auf dem man sein Haus bauen kann, damit es auch im Sturm fest steht. Jonas wirkt dagegen etwas leichtlebig, ohne konkrete Pläne für die Zukunft. Auch er geht seinen Weg, doch anders. Obwohl er sehr intelligent ist, wirkt er unstet macht mal dies und dann will er das. Am Ende veröffentlicht er, schreibt über die Kunstszene. Und Rebecca verfolgt seine Veröffentlichungen, träumt von ihm und nimmt wieder Kontakt auf, gerät irgendwann (wieder) in seinen Bann.
Ganz klar, so wie beide Männer - Jonas und Marc - beschrieben werden, ist in diesem Roman das Leben an Jonas Seite ein reizvolles Abenteuer, nichts Vorhersehbares, romantisch und viel aufregender als das Leben an der Seite von Marc.
Auch die übrigen Personen dieses Buches sind klar dargestellt, dass man sich jeden einzelnen konkret vor seinem inneren Auge sehen kann. Die Mutter von Rebecca, ihr verstorbener Vater, den sie noch immer so vermisst, als auch Jonas wohlhabenden Eltern, seine überkandidelte Mutter, die für ihren Sohn immer das Außergewöhnliche wollte.
Wer dieses Buch liest, sollte auch Interesse an der Musikszene haben, denn immer wieder spielen bestimmte Musikstücke eine große Rolle. Rebecca und Jonas - irgendwie sind sie sich sehr ähnlich.
Es ist ein Frauenbuch, das sich gut und flüssig lesen lässt. So richtig was für einen verregneten Sonntag auf der Couch, wenn man Lust auf Romantik hat.

Veröffentlicht am 01.09.2019

Eine junge Frau aus dem Pariser Banlieue trifft auf drei Nonnen im Kloster

Eine himmlische Katastrophe
0

"Eine himmliche Katastrophe" von Thomas Montasser ist ein liebenswertes Taschenbuch von gerade mal 177 Seiten, das sich wunderbar in einer Handtasche verstauen lässt um in Bus oder Bahn auf dem Weg zur ...

"Eine himmliche Katastrophe" von Thomas Montasser ist ein liebenswertes Taschenbuch von gerade mal 177 Seiten, das sich wunderbar in einer Handtasche verstauen lässt um in Bus oder Bahn auf dem Weg zur Arbeit gelesen zu werden. Mit solcher Lektüre lässt sich der Tag wunderbar und mit einem Lächeln auf den Lippen beginnen.

Wir begegnen in diesem Unterhaltungsrom 3 älteren Nonnen in einem abgelegenen Kloster in Burgund. MIt den Finanzen ist es recht schlecht bestellt und die geldlichen Sorgen begleiten die drei gottesfürchtigen Frauen durch ihren Tag. Das Ende der Klostergemeinschaft scheint greifbar nah.

Doch dann kommt Louise aus dem Pariser Banlieue, mit Tatoos und Piercing! Nicht freiwillig reist sie in diesen abgelegenen Teil Frankreichs, sondern als eine Art Strafe. Das Gericht hat es ihr auferlegt. Alkohol, Drogen, schlechter Einfluss von Freunden - zu all dem soll sie Distanz gewinnen und ihr Leben neu überdenken.

Dass es bei dem Aufeinandertreffen von Lou und den drei ältlichen Nonnen (eine ist ihre Tante) zu Konflikten kommt, versteht sich von selbst. Erst die Musik wird zum Bindeglied und Lou muss erkennen, dass Nonnen auch ganz weltlich denken. Was es mit "Ein göttlicher Harem" auf sich hat, kann der Leser - wahrscheinlich werden es eher Leserinnen sein - in diesem Büchlein miterleben.

Obwohl es sich um einen locker und leicht zu lesenden Unterhaltungsroman handelt, verwendete der Autor eine ansprechende und gut gewählte Sprache. Ganz nebenbei erfahren wir auch noch dies und das über Land und Leute in Frankreich.

Wie oben schon bemerkt, es ist ein liebenswertes Taschenbuch in kleinem Format, das man ganz bequem im Rucksack oder der Handtasche transportieren kann. Vielleicht inspiriert es auch den ein oder anderen Leser, auf einem Ferientripp diesen Teil Frankreichs zu besuchen und vielleicht den Wein und den Käse zu kosten.

Veröffentlicht am 09.08.2019

In den Highlands

Die Melodie der Schatten
0

Jeder von uns hat sicherlich seine eigenen Vorstellungen von den Highlands in Schottland. Prinz Charles, bekleidet mit einem Kilt, hat wohl jeder schon mal im TV oder einer Illustrierte gesehen. Dazu ...

Jeder von uns hat sicherlich seine eigenen Vorstellungen von den Highlands in Schottland. Prinz Charles, bekleidet mit einem Kilt, hat wohl jeder schon mal im TV oder einer Illustrierte gesehen. Dazu karge Landschaften, düstere Schlösser oder Burgen, die Clans - alles zusammengenommen setzt sich vor meinem inneren Auge zu einem bestimmten Bild zusammen. Ob das so stimmig ist?

All diese Vorstellungen geisterten in meinen Kopf herum, als ich den Blick auf das Cover des Buches "Die Melodie der Schatten" von Maria W. Peters warf und wurde durch die anmutige Frauengestalt mit dem wehenden rötlichen Haar um eine Nuance erweitert. Ich war neugierig geworden.

Das es sich bei diesem Buch nicht nur um einen historischen sondern auch um einen Frauenroman handelt, ergab sich schon aus der Inhaltsangabe. Zwar ist die Sparte "Frauenroman" nicht das Genre, nach dem ich spontan greife, jedoch - die Neugierde siegte. Um es gleich zu sagen, das Lesen hat sich gelohnt. Die brütend heißen Sommertage verbrachte ich mit Lesen und war im 19. Jahrhundert in den Highlands unterwegs.

Es ist ein Unterhaltungsroman für Frauen und nach diesem Kriterium habe ich auch zu bewerten.

Fiona Hemington reist mit Tante und Advokat in einer Pferdekutsche durch die Highlands. Im völligen Nirgendwo werden sie überfallen und - ist es Glück oder Zufall - sie kann sich retten, wird nicht wie ihre Mitreisenden ermordet. Lange irrt sie umher, bis sie in der Ferne ein Licht sieht, das zu einem Herrenhaus gehört. Völlig durchnässt und verdreckt bittet sie dort um Hilfe, die ihr auch gewährt wird.
Aidan, der Besitzer von Thirstane Manor wirkt auf sie genau so düster und abweisend wie der "alte Kasten", der irgendwann mal bessere Zeiten gesehen haben musste.

Was von diesem Moment an auf Fiona einstürzt und ihr ruhiges und bisher vom Vater vorgegebenes Leben völlig aus den vorgegebenen Bahnen wirft, ist schon gewaltig. War sie zu Beginn des Buches ein wohlbehütetes und naives Mädchen, bereit ein langweiliges Leben in Abgeschiedenheit bei ihrer Tante zu verbringen (das ihr vom Vater aufgezwungen wurde), so entwickelt sie sich zu einer jungen Frau, die irgendwann ICH WILL sagen kann. Was ihr Vater immer abfällig als Leiden bezeichnete, nimmt sie nun als besondere Gabe an. Die Autorin lässt uns abtauchen in Mystik, Spukgeschichten und eine "schwarze Gestalt" - ist sie gut oder böse? - geistert auch durch die dunklen Gänge des Anwesens.

Obwohl der Unterhaltungsroman in den schottischen Highlands spielt, spannte die Autorin auch einen Bogen nach Australien, dem Kontinent, auf den Verbrecher des Mutterlandes verbannt wurden. Beim Lesen bekommt man den Eindruck von der Willkür vermittelt, mit der auch unschuldige, aber unliebsame Bürger in weiter Ferne "entsorgt" wurden. Zimperlich waren die Menschen damals ganz bestimmt nicht. Was mir sehr gut gefällt ist der Anhang, der das Leben und Wirken der Clans erläutert und dem Leser den historischen Hintergrund verständlich macht, z. B. die Vertreibung der einfachen Pächter, die Willkür mit der das Land regiert wurde usw.

Mit dem Schreibstil hat die Autorin genau meinen Nerv getroffen. Ich mag einen guten Ausdruck in der dtsch. Sprache. Nachdem ich mit dem Lesen anfing, mochte ich das Buch auch nicht mehr aus der Hand legen. Wie bereits oben erwähnt, Frauenromane sind üblicherweise so gar nicht mein Ding, doch von diesem Buch war ich total eingenommen. Ich wünsche der Autorin mit diesem Roman viel Erfolg und vor allem zahlreiche Leser.

MIt den Sternchen liege ich zwischen 4 und 5.

Veröffentlicht am 01.08.2019

So funktionierte Familie

Langsame Jahre
0

Das Hörbuch "Langsame Jahre" von Fernando Aramburu hat eine ganz eigenartige Herangehensweise an die Erzählung der Lebensgeschichte des Jungen Txiki. Der erwachsene Txiki schildert dem Autor sein Leben ...

Das Hörbuch "Langsame Jahre" von Fernando Aramburu hat eine ganz eigenartige Herangehensweise an die Erzählung der Lebensgeschichte des Jungen Txiki. Der erwachsene Txiki schildert dem Autor sein Leben als 8jähriger Junge, unterbricht seinen Refluss von Zeit zu Zeit um regelrechte Regieanweisungen zu geben, wie das geplante Buch zu schreiben sei und an welcher Stelle der Autor seiner Phantasie freien Lauf lassen kann. Beim Schreiben habe er so zu verfahren, dass die Leser auf keinen Fall aus dem Text Rückschlüsse auf die Familienmitglieder schöpfen könnten. Es braucht etwas Konzentration, bis man diese, wie zufällig eingeworfenen Bemerkungen, aus der eigentlichen Handlung herausfiltert.

Über dem ganzen Roman liegt der Geruch von Armut. Aus ärmlichen Verhältnissen kommend, wird Txiki in der Familie seiner Tante (die Schwester seiner Mutter) aufgenommen. Die eigene Mutter kann ihre Kinder, nachdem sie von ihrem Mann verlassen wurde, nicht mehr ernähren. Wer nun erwartet, dass der kleine Junge ausgegrenzt oder als armer Verwandter schlecht behandelt wird, liegt falsch. Es ist eine baskische Familie nach altem Stil. In der Not hält man zusammen und teilt das Wenige, das man hat. Der Mann arbeitete außer Haus, verdiente das Geld, doch zu Hause hatte die Mutter das Sagen. Das klassische Familienbild der damaligen Zeit.

Man schreibt das Jahr 1968. Die Diktatur von General Franco bestimmt das tägliche Leben. Gewalt herrscht im Land und es wird vom Machthaber und seinen Anhägern kein Aufbegehren gegen diese Diktatur gedultet. Die Herangehensweise des Autors an dieses brisante Thema setzt voraus, dass der Leser über die politische Lage des damaligen Spaniens informiert ist. Fernando Aramburu macht es dem Hörer nicht bequem. Man sollte sich schon ein gewisses geschichtliches Grundwissen über die Franco-Diktatur und die ETA im Vorfeld angeeignet haben. Hat man das nicht, bleibt einem als Hörer dieses Romans vieles unverständlich, bzw. die Feinheiten der Schilderungen werden nicht erfasst.

Was die Nachbarn über die eigene Familie denken, ist insbesonder für die Frauen von großer Bedeutung. Diese sind zu Hause und bekommen das Gespött der Nachbarn voll ab. Als die leichtlebige Tochter - Cousine von Txiki - schwanger wird, bricht das große Drama aus. Der Vater des Kindes kann nicht klar benannt werden, also muss ein anderer Ehemann her, damit die Ehre gerettet wird. Ansonsten wäre die zukünftige Oma gezwungen, in Zukunft mit gesenktem Haupt durchs Dorf zu gehen. Welch eine Schmach! Allein die Vorstellung an das Gerede der Nachbarn ist ihr unerträglich und bereitet schlaflose Nächte. Lieber wird die Tochter in eine ungewollte Ehe gezwängt.

So funktionierte Familie.

Txiki teilt sich mit seinem Cousin Julen das Zimmer. Julen, der Halbwüchsige, der sich von den Eltern nichts mehr sagen lassen will. Macht, was er will. Die Verbote, sich politisch zu betätigen schießt er in den Wind. Mit dem Pfarrer gehen er und seine Freundean den Wochenenden in die Berge zum Wandern. Doch während der Wanderungen ist es das Ziel des Pfarrers, seine Schützlinge politisch zu aktivieren, sie dazu aufzurufen, sich der Diktatur zu versagen. Doch als die Jungs auffliegen, verhaftet und gefolter werden, hat der Pfarrer nicht Mut und Kraft genug, seinen Teil der Verantwortung zu übernehmen.

Mir hat dieses Hörbuch sehr gut gefallen. Allerdings habe ich es auch mehrmals gehört um nichts zu verpassen. Der Alltag in San Sebastian des Jahres 1968 unterscheidet sich von dem Heute doch sehr stark. Der Autor wählte eine einfache Sprache. Trotzdem gelang es ihm, ein umfassendes Bild dieses Familienlebens zu zeichnen. Langsam und stetig plätschert der Alltag mit all seinen Höhen und Tiefen dahin.

Da ich am liebsten abends im Bett bei Dunkelheit meine Hörbücher höre, entspannen sich vor meinem inneren Auge die Wege durchs Dorf, das alte Haus, die Küche und das Treppenhaus in den oberen Stock, der Flur zu dem kleinen Zimmer, welches sich Txiki und Julen teilen. Sogar die stinkenden Füße und Socken von Julen waren gegenwärtig.

Wie ich zuvor schon schrieb, mir hat dieses Hörbuch sehr gut gefallen. Andernfalls hätte ich es mir nicht so intensiv erarbeitet und mehrmals gehört.